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Hohe Dunkelziffer Erfolge gegen Rad-Diebe sind selten

Seit Jahren ist die Zahl der Fahrraddiebstähle in Deutschland auf hohem Niveau. Die Aufklärungsquoten sind in vielen Großstädten kaum erwähnenswert. Erfolge erzielt die Polizei aber, wenn sie das Problem gezielt angeht.
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Ein angeschlossenes Rad ohne Fahrradgestell an einer Laterne: Oft werden teure Räder auf Bestellung geklaut. Quelle: dpa

Ein angeschlossenes Rad ohne Fahrradgestell an einer Laterne: Oft werden teure Räder auf Bestellung geklaut.

(Foto: dpa)

Berlin200 Euro kostet ein Fahrrad. Allerdings nicht im Geschäft, sondern als Auftrag an einen professionellen Dieb. Wie ein Fahrradhändler aus Berlin erzählt, sind solche Geschäfte verbreitet. An bestimmten Ecken kann man die Diebe treffen und den Deal klar machen, am nächsten Tag steht das Rad bereit.

Auf bundesweit knapp 317.000 Raddiebstähle im Jahr 2013 kommen die Polizei-Statistiker. Gezählt werden nur die angezeigten Fälle, die tatsächlichen Zahlen liegen um einiges höher. Allein in Berlin kommen laut Polizei 70 Räder pro Tag weg. Geht man von einer gleich hohen Dunkelziffer nicht gemeldeter Diebstähle aus, sind es knapp 150 am Tag. Kein Rad ist sicher: angerostete Hollandräder werden ebenso gestohlen wie Mountainbikes mit Mehrfach-Federung und Hipster-Rennräder mit maßgefertigtem Rahmen.

Die E-Bike-Trends des Jahres
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Grace One

Nach Unternehmensangaben handelt es sich hier um das erste E-Motorbike. Ein klassischer Verbrennungsmotor ist natürlich nicht verbaut. Das Gefährt, das ohne treten bis zu 45 km/h schafft, hat einen motorrad-typischen Gasgriff.

An diesem kann je nach Bedarf die Leistung des Elektromotors abgefragt werden, der E-Bike untypische 1300 Watt erzeugt. Einen Spitzenwert erreicht das Modell mit 33,5 Kilogramm auch im Gewicht. Für knapp 4.400 Euro gibt es das Rad in der günstigsten Variante. Die Pro-Version kostet schon 7.999 Euro.

(Foto: PR)
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Stromer ST2

Die erst 2009 aus der Schweizer Firma Thömus hervorgegangene Fahrradmarke Stromer hat mittlerweile ihr drittes Modell auf den Markt gebracht. Inspiriert durch Marken wie Tesla, Apple und Google, versucht Stromer Informationstechnologie und Elektromobilität in einem Produkt zu vereinigen.

Das seit 2011 zum Hersteller BMC gehörende Unternehmen hat dazu eigens die cloudbasierte Plattform Omni entwickelt. Über sie ist unter anderem die GPS-Aufzeichnung der Fahrt, sowie die Einstellung des Motors möglich. Auch bietet der neue Zugang Möglichkeiten zum Diebstahlschutz, wie das Blockieren der Räder und eine GPS-Verfolgung.

Das Schweizer Produkt kommt mit hydraulische Scheibenbremsen der Marke Magura sowie einer 20-Gang-Shimano-Schaltung. Den Elektro-Antrieb übernimmt ein Bosch-Motor mit 35 Newtonmeter Drehmoment und 500 Watt Leistung - damit schafft das Rad laut Hersteller Distanzen von bis zu 150 Kilometern bei einer Spitzengeschwindigkeit von 45 km/h.

(Foto: PR)
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Ebike Cross Country Racer

Bei Ebike setzt man auf den Faktor Sport: Das Cross-Country-Rad soll Kraft und Dynamik miteinander vereinen. Dafür werden Elektromotor und ein klassisches Mountainbike gepaart.

Das Ergebnis: ein 19 Kilogramm schweres Sportbike mit 40-50 Newtonmeter und 250 Watt Leistung. Der Bosch-Mittelmotor holt hieraus 25 km/h und bis zu 140 Kilometer Reichweite. Mit Scheibenbremsen und 9-Gang-Schaltung von Shimano sowie einstellbarer Federgabel kostet das Rad 1.895 Euro.

(Foto: PR)
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Flyer C-Serie Next Generation

Auch die Klassiker unter den E-Bikes sind weiter beliebt: Fahrräder für die Alltagsmobilität und gemütliche Touren. Zum zehnten Geburtstag bringt Flyer eine Neuauflage seiner C-Serie. Besonders viel Komfort und große Bedienerfreundlichkeit sollen weiterhin gemütliche Tourenfahrer ansprechen.

Eine extrem tiefe Einstiegsvariante macht es leicht, sich auf den Sattel zu schwingen. Das Modell kostet dabei in der günstigsten Variante umgerechnet rund 2.860,00 Euro. Wahlmöglichkeiten bestehen von der Schaltungsvariante bis hin zum Antrieb. Hier kann sich zwischen einem 250 oder 350 Watt Panasonic Motor entschieden werden. Damit sind entsprechende Geschwindigkeiten von 25 und 45 km/h möglich.

(Foto: PR)
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Riese & Müller Load Hybrid

Bei Riese & Müller geht es nicht nur um das Schneller und Weiter sondern auch um ein Größer und Schwerer. Das Lastenfahrrad Load Hybrid kann bis zu 200 Kilogramm zusätzliches Gewicht transportieren. Ein besonders niedriger Schwerpunkt bietet trotz großer Last laut Hersteller gute Fahrstabilität. Je nach Ausführung schafft das Gerät zwischen 25 und 45 km/h und wiegt 33 bis 35 Kilogramm. Wer beim Transport auf das Auto verzichten will, soll hier eine Alternative finden.

(Foto: PR)
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Kalkhoff Sahel Compact Impulse 8

Für die zum größten, deutschen Fahrradhersteller, der Derby Cycle Werke GmbH, gehörende Marke machten schon Modellgrößen wie Uschi Obermaier Werbung. Mit dem Sahel Compact Impulse bringt das Unternehmen ein kleines Rad groß raus. Das Kompaktrad wird von einem 250-Watt-Motor der Firma Impulse angetrieben und kostet je nach Batterievariante 2.499 bis 2.699 Euro.

(Foto: PR)
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Flyer Tandem Deluxe

Wer jetzt nicht richtig mit tritt, fällt erst später auf: Der Trittkraftverstärker dieses Tandems springt mit seinen 250 bis 350 Watt auch für faule Beifahrer ein. Erhältlich ist das Fahrrad ab umgerechnet rund 4.500 Euro.

(Foto: PR)

Der Berliner Kriminaloberkommissar Oliver von Dobrowolski erklärt die Erfolge der Diebe mit der zunehmenden Beliebtheit des Fahrrads: „Wo mehr Fahrräder sind, kommen auch mehr weg.“ Im Verhältnis zur Einwohnerzahl werden am meisten Räder in Magdeburg, Cottbus und Münster gestohlen, um die 1.600 pro 100.000 Einwohner.

In Remscheid, Wuppertal und Hagen gibt es hingegen nur 59 bis 85 registrierte Raddiebstähle auf 100.000 Bewohner. Die drei Städte am Rande des Ruhrgebiets sind so hügelig, dass kaum jemand Rad fährt.

Die Berliner Polizei sieht die Ursache für das Problem eher bei den Radfahrern. Man sehe auch die „Besitzer in der Verantwortung“, sagt Dobrowolski, der zur Abteilung für „Strategische Prävention“ gehört. „Wenn man sein Eigentum behalten möchte, ist man auch etwas in der Pflicht, dass man es schützt.“ Die Polizei könne nicht immer einen hohen Überwachungsdruck aufrechterhalten, sagt Dobrowolski. „Das ist ja in einer freien Gesellschaft nicht immer gewollt.“

Davon profitieren die Diebe. Gern knacken sie Räder vor Bahnhöfen und Schulen. Viele Menschen fummeln dort an Schlössern herum, keiner schlägt Alarm. Die Berliner ADFC-Vorsitzende Eva-Maria Scheel sagte im Sender RBB, wie sie selber Zeugin wurde, als drei Männer blitzschnell Schlösser durchschnitten, mehrere Räder in einen Transporter packten und verschwanden. Darunter auch ihr eigenes.

Verschiedene Tätergruppen haben die Fahrräder im Visier: Spontane Diebe auf der Suche nach dem schnellen Geld, Profis mit dem Blick auf teure Markenräder sowie organisierte Banden.

Beatrix Mertens von der Polizei Magdeburg erklärt: „In vielen Fällen haben wir es mit Tätergruppierungen zu tun, deren Abnehmer in Osteuropa sitzen.“ Die Nähe zu den Autobahnen biete den Tätern eine „optimale Abtransportmöglichkeit“.

Die Berliner sehen eher „Einzeltäter, die schnell Geld brauchen“ am Werk. Die Täter verkaufen die Räder an Gebrauchthändler, auf Flohmärkten und über das Internet weiter. Dobrowolski gibt zu: „Die Chancen sind objektiv gesehen nicht gut, dass man das Rad wiedersieht.“ Es gebe eine „betrübliche Aufklärungsquote“.

Kaum jeder zehnte Raddiebstahl wird aufgeklärt. Im Durchschnitt liegt die Quote laut BKA bei 9,6 Prozent. Hamburg erreicht nur 4,4 Prozent, Berlin gerade mal 4 Prozent. Autodiebstahl sei viel leichter zu verfolgen, erläutert die Polizei. Fahrgestellnummern, Motornummern und elektronische Kennungen lieferten Hinweise. Kaum jemand notiere aber die Nummer seines Rades.

Der Verkehrsexperte der Berliner Grünen, Stefan Gelbhaar, kritisiert: „Wegen Drogen im Wert von 50 Euro wird mehr Trara gemacht als wegen eines Rads für 1.500 Euro.“ Gelbhaar fordert: „Hier muss man echten Verfolgungsdruck aufbauen, mit Peilsendern etwa.“ Auch der ADFC sieht bei der Aufklärungsquote gerade in Großstädten „noch Luft nach oben“.

Es gibt tatsächlich Städte mit guten Aufklärungsquoten. Anscheinend gibt es nicht nur den Weg der Berliner Polizei, die vor allem auf Prävention setzt und für teure Schlösser und Fahrradcodierungen wirbt - damit aber letztlich wenig Erfolg hat.

Wo Diebe am liebsten Fahrräder klauen
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Die Kette nur um Reifen und Stange gelegt, nicht das teuerste Schloss benutzt und schon steht man nackt da – zumindest im übertragenen Sinne, nämlich ohne akkurates Fortbewegungsmittel: Diese Situation kennen viele passionierte Radfahrer, jedes Jahr werden etliche zu Opfern von Fahrraddieben. In 2013 haben fast 317.000 Räder unfreiwillig den Besitzer gewechselt, wie eine aktuelle Kriminalitätserhebung des Versicherungsportals Geld.de zeigt. In den 80 größten Städten Deutschlands wurden fast 4000 Räder mehr als im Jahr 2012 gestohlen. Insgesamt schätzt Geld.de den Schaden durch die Diebstähle auf 134 Millionen Euro.

(Foto: Picture Alliance)
"Grand Raid" - Mountain Bike- Langstreckenrennen von Verbier nach Grimentz
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Bundesweit liegt die Aufklärungsquote für Fahrraddiebstähle bei 9,6 Prozent. Viele Räder bleiben also verschwunden, die Täter werden selten geschnappt. Am schlechtesten schneiden die Polizeikräfte in den Stadtstaaten Hamburg (Aufklärung von nur 4,4 Prozent der Delikte), Berlin (4 Prozent) und Bremen (6,2 Prozent) ab. Denn am Tatort werden meist keine verwertbaren Spuren hinterlassen und die teils international agierenden Banden sind hochprofessionell organisiert. Kurz nach dem Diebstahl werden die Räder laut der Untersuchung häufig in ihre Einzelteile zerlegt und so unauffällig ins Ausland transportiert. Zwar stammen insgesamt nur 22,7 Prozent der Täter aus dem Ausland, doch die Studie benennt in Anlehnung an Polizeischätzungen einen Trend zur Bandenkriminalität aus osteuropäischen Ländern im Bereich des Fahrraddiebstahls. Die Autoren schreiben: „Das größte Problem: Die fehlenden Grenzkontrollen ermöglichen es den hervorragend organisierten Kriminellen, leicht ins Land zu kommen und wenige Stunden nach den Raubritter-Zügen Deutschland wieder zu verlassen.“

(Foto: dpa)
Remscheid
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Ein weiterer Grund für die hohen Diebstahlzahlen ist neben der internationalen Bandenorganisation jedoch auch mangelnde Vorsicht: Laut Allgemeinem Deutschen Fahrradclub ist jedes vierte Rad in Deutschland nicht gesichert. Dabei ist der Faktor Zeit beim Fahrradklau entscheidend. Je schwieriger ein Schloss zu knacken ist, umso eher lässt ein Dieb die Finger davon. Doch das ist genau das Problem: Die Hersteller von Fahrradschlössern werfen zu viel schlechte Ware auf den Markt – das belegt auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Nur wenige der 37 getesteten Schlösser hielten den mit Zangen und Sägen ausgestatteten Kontrolleuren Stand – bei den meisten brauchten sie nicht einmal drei Minuten, um sie zu knacken. Bügelschlösser schnitten im Vergleich noch am besten ab.

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World Cup 2014 - Fankult
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Doch guter Riegel hin oder her – wenn die Diebe wirklich wollen, überwinden sie die meisten Schlösser, selbst teure. Insofern scheint neben der Qualität des Schlosses doch auch die kriminelle Energie in einer Stadt entscheidend, in der ein Besitzer sein Rad abstellt. Und da zeigt das Ranking der Experten von Geld.de erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Städten und Regionen auf. Es folgt ein Überblick über die sichersten und die unsichersten Städte.

(Foto: dpa)
Müngstener Brücke
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Sicherste Städte / Rang 1: Remscheid

Ein wahres Eldorado für Fahrradbesitzer scheint Remscheid im bergischen Land zu sein – zumindest was die Sicherheit des Drahtesels angeht. Hier im Schatten der Müngstener Brücke werden laut der polizeilichen Statistiken 90 Prozent weniger Räder geklaut als im Schnitt der verglichenen 80 größten deutschen Städte. Es gab nur 59 Diebstähle pro 100.000 Einwohner, demnach gab es noch einmal 26 Prozent weniger Delikte als 2012 und zusätzlich lag die Aufklärungsquote mit 16,9 Prozent vergleichsweise hoch.

(Foto: dpa)
Opernhaus Wuppertal
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Sicherste Städte / Rang 2: Wuppertal

Das bergische Land scheint generell auf der Prioritätenliste der Diebe sehr weit unten zu stehen – ob es an den geologischen Bedingungen und den vielen Steigungen liegt? Beim Abtransport mit Lastern könnten allenfalls die steilen, engen Straßen ein Grund sein. Jedenfalls weist auch Wuppertal, die Stadt der Schwebebahn, eine recht geringe Diebstahlquote auf. Dort wurden 2013 nur insgesamt 285 Räder gestohlen, das sind 83 Delikte je 100.000 Einwohner in der nordrhein-westfälischen Stadt. Die Aufklärungsquote ist mit 10,9 Prozent mäßig.

(Foto: dpa)
Hagen
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Sicherste Städte / Rang 3: Hagen

Auch Hagen schneidet im Vergleich zu vielen anderen Städten gut ab. Während ansonsten Studentenstädte oft überdurchschnittlich betroffen sind, dürfte die Form der Fernuniversität hier der Grund dafür sein, dass dieses Phänomen nicht auf Hagen zutrifft. Nur 85 Räder je 100.000 Einwohner wurden hier 2013 ihren Besitzern entwendet, das sind 85 Prozent weniger, als im Durchschnitt der gerankten Städte. Die Zahl der Diebstähle ging gegenüber 2012 merklich um 18,5 Prozent zurück.

(Foto: Picture Alliance)

Magdeburg, die Stadt mit den vielen Diebstählen, hat gleichzeitig eine Aufklärungsquote von 24 Prozent. Beatrix Merten von der Polizei spricht von „besonders intensiven Ermittlungen in diesem Phänomenbereich“. Die Diebe seien oft Wiederholungstäter. Schnappt die Polizei einen von ihnen, kann sie viele Fälle klären.

Fürth und Erlangen liegen bei der Aufklärung mit 31 und 26 Prozent ebenfalls vorn. „Wir haben eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet und die Überwachung maximal forciert“, sagt Peter Schnellinger von der Polizei in Mittelfranken.

Es gebe ein Geflecht von Dieben, Hehlern und Weiterverkäufern, sagt er. „Man muss da irgendwo reinstechen, dann landet man bei immer mehr Tätern.“ Die dortige Polizei musste zuletzt extra Räume mieten, um die bei Dieben beschlagnahmten Räder unterzubringen.

  • dpa
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