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Kommentar VW hat bei Ducati nichts verloren

Ducati steckt schwer in einer finanziellen Klemme. Die Not des italienischen Motorradbauers ist so groß, dass man um Hilfe aus Indien oder Wolfsburg bittet. Aber das wäre keine Rettung, das wäre das Ende.
13 Kommentare

DüsseldorfEs könnte kaum widersprüchlicher laufen, als es bei der italienischen Traditionsmarke Ducati gerade läuft. Kurz nachdem die Bologneser Motorradschmiede mit der 1199 Panigale ihr bislang spektakulärstes Motorrad vorgestellt hat, das mit Preisen und Vorbestellungen überhäuft wurde, soll die Marke verkauft werden. Wie passt das zusammen? Einerseits ein technisch ausgereiftes Spitzenprodukt, das direkt von der Rennstrecke kommt, und das die treuen Markenfans quasi blind kaufen, andererseits so große finanzielle Probleme, dass bereits der zigste Investor abwinkt und das Unternehmen nach Hilfe ruft?

Die Probleme liegen einerseits in der Modellpalette, die eben nicht nur Langzeit-Bestseller wie die Ducati Monster-Baureihe, Objekte der Begierde wie den stärksten Zweizylinder-Motor aller Zeiten, oder den Harley-ähnlichen Powercruiser Diavel beinhaltet. Ausreißer wie die superaggressive Streetfighter oder halbherzige Enduro-Versuche a la Hypermotard sind nicht nur vielen potenziellen Käufern in der Anschaffung zu teuer, den traditionell rennsportbegeisterten Ducatisti sind sie auch schwer zu vermitteln. Diese Modelle bauen andere besser. Doch immerhin hat man in Bologna gelernt, mit Multistrada, 1199 und Diavel ist man wieder auf dem richtigen Weg.

Ganz anders als im Rennsport, sprich der obersten Klasse namens MotoGP. Ducati lebt vom Image, von den Emotionen, vom Rennsport. Aber der kostet die Italiener nun genau die Millionen, die sie für die Erneuerung ihrer Modellpalette gebraucht haben, - und auf der Piste fährt Ducati hinterher. Das ist ganz schlecht fürs Portemonnaie und fürs Image.

Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide

Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide

Zu Anfang klang die vertragliche Verbindung der Traditionsmarke aus Bologna mit den neunfachen Weltmeister Valentino Rossi noch wie ein feuchter italienischer Traum, pardon, eine Hochzeit, die im Himmel geschlossen wurde. Doch der Doctor, wie seine Fans ihn nennen, fährt mit Helm und Maschine Nr. 46 hinterher, mehr als fünfte oder sechste Plätze waren aus eigener Kraft in der Saison 2011 nicht drin. Rossi kommt mit der Maschine einfach nicht klar, so unglaublich das auch klingt.

Warum ist das für Ducati so schädlich? In erster Linie, weil Rossi die Italiener allein 12 Millionen Euro an Lohn kostet. Den Imageschaden kann noch niemand messen.

Nun also der Ruf nach einem starken Finanzpartner. Seit 2010 hielten sich schon Gerüchte, das werde Mercedes sein, einen Sponsoringvertrag mit der Tuningtochter AMG der Stuttgarter gab es bereits. BMW war auch im Gespräch, hat aber abgewinkt.

Nun soll Medienberichten zufolge die VW-Tochter Audi Ducati zu Hilfe eilen. Ein "Audi auf zwei Rädern“? Für Volkswagen wäre eine Übernahme der Einstieg in den Motorradsektor. Für Markensammler und VW-Aufsichtsratschef Piech, der bekennender Ducati-Fan ist, mag das auch sinnvoll klingen. Für Ducatisti aber würde eine Welt zusammenbrechen. Wolfsburger Buchhalter und Ingenieure ohne Motorrad- und MotoGP-Erfahrung als Verwalter und Optimierer des italienischen Desmo-Traums?

Nein, das ist kein Imagetransfer, der funktionieren kann. Dann lasst sie doch bitte lieber in Schönheit sterben.

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13 Kommentare zu "Kommentar: VW hat bei Ducati nichts verloren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Ingolstädter Motorradvergangenheit ruht im Museum. Zukunftstauglich ist nur BMW.

  • Herr Heide, ich kann ja sehr gut nachvollziehen, dass gewissen Leuten aus München und Berlin eine Übernahme von Ducati durch Audi ein Dorn im Auge ist.;-)
    Zu Ihrer vordergründigen Argumentation gegen eine Übernahme von Audi bzw. VW: Haben sie denn total vergessen dass "Wolfsburger oder Ingolstädter Buchhalter und Ingenieure" auch ohne vorherige Erfahrung mit einem exklusiven Sportwagenhersteller wie es Lamborghini war bzw. haute noch ist, diesen nach langer Zeit wieder aus den roten Zahlen herausbrachten!? Ach, dies ist ja schon über 10 Jahre her. ;-)
    Desweiteren muss ich meinem Vorposter zustimmen, dass Sie sich vor dem Verfassen ihres Kommentars zuerst besser mit der Ingolstädter Motorrad-Vergangenheit hätten befassen sollen.

  • Meiner Meinung nach würde Ducati gut zu VW passen, denn die meisten "Herzensmarken" hängen schon lange und meist glücklich an der Zitze von Grosskonzernen. Ob diese dann auch wirtschaftlich rentabel arbeiten ist da oft nicht soooooo wichtig, das Image zählt da glaub ich mehr. Den Vorständen grosser Automarken zwickt der Erfolg von BMW schon gewaltig.
    Im übrigen schleichen auch Gerüchte von Mercedes und Ducati durchs Netz.

  • Das glaube ich weniger, Ferrari gehört zu Fiat und wie sieht die finanzielle Situation bei Fiat aus? Richtig nicht so rosig.

  • @ Deka1803
    Wahr ist VW hat Lamborghini und Bugatti wiederbelebt.
    Wahr ist allerdings auch dass Lamborghini und Bugatti seit rote Zahlen schreiben. Auch wenn ein paar verlorene Millionen, bei hohen gesamten Gewinn des VW Konzerns leicht zu verschmerzen sind

  • Für Lamborghini war VW ein Glücksfall und Retter zugleich, für Bentley ebenso, bei Bugatti und Skoda ebenfalls.
    VW hat bewiesen, dass man traditionsreiche Marken profitabel beleben und führen kann.
    In diesem und vielen anderen Bereichen ist das Team Piech/ Winterkorn den Wettbewerbern und anderen Managern um Längen voraus. Und wenn es jemand schafft, dann diese Truppe.

  • Mit welcher Expertise will VW denn Ducati übernehmen? Vier Räder sind mit den zwei Rädern schwer zu vergleichen.
    Und von den Emotionen her passt das auch nicht.
    Wenn schon ein Autobauer, dann bitte nur Ferrari, die würden von den Emotionen her passen, der Marke Ducati einen zusätzlichen Image Bonus geben und das nötige Kleingeld hat Ferrari auch...

  • Das ganze wäre ein schlechter Marketingwitz. So wie der Cygnet von Aston Martin. Und wo in Ingolstadt versteckt sich die Motorradexpertise? Schlimm für Ducati ist, dass BMW abgewunken hat.

  • Tedesco75
    Ducati&Audi
    Dazu fallen mir ein paar gemeinsame Schlagwörter ein:
    Spass, moderner Rennsport, Technik auf höchstem Stand, Abenteuer, Luxus und ganz wichtig, wovon beide Marken leben und bei Ihren Käufern und Fans gleichermaßen profitieren - EMOTIONEN -
    Ducati ist wahrlich finanziell nicht mit Porsche zu vergleichen. Jedoch haben sich die Zahlen in den letzten Jahren positiv entwickelt.
    42000 verkaufte Motorräder weltweit in 2011. Ein plus zum Vorjahr von über 21%.
    Das der EBIT hier nicht positiv ist, kann ich mir als Fan auch sehr gut vorstellen, da die Entwicklung und die MotoGP sehr viel Geld verschlingen.
    Hr. Piëch wollte vor 4 Jahren bereits schonmal einstiegen. Jetzt ist die Modellpalette und das Image der Marke noch besser. Und unter der Führung von AUDI befürworte ich dieses Projekt voll und ganz. Audi kann damit auch seinem bayr. Konkurrenten auf Augenhöhe begegnen und ganz neue Bundles für seine Kunden schnüren.
    Natürlich muss Audi eine ähnliche Linie wie bei Lamborghini fahren. Denn made in Italy muss weiterhin in den Bikes enthalten bleiben.
    Mein Fazit: AUDI&Ducati passen sehr gut zusammen. Fahrspass und Emotionen - für beide keine Fremdwörter

  • Als Audi bei Lamborghini einstieg gab es die gleichen Diskussionen. Wie kann kühle deutsche Technik mit italienischer Leidenschaft koexistieren? Das es sehr gut funktioniert zeigt Lamborghini heute. Für Lamborghini war es sogar nahezu ein Glücksfall. Im Übrigen läuft es auch bei Bentley recht gut. Ich denke es könnte Ducati deutlich schlimmer treffen.

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