Kommentar zur Benzinpreis-Debatte Das Gejammer senkt keine Preise

Tanken ist in Deutschland wieder rekordverdächtig teuer und viele beginnen reflexartig mit dem Jammern und Schuldzuweisen. Doch die Aufregung ist nur schwer zu verstehen. Denn es gibt einen einfachen Ausweg.
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DüsseldorfDie Spritpreise haben zu Wochenbeginn Rekordmarken erreicht, und diese bis heute verteidigt. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Zwei-Euro-Marke beim Liter Super fällt? Und wird dann eine deutsche Revolution an der Zapfsäule ausbrechen? Wohl kaum.

Das ansteigende Gejammer von Auto-Lobbyisten, politischen Hinterbänklern, Zeitungskommentatoren und den mächtigen Autoclubs hat schon wieder einen enormen Lärmpegel erreicht, seit es am Montag reflexartig angestimmt wurde, passend zum Benzin- und Diesel-Preisanstieg. Aber meine ganz persönliche, langjährige Beobachtung von Autofahrern, Spritpreisen und Kollegen zeigt: Die ganze Aufregung ist nur Pose, streng genommen Zeitverschwendung. Ändern wird sich durch Genöhle und Schuldzuweisungen gar nichts.

Das Kartellamt deutet mit dem Finger auf die Mineralölkonzerne, die an der Misere Schuld sein sollen, kann aber angeblich keine Preisabsprachen beweisen und daher nichts unternehmen. Die Konzerne verweisen auf die steigenden Rohöl-Notierungen in Rotterdam und sagen, auf schwachen Euro und Rohstoff-Spekulationen hätten sie auch keinen Einfluss. Die Autoclubs fordern von der Politik Beruhigungspillen für die deutschen Autofahrer, aktuell in Form einer höheren Pendlerpauschale.

Die Ministerien aber werden sich hüten irgendwas zu unternehmen, der Staat verdient prächtig an der Mineralölsteuer. Er fordert stattdessen die Autohersteller auf, endlich mehr sparsame und alternativ angetriebene Wagen zu bauen. Die wiederum sagen, das tun wir doch längst, und für mehr Elektroautos brauchte man Subventionen. So dreht sich das Karussell der Sündenböcke munter weiter.

Der zurzeit auf Facebook populäre Aufruf, einen Tag lang nicht zu tanken, bringt es auch nicht. Klar, das ist mal ein frischer Aspekt, der Protest der sogenannten Netzgemeinde. Aber wer am 1. März boykottiert, könnte am 2. März gezwungen sein, vollzutanken, ausgerechnet am traditionell teuersten Tag der Woche. Guter Witz, ich hör sie schon lachen bei Shell und Aral.

Spaß beiseite, statt jammern hilft nur investieren und umsatteln. Kennen Sie CNG? Das steht für compressed natural gas und ist genau wie Flüssiggas (LPG) eine seit Jahren erprobte und preiswerte Alternative, trotz Kopplung von Gas- und Rohölpreis. Gas-Autos gibt's als Neuwagen bei vielen Herstellern mit voller Garantie, und wer nachträglich für ca. 2000 Euro umrüstet, hat diese Kosten als Vielfahrer nach zwei Jahren wieder drin.  

Mein Kollege Felix ist so einer. Der schmunzelt immer, wenn wieder mal alle über Benzinpreise und angebliche Machtlosigkeit diskutieren. Aber der hat auch vor Jahren schon gehandelt, und antizyklisch in die alternative Technik investiert, statt sich zu beschweren. Er fährt Langstrecke, einen VW Caddy mit Gasantrieb. Und tankt zurzeit für 0,76 Euro pro Liter. Das ist beim Gaspreis auch rekordverdächtig viel, aber kennen Sie jemand, der sich darüber aufregt?

Tanken tut weh

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22 Kommentare zu "Kommentar zur Benzinpreis-Debatte: Das Gejammer senkt keine Preise"

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  • ...und was passiert wenn auch nur die Hälfte aller in Deutschland fahrenden Autos nun bald mit Gas fahren sollten? Der Gaspreis ist jetzt schon kräftig gestiegen. Wenn dieser Kraftstoff dann ab 2020 planmäßig besteuert wird, ich möchte wetten, wir sehen die selben Preise wie bei Benzin derzeit.

  • Pf ... und wenn alle auf CNG umrüsten steigt automatisch die Nachfrage und somit auch der Preis. Ergo: das ist nur kurzfristig eine Lösung!

  • "...und wer nachträglich für ca. 2000 Euro umrüstet, hat diese Kosten als Vielfahrer nach zwei Jahren wieder drin...."

    Leider sind nicht alle Fahrzeuge geeignet für eine Umrüstung auf den Gasbetrieb. Es gibt Hersteller, die davon sogar abraten.

    Gas verbrennt wohl etwas heißer als Benzin, was zu Schäden am Motor führen kann.

    Recherche über das Thema wäre sinnvoll gewesen ... und bitte dann erst einen Kommentar darüber abgeben. Danke!

  • ...gibt es eine Auswanderungsalternative?
    ...welche Partei soll ich wählen?
    ...hilft nur noch Meckern?

    Fragen über Fragen...

  • hatte 2008 selbst wegen der Spitzenpreise für Diesel und Benzin auf LPG umgerüstet und seinerzeit bei einem LPG-Literpreis nahe € 0,50 gestartet. Heute liegt der Literpreis für LPG bei durchschnittlich € 0,77 und das bei ähnlich hohen Diesel- und Benzinpreisen wie Mitte 2008. Toll, so eine ca. 50%-ige Steigerung für LPG in den ca. 3,5 Jahren. Nun ja, spätestens Ende 2018 enfallen ja auch noch die Privilegien für LPG, vielleicht auch schon früher (siehe Förderungskürzung für Solarstrom)

  • Das lohnt sich doch: habe selbst in 2008 einen gebrauchten, 5 Jahre alten 1,6er A3 auf LPG umgerüstet, bin damit bis Mitte 2011 über 100Tkm problemlos gefahren und mittlerweile erfreut sich der 3. Eigentümer im Saarland über einen echt preiswerten Wagen. Motorschäden bin ich mit einer behutsameren Fahrweise begegnet, denn die Verbrennungstemperatur ist in der Tat höher und mein Mehrverbrauch hat sich damit auch nur auf ca. 15% zum Benzin eingestellt. Amortisiert hat sich der Einbau bereits innerhalb des ersten Betriebsjahres. Der Verkaufserlös entsprach anschließend dem Werteverzehr lt. Schwacke-Liste. Also, eine insgesamt runde Sache.

  • ...stimme ich voll und ganz zu! (ein mehrjähriger, erfahrener Anbieter bei mitfahrgelegenheit.de)

  • Nein, das ist Weitblick. Die gebrauchten Gas-Autos kommen nämlich irgendwann im unteren Preissegment an. Trickle-Down-Mechanismus. Davon wird keiner reich, aber etwas weniger arm.

  • Benzin:

    Na und, was soll es. Ich wohne in der Stadt, kann mit dem Fahrrad zur Arbeit.

    Im Übrigen:

    Mein Dienstwagen fährt mit Sprit vom Chef.

    Meine Betriebsrente ist sicher.

    Meine Immobilien steigen.

    Der Bonus kommt, das Geschäft mit dem Ausland brummt.

    Die Arbeit macht die Zeitarbeiterin.

    Was will man mehr.

    Ach ja, noch einen günstiges Meeting auf Kreta!

    Papiergeld drucken, wird in der Firma meiner Frau gemacht.

    So, jetzt der Rotwein....

  • Sowas kann auch nur ein Journalist schreiben, der schätzungsweise beim HB zwischen 3000-4000 € netto verdient.
    Viele Mittel- und Kleinverdiener fahren doch gebrauchte Autos, die nicht mal 3000 € mehr wert sind, was soll ich da noch umrüsten? Solche Kommentare machen mich echt fassungslos und zeigen mir mal wieder, wie weit sich mittlerweile die Besser- und Bestverdiener von Normalbürger entfernt haben.

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