Oldtimer als Investment-Alternative Altes Blech ist rentabler als Edelmetall

Nach jahrelangem Boom flauen die Preissteigerungen bei hochwertigen Oldtimern zwar ab. Eine Blase lässt sich allerdings bislang noch nicht erkennen. Dennoch eignet sich ein Investment weiter nur für Kenner und Liebhaber.
Der zweisitzige Sportwagen mit langgezogenem Heck wird von einem 5,4 Liter großen Achtzylinder-Kompressormotor mit 180 PS angetrieben und war schon in seinem Baujahr ein höchst exklusives Auto Quelle: RM Sotheby's/Darin Schnabel
Mercedes 540K Spezial Roadster für 9,9 Millionen Dollar versteigert

Der zweisitzige Sportwagen mit langgezogenem Heck wird von einem 5,4 Liter großen Achtzylinder-Kompressormotor mit 180 PS angetrieben und war schon in seinem Baujahr (1937) ein höchst exklusives Auto.

DüsseldorfWenn Tagesgeld auf Tauchstation geht, einst glorreiche Banken kränkeln und Börsenkurse abschmieren, dann schauen sich Anleger nach alternativen Investments um. Sie bevorzugen Sachwerte. Auto-Enthusiasten bestaunen bei der Suche nach neuen Anlagen vor allem die Renditeentwicklung von Oldtimern. Was sie sehen, kann begeistern. Rallye-Fahrzeuge, die man einst als Poster im Kinderzimmer an die Wand pinnte, erreichten in den vergangenen Jahren Rekordergebnisse auf Auktionen.

Sportliche Alltagsfahrzeuge, mit deren Kauf man in den 80er-Jahren noch geliebäugelt hatte, kosten plötzlich eine Million Euro. Indizes und Rankings für die Preisentwicklung von Oldtimern, also Fahrzeugen mit einem Mindestalter von 30 Jahren, zeigen: Bei Sammlern besonders begehrte Fahrzeuge können langfristig Börsenindizes, aber auch anderen klassischen Anlageformen mit ihren durchschnittlichen Wertsteigerungen den Auspuff zeigen.

Fünf neue bei den zehn teuersten Oldtimern
Die Preise seltener Hochpreis-Oldtimer haben innerhalb weniger Jahre erneut stark angezogen.
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Wer als Oldtimer-Sammler im High-End-Bereich etwas auf sich hält, für den führt derzeit offenbar kein Weg an einem 50er/60er-Jahre Ferrari mit Rennhistorie vorbei. Mittlerweile sind neun von den aktuell zehn teuersten Oldtimern der Welt Pretiosen aus Maranello.

„Keines der Top-Ten-Ergebnisse ist älter als 2013!“ wundert sich Oldtimer-Experte Frank Wilke von Classic Analytics.
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Die Marktanalysten aus Bochum haben ihre firmeneigene Auktionsdatenbank befragt und ein aktuelles Ranking erstellt. Fünf Rennwagen mit dem Pferd-Logo sind sogar erst in diesem Jahr in die Top-Ten aufgestiegen.

„Man sieht daran nicht nur, dass seltene, straßentaugliche Ferrari aus den 50er und 60er Jahren zu den begehrtesten Modellen unter Autosammlern zählen, sondern auch dass speziell in den letzten drei Jahren die Preise für solche Autos sprunghaft angestiegen sind“, sagt Classic-Analytics-Mann Frank Wilke.

Platz 1: Ferrari 250 GTO von 1962
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Auf Platz eins im Ranking der Auktionsergebnisse liegt seit August 2014 ein Ferrari 250 GTO aus dem Jahr 1962, erst bei 38,12 Millionen Dollar fiel der Hammer. Versteigert wurde der Wagen vom Auktionshaus Bonhams.

So begehrt ist der 250 GTO unter Sammlern, weil nur 39 Stück wurden gebaut, davon 28 mit klassischem Blechkleid und 3-Liter-V12. Das Preisrekordauto trägt die Chassisnummer 3851 GT und wurde am 11. September 1962 ausgeliefert - als siebzehntes Auto diesen Typs.

78.7650 D-Mark verlangte Ferrari für den GTO in den frühen Sechzigerjahren in Deutschland, als der billigste Käfer 4.200 DM kostete.

Platz 2: Mercedes W196 Silberpfeil
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In den Top Ten der versteigerten Oldies ist nur ein einziges Fahrzeug, das nicht von Ferrari stammt: Ein Mercedes Benz W 196 „Silberpfeil“ von 1954 brachte es auf 29,65 Millionen Dollar und Platz zwei in der Liste.

Erzielt wurde die Verkaufssumme 2013 als das Fahrzeug von Bonhams im englischen Goodwood versteigert wurde. Die Historie des Wagens ist herausragend: Mit ihm siegte die argentinische Rennfahrer-Legende Juan Manuel Fangio im Jahr 1954 unter anderem beim Großen Preis von Deutschland und wurde später Formel-1-Weltmeister.

Platz 3: Ferrari 290 MM Scaglietti von 1956
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Versteigert wurde der Wagen mit der auffälligen blauen Schnauze, den ebenfalls einst Juan Manuel Fangio fuhr, für 28 Millionen Dollar von RM Sotheby´s im Dezember 2015. Enzo Ferrari hatte den Wagen in Auftrag gegeben, um Maserati und Mercedes in der Sportwagenweltmeisterschaft Paroli zu bieten, was 1956 und 1957 auch gelang.

Grundlage des Rankings von Classic Analytics sind die Auktionsergebnisse der letzten 30 Jahre, keine Privat- oder Händlerverkäufe. Denn nur Auktionen geben ein unverfälschtes Bild. Wenn bei einer bestimmten Summe der Hammer fällt, muss diese Summe auch bezahlt werden.

Platz 4: Ferrari 275 GTB/4 NART Spyder
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Das rote Stoffdach-Cabrio von 1967 erzielte 27,5 Millionen Dollar. Grund eins: Dieser wurde für das North American Racing Team (NART) gebaut, und insgesamt gibt es nur zehn Stück. Grund zwei: Dass der Spyder im August 2013 eine derartige Bieterschlacht bei der Auktion in Pebble Beach auslöste, hängt damit zusammen, dass der Wagen aus erster Hand stammt.

Den Rekordpreis von 27,5 Millionen US-Dollar bot Lawrence Stroll, ein kanadischer Unternehmer, der in den 1990er-Jahren die Marke Tommy Hilfiger mit aufgebaut hatte.

Platz 5: Ferrari 275 GTB/C Speciale von 1964. In Monterey versteigert für 26,4 Millionen Dollar.
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Diesen Wagen versteigerte das Auktionshaus Sothebys im August 2014 in Pebble Beach. Die Karosserie kommt von Scaglietti, Motor und Chassis sind nummerngleich. 320 PS leistet die Maschine, ein Leichtbau-V12 mit 3.286 ccm Hubraum. Weitere technische Details: 6 Weber-Vergaser, Fünf-Gang-Handschaltung, Transaxle-Bauweise, Einzelradaufhängung, vier Scheibenbremsen. Es ist außerdem der erste von nur drei jemals gebauten Werks-Renn-Berlinettas, und damit seltener als die (teils teureren) 250er GTO.

Für die zehn in dieser Bilderstrecke gezeigten zehn teuersten Oldtimer der Welt legten Sammler zusammengerechnet 237 Millionen Dollar oder 216 Millionen Euro auf den Tisch.

So verdeutlicht der von den Preisexperten von classic-analytics aus Bochum für den VDA errechnete „Deutsche Oldtimer Index“, dass der aus 88 Fahrzeugen aus sieben Nationen ermittelte Durchschnittswert sich in zwölf Jahren nahezu verdoppelt hat.

Besonders edles Blech, etwa ab 150.000 Euro aufwärts, steigt seit etwa 2002 steil im Wert, wie auch der Top Index der Historic Automobile Group International (HAGI) zeigt.

HAGI beobachtet und erfasst, ähnlich wie classic-analytics, internationale Auktionsergebnisse. Deren regelmäßige Auswertung zeigt, dass erstklassige Classic Cars in der Wertentwicklung den Börsenindex S&P 500 deutlich schlagen. Mit einer durchschnittlichen rechnerischen Rendite von rund 16 Prozent pro Jahr seit 1980 fährt man mit ausgewählten Prestige-Klassikern mittelfristig oftmals besser als mit Gold.

Eine Folge dieser Entwicklung: Der Markt für Oldtimer hat sich dramatisch verändert. Neben dem ursprünglich vorherrschenden Typus des leidenschaftlichen Hobbysammlers, Technikfreaks und den unvermeidlichen Schrauber-Königen haben sich längst professionelle Investoren und Kapitalanleger sowie deren Berater in Stellung gebracht. Sie setzten im Hochpreissegment eine Wachstumsspirale in Gang, deren Ende nicht absehbar ist.

Wer zwei Picasso im Wohnzimmer hat, möchte neben dem Bugatti künftig auch einen Ferrari mit Rennhistorie in der Garage haben, könnte man meinen. Die Zeiten, in denen Klassiker in Scheunen gefunden und zu Schnäppchenpreisen verhökert wurden, sind offenbar endgültig vorbei.

Für die zehn begehrtesten Oldtimer des Jahres 2015 gaben wohlhabende Sammler allein bei Auktionen insgesamt fast 237 Millionen Dollar aus – siehe Liste – , 2011 waren es noch 70 Millionen Dollar gewesen. Die Versteigerungen sind ein Magnet für Superreiche, Auktionen in Paris, Goodwood, und Pebble Beach sind Treffpunkte von Millionären und Milliardären. Nach der Einschätzung von Experten machen die hier erzielten Preise aber höchstens ein Drittel des gesamten Marktumsatzes aus.

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„Es wird sehr gezielt gekauft“
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