Oldtimer-Preisentwicklung Alte Porsche im Überangebot

Es ist für einen Oldtimer- und Sportwagen-Fan eher selten, dass er des Anblicks klassischer 911-Porsche überdrüssig wird. Auf der Techno Classica war es nun soweit. Was vor allem an Preisen und Blechzuständen lag.
Update: 15.04.2016 - 09:20 Uhr
Viele Jahre lang haben sich die Preise älterer luftgekühlter Porschemodelle prächtig entwickelt. Zurzeit geht es in die andere Richtung, eine gewisse Marktsättigung scheint erreicht. Quelle: Carl Christian Jancke
Porsche 930 Turbo auf dem Freigelände der Techno Classica 2016

Viele Jahre lang haben sich die Preise älterer luftgekühlter Porschemodelle prächtig entwickelt. Zurzeit geht es in die andere Richtung, eine gewisse Marktsättigung scheint erreicht.

(Foto: Carl Christian Jancke)

Düsseldorf/EssenDie 911er-Inflation, was für eine unschöne Wortpaarung. Waren doch alte luftgekühlte Boxer-Klassiker aus Zuffenhausen in den vergangenen Jahren ein sichere Wertanlage, die ständig teurer wurde, wenn die Historie und die Substanz stimmte. Doch wer am vergangenen Wochenende über die Essener Techno Classica schlenderte, gewann zeitweise den Eindruck von den insgesamt 2500 Exponaten kämen gefühlte 80 Prozent von Porsche. Und die meisten leider eben nicht in sammelwürdigem Zustand.

Werden immer mehr 911er auf den Markt gespült, so wird jeder einzelne weniger wert. Das gilt insbesondere für die Standardmodelle 911, 964, 993 und 996. Und über die in Essen gezeigten Exemplare zeigte sich nicht nur ein englischer Händler regelrecht „entsetzt über die Qualität“. Mangelnde Wartungshinweise und eine nicht nachweisbare Historie waren ebenso an der Tagesordnung wie „Händlerduschen“ (Neulackierungen).

Dass die Preise nicht mehr in den Himmel wachsen, zeigte sich schon 2015. Ein Index der Historic Automobile Group (HAGI), der monatlich die Preise von 14 repräsentativ ausgewählten Porschemodellen misst, nahm seit Jahresanfang um etwa einen Prozent ab. Und auf den Auktionen seit Dezember blieben viele Autos unverkauft.

Bei der 911-Only-Auktion von Auctionata fand nur rund ein Viertel der angebotenen Wagen neue Käufer. So waren dem Eigentümer eines von rund 30 Porsche 911 ST aus den frühen Siebziger Jahren satte 900.000 Euro nicht genug. Dabei handelte es sich um einen kompletten Neuaufbau ohne durchgängige Historie. Wolfgang Juchem von Auctionata nannte denn auch im Fachmagazin „Automobilsport“ die überzogenen Erwartungen der Verkäufer als Hauptgrund dafür, dass viele Autos gar nicht erst versteigert werden.

Allerdings sind die Auktionshäuser selber wohl nicht ganz unschuldig an der Fahrzeugschwemme und den übertriebenen Preiserwartungen der Verkäufer. So hatte Oldtimer-Preisexperte Frank Wilke von classic analytics aus Bochum den Eindruck, die Versteigerer hätten sowohl bei der Fahrzeugauswahl als auch bei der Qualität die sonst üblichen Ansprüche ein wenig heruntergeschraubt.

Wie entscheidend vor diesem Hintergrund gerade die nachweisliche Historie eines Classic Cars unter dem Aspekt der Wertanlage ist, zeigte der Verkauf eines seltenen Porsche 911 2.7 RS Touring (ca. 1000. Exemplare). Ein solches Auto erreichte bei Bonhams als „Touring“ (der sich vom „Lightweight“ unter anderem durch das Vorhandensein eines Schminkspiegels unterscheidet) gerade mal 515.000 Dollar. Fand sich in der Beschreibung vielleicht zu oft die englische Formulierung: „Is believed to be owned by ...“.

Die besten „Blechaktien“
Old- und Youngtimer liegen im Trend. Wer ein altes Auto als Wertanlage sucht, sollte aber nicht nur nach eigenem Geschmack kaufen.
1 von 13

Denn längst nicht alle Modelle steigen im Preis, wie aus einer Erhebung von „Focus Online“ und dem Online-Marktplatz „Mobile.de“ hervorgeht. Eine sichere Bank sind demnach die Klassiker aus deutscher Produktion. Bei Porsche etwa sind vor allem die 911-Modelle vom Typ 993 (hier im Bild als Targa) und 964 sowie das G-Modell zuletzt deutlich im Wert gestiegen. Letzteres um 137 Prozent seit 2011, gegenüber dem Vorjahr legte der Sportwagen allein um 41 Prozent zu.

Lamborghini Countach Quattrovalvole von 1985
2 von 13

Spitzenreiter unter den berücksichtigten Autos war der Lamborghini Countach mit einem Plus von 217 Prozent.

Porsche 911 Ur-Elfer
3 von 13

Auch im Youngtimer-Bereich, also der Grauzone zwischen Gebrauchtwagen und Oldtimern, werden schon sehr ordentliche Renditen erzielt. Wenn Marke und Modell stimmen. Grundsätzlich gilt: „Willst Du was gelten, mach dich selten“. Sportwagen und Exoten sind begehrter als Allerweltsautos.

Davon profitieren nicht zuletzt die Eigner von Porsche 911-Modellen aus den 1980er und 90er-Jahren. Deren Preisentwicklung ist nachgerade atemberaubend. Die letzten luftgekühlten sind besonders begehrt und werden jetzt oftmals schon deutlich über dem damals schon sehr hohen Neupreis gehandelt. Im Sog davon werden auch neuere Porsches teurer.

Aber auch bürgerlichere Fahrzeuge wurden wertvoller:
4 von 13

Etwa das BMW 3er Cabrio der Generationen E30 (plus 100 Prozent gegenüber 2011) oder der erste Golf GTD (plus 61 Prozent).

VW Bus T2
5 von 13

Unter Druck ist aktuell auch der VW Bulli. Beim Modell T1 droht sogar eine kleine Spekulationsblase. Noch bis 2014 explodierten die Preise, seit 2015 geht es jedoch bergab. Besser läuft es mit dem Nachfolger T2, der aktuell auf dem aufsteigenden Ast ist.

Mercedes-Benz Beureihe W123 T-Modell
6 von 13

Auch der Mercedes W123 legte zu, allerdings vor allem der Kombi mit einem Plus von rund 20 Prozent gegenüber dem März 2015. Das Coupé hingegen hat im gleichen Zeitraum rund 16 Prozent verloren.
Das relativ meiste Geld verbrannt hat seit 2011 übrigens der Opel Omega A, dessen Preis um 41 Prozent abgesackt ist.

Ford Capri 1700 GT, 1969 - 1972
7 von 13

Aber längst liegen nicht mehr nur alte Mercedes‘ oder Porsche in der Gunst der Oldtimer-Fans. Erstmal war im vergangenen Jahr ein japanisches Fabrikat in Sachen Wertsteigerung ganz vorn, das zeigt zumindest eine zweite Auswertung, der Deutsche-Oldtimer-Index, den der Verband der Automobilindustrie (VDA) jährlich herausgibt.

Der Index wird vom Bochumer Bewertungsspezialisten classic-analytics erstellt. Für die Ermittlung des Index werden 88 Fahrzeuge ausgewählt, die aufgrund ihrer Spezifikationen, ihres Herstellerlandes sowie ihrer Häufigkeit den deutschen Oldtimer-Markt repräsentativ abbilden. Die aktuellen Zulassungszahlen werden bei der Berechnung berücksichtigt ...

Auf der Messe in Essen stand ein orangefarbenes Exemplar für mehr als 700.000 Euro. Auch hier sind Wagen in der Vergangenheit schon teurer gehandelt werden. Für Unsicherheit bei Sammlern sorgt, dass sich auch einige gut gemachte Nachbauten auf dem Markt befinden. Der Erlös eines entsprechend aufgerüsteten 2.4 S mit Motor, Leichtbauteilen und Heckbürzel lässt so also leicht um ein paar Hunderttausend Euro oder Dollar steigern.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Wer einen haben wollte, hat mittlerweile einen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote