Pläne der EU-Kommission Autos sollen nicht mehr röhren dürfen

Um den gesundheitsschädlichen Lärm auf der Straße zu begrenzen, will die EU-Kommission den Herstellern strenge Vorgaben machen. Die laufen Sturm gegen die Brüsseler Ideen: Die Zeitpläne seien vollkommen unrealistisch.
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Ein Dezibelmessgerät an einer Hauptstraße in Hannover. Quelle: dpa

Ein Dezibelmessgerät an einer Hauptstraße in Hannover.

(Foto: dpa)

BrüsselDas Vorhaben der EU-Kommission, den Verkehrslärm auf Europas Straßen schnellstmöglich um bis zu ein Viertel zu senken, stößt in der Automobilindustrie auf Widerstand. „Das Ziel ist zu ambitioniert, die Umsetzung in dem vorgesehenen Zeitrahmen nicht machbar“, heißt es beim Verband der Automobilindustrie (VDA).

Anlass für die Kritik ist ein Vorschlag von Industriekommissar Antonio Tajani, schärfere Geräuschgrenzwerte einzuführen. Demzufolge soll der Lärm von Personenkraftwagen, Kleinlastern und Bussen innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten der Verordnung um zwei Dezibel sinken. Drei Jahre später sollen die Werte um weitere zwei Dezibel sinken. Für Lastwagen ist eine Reduzierung um einen Dezibel im ersten und um zwei Dezibel im zweiten Schritt geplant.

Was wenig klingt, fordert die Industrie stark. So bedeutet eine Verringerung um zwei Dezibel nach Auskunft von Technikern eine Dämmung der Fahrzeuggeräusche um rund 40 Prozent. „Diese starke Reduzierung ist technisch in so kurzer Zeit nicht machbar“, sagte Ulrich Eichhorn, Technischer Geschäftsführer des VDA. „Eine so scharfe Grenzwertsenkung ignoriert die in der Automobilindustrie notwendigen Entwicklungs- und Produktionszyklen und hätte zur Folge, dass jeder dritte Pkw in Europa innerhalb von zwei Jahren überarbeitet werde müsste.“

Trotz des erhöhten Verkehrsaufkommens in Europa sind die Grenzwerte für Geräuschemissionen seit 1996 unverändert. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge könnten in Westeuropa infolge von durch Lärm erzeugten Stress jährlich bis zu eine Million gesunder Lebensjahre verloren gehen.

Für Industriekommissar Tajani ist das Anlass genug, regulatorisch einzugreifen. „Unser Vorschlag führt zu einer gesünderen Umwelt“, erklärte Tajani. Zudem ließen sich die Fahrzeuge international besser verkaufen.

Dass der Vorstoß ausgerechnet vom für Unternehmen zuständigen Vizechef der Kommission kommt, verwundert Wirtschaftspolitiker. „Es ist der berühmte Griff zu viel in die Regulierungskiste der grünen Bürokratie“, kritisierte Holger Krahmer, FDP-Industriepolitiker im EU-Parlament: „Ein Sportwagen muss röhren, sonst verkauft er sich nicht.“

Auch das Bundesverkehrsministerium ist dem Vernehmen nach verärgert über den Vorstoß aus Brüssel. Widerstand ist programmiert, sagen Diplomaten. Die Bundesregierung hatte 2011 einen eigenen, moderaten Vorschlag zur Lärmbekämpfung beim Fachgremium der Vereinten Nationen unterbreitet, das weltweit Automobilstandards setzt.

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6 Kommentare zu "Pläne der EU-Kommission: Autos sollen nicht mehr röhren dürfen"

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  • Das ist wieder typisch EU. Bei den ersten Elektroautos hieß es "die sind zu leise, da muss ein Gesetz her, dass künstlich Lärm erzeugt wird", bei den normalen Autos heißt es nun wieder die sind zu laut und müssen leiser werden. Was denn nun?
    Einfache Lösung: Raus aus dem EU-/EURO-Wahnsinn. Deutschland alleine ist ja schon viel zu regulierungswütig (wenn der Hund des Nacbarn im Garten pupst wird gleich nach einem neuen Emissionsgesetz geufen), aber was die EU an Bürokratismus und Regulierungswut an den Tag legt, ist einfach unerträglich. Was könnten doch für Gelder eingespart werden, wenn man diesen "Wasserkopf-Apparat" einstampfen würde.
    @ihr: Der Lärm kommt weniger von den Motoren sondern vielmehr von den Abrollgeräuschen der Reifen. Hier gibt es entsprechende Straßenbelege, die locker aus der Kfz.- und Mineralsteuer finanziert werden könnten, wenn diese nicht ständig fremd missbraucht werden würde.

  • Die Mautsparer sind wohl überall ein Thema. Aber das müsste wohl in Deutschland geklärt werden. Und das werden die Wirtschaftsverbände der Regierung nie erlauben, schließlich darf Transport ja nichts kosten, der Billigproduktion im Ausland wegen!

  • Genau so ist es, vor allem die Busse sind ein Problem und noch dazu häufig leer. Da sollte man wirklich mal anfangen. Ich wohne an einer stark befahrenen Landstrasse in einem touristischen Gebiet, hier stören die PKW kaum, aber der LKW Verkehr der zum Maut sparen über die Landstrassen donnert, die Motorräder der "Feierabend-Proleten" und die fast immer leeren Linienbusse sind ein echter Störfaktor.

  • Ich bi aber einfach davon ausgegangen, daß LKWs, Busse und Motorräder ebenso betroffensind !!!??

    Was sind Proleten in diesem Zusammenhang?

  • Selten so einen Stuß gelesen.
    Als Anwohner einer vielbefahrenen Bundestrasse und einer Autobahn empfinde ich nicht die normalen PKWs, die Proleten oder die vorbeiröhrenden Sportwagen als störend. Was stört, ist der Radau, der durch LKWs, Busse und Motorräder entsteht.

  • Wer braucht denn Lärm? Ein paar pubertierende Jugendliche. Soll doch Brüssel das machen. Da richten sie woanders keinen Schaden an.

    ich habe kein Problem mit leiseren Autos, besonders wenn ich an die Menchen in der Nähe von Autobahnen und stark befahrenen Straßen denke.

    Und unsere Autobauer sind doch die größten, besten usw....

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