Second-Hand-Autos Deutschland ist Europas Gebrauchtwagen-Mekka

Nirgends sind die Gebrauchtwagen besser in Schuss als in Deutschland. Das wissen auch unsere Nachbarn und kaufen immer mehr deutsche Autos aus zweiter Hand. Werden deutsche Gebrauchte jetzt teurer?
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Im Ausland sind deutsche Gebrauchtwagen gefragt.

Im Ausland sind deutsche Gebrauchtwagen gefragt.

DüsseldorfDie Deutschen hegen und pflegen ihre Autos wie kaum ein anderes Volk in Europa. Kein Wunder also, dass die deutschen Gebrauchtwagen auch im Ausland beliebt sind. Nicht nur die Qualität der Second-Hand-Ware ist besonders hoch, auch die Vielfalt der Modelle ist im Vergleich zu anderen europäischen Märkten hierzulande höher - und es kommt ständig frische Ware nach. Denn während die Franzosen erst nach zehn Jahren oder länger an den Kauf eines neuen Wagens denken, entscheiden sich die Deutschen im Schnitt alle fünf bis sechs Jahre für ein neues Modell und sorgen damit ständig für Nachschub beim Gebrauchtwagenhändler.

Deshalb werfen immer mehr Kunden aus den westlichen, östlichen und südlichen Nachbarstaaten einen Blick in die deutschen Inserate. Auch die Skandinavier interessieren sich zunehmend für junge, deutsche Gebrauchte. Eine Händlerbefragung im Auftrag des Onlineportals Autoscout24 ergab, dass im vergangenen Jahr fast 18 Prozent der Gebrauchten ins Ausland verkauft wurden - fast drei Prozent mehr als im Vorjahr. Branchenexperten sind sich einig: Das ist erst der Anfang. Das Nachfrage wird weiter steigen.

Siegfried Trede, Leiter Produktlinie Fahrzeugbewertung bei der Deutsche Automobil Treuhand DAT, geht davon aus, dass sich mit der anziehenden Konjunktur auch die Gebrauchtwagenmärkte der Krisenländer erholen. „Das wird zur Folge haben, dass wieder mehr Gebrauchtfahrzeuge von Deutschland in diese Länder abfließen. Da diese Länder aufgrund der sehr wenigen Neuzulassungen in den letzten Jahren auch kaum über Gebrauchtfahrzeuge verfügen.“

Das, so der DAT-Experte, wird die Preise auf dem deutschen Gebrauchtfahrzeugmarkt „leicht stabilisieren“ - sprich erhöhen. In den vergangenen Jahren sind die Gebrauchtwagenpreise Achterbahn gefahren. Nach dem Rekordjahr 2011 ging es steil nach unten. Weil in der Krise die Neuwagenverkaufe einbrachen, kamen in den Jahren danach auch weniger junge Gebrauchte auf den Markt. Für die übriggebliebenen „alten“ Gebrauchten mit höherem Kilometerstand, können die Händler nur niedrigere Preise erzielen. Der im Vergleich zu den Vorjahren alte Bestand ließ den Durchschnittspreis für Gebrauchte insgesamt sinken. Maue Zeiten für die Gebrauchtwarenhändler.

Jetzt sollen die Preise dank der vermehrten Nachfrage aus dem Ausland also wieder anziehen. Doch nicht in allen Kategorien.

„Das bewirkt eine Kettenreaktion“

Diese Extras machen sich bei Gebrauchtwagen bezahlt
Marina
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Was für den einen das höchste der Fahrzeuggefühle ist, ist für den anderen einfach nur peinlich: Getunte Autos samt Spoiler und auffälliger Lackierung mögen zwar der Star auf den entsprechenden Messen sein, beim Gebrauchtwagenhändler sind sie dagegen Ladenhüter. Wer einen Tuning-Wagen weiter verkaufen möchte, sollte sich an Liebhaber wende. Bei allen anderen sind die unnötigen Extras eher ein Grund, den Preis zu drücken...

Detroit Auto Show Nissan
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Auch eine Anhängerkupplung mindert den Wert eines Gebrauchtwagens. Nach der Erfahrung der Gebrauchtwagen-Wertermittler von Eurotax Schwacke gehen potentielle Käufer bei Anhängerkupplungen davon aus, dass das Auto beim Vorbesitzer schwere Lasten ziehen musste und dementsprechend stark verschlissen ist.

A guest checks the navigation system of a new Volkswagen Golf model during the launch ceremony in Berlin
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Und selbst eingebaute Navigationssysteme drücken den Preis.

Renault Verkaufszahlen
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Die Experten von Schwacke haben aber nicht nur die unattraktivsten Teile am Gebrauchten gelistet, sondern auch die Must-Haves bestimmt. Eine Zentralverriegelung ist demnach Pflicht - für Autos ohne müssen Verkäufer deutliche Abschläge in Kauf nehmen.

Weltenbummler Hermann Kleefisch
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Gleiches gilt für elektrische Fensterheber: Unabhängig von der Fahrzeugklasse sind sie Pflicht. Wo noch gekurbelt werden muss, sinkt der Wiederverkaufswert deutlich.

Klimaanlage
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Und auch die Klimaanlage gehört bei allen Klassen zur Standardausstattung. Gebrauchte ohne Kühlung bleiben lange beim Händler stehen.

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Der Schleuderschutz ESP ist ab der Kompaktklasse aufwärts ein Muss und erhöht selbst bei Kleinwagen den Wiederverkaufswert.

Wer sich für einen Wagen der oberen Mittel- oder Oberklasse interessiert, könnte in den kommenden Monaten vom noch niedrigen Preisniveau profitieren. „Diese Fahrzeuge sind von der Entwicklung ausgenommen“, betont Trede. In diesen Kategorien sind die Preise seit dem Frühjahr 2013 massiv unter Druck geraten. Viele Gebrauchte aus Hersteller- und Händlerzulassungen wurden zum Teil mit sehr hohen Nachlässen in den Markt gedrückt.

„Das bewirkt eine Kettenreaktion, die das gesamte Preisniveau in diesen Segmenten nach unten verschiebt“, erklärt der DAT-Experte. „Tritt dann noch der Fall ein, dass solche Fahrzeuge nicht den Idealvorstellungen potenzieller Käufer entsprechen und zum Beispiel hohe Kilometerlaufleistungen oder nicht stimmige Ausstattungen aufweisen, gehen diese Pkw oft nur mit großen Preisabschlägen an einen neuen Besitzer über.“ Schlecht für die Händler, aber gut für die Kunden. So machten einige ein Schnäppchen und kurbelten den Gebrauchtwagenabsatz 2013 nochmals an. Gut sieben Millionen Besitzumschreibungen - als Verkäufe von Fahrzeugen aus zweiter Hand - zählte das Kraftfahrtbundesamt für das vergangene Jahr - gut drei Prozent mehr als im Vorjahr.

In den sieben Millionen sind die Auslandsverkäufe allerdings noch nicht enthalten. Denn das KBA zählt nur die Besitzerwechsel zwischen deutschen Staatsbürgern. Wer wissen möchte, wie viele Gebrauchtwagen tatsächlich jenseits der Grenze einen neuen Halter finden, muss tief graben. Das statistische Bundesamt weist in seiner Ausfuhrstatistik 2012 gut eine halbe Million Gebrauchter vom Kleinwagen bis zum Wohnmobil aus. „Mindestens doppelt so viele“, schätzt ein Branchenexperte müssten es sein. Die Zahl der über internationale Kanäle gehandelten Autos ist schwer zu ermitteln.

Der Gebrauchtwagenmarkt speist sich zwar aus einem Großteil aus Second-Hand-Fahrzeugen privater Halter, doch darüberhinaus rollen Tausenden von Fahrzeugen von Mietwagenanbietern wie Sixt oder Europcar oder aus den Flotten der Leasinggesellschaften wie Deutsche Leasing, LeasePlan, Arval oder Athlon zu den Händlern. Einige dieser Gesellschaften sind in verschiedenen Ländern tätig. So können Bestände der deutschen Mutter problemlos an die ausländische Tochter fließen und von dort an einen Händler verkauft werden, ohne dass die Fahrzeuge in irgendeiner Statistik auftauchen.

Auch die Automobilhersteller vermarkten Gebrauchtwagen direkt ins Ausland, teilweise über Auktionshäuser. Außerdem gibt es Fahrzeuge der Händler, die an andere Händler ins Ausland verkauft werden. Diese wiederum werden entweder direkt oder auch über so genannte Remarketing-Plattformen wie Auktionen oder Verkaufslisten den ausländischen Händlern angeboten. Das System ist komplex.

Junge Gebrauchte sind nicht unbedingt gefragt

So sparen Sie beim Autokauf bares Geld
Automarkt in Deutschland
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Werksverkauf

Beim Autokauf lässt sich einiges sparen, wenn der neue Flitzer nicht im Autohaus nebenan, sondern im Werk gekauft wird. Die Kosten für die Überführung wälzt der Händler nämlich in der Regel auf die Kunden ab. Wer sein Auto also direkt bei VW & Co abholt, kann bares Geld sparen.

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Auslandskäufe

Außerdem sind Autos im Ausland oftmals bis zu 30 Prozent günstiger, als in Deutschland. Wer seinen Wagen in einem der Nachbarländer kauft, zahlt den dortigen Nettopreis plus die deutsche Mehrwertsteuer. Wer keine Lust hat, von München nach Amsterdam zu fahren, um sich ein günstiges Auto zu kaufen, kann den Trip ja auch mit einem Kurzurlaub verbinden.

Biker in Bus und Bahn - Viele Motorradfahrer reisen lieber bequem
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Re-Importe

Wer darauf keine Lust hat, sollte sich nach Re-Importen umsehen. Bei diesen Wagen übernehmen Autohändler die Fahrt ins benachbarte Ausland und kaufen große Mengen günstiger Autos, die - steuerlich begünstigt - hierzulande verkauft werden.

huGO-BildID: 32807694 A hostess stands next to an Opel car during the first press day of the 65th Frankfurt Auto Show in Frankfurt, Germany, Tuesday,
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Sondermodell

Auch mit Sondermodellen können Autokäufer viel Geld sparen. Die Wagen sind in der Regel deutlich günstiger als die Serienmodelle. Dafür gibt es die Sparvariante oft nur in einer bestimmten Farbe oder nur mit einer bestimmten Motorisierung.

Opel Ampera
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Jahreswagen

Wer nicht unbedingt Wert auf ein fabrikneues Auto legt, kann mit einem Jahreswagen erheblich sparen. Autohändler und Hersteller bieten bieten eine große Auswahl an Topfahrzeugen mit geringer Fahrleistung.

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Feilschen

Beim Autokauf gilt das Gleiche wie auf dem Flohmarkt: Selbst wenn die Ware bereits reduziert ist, sollten Kunden immer handeln. Beim Autohändler lässt sich immer noch ein Schnäppchen rausschlagen - oft bis zu 20 Prozent. Und selbst wenn es nur die Gratis-Winterreifen sind, hat sich die Verhandlung doch gelohnt.

Euro - Münzen
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Bar zahlen

Falls irgend möglich, zahlen Sie bar: Bei vielen Händlern winkt in diesem Fall ein weiterer Rabatt.

Streng genommen fehlen all diese Autos dem deutschen Markt. Schon jetzt haben viele Händler Schwierigkeiten ihre Höfe zu füllen. Der Strom an ehemaligen Leasing-Fahrzeugen etwa ist in den vergangenen Jahren abgeebbt. Auch das - eine Folge der Krise. Viele Kunden haben in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten ihre bestehenden Leasingverträge einfach verlängert, statt Kontrakte für ein neues Auto abzuschließen. Deshalb haben auch die Leasinggesellschaften weniger Neuwagen angeschafft. Die Fahrzeuge, die sie nun als Gebrauchtwagen abgeben, sind älter und fallen seltener in die Kategorie der in Deutschland so beliebten jungen Gebrauchten.

Allerdings: Die jungen Gebrauchten sind nicht unbedingt die Modelle, die aus dem Ausland nachgefragt werden. Nach Osteuropa gehen vielmehr die alten, günstigeren, mit sechs oder mehr Jahren auf dem Buckel. Vor allem für die freien Händler, die im Gegensatz zu den Markenhändler deutlich ältere Fahrzeuge im Bestand haben, ist die wachsende Nachfrage aus Ländern wie Polen, Rumänien oder Ungarn positiv. Da sich für die alten Autos mit Kilometerständen von über 100.000 nur wenige deutsche Käufer finden, ist es fraglich ob sich die stärkere Nachfrage aus dem Ausland auf die Preise hierzulande niederschlägt.

Ob neuer oder alter Gebrauchter: Vor dem Kauf lohnt ein Blick auf die Deutschlandkarte. Wer sucht, beschränkt sich meist auf seine nahe Umgebung bis zu einem Umkreis von 100 Kilometern. Wer das Raster geografisch erweitert, hat deutlich bessere Chancen auf ein Schnäppchen. Denn das Preisgefälle innerhalb Deutschlands ist groß. Besonders günstig sind Gebrauchte in den Postleitzahlregionen 0 und 1, also dem nord- und ostdeutschen Raum zwischen Rostock und Zwickau. In Bayern und Baden-Württemberg sind die Preise deutlich höher. „Die Unterschiede erreichen einen Höchstwert von 26,5 Prozent bzw. 14.101 Euro zu 17.834 Euro für ein Modell mit vergleichbarere Ausstattung“, erklärt Christian Maas, Sprecher des Onlineportals Mobile.de.

Je nach Hersteller und Bundeslang ergeben sich weitere, zum Teil deutliche Preisunterschiede. So bezahlt man in Nord- und Ostdeutschland für einen Audi rund 20 Prozent weniger als in Bayern. Mercedes-Modelle sind in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern günstig, im südlichen Bayern am teuersten. Hier liegt der Preisunterschied bei 15 Prozent ergab die Auswertung von mobile.de. Volkswagen werden dagegen in Franken am teuersten gehandelt. Hier liegt der Preis um fast 10 Prozent höhere als im Osten und Norden der Republik. Wer weiß, wie der Gebrauchtwagenmarkt tickt, kann also tüchtig sparen. Diesseits und jenseits der Grenzen.

Autokrise in Europa - Gebrauchtwagenhändler unter Druck

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3 Kommentare zu "Second-Hand-Autos: Deutschland ist Europas Gebrauchtwagen-Mekka"

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  • Seltsam... hier auf den (Marken-)Händlerhöfen sind kaum noch richtig Gebrauchte, nur max. 2-3 Jahre alte Fahrzeuge, die vermutlich gerade das erste Leasing hinter sich haben.
    Versuchen Sie mal, in Deutschland einen W211 bei einem Mercedeshändler zu finden - fast aussichtslos.
    Wir Deutsche werden gezwungen, Neu- und 2nd-Hand-Fahrzeuge oder privat zu kaufen. Die richtig Gebrauchten stehen irgendwo weggeschlossen oder sind schon längst im Ausland.

  • Die EU sollte sich mal dafür einsetzen das es ein EU-weit gültiges Kurzzeitkennzeichen gibt. Ein Gebrauchtfahrzeugkauf im Ausland ist derzeit nur umständlich per Trailer möglich, denn ein nationales Kurzzeitkennzeichen als Deutscher im Ausland zu bekommen ist de facto nicht möglich.

  • Hier sollte man ruhig auch mal darauf hinweisen daß die günstigen Gebrauchtwagenpreise herbeisubventioniert sind - sprich der Steuerzahler subventioniert über Prämien und Abschreibemöglichkeiten einen Automarkt der buchstäblich aus allen Nähten platzt. Die Höfe der Händler sind - wie sich Jeder selbst überzeugen kann - keineswegs knapp bestückt. Daß sie nicht "auf die Gesteige hinausplatzen" liegt alleine daran daß der Steuerzahler letztendlich auch die billigen Gebrauchten für das Ausland bezahlt.
    Volkswirtschaftlich sind Subventionen bekanntlich immer Unsinn - und das wird auch daran deutlich daß bedingt durch die zahlreichen fast neuen Gebrauchten auch die Neuwagenpreise nicht zu halten sind. Daß die Gebrauchten die Neuen mit runterziehen kann man an den derzeit üblichen Rabatten beim Neukauf sehen - Konnte man sich früher als guter Verhandler bezeichnen wenn man 10% auf Liste bekam... so sind da heute rund 30% angesagt.

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