Sichere Anlage oder Liebhaberobjekt? Oldtimer zeigen stabile Rendite

In Zinstief-Zeiten gelten Anlagen in Sachwerte als sicher. Seltene alte Autos, wie zurzeit in Essen auf der Techno Classica, hatten in der Vergangenheit Hochkonjunktur. Zuletzt kühlte sich der Markt aber etwas ab.
Ein Porsche 356 Pre A Coupe von 1953: Auf der Techno Classica in Essen können Besucher zwischen dem 6. bis 10. April nicht nur alte Autos bewundern, sondern auch kaufen. Quelle: dpa
Begehrte Old- und Youngtimer

Ein Porsche 356 Pre A Coupe von 1953: Auf der Techno Classica in Essen können Besucher zwischen dem 6. bis 10. April nicht nur alte Autos bewundern, sondern auch kaufen.

(Foto: dpa)

Essen/DüsseldorfGlänzende Chromleisten, geschwungene Karossen, edle Stoffe im Innenraum - es sind solche Details, die Oldtimer-Fans zum Schwärmen bringen. Ganz aktuell zurzeit in Essen, wo gestern mit der Techno Classica eine der größten Oldtimermesse überhaupt eröffnet wurde. Begeisterungsstürme dürften bei einigen Verkäufern und spezialisierten Auktionshäusern angesichts niedriger Zinsen am Geldmarkt auch die Wertentwicklung der Autos mit „H“-Kennzeichen hervorgerufen haben.

Im Schnitt legten die Oldtimerpreise in den vergangenen Jahren zwischen fünf und sechs Prozent zu. Der Oldtimer-Index des Verbands der Automobilindustrie (VDA) stieg 2015 um 5,6 Prozent. Das entsprach exakt dem durchschnittlichen Plus seit Beginn der Erhebung 1999.

Die besten „Blechaktien“
Old- und Youngtimer liegen im Trend. Wer ein altes Auto als Wertanlage sucht, sollte aber nicht nur nach eigenem Geschmack kaufen.
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Denn längst nicht alle Modelle steigen im Preis, wie aus einer Erhebung von „Focus Online“ und dem Online-Marktplatz „Mobile.de“ hervorgeht. Eine sichere Bank sind demnach die Klassiker aus deutscher Produktion. Bei Porsche etwa sind vor allem die 911-Modelle vom Typ 993 (hier im Bild als Targa) und 964 sowie das G-Modell zuletzt deutlich im Wert gestiegen. Letzteres um 137 Prozent seit 2011, gegenüber dem Vorjahr legte der Sportwagen allein um 41 Prozent zu.

Lamborghini Countach Quattrovalvole von 1985
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Spitzenreiter unter den berücksichtigten Autos war der Lamborghini Countach mit einem Plus von 217 Prozent.

Porsche 911 Ur-Elfer
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Auch im Youngtimer-Bereich, also der Grauzone zwischen Gebrauchtwagen und Oldtimern, werden schon sehr ordentliche Renditen erzielt. Wenn Marke und Modell stimmen. Grundsätzlich gilt: „Willst Du was gelten, mach dich selten“. Sportwagen und Exoten sind begehrter als Allerweltsautos.

Davon profitieren nicht zuletzt die Eigner von Porsche 911-Modellen aus den 1980er und 90er-Jahren. Deren Preisentwicklung ist nachgerade atemberaubend. Die letzten luftgekühlten sind besonders begehrt und werden jetzt oftmals schon deutlich über dem damals schon sehr hohen Neupreis gehandelt. Im Sog davon werden auch neuere Porsches teurer.

Aber auch bürgerlichere Fahrzeuge wurden wertvoller:
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Etwa das BMW 3er Cabrio der Generationen E30 (plus 100 Prozent gegenüber 2011) oder der erste Golf GTD (plus 61 Prozent).

VW Bus T2
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Unter Druck ist aktuell auch der VW Bulli. Beim Modell T1 droht sogar eine kleine Spekulationsblase. Noch bis 2014 explodierten die Preise, seit 2015 geht es jedoch bergab. Besser läuft es mit dem Nachfolger T2, der aktuell auf dem aufsteigenden Ast ist.

Mercedes-Benz Beureihe W123 T-Modell
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Auch der Mercedes W123 legte zu, allerdings vor allem der Kombi mit einem Plus von rund 20 Prozent gegenüber dem März 2015. Das Coupé hingegen hat im gleichen Zeitraum rund 16 Prozent verloren.
Das relativ meiste Geld verbrannt hat seit 2011 übrigens der Opel Omega A, dessen Preis um 41 Prozent abgesackt ist.

Ford Capri 1700 GT, 1969 - 1972
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Aber längst liegen nicht mehr nur alte Mercedes‘ oder Porsche in der Gunst der Oldtimer-Fans. Erstmal war im vergangenen Jahr ein japanisches Fabrikat in Sachen Wertsteigerung ganz vorn, das zeigt zumindest eine zweite Auswertung, der Deutsche-Oldtimer-Index, den der Verband der Automobilindustrie (VDA) jährlich herausgibt.

Der Index wird vom Bochumer Bewertungsspezialisten classic-analytics erstellt. Für die Ermittlung des Index werden 88 Fahrzeuge ausgewählt, die aufgrund ihrer Spezifikationen, ihres Herstellerlandes sowie ihrer Häufigkeit den deutschen Oldtimer-Markt repräsentativ abbilden. Die aktuellen Zulassungszahlen werden bei der Berechnung berücksichtigt ...

Zuletzt hat sich der Markt allerdings etwas abgekühlt. In den vergangenen drei bis vier Monaten habe es eine Konsolidierung gegeben, sagt Frank Wilke, Geschäftsführer der bundesweiten Schätzstelle Classic Analytics. Auch Götz Gollan, Vorstand der Privatbank Berlin, die Pfandkredite auf Oldtimer vergibt, beobachtet eine nachlassende Dynamik.

Frank Reichert, Leiter der Abteilung Klassik beim ADAC, sieht Oldtimer als reine Geldanlage ohnehin kritisch: „Die Freude am historischen Fahrzeug sollte im Vordergrund stehen. Die Wertentwicklung ist ein schöner Nebeneffekt.“ Denn wer will, dass sich der Wert seines Wagens steigert, muss auch etwas dafür tun. Und Wartung, Pflege und Unterhalt für einen Oldtimer kosten weitaus mehr als für ein halbwegs modernes Auto.

Etwa 1500 bis 2000 Euro pro Jahr müsse man für einen gut erhaltenen Mittelklassewagen der 1960er bis 1980er Jahre mit zwei Litern Hubraum einplanen, sagt Wilke. Bei einem Sportwagen könnten es schon 5000 bis 7000 Euro sein. „Nach oben sind die Grenzen offen.“ Für einen Mercedes SL, schätzt ADAC-Experte Reichert, könne die einfache Inspektion schon im vier- bis fünfstelligen Bereich liegen.

Der Flügeltürer Mercedes-Benz 300 SL erzielte laut VDA-Index in den vergangenen 16 Jahren dafür auch den höchsten Wertzuwachs gefolgt vom VW „Bully“ (VW Bus Typ 2 T2) und der „Ente“, dem Citroën 2CV6. Auf das vergangene Jahr gesehen konnte mit dem Toyota Celica Coupé aus den 1970er Jahren erstmals eine japanische Marke Platz eins bei der Wertsteigerung erobern, gefolgt vom Pontiac Firebird und dem Porsche 356 aus den 1960er Jahren.

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