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Stadtgeländewagen Wie der SUV-Boom Deutschland verändert

Deutschlands Autofahrer lieben den Geländewagen für die Stadt. Er macht mittlerweile ein Drittel der Verkäufe aus. Die Folgen sind unübersehbar.
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SUV: Wie der Boom Deutschland verändert Quelle: Audi
Audi SQ8

Das große Audi-SUV mit Sportpaket soll die gut betuchte Kundschaft locken.

DüsseldorfAn keinem Auto scheiden sich die Geister so sehr wie am SUV. Während die Kritiker über den hohen Sprit- und Platzverbrauch des „Sports Utility Vehicle“ schimpfen, steigen die anderen um: Fast jedes dritte Auto, das in Deutschland verkauft wird, ist mittlerweile ein SUV. Dieses Jahr dürfte die Zahl der verkauften Stadtgeländewagen erstmals über einer Million liegen, schätzt das Center of Automotive Research der Universität Duisburg-Essen.

Die Deutschen haben den Stadtgeländewagen für sich entdeckt. Das Segment, das 2005 noch einen minimalen Marktanteil von zwei Prozent ausmachte, ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Heute gibt es die Geländewagen in fast allen Größen: von Kleinwagen wie dem VW T-Cross bis zum hochmotorisierten Audi SQ8.

Besonders Privatkunden entscheiden sich beim Autokauf immer öfter für einen SUV. Im Privatsegment beträgt ihr Anteil 41,8 Prozent. Während Deutschlands Schüler bei „Fridays for Future“ gegen den Klimawandel demonstrieren, wechseln die deutschen Autofahrer zum Stadtgeländewagen.

Aus der Politik werden längst Forderungen laut, den SUV-Boom zu stoppen. Die einen fordern, die Kfz-Steuer auch am Fahrzeuggewicht auszurichten, wie es in anderen Ländern bereits der Fall ist. Die Grünen wollen eine Öko-Maut, bei der große Autos stärker belastet würden. Die linke Verkehrspolitikerin Ingrid Remmers schimpft in der „Welt“ über „völlig übermotorisierte Panzermodelle“.

Doch ganz so einfach ist die Sache nicht: denn gerade die SUV-Einstiegsmodelle schneiden im direkten Vergleich nicht wesentlich schlechter ab als Fahrzeuge anderer Klassen. Wer beispielsweise einen VW Golf VII mit dem kompakten VW-SUV T-Roc vergleicht, wird überrascht sein.

Beide Modelle werden auf der MQB-Plattform des Volkswagen-Konzerns gebaut, beide nutzen einen 2.0-TDI-Motor. Und während das Kompaktauto auf 1395 Kilogramm Gewicht und einen Verbrauch von 4,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer kommt, liegt das SUV mit einem Gewicht von 1415 Kilogramm nur leicht darüber. Die Gewichtsunterschiede scheinen für den Verbrauch mittlerweile wichtiger als der Aufbau zu sein.

„Ein SUV ist nicht immer ein Riesenmonster“, sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research (CAR). Nach seinen Berechnungen waren 52 Prozent aller SUVs, die in den ersten vier Monaten des Jahres 2019 in Deutschland zugelassen wurden, so lang wie ein Golf oder kürzer.

Dass Problem der Stadtgeländewagen ist nicht die Länge, sondern vor allem die Breite. Nur 25 Prozent aller Geländewagen sind nach CAR-Statistik so breit wie ein Golf oder schmaler. Die Liebe der Deutschen zum SUV wird damit für Parkhäuser der Republik zum Problem. Denn die Stadtgeländewagen blockieren oft mehrere Parkplätze oder finden auf gut besuchten Parkplätzen keine Lücke, die groß genug wäre.

Bundesländer reagieren darauf – nicht etwa mit Einfahrverboten, sondern mit größeren Parkplätzen. Ende 2017 passte beispielsweise NRW die Vorschriften für die Parkplatzbetreiber an. Parklücken müssen dort mindestens 2,45 Meter breit sein – 15 Zentimeter mehr als vorher. Dass damit die Zahl der Parkplätze in den Innenstädten weiter sinkt, müssen Fahrer kleinerer Fahrzeuge in Kauf nehmen.

Das absurde Rennen der Riesen-SUVs

Das Klischee vom Spritfresser entspricht zwar nicht der Autorealität, wird aber durch die absurden Randerscheinungen des SUV-Booms befeuert. An der Spitze der automobilen Welt sind die Geländewagen mittlerweile ein beliebteres Statussymbol als die Sportwagen. Und um diese betuchte Kundschaft liefern sich die Marken mitunter ein absurdes Technologierechnen.

So konkurrieren Bentley und Lamborghini seit einigen Jahren um den Titel „schnellstes SUV der Welt“. Als Lamborghini im Jahr 2018 das erste SUV namens „Urus“ vorstellte, stießen die Italiener Bentley vom Thron. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 305 Stundenkilometern war das Modell vier Stundenkilometer schneller als der „Bentayga“ der Briten.

Grund genug für die Bentley-Ingenieure, noch einmal nachzulegen. Der 608 PS starke W12-Motor des Bentayga wurde um 27 PS aufgerüstet, die Aerodynamik verbessert und auch das Sportprogramm überarbeitet. Das Ergebnis: Der Bentayga Speed schafft nun 306 Stundenkilometer – und ist wieder das schnellste SUV der Welt. Der Titel blieb in der Familie: Beide Marken gehören zum VW-Konzern.

Und auch bei der Größe überbieten sich die Hersteller. Mit dem X8 bringt BMW ab 2020 ein neues Riesen-SUV mit einem Gewicht von 2,5 Tonnen auf den Markt. Und auch Mercedes drängt mit dem GLS in das SUV-Spitzensegment. Mit einer Länge von 5,21 Metern ist das Riesen-SUV fast so lang wie zwei Smart fortwo hintereinander und so breit, dass selbst die Waschstraßen in Europa kapitulieren. Denn die wurden entwickelt, bevor der SUV-Hype grassierte.

Das neue SUV-Flaggschiff der Schwaben hat daher das Problem, nicht in die Laufschienen europäischer Waschstraßen zu passen. Mit einer hydraulischen Schrumpffunktion passt sich das Modell so an, dass es für eine Autowäsche reicht.

Die großen Modelle zielen vor allem auf die Absatzmärkte China und USA, denn dort grassiert das SUV-Fieber noch deutlich stärker als in Deutschland. In den USA beträgt der Anteil normalgroßer Autos nur noch 30 Prozent. Der Rest sind sogenannte Light Trucks – also SUVs und Pick-ups. Auch für Deutschland rechnet Autoexperte Dudenhöffer darum mit einem weiteren Wachstum des Segments. „Das Ende der Fahnenstange ist bei den SUVs noch lange nicht erreicht.“

Mehr: Im Sommer startet Mercedes mit dem EQC seine Elektro-Offensive. Das Mittelklasse-SUV erweist sich als Schlaumeier in Sachen Reichweiten- und Lademanagement.

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