Studie Die Lust am Autokauf im Netz wächst

Lange waren die Deutschen skeptisch, wenn es darum ging, ein Auto im Netz zu kaufen. Doch eine neue Studie zeigt, dass die Vorbehalte schrumpfen. Für die Händler ist das eine Herausforderung.
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Auf eine Probefahrt wollen die Käufer auch beim Kauf im Netz nicht verzichten. Quelle: dpa

Auf eine Probefahrt wollen die Käufer auch beim Kauf im Netz nicht verzichten.

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DüsseldorfEin Buch ist im Netz schnell gekauft, ein Abendkleid auch, doch bei großen Investitionen wie einem Auto hielten sich die Deutschen lange zurück. Das könnte sich bald ändern: Für die jährliche „Cars Online Studie“ haben die Unternehmensberater von Capgemini Consulting weltweit rund 10.000 Autokäufer befragt, davon 1000 in Deutschland. Das Ergebnis: 44 Prozent aller Befragten können sich vorstellen, ihr nächstes Auto online zu kaufen, bei den jungen Autokäufern zwischen 18 und 35 Jahren ist es sogar jeder Zweite. „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich der Onlinekauf von Autos durchsetzt“, sagt Studienautor Markus Winkler, der bei Capgemini Consulting weltweit das Marktsegment Automotive leitet.

Für Händler hat die Studie gleich zwei wichtige Botschaften parat: Zum einen sind sie immer noch die wichtigste Informationsquelle für potentielle Käufer, zum anderen müssen sie sich aber im Netz mit deutlich mehr Konkurrenten messen. Weil die Preise immer transparenter werden, könnten auch die Margen unter Druck geraten.

Doch zum Glück der Händler entscheiden nicht nur der Preis des Neuwagens. „Auch Themen wie die Inzahlungnahme und dabei besonders die Bewertung des gebrauchten Fahrzeugs spielen eine Rolle“, so Winkler. Und selbst beim Autokauf im Netz wollen die meisten Kunden nicht auf eine Probefahrt verzichten. Allerdings muss die nicht unbedingt beim Händler stattfinden.

Bei der Suche des richtigen Fahrzeugs informieren sich 97 Prozent aller Käufer vorher im Netz. Immerhin 83 Prozent aller Befragten gehen dafür auch in die sozialen Netzwerke. „Der Kunde sucht sich durchaus seine Kanäle für Bewertungen selbst“, sagt Winkler. Neben Fachmedien sei auch die Bewertung aus dem direkten Umfeld wichtig. Denn die Fahrzeugbewertung sei noch nicht so transparent wie in anderen Segmenten, etwa der Hotelbranche. „Persönliche Empfehlungen aus dem direkten Umfeld gewinnen an Bedeutung.“ Positive Kommentare sind immerhin für drei von vier Befragten ein Kaufargument. Aber auch das Vertrauen in die Hersteller selbst sei relativ hoch, betont Winkler.

Um weiter die Deutungshoheit über die eigene Marke zu behalten, sollten auch die Hersteller ihre Präsenz in den sozialen Netzwerken nicht vernachlässigen. Das wichtigste sei dabei die Interaktion, betont Unternehmensberater Winkler. Die Marken müssten konkrete Beschwerden ernstnehmen und aktiv Kontakt aufnehmen. „Wer das nicht tut, bekommt ein Problem.“ 85 Prozent aller Befragten erwarten, dass ihre Anliegen persönlich von den Herstellern beantwortet werden.

So fahren Autokäufer hohe Rabatte ein
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Berlin, Deutschland, Frau sitzt mit ihrem Laptop auf dem Sofa
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Mehr als 20 Portale wie beispielsweise MeinAuto.de oder Autoscout24.de, listen derzeit Top-Preise von mehreren Hundert deutschen Vertragshändlern im Internet. Dort kann der Interessent sein Wunschmodell konfigurieren und eine Offerte anfordern.

Neben Ausstattung, Farbe, Motorleistung und Extras berücksichtigen die umfangreichen Abfragen auch weiter rabattierende Kriterien wie "Führerscheinneuling", "Inzahlungnahme" oder die sogenannte "Eroberungsprämie" für Kunden, die zu einer anderen Marke wechseln.

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Laut Zahlen des CAR-Instituts (Center Automotive Research) an der Universität Duisburg-Essen hat 1980 ein durchschnittlicher Wagen 8.420 Euro gekostet. Zehn Jahre später blätterten Neuwagenkäufer schon 15.340 Euro hin und 2012 durchschnittlich 26.446 Euro. Das ist ein Preisanstieg von 214 Prozent. Ohne dass sich die Löhne in den letzten 30 Jahren vervierfacht hätten.

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Zu den weiteren Spartipps zählt der Werksverkauf: Beim Autokauf lässt sich einiges sparen, wenn der neue Flitzer nicht im Autohaus nebenan, sondern im Werk gekauft wird. Die Kosten für die Überführung wälzt der Händler nämlich in der Regel auf die Kunden ab. Wer sein Auto also direkt bei VW & Co abholt, kann bares Geld sparen.

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Auslandskäufe: Außerdem sind Autos im Ausland oftmals bis zu 30 Prozent günstiger, als in Deutschland. Wer seinen Wagen in einem der Nachbarländer kauft, zahlt den dortigen Nettopreis plus die deutsche Mehrwertsteuer. Wer keine Lust hat, von München nach Amsterdam zu fahren, um sich ein günstiges Auto zu kaufen, kann den Trip ja auch mit einem Kurzurlaub verbinden.

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Re-Importe: Wer darauf keine Lust hat, sollte sich nach Re-Importen umsehen. Bei diesen Wagen übernehmen Autohändler die Fahrt ins benachbarte Ausland und kaufen große Mengen günstiger Autos, die - steuerlich begünstigt - hierzulande verkauft werden.

Autokauf im Autohaus
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Auf eine Probefahrt sollte der potenzielle Käufer aber nicht verzichten. "Man informiert sich zunächst ausführlich im Internet, lässt sich dann aber vom Händler abschließend beraten und kauft auch dort", erläutert Jürgen Grieving vom ADAC.

Auch an Bord des Autos nimmt die Relevanz vernetzter Technik zu. Dabei spielt der Umsatz mit Apps und anderen Netzangeboten für Händler und Hersteller nach Ansicht von Winkler nur eine Nebenrolle: Denn die Kundendaten und vor allem Nutzungsinformationen, die das vernetzte Auto sammelt, könnten künftig gezielter auswertet werden, um den Kunden so individuell zugeschnittene Angebote zu machen. Dadurch steige auch die Loyalität des Kunden zum Hersteller. Wer die Fahrzeugdaten stets parat hat, könnte beispielsweise automatisch über Wartungsintervalle informiert werden.

Die Skepsis der Autofahrer, ihre Daten in Echtzeit zu übertragen, schrumpft. Weltweit wären 82 Prozent bereit, ihre Fahrzeugdaten zu teilen. Dass die Zustimmung in Deutschland mit 62 Prozent niedriger ausfällt, begründet Winkler mit der hohen Sensibilität der Deutschen beim Thema Datenschutz. Dennoch sei auch hier eine Mehrheit der Befragten aufgeschlossen, ihre Daten zu teilen. Das zeigt: Auch die Technikskepsis der Deutschen nimmt sukzessive ab.

Rabattschlacht in der Autobranche

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1 Kommentar zu "Studie: Die Lust am Autokauf im Netz wächst"

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  • "Weltweit wären 82 Prozent bereit, ihre Fahrzeugdaten zu teilen. Dass die Zustimmung in Deutschland mit 62 Prozent niedriger ausfällt, ..."

    Das kann ich echt nicht glauben? Wer will denn dass er auch noch beim Autofahren ständig überwacht wird? Entweder haben die alle das Problem noch nicht verstanden oder es ist reiner Fatalismus, weil man ja sowieso getrackt wird wenn man sein Smartphone dabei hat ...
    Um wirklich noch in Zukunft "frei" Auto fahren zu können, muss man sich dann wohl ein altes Auto kaufen und das Handy zu Hause lassen.

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