SUV-Modelle Outdoor-Boom begeistert die Autobauer

Schon jetzt ist jeder siebte Neuwagen in Deutschland ein „Sports Utility Vehicle“. Nun hat der Trend sogar Kleinwagen erreicht. Die Entwickler trimmen auch sie auf Geländegängigkeit - die Absatzpotenziale sind gewaltig.
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Montage eines BMW X3 im BMW-Werk Spartanburg in den USA. Quelle: dpa

Montage eines BMW X3 im BMW-Werk Spartanburg in den USA.

(Foto: dpa)

Als gestern in Rastatt das erste Modell der Mercedes-A-Klasse vom Band rollte, sprach Daimler-Chef Dieter Zetsche von einem „weiteren Meilenstein der Wachstumsstrategie“ seines Konzerns. Und er kündigte an, dass es die A-Klasse bald auch als schicken, kleinen Geländewagen in Golf-Größe, den GLA, geben wird. Denn: „Kleine SUV sind das am stärksten wachsende Segment in der Autoindustrie.“

Tatsächlich haben die Sports Utility Vehicles, sportliche und geländetaugliche Familienkutschen, deutsche Straßen im Sturm erobert. Fast jeder siebte Neuwagen, der in der ersten Jahreshälfte verkauft wurde, war ein SUV. 2011 wurden nach Berechnungen des Car-Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen gut 422.000 der geländegängigen Familienkutschen verkauft - obwohl das beliebteste Premium-SUV, der BMW X3, bei einem Listenpreis von 37.800 Euro beginnt.

Der sportliche Geländewagen ist für viele heute mehr Lebensgefühl als Auto: „Ein SUV vermittelt durch seine Größe das Gefühl eines beweglichen Zuhauses“, sagte die Modedesignerin Jette Joop, die am Art Center College of Design im kalifornischen Pasadena Autodesign studiert hat, dem Handelsblatt. Auch für moderne Frauen, die ihren Erfolg gern mit Statussymbolen der Männer zeigten, seien die Autos interessant. Für andere stehe der SUV für Sicherheit - „vergleichbar mit dem Pulli des Freundes, der ihnen Geborgenheit vermittelt“.

Der Marktanteil des SUV-Segments wird nach Prognosen des Car-Center weiter rasant wachsen - auf 18 Prozent bis 2015. Denn die Autohersteller geben inzwischen nicht nur Familienkutschen mit großem Benzinverbrauch, sondern auch Klein- und Kompaktwagen eine SUV-Gestalt.

Der VW „Tiguan“ in Golf-Größe ist mit 29.032 verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr Bestseller auf dem deutschen Markt und bringt Volkswagen eine Marge von geschätzt 15 Prozent. Um an diese Erfolge anzuknüpfen, arbeiten die Wolfsburger auch an einer SUV-Variante des Kleinstwagens Up und einer Geländeversion des Polo, die 2015 auf den Markt kommen soll.

BMW bietet einschließlich seiner Tochtermarke Mini bereits fünf Geländemodelle und verkauft 480.000 SUV pro Jahr, das entspricht fast 30 Prozent des Absatzes. „Wir sehen weiteres Wachstum“, sagte ein Konzernsprecher, deshalb ist jetzt mit dem kompakten X4 das sechste Modell in Planung. Und der Daimler-Konzern, der 1997 mit der Mercedes-M-Klasse die SUV in Deutschland erst populär machte, legt mit der A-Klasse nach.

„Der Autobauer, der keine Kompakt-SUV im Angebot hat und das Angebot nicht permanent ausbaut, kann sich aus dem deutschen Automarkt zurückziehen“, sagt Car-Center-Direktor Ferdinand Dudenhöffer. Das lässt Schlimmes für die in der Krise steckenden Massenhersteller Opel und PSA Peugeot Citroën erahnen. Beide haben den boomenden SUV-Markt sträflich vernachlässigt.

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19 Kommentare zu "SUV-Modelle: Outdoor-Boom begeistert die Autobauer"

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  • Ein SUV ist "Die Eier legnede Wollmilchsau".

    Rationale Kaufgründe:
    - Bequemer Ein- und Ausstieg.
    - Bessere Voraus- und Rundumsicht.
    - Luftiger Innenraum, angenehme Platzverhältnisse.
    - Variables Raumangebot, bequemeres Be- und Entladen.
    - Robuste, belastbare Karosserie
    - Verfügbarer Allradantrieb.
    - Erhöhte Bodenfreiheit, größere Böschungs- und Rampenwinkel.
    - Einsatz als Zugfahrzeug.
    - Bessere Fahrsicherheit mit 4WD auf schlechten Straßen, bei widrigen Wetterverhältnissen, beim Ausweichen auf schmalen, unbefestigten Wegen.
    - Sichere Winterfahreigenschaften.
    - Eine signifikant verbesserte Wirtschaftlichkeit.
    - Ein hoher Werterhalt und Wiederverkaufswert (außer Monster SUV's)

    Emotionale Kaufgründe:
    - Die individuelle Abgrenzung gegenüber Klischee-Fahrzeugkategorien bzw. traditionellen Schubladenkonzepten.
    - Die Freude, über der gewöhnlichen Masse zu thronen.
    - Die Lust, aus höherer Position das Geschehen zu beherrschen.
    - Das hoheitliche Fahrgefühl von Überlegenheit und Gelassenheit.
    - Die selbstbewusste Demonstration von dominanter Präsenz, Stärke und Kraft.
    - Der „Trutzburg-Aspekt“, unnahbar und unangreifbar zu sein.
    - Das beruhigende Gefühl, allen Eventualitäten Paroli bieten zu können.
    - Das Bewusstsein, mit Allradantrieb weiterzukommen, mehr zu entdecken, Abenteuer erleben zu können.
    - Der Drang zur individuellen Persönlichkeitsprofilierung mit einem extrovertierten Autokonzept.
    - Der Genussfaktor eines luxuriösen, gehobenen Ausstattungsniveaus.
    - Der Besitzerstolz, sich selbst solch ein exponiertes Individualauto zu gönnen.

    "In der Burg (hohe Fahrgastzelle) auf dem Berg (massive Karosse) bin ich Herr/Herrin des Geschehens" oder "My car is my castle."

  • Outdoor? Nein es ist der gesundheitliche Zwang für ältere Leute, bzw. für Behinderte bequemer einsteigen zu können. die Sitze sind höher und man brauch sich nicht erst auf die Straße zu legen, damit man hineinkriechen kann.

  • @ easyway ...! ...,. die Gedanken sind frei .... sowie die fakultative Kaufentscheidung includiert die Erkenntnis über Geschmack etc. Ihre außerordentliche aggressive anti D Grundhaltung sollten sie gelegentlich mal physikalisch überprüfen. Vielleicht in einem SUV durch eben dieses Land..., sie werden sehen keiner wird sie an ihrer Ausführung ihres Daseins beeinflussen wollen, geschweige wie in B vor roten Ampeln derart belästigt zu werden. Think big. Danke
    Burki

  • Die Deutschen sind geborene Widerständler und erstmal dagegen, schon bevor sie wissen, was der andere überhaupt sagen will. Sagt der es dann doch gegen alles Gemurre, sind sie erst recht verbissen in ihrer Gegnerschaft, sie hören weg und vergraben sich in ihrem Schützengraben.
    Dieser Zustand dauert mindestens hundert Jahre, meistens aber tausend oder länger. Die Gegnerschaft knacken, kann nur ein selbstermächtigter Führer, der jeden Blödsinn behaupten und willkürlich das Land von den Füßen auf den Kopf stellen. Sowas finden die Deutschen vernüftig, meistens demokratisch und dann sind sie besonders stolz. Bis es raucht.
    Die Franzosen haben dafür die Redewendung erfunden: die Deutschen wollen mit dem Kopf durch die Wand, verkürzt, der will mit dem Kopf durch die Wand. Und fragten sich still: warum nehmen die eigentlich nie die Tür?

    Outdoor-Boom - finden die Deutschen gut. Weil man mit solchen Egohebern alles plattfahren kann und die Idee von Oben kommt.

  • Wann haben Sie Ihren letzten Opel gekauft?

  • Der aktuelle SUV-Boom ist das letzte Aufstöhnen der zu groß gewordenen Dinosaurier, deren Zeit gekommen ist.



  • SUVs sind häßlich, ausser Range Rover.
    Besonders schlimm finde ich, dass auch Maserati so einen Klotz bauen will. Früher hat Maserati mal elegante Sportwagen und GTs gebaut.

    Früher war eben doch manches besser.

  • Da wir unsere Steuern an die Südländer überweisen, werden unsere Strassen noch weniger repariert und weiter verkommen. Ein SUV ist da nur logisch.

  • Da hab ich doch glatt noch ein paar Argumente für SUV's vergessen:

    Mein Bekannten erzählen ja immer, wie toll man da ein- und aussteigen kann. Tja, dachte ich, da muss ich wohl was falsch verstanden haben. Ich dachte immer Autos würde in erster Linie zum Fahren entwickelt.

    Doch wer hat denn nun Recht? Machen wir doch einfach eine Einsatz-Analyse: Wieviel Zeit verbringe ich mit Ein- und Aussteigen und wieviel mit Fahren?

    Hier für den typischen spießigen Durchschnitts-Normalo-Fahrer:
    - Einkaufen Fahren: 3 sec Einsteigen, 5 min Fahren, 3 sec Aussteigen: 2*3 sec / (5*60) sec = 2% Ein-/Aussteigen, 98% Fahren.
    - Fahrt zur Arbeit: dto aber 20 min Fahren, => 6 / (20*60) = 0,5% Ein-/Aussteigen 99,5% Fahren.
    - Wochenendausflug: dto aber 1 Std Fahrt => 6 / (60*60) = 0,167% Ein-/Aussteigen, 99,833% Fahren.
    - Fahrt in den Urlaub, Pause alle 3 Stunden => 0.05% Ein-/Aussteigen, 99,95% Fahrt

    Ok, klarer Punktsieg gegen ein-/aussteige-optimierte Steigzeuge und für zum Fahren optimierte Fahrzeuge. Aber eben nur für die Normalo-Spießer.
    Und ich bin ja kein Spießer, nein ich bin SUV-Fahrer! Meine Haupt-Einsatzgebiete: Jeden Morgen 10x Ein- und Aussteigen, um mich daran zu freuen, zum Briefkasten fahren, zum Bäcker fahren, 1 x durch den Garten fahren, um die Geländefähigkeit zu feiern. Und so komme ich statt 99,x% nur noch auf 80-90% Fahr-Anteil. Was klar beweist, dass Einsteigen wichtiger ist als Fahren.

    Ach ja, im Parkhaus steige ich als SUV-Fahrer auch viel häufiger ein und aus. Zumindest versuche ich es, um dann zu merken, dass die Parklücke für mein breites SUV wiedermal zu eng war. Also weiter zur nächsten Parklücke...

    Update: Inzwischen ist SUV verkauft. Wiedervorlage Thema SUV:
    77. Geburtstag: dann, wenn Ein-/Aussteigen wirklich ein Thema ist!

  • So sehen heute Frauenautos aus! Ich bevorzuge da in unserem Großstadtdschungel Mini und amüsiere mich, wenn so ein Frauenzimmer mit der Parklücke kämpft.

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