Traditionsbranche im Umbruch Taxi-Ruf bundesweit per App

Hallo Taxi: Mehr als eine Millionen Mal am Tag rufen die Deutschen ein Taxi. Das traditionelle Gewerbe steht vor Veränderungen – nicht nur wegen möglicher Dieselfahrverbote in Innenstädten.
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Vertreter der Branche mit bundesweit rund 36.000 Unternehmen treffen sich an diesem Dienstag zu einer Verbandstagung in Jena. Quelle: dpa
Deutsches Taxi-Gewerbe

Vertreter der Branche mit bundesweit rund 36.000 Unternehmen treffen sich an diesem Dienstag zu einer Verbandstagung in Jena.

(Foto: dpa)

JenaDeutschlands Taxi-Gewerbe setzt beim Umstieg auf Elektroautos auf staatliche Unterstützung und testet derzeit neue Modelle wie Taxi zum Teilen. „Als Mobilitätsdienstleister stellen wir uns den Trends. Dazu gehört auch der Taxi-Ruf per App, der bundesweit möglich ist“, sagte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes, Michael Müller, der Deutschen Presse-Agentur.

Vertreter der Branche mit bundesweit rund 36.000 Unternehmen treffen sich an diesem Dienstag zu einer Verbandstagung in Jena. Laut Müller rufen die Deutschen pro Tag etwa 1,2 Millionen Mal ein Taxi – rund 430 Millionen Taxi-Fahrten gebe es jährlich.

Bei der Tagung geht es unter anderem um Konsequenzen aus der Dieselabgasdebatte sowie die Zukunft von E-Taxis. Müller geht davon aus, dass das Taxi-Gewerbe auf Elektrofahrzeuge umstellt, wenn die Voraussetzungen besser werden. Dazu gehöre, dass die Industrie mehr für diesen Einsatz geeignete Autos mit entsprechender Fahrleistung anbiete und die Infrastruktur mit Ladestationen ausgebaut werde. Viele der Elektroautos, die derzeit auf dem Markt sind, seien als Taxi zu klein.

Wo Taxifahren wenig kostet – und wo es besonders teuer ist
Taxipreise
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Wer in ein Taxi am Tokioter Flughafen steigt, ist – in der Innenstadt angekommen – schon mal um 170 Euro ärmer. Wo Taxifahren am teuersten, wo es am günstigsten ist, das hat das Online-Autohaus Carspring in einer Studie herausgefunden. Sie legt den Preis für Taxifahrten in 80 Städten weltweit offen. Sich über den ungefähren Fahrpreis zu informieren, kann Abzocke vorbeugen.

Die Rangliste beruht in erster Linie auf dem Preis für eine gewöhnliche Fahrt von drei Kilometern Länge. Die Bildergalerie zeigt die fünf preiswertesten – und die fünf teuersten Taxi-Städte. Auch die deutschen Vertreter tauchen im oberen Drittel auf.

Platz 5: Mexiko-Stadt
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Der Mann auf der Motorhaube mag etwas irritieren, aber der Kult-Käfer von Volkswagen war in der mexikanischen Hauptstadt lange das beliebteste Modell für Taxis. Mittlerweile soll das laut dem Carspring-Index der Nissan Tsuru sein. Mexiko-Stadt ist unter den 80 untersuchten Orten die günstigste Taxi-Stadt Lateinamerikas. 1,36 Euro kostet hier eine drei Kilometer lange Fahrt.

Platz 4: Bukarest
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Auf Uber können Kunden in 65 der 80 Städte zurückgreifen. Ende April protestierten Taxifahrer vor dem Regierungsgebäude in Bukarest gegen Online-Fahrdienstleister. Dabei sind normale Taxis schon erschwinglich. Drei Kilometer kosten 1,31 Euro.

Platz 3: Jakarta
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Indonesische Warteschlange: 1,31 Euro müssen Taxi-Kunden für drei Kilometer aufwenden. Toyota-Modelle sind nicht nur in Jakarta hoch im Kurs...

Platz 2: Mumbai
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Der Toyota Innova ist das beliebteste Modell unter Mumbais Taxiunternehmern. Schon für 1,24 Euro legt man in der indischen Hafenstadt die Drei-Kilometer-Strecke zurück.

Platz 1: Kairo
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In der ägyptischen Hauptstadt kostet die Entfernung bloß 49 Cent. Kairo ist damit die mit Abstand günstigste Stadt für Taxi-Nutzer. Und in noch einer wichtigen Kategorie wird der Geldbeutel der Kunden geschont: Die Fahrt vom Flughafen beläuft sich auf 3,73 Euro. Beim Grundpreis ist Kairo (20 Cent) schlagbar: In Tunis liegt der gerade mal bei 17 Cent.

Platz 65: Köln
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Deutschland kommt da nicht mit. Für 9,41 Euro käme man in Kairo knapp 60 Kilometer weit, in Köln reicht das Geld nur für drei. Die Rheinländer bieten die Dienstleistung im Vergleich zu den drei anderen deutschen Millionenstädte am preiswertesten an. Die Taxi-Lobby ist stark im Mercedes-Land. Nur in zwei Metropolen ist Uber zugelassen: in Berlin und der teuersten Taxi-Stadt Deutschlands...

Bisher gebe es bundesweit erst wenige Testprojekte für E-Taxis. „Das ist noch kein wirtschaftlicher Betrieb“, sagte Müller. Der Verband setze sich dafür ein, dass die Mehrkosten bei der Anschaffung von E-Taxis sowie die Einschränkungen im Betrieb durch die Akkuladezeiten zumindest teilweise durch eine staatliche Förderung ausgeglichen werden. „Wir brauchen eine Förderung, die es möglich macht, auf E-Mobilität umzustellen. Es sollte einen Anreiz geben“, sagte der Verbandspräsident.

Die derzeitige Diesel-Diskussion sowie die noch fehlende Infrastruktur für Elektroautos sorgten bei den Unternehmen für eine Investitionszurückhaltung. Druck auf die Branche kommt zudem von Vermittlungsanbietern wie Mytaxi.

Was Apps angehe, habe das Taxigewerbe eigene Systeme in Betrieb. „Wir sind bereits digitaler, als viele denken.“ Bei der App-Nutzung erwartet Müller einen kontinuierlichen, leichten Anstieg in den nächsten Jahren. Bisher gebe es mehr als 100.000 Taxirufe per App im Monat in Deutschland. Noch würden jedoch etwa 70 Prozent der Fahrten telefonisch bestellt, Buchungssysteme im Gastgewerbe oder in Arztpraxen hätten einen Anteil von 10 bis 12 Prozent. Und es werde auch noch nach Taxen am Straßenrund gewinkt. „In Berlin ist das beispielsweise noch weit verbreitet.“

Beim Taxi zum Teilen würden Fahrstrecken so gelegt, dass mehrere Kunden mit verschiedenen Zielen auf dem Weg zu- und aussteigen können. Die Fahrgäste teilen sich die Kosten, die Koordination erfolge über eine Taxizentrale. „Am Ende werden die Kunden entscheiden, ob sie das annehmen.“

Die wirtschaftliche Situation des Taxi-Gewerbes bewertete Müller als befriedigend. Es gebe durch die demografische Entwicklung eine steigende Nachfrage. „Eine alternde Gesellschaft hat Bedarf an Mobilitätsdienstleistungen.“ Die Zahl der Unternehmen, die bundesweit rund 93.000 Taxen betrieben, sei recht stabil.

  • dpa
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