Vor 65 Jahren Wie der Käfer in die Neue Welt kam

Den ersten Käfer brachte der Niederländer Ben Pon in die USA. Der Anfang war zwar schwer, aber dann explodierte die Nachfrage so sehr, dass sogar ein grauer VW-Markt entstand, weil man den Bedarf nicht decken konnte.
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Blick in den 100.000ste Käfer aus dem VW-Werk Emden. Quelle: PR

Blick in den 100.000ste Käfer aus dem VW-Werk Emden.

(Foto: PR)

Niemand weiß, ob die Story nun wahr oder unwahr ist - gut erfunden ist sie auf jeden Fall. Denn es steht zwar fest, dass der Niederländer Ben Pon, seit dem 8. August 1947 Volkswagen-Generalimporteur für die Niederlande, Anfang 1949 den ersten Volkswagen Käfer (den mit dem Brezel-Heckfenster) in die USA verschiffte und ihn zusammen mit einem weiteren Exemplar im gleichen Jahr in der Neuen Welt verkaufte.

Ob er das allerdings aus purer Geldnot tat, weil er mangels flüssiger Mittel seine Hotelrechnung nicht bezahlen konnte, gehört zu den gerne von US-Käferliebhabern erzählten Legenden. Denkbar aber wäre es: Pon hatte längere Zeit erfolglos damit verbracht, einen amerikanischen Vertriebspartner zu finden.

Ob Ben Pon das allerdings aus purer Geldnot tat, weil er mangels flüssiger Mittel seine Hotelrechnung nicht bezahlen konnte, gehört zu den gerne von US-Käferliebhabern erzählten Legenden. Denkbar aber wäre es: Pon hatte längere Zeit erfolglos damit verbracht, einen amerikanischen Vertriebspartner zu finden. 

VW-Importeur Ben Pon, der auch den allerersten Bulli-Entwurf skizzierte. Quelle: PR

VW-Importeur Ben Pon, der auch den allerersten Bulli-Entwurf skizzierte.

(Foto: PR)

Exakt 65 Jahre ist das in diesen Tagen her, dass die ersten Käfer die USA erreichten - jenes Land, das dem deutschen Auto überhaupt erst den Namen verpasste, der heute geläufig ist. "Beetle" oder "Bug" nannten die Amerikaner ihn - Käfer. Die Bezeichnung soll erstmals 1938 der "New York Times" eingefallen sein. 

Von da an ging es bergauf. Und das, obwohl selbst der damalige Volkswagen-Chef Heinrich Nordhoff schon kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 1948 mit der Aussage zitiert wurde, man baue da ein Auto, das "so viel Fehler wie ein Hund Flöhe hat".

Das hatte zur Folge, dass am Käfer über die Jahre so viel verändert und verbessert wurde wie an kaum einem anderen Auto - mit dem Ergebnis, dass ein Käfer der siebziger Jahre bis auf das Bauprinzip und den Wiedererkennungswert der Form nichts mehr mit seinen Urahnen gemein hatte. 

Was damals noch niemand ahnen konnte und mit zwei Autos 1949 begann, entwickelte sich zum kulturellen Meilenstein für eine ganze Generation und zu einem der kultigsten Autos der Welt. Sechs Jahre später kam es zur Gründung der Volkswagen of America mit Sitz in Englewood Cliffs.

Als der Käfer noch von Hand gebaut wurde
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Anfang der 1950er Jahre beauftragt VW einen Regisseur, einen Imagefilm über die noch junge Käfer-Produktion zu drehen. Er hält die Fertigung Schritt für Schritt im Bild fest. Zur Skizzierung des Filminhalts werden auch Fotos gemacht. Diese sind jetzt wieder aufgetaucht.

Sie geben einen spannenden Einblick in die Arbeitswelt des Jahres 1953, als der Käfer noch weitgehend von Hand gefertigt wurde. Der frühere Volkswagen-Archivar Bernd Wiersch zeigt die Fotos in dem Bildband Als der Käfer laufen lernte, der im Delius Klasing Verlag erschienen ist.

Foto: Lackierte Karosserien des VW Käfer im Volkswagen-Werk in Wolfsburg vor dem Transport in die Endmontage | © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

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Montage der Getriebe. 

Foto: © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

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Der Rahmen einer Windschutzscheibe wird mit der Armaturentafel verschweißt. 

Foto: © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

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Die Karosserie wird mit einer Hängefördereinrichtung ins Tauchbad hinabgelassen, in dem sie eine Grundierung bekommt. 

Foto: © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

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Die grundierte Karosserie wird poliert, um Unebenheiten zu beseitigen, die sich später im Lack abzeichnen würden. 

Foto: © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

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Von wegen Lackier-Roboter: Der Farblack wird manuell aufgetragen. 

Foto: © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

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Ausschließlich für die exportierten VW Käfer wurden Beläge für die Bodenplatten genäht – im Standardmodell lagen Gummimatten im Fußraum.

Foto: © Bildarchiv Schroedter/Delius Klasing Verlag

Inzwischen bietet VW in den USA elf verschiedene Modelle über 644 Händler an, die im vergangenen Jahr genau 407.704 Fahrzeuge an den Mann oder die Frau brachten. Zur Zeit kränkelt allerdings das Geschäft ein wenig. 2014 begann für VW in den USA mit einem Fehlstart und einem Absatzminus von 19 Prozent.

Mitte der 1950er Jahre rollten mehr als 35.000 Käfer auf US-Straßen, 1960 fast zehnmal so viele. Die Amis fanden den Käfer nicht nur erschwinglich und praktisch, ihnen gefiel zudem sein einzigartiges Design, seine geringe Größe und sein im Vergleich zu einheimischen Straßenkreuzern sparsamer Kraftstoffverbrauch. 

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