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Zell am See Ikonen auf Eis – wie die Familie Porsche die legendären Eisrennen wiederbelebt hat

Nach fast 50 Jahren sind die Eisrennen in Zell am See zurück. Wenn die Familie Porsche ruft, kommen selbst ehemalige Formel-1-Fahrer.
  • Benjamin Bessinger
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  • Spotpress
Vor rund 8.000 Zuschauern düsten die Sportwagen bis spät in die Nacht über die glatte Rennstrecke. Quelle: Porsche
Vorsicht glatt

Vor rund 8.000 Zuschauern düsten die Sportwagen bis spät in die Nacht über die glatte Rennstrecke.

Zell am SeeEs war nicht zuletzt der Stall, der es Ferdinand Porsche angetan hat. Denn als die Familien Porsche und Piech ihre vielen Kinder vor den Wirren des Zweiten Weltkrieges schützen wollten, haben sie sich auch deshalb für das Schüttgut in Zell am See entschieden, weil sie sich dort mit einer Landwirtschaft selbst versorgen konnten.

Das ist jetzt zwar bald 80 Jahre her, doch der Bauernhof mit Blick auf das Kitzsteinhorn ist noch immer in Familienbesitz und der Stall spielt für den aktuellen Hausherren Wolfgang Porsche bis heute eine große Rolle.

Allerdings nicht mehr für Kühe, sondern für Pferdestärken. Schließlich hat der Sohn des Firmengründers dort eine erkleckliche Autosammlung untergebracht, die beileibe nicht nur der eigenen Firmen- und Familiengeschichte huldigt.

Denn nun hat Porsche Autos wie einen Alfa 8C oder einen 550er Spyder zu einer Gelegenheit aus der Halle geholt, bei der Oldtimer-Fans Schnappatmung und Herzrasen bekommen würden: Für ein Rennen auf Eis und Schnee.

Natürlich sind das nicht die besten Bedingungen für Klassiker, das zeigt schon die Tatsache, dass man zum Beispiel die dafür nötigen Spike-Reifen nicht gerade von der Stange kaufen kann. Aber die Wintersause hat für die Porsches gleich mehrfach eine besondere Bedeutung.

Denn erstens ist sie eine Familienangelegenheit, die Ur-Enkel Ferdinand zusammen mit einem Studien-Kameraden aus der Taufe gehoben hat. Und zweitens erinnert das GP IceRace an die legendären Eisrennen, die früher mal zu Zell am See gehörten, wie die vielen Passstraßen drum herum: Während sich Männer wie Hans Stuck im Sommer auf den Kehren hinauf zum Großglockner bewähren konnten, sind sie im Winter über den zugefrorenen See gedriftet.

Auch diverse Autos aus dem VW-Konzern rasten über die Eispiste Quelle: Porsche
Golf mit Winterreifen

Auch diverse Autos aus dem VW-Konzern rasten über die Eispiste.

Inspiriert wurden die Österreicher dafür seinerzeit vom so genannten Skijöring während der Olympischen Winterspiele in Sankt Moritz, wo sich 1928 zum ersten Mal Skiläufer von reiterlosen Pferden über das Eis hatten ziehen lassen. Nur dass sie beim ersten Rennen in Zell am See neun Jahre später lieber auf Pferdestärken als auf Pferde setzten und einfach Motorräder vor die Skier spannten.

Irgendwann fuhren die Zweiräder dann auch ohne Anhang und plötzlich waren die ersten Autos auf dem Eis unterwegs, erinnern sich die Veranstalter. Nach bald 40 Jahren fand der Spaß allerdings ein jähes Ende, weil bei den Vorbereitungen des Rennens im Jahr 1973 zwei Gemeindearbeiter mit ihrem Räumgerät einbrachen und sich einer der beiden nicht mehr aus dem Eiswasser retten konnte.

Fast 50 Jahre später lässt Porsche diese Tradition jetzt wieder aufleben – sicherheitshalber allerdings auf einem Flugfeld neben dem See. Und so eindrucksvoll der Stall auf dem Schüttgut auch bestückt ist, gehen bei den bis spät in die Nacht unter Flutlicht ausgetragenen Rennen vor rund 8.000 Zuschauern beileibe nicht nur die eigenen Autos auf den 600 Meter langen Rundkurs.

Früher wurden die Rennen auf dem zugefrorenen See ausgetragen Quelle: Veranstalterfoto/GP Ice Race
Früher konnte man einbrechen

Vor einigen Jahrzehnten wurden die Rennen noch auf dem zugefrorenen See ausgetragen.

Sondern, wenn Porsche ruft, dann kommen alle – erst recht, wenn sie zum VW-Konzern gehören. Das gilt für Fahrer wie Mark Webber, Walter Röhrl oder Daniel Abt und das gilt mehr noch für die Autos. Nicht umsonst hat Audi zum Beispiel einen Formel E-Renner, einen Rallye Quattro aus Walter Röhrls besten Tagen und einen Typ D-Rennwagen mitgebracht, wie ihn Stuck Senior hier durch die Berge trieb.

VW feiert mit Jochi Kleints TwinGolf und Romain Dumas’ ID.R den Erfolg auf dem Pikes Peak und Skoda schickt den Fabia aus der WRC aufs Eis, bis die Schneekristalle meterhoch fliegen. Porsche hat sogar eine veritable Weltpremiere auf dem Flughafenkurs gefeiert.

Schließlich haben die Schwaben nicht nur jede Menge Elfer aus allen Generationen mitgebracht und diesmal vor allem die aufgebockten Safari-Varianten berücksichtigt. Sondern die Schwaben haben hier auch die erste Runde mit ihrem neuen Cayman GT4 gedreht, der ab 2020 in der WRC antreten soll.

Jede Menge Pretiosen starteten beim IceRace Quelle: SP-X/Benjamin Bessinger
Legenden von damals

Jede Menge Pretiosen starteten beim IceRace.

Ach ja, und eine ganze Menge Privatiers waren auch noch am Start: Sie haben sich mit besser geeigneten Autos wie den mühsam in die Grenzen der Straßenverkehrsordnung gepressten Rallye-Rennern vom Schlage eines Subaru Impreza WRX STI oder Mitsubishi Lancer Evo und weniger tauglichen Modellen wie alten VW Buggies, Saabs und Ford oder gar einem Trabant 601 auf den spiegelglatten Flughafen-Rundkurs gemacht und sind dabei tatsächlich auf Zeit gefahren.

Und ein paar Verrückte auf Ski haben sich auch wieder gefunden und sich über die 600 Meter lange Strecke schleifen lassen. Gewonnen hat das Rennen zwar das aktuelle WRC-Fabia von Skoda. Doch Sieger der Herzen war ein anderes Auto: Der Fetzenflieger – ein extrem kurzer und dafür umso breiterer Eigenbau um einen Porsche-Vierzylinder herum, den sich der einstige Motorradrennfahrer Otto Mathé nach einem schweren Unfall in den 1950er eigens für die Eisrennen gebaut hatte. Nur 395 Kilo schwer und dafür 96 kW/130 PS stark, hat er Geschwindigkeiten über 200 km/h erreicht und damals so ziemlich alles gewonnen, was es auf Eis und Schnee zu gewinnen gab.

Ein paar Verrückte auf Ski haben sich auch wieder gefunden und sich über die 600 Meter lange Strecke schleifen lassen Quelle: Porsche
Im Schlepptau

Ein paar Verrückte auf Ski haben sich auch wieder gefunden und sich über die 600 Meter lange Strecke schleifen lassen.

Kein Wunder also, dass er auch diesmal allen anderen Autos die Show gestohlen hat. Wolfgang Porsche, der als eine Art Graue Eminenz zumindest die gefühlte Platzherrschaft übernommen hat, war mit Begeisterung dabei und hat sich sichtlich darüber gefreut, dass in einer Zeit, in der allen vom Elektro-Gerede die Ohren summen, noch einmal das Brüllen der Motoren das weite Tal füllen durfte.

Und wenn es nach ihm geht, wird es sichtlich nicht das letzte Mal gewesen sein. Im ehemaligen Kuhstall auf dem Schüttgut warten schließlich noch eine ganze Reihe PS-Pretiosen, die mal eine Auszeit von der Winterpause brauchen könnten.

Doch Sieger der Herzen war der Fetzenflieger – ein extrem kurzer und dafür umso breiterer Eigenbau um einen Porsche-Vierzylinder herum, den sich der einstige Motorradrennfahrer Otto Mathé in den 1950er eigens für die Eisrennen gebaut hatte. Quelle: Porsche
Silberpfeil mit Spikes

Doch Sieger der Herzen war der Fetzenflieger – ein extrem kurzer und dafür umso breiterer Eigenbau um einen Porsche-Vierzylinder herum, den sich der einstige Motorradrennfahrer Otto Mathé in den 1950er eigens für die Eisrennen gebaut hatte.

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