Autoclub rät mit Diesel-Umtausch zu warten Jetzt nur nichts überstürzen beim Neuwagen-Kauf

Nach dem Dieselgipfel bieten viele Hersteller jetzt bei einem Neukauf Prämien für alte Dieselautos an. Warum Verbraucher aber besser bis September mit Neukäufen abwarten sollten, und die Preise gut vergleichen müssen.
Update: 09.08.2017 - 15:29 Uhr Kommentieren
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Bevor sich Diesel-Fahrer ein neues Auto kaufen, sollten sie unbedingt die Preise vergleichen. Foto: Uwe Anspach/dpa Quelle: dpa
Im Autohaus

Bevor sich Diesel-Fahrer ein neues Auto kaufen, sollten sie unbedingt die Preise vergleichen. Foto: Uwe Anspach/dpa

(Foto: dpa)

Jetzt nur nicht übereilt handeln, rät Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Infrage kämen die Prämien für Fahrer, die einen alten Diesel besitzen und sich sowieso gerade überlegen, ein neues Auto zu kaufen. Dank der neuen Prämien lasse sich nun „vielleicht ein besseres Angebot bekommen als ohne diese Rabatte”, sagt Dudenhöffer.

Zugleich rät der Experte, auf zusätzlichen Nachlass bei den Händlern zu pochen, der über die Kaufprämie hinausgeht. Denn die Prämie zahle der Hersteller ja neben dem, was der Händler als Einkaufspreis bekommt - „natürlich ist da noch Spielraum”, sagt Dudenhöffer.

Wer zahlt wie viel für alte Diesel?
BMW gewährt Neufahrzeugkunden bis Ende 2017 eine sogenannte Umweltprämiere in Höhe von 2.000 Euro beim Kauf eines neuen BMWs mit einem CO2-Ausstoß von maximal 130 Gramm pro Kilometer.
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Wer sich für das Elektromobil i3 entscheidet, kann als Neufahrzeugkunde zusammen mit dem Umweltbonus der Bafa auf eine Prämiensumme von 6.000 Euro kommen.

Angerechnet auf den Neuwagenpreis werden die 2.000 Euro von BMW bei der Inzahlungnahme eines Gebrauchten Dieselautos mit Euro-4-Abgasnorm oder schlechter. Am 1. Januar zählte das Kraftfahrtbundesamt rund 3,5 Million Diesel der Schadstoffklasse Euro 4. Diese Fahrzeuge sind mindestens 11 Jahre alt.

Unabhängig davon haben Käufer eines i3 zusätzlich noch die Möglichkeit, bei der Bafa die Fördermittel für E-Mobile in Höhe von 4.000 einzufordern.

Toyota CH-R
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Wer bei Toyota jetzt einen gebrauchten Diesel in Zahlung gibt und einen neuen Hybrid (Yaris, Auris, Rav4, C-HR oder Prius) kauft, bekommt von den Japanern nicht nur die übliche Hybrid-Prämie von 2.000 Euro, sondern die gleiche Summe noch einmal für den alten Selbstzünder obendrauf.

Wer einen alten Diesel für einen Neuwagen in Zahlung geben will, kann sich auch bei Nissan eine Abwrackprämie sichern
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Nicht nur den Kauf eines neuen Elektroautos erleichtert der Autohersteller mit einer attraktiven Wechselprämie – vom „Nissan Diesel Deal“ profitieren ab sofort auch Kunden, die sich für ein konventionell angetriebenes Modell entscheiden. Wer seinen Euro-1- bis Euro-3-Diesel verschrotten lässt oder seinen Euro-4-Diesel in Zahlung gibt, erhält beim Kauf eines neuen Modells bis zu 6.500 Euro Wechselprämie.

Der Deal gilt beim Kauf der Modelle Micra (4.000 Euro Prämie), Juke, Pulsar, Qashqai (jeweils 5.000 Euro Prämie) und X-Trail (6.500 Euro Prämie). Voraussetzung ist der Abschluss eines Kaufvertrags bis zum 30. September 2017.

Weiterhin im Angebot bleibt die Wechselprämie beim Kauf eines neuen Elektroautos. Zur Wahl stehen der Leaf und der Kleintransporter e-NV200, der auch in der Pkw-Variante e-NV200 Evalia angeboten wird. Zusammen mit dem staatlichen, von Nissan auf bis zu 5.250 Euro aufgestockten Elektrobonus ergibt sich eine Ersparnis von bis zu 7.250 Euro.

Noch mehr gibt es unter Umständen bei Ford zu holen
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Wer bei den Kölnern nun einen Diesel mit Euro-1-, 2- oder 3-Norm bis Baujahr 2006 abgibt und sich noch dieses Jahr für einen neuen Ford entscheidet, kann zwischen 2.000 und 8.000 Euro Alt-Diesel-Prämie absahnen. Dafür kümmert sich Ford um eine kostenlose Verschrottung des alten Stinkers – so will das Unternehmen zu besserer Luft beitragen. 

Bei der Abwrackprämie für ältere Diesel-Fahrzeuge zieht Opel nach
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Die deutsche Tochter des französischen PSA-Konzerns bietet den Besitzern älterer Dieselautos der Abgasnorm Euro 4 und niedriger modellabhängige Prämien an, wenn sie einen Opel-Neuwagen kaufen.

Der „Umweltbonus“ beträgt zwischen 1750 Euro beim Kleinstwagen Karl und 7000 Euro beim Spitzenmodell Insignia. Der Käufer muss seinen Alt-Diesel verschrotten lassen.

Hyundai: 10.000 Euro Nachlass auf den Grand Santa Fe
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Hyundai bietet Käufern eines Grand Santa Fe im Rahmen der Aktion „Green Deal“ bei Abgabe eines alten Diesel-Pkw bis zum 31. Dezember 2017 einen Nachlass von 10.000 Euro auf den Kaufpreis. Darüber hinaus bekommt der Kunde bei Inzahlunggabe eines Euro 4-Dieselmodelles beim teilnehmenden Händler noch den Zeitwert für das Altfahrzeug angerechnet.

Angetrieben wird das siebensitzige SUV mit serienmäßigem Allradantrieb und Sechs-Gang-Automatik von einem 2,2-Liter-Dieselmotor mit 147 kW / 200 PS. Die Preisliste beginnt bei 47.900 Euro.

Auch Renault bietet ab sofort beim Kauf eines Neuwagens unter dem Motto „Tschüss, alter Diesel!“ eine Wechselprämie von bis zu 7.000 Euro an.
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Die Franzosen wollen mit ihrer Aktion nach eigenen Angaben Anreize schaffen, alte Dieselfahrzeuge durch Fahrzeuge mit moderner Abgasreinigung zu ersetzen. Die Konditionen sind wie bei den anderen Herstellern: Die Prämie wird Privatkunden auf den Kaufpreis eines neuen Renaults angerechnet, wenn ein alter Diesel-Pkw mit Abgasnorm Euro 4 oder älter in Zahlung gegeben wird.

Derzeit erreichten die Autobauer eine neue Dimension der Preissenkungen, da die Käufer aufgrund der monatelangen Diskussionen um Fahrverbote verunsichert seien - nicht erst seit dem Dieselgipfel. „Im Juli hatten wir den höchsten Juli-Rabattindexwert, seit wir seit 2010 diese Aufzeichnungen machen”, sagt Dudenhöffer. Mit dem Index untersucht der Experte die Preispolitik und Rabatte der Hersteller.

Der Kauf eines neuer Dieselfahrzeugs sei derzeit jedoch kein Garant dafür, von drohenden Fahrverboten nicht betroffen zu sein. Bis zu 90 Prozent der Euro-6-Modelle seien „Mogelmodelle”, die „in der Realität nicht die Grenzwerte erfüllen”, sagt Dudenhöffer. Man müsse davon ausgehen, dass die Deutsche Umwelthilfe auch zu solchen Modellen Gerichtsverfahren anstoßen werde, „und dann müssen die Gerichte entscheiden, ob selbst diese Euro-6-Autos noch in die Städte dürfen.”

Seit dem Dieselgipfel Anfang August bieten einige Autohersteller Prämien für alte Diesel, die nach der Euro-4-Norm oder schlechter gebaut wurden. Einige Marken des VW-Konzerns zum Beispiel bieten bis zu 10 000 Euro für alte Diesel, wenn Kunden ein neues Auto kaufen und ihr altes verschrotten. Beim Kauf von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben wie Erdgas, Hybrid oder Elektro gibt es weitere Prämien. Andere Anbieter wie BMW, Ford und Renault bieten ähnliche Rabatte an.

Auch der ACE, Deutschlands zweitgrößter Autoclub, warnt vor einem überschnellten Handeln der Verbraucher. Der Kauf eines neuen Dieselfahrzeuges ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Besitzer eines Diesel-Pkw sollten jetzt nicht in Panik verfallen und vorschnell auf Marketingmaßnahmen der Autohersteller aufspringen, sondern erst einmal das angebotene Software-Update vornehmen lassen.

Nach wir vor sieht der Club die Hersteller in der Pflicht neben den angebotenen Softwarelösungen auch echte Nachrüstungen anzubieten und sich damit um die Kunden zu kümmern, die sich eben nicht einfach ein neues Fahrzeug kaufen können.

„Wer sich aber leisten kann und seinen älteren Diesel umtauschen möchte, der sollte unbedingt bis September 2017 abwarten und zwar bis Fahrzeuge mit der neuen Abgasnorm Euro 6d auf den Markt kommen“, sagt der ACE-Vorsitzende Stefan Heimlich. „Darüber hinaus dürfen die Autofahrerinnen und Autofahrer nicht vergessen, wenn Gerichte ein generelles Dieselfahrverbot für Innenstädte aussprechen, dann hilft auch kein neuer Diesel. Besser jetzt die Alternativen prüfen.“

Irritiert ist der ACE zudem über die Formulierung „Umweltprämie“. So Stefan Heimlich: „Erst bauen die Autohersteller keine sauberen Autos, dann erklären sie, dass mit einem Software-Update plötzlich aus dreckigen Autos saubere Autos werden und ein paar Tage später, folgt eine Kaufoffensive für angeblich sauberere Fahrzeuge. Das passt nicht zusammen.“

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