Betrug beim Oldtimerkauf Altes Blech, neue Tricks

Eine Mercedes-Pagode 70 Prozent unter dem Marktpreis. Sie glauben an ein Schnäppchen? Dann ist Ihr Geld schon so gut wie weg.
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Ratgeber: Vor Betrug beim Oldtimerkauf schützen - Altes Blech, neue Tricks Quelle: ACE
Augen auf beim Oldtimerkauf

Die seit Jahren steigenden Preise für seltene alte Autos locken auch Betrüger

Auch der Gauner folgt dem Trend: Weil die Preise für historische Autos steigen und Young- und Oldtimer noch dazu bei Laien immer beliebter werden, hoffen Betrüger auf das schnelle Geld. Laut Auto Club Europa (ACE) haben es die Kriminellen insbesondere auf die Schnäppchenjäger unter den Young- und Oldtimer-Interessenten abgesehen.

„Sie sind mittlerweile so professionell und fälschen Papiere so gut, dass selbst Profis den Betrug kaum wittern“, weiß der Rechtsexperte des Clubs, Hannes Krämer. Ist ein Auto in Online-Autobörsen oder der Tageszeitung besonders günstig inseriert, sollte man vorsichtig werden. Hat man sich nicht über den Marktpreis informiert oder hofft auf ein Schnäppchen, hat die Falle ihren Zweck erfüllt.

Zunächst mag noch alles seriös wirken – im Gespräch mit dem vermeintlichen Eigner (die Telefonnummer führt oft ins Ausland) stellt sich dann heraus, dass sich das Fahrzeug nicht in Deutschland befindet. So sollen potenzielle Käufer davon abgehalten werden, das Auto zu besichtigen.

Dabei machen die Papiere, Bilder und Unterlagen selbst für Experten auf den ersten Blick einen ordentlichen Eindruck. Das Auto gibt es oftmals sogar, nur gehört es nicht dem Verkäufer, auch wenn die Papiere dies vorgeben. „Unterlagen sind am Computer heute schnell gefälscht“, so Krämer.

So fuhren wir vor 30 Jahren
Schulterpolster und Neon-Leggins, MTV und Glücksrad, Nena und Whitney Houston – es gibt ganz unterschiedliche Erinnerungen an die 80er-Jahre.
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So sind der Mehrheit auch von den Autos dieses Jahrzehnts nur ganz bestimmte in den Köpfen geblieben: An VW Golf GTI, Audi Quattro, Ferrari Testarossa oder DMC DeLorean erinnert sich der Auto-Fan durchaus hin und wieder mal.

Doch es gibt auch Fahrzeuge, die aus der öffentlichen Wahrnehmung ebenso verschwunden sind wie von der Straße - aber eigentlich trotzdem erinnerungswürdig sind. Es folgen einige ganz subjektive Beispiele, die uns aus ganz unterschiedlichen Gründen besonders im Gedächtnis verhaften blieben ...

Mit seiner futuristischen Optik passt der Ford Sierra vielleicht nicht in die Denke konservativer Oldtimer-Liebhaber, frühe Exemplare sind aber bereits amtlich verbriefte Klassiker mit H-Kennzeichen.
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Die ab 1982 gebaute Mittelklasse hatte damals eine revolutionäre Optik, insbesondere im Vergleich zum kantig-konservativen Vorgänger Taunus. Dank Fließheck, bündig verklebter Scheiben, integrierter Scheinwerfer und versteckter Kühlluftöffnungen erreichte der Sierra einen seinerzeit beachtlichen cW-Wert von 0,32.

Er war gewissermaßen seiner Zeit voraus, hatte sogar eine „Econo“-Leuchte, die dem Fahrer spritsparendes Fahren anzeigte – ganz wie bei heutigen Neuwagen.

Und ein Traum sind aus damaliger wie aus heutiger Sicht die wenigen supersportlichen Exemplare mit Cosworth-Technik und dem charakteristischen doppelten Heckspoiler.

Ford Sierra XR4i
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Die Performance-Variante mit den typischen geteilten hinteren Seitenfenstern holte 150 PS aus einem 2,8 Liter großen V6-Motor. Allerdings konnten die Rückleuchten keine Laserstrahlen abschießen. Dass der Sierra der mutige und von Bob Lutz geforderte Nachfolger des langweiligen Ford Cortina war, hatten viele Mitte der 80er schon fast vergessen. Heutzutage überhaupt noch einen der sportlichen Sierras in annehmbaren Zustand zu finden darf schon als Glücksfall gelten.

Der keilförmige Volvo 480 traf 1986 Zeitgeist und Geschmack der Markenfans.
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Für die war er ein legitimer Nachfolger des P1800 ES „Schneewittchensarg“, wohl auch auch wegen seiner großen, rahmenlosen Glas-Heckklappe. Für den schwedischen Hersteller war der 480 ein technischer Meilenstein, ging er doch als erster Volvo mit Vorderradantrieb und quer eingebautem Vierzylindermotor in Serie.

Volvo 480 ES von 1990
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Weitere Highlights des Shooting-Brake aus Schweden sind die Klappscheinwerfer, das futuristische Cockpitlayout und die Motorhaube aus leichtem Fiberglas.

Peugeot 205 GTI, Bj. 1984
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Fun to drive, auf diese einfache Formel lässt sich der zweitürige Franzose auch heute noch bringen. Hot Hatchback nannten die Briten das Format, ein sportliches, kompaktes Steilheck, wie der GTI-Namensvetter von Volkswagen. Aber dem Franzosen reichten 104 PS aus 1,6 Liter Hubraum, um dem Golf sogar sieben Zehntel abzunehmen.

Ein ehrliches kleines Supercar
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Der kleine Giftzwerg wog nicht mal 900 Kilo, ließ sich wie ein Gokart um die Ecke zirkeln. Knapp 333.000 Stück entstanden zwischen 1983 und 1995.

Neben dem phantastischen Handling begeisterte beim 205er auch die spätere 1,9 Liter Version (ab 1988) mit enormer Drehfreude und durchdrehenden Vorderrädern bis in den dritten Gang.

Das Design ist gradlinig, das Preis-Leistungs-Verhältnis war damals nahezu unschlagbar, so fährt man in die Hall of Fame der Autogeschichte.

Die Betrüger setzen den Interessenten unter Zeitdruck: Ein anderer potenzieller Käufer würde sich das Fahrzeug bereits am nächsten Tag anschauen. Durch eine Anzahlung über einen Bargeldtransfer wie „Western Union“ könnte sich der Interessent aber ein Vorkaufsrecht sichern.

Bargeldtransfers eignen sich laut ACE für den Autokauf nicht, da das Geld nicht abgesichert ist und der Empfänger seine Identität durch gefälschte Papiere verschleiern kann. Oft schlagen die Betrüger auch eine Fahrzeugüberführung durch eine ausländische Spedition vor, dafür wird eine Anzahlung verlangt. Ist das Geld erstmal überwiesen, verschwinden der vermeintliche Verkäufer und die Spedition.

In der Regel stellt sich dann auch heraus, dass die Fahrzeug-Papiere und der Pass gefälscht waren. Die Polizei kann den Betrüger nicht fassen, da E-Mail-Adressen und Telefonnummern keinen Rückschluss auf die Identität zulassen.

Kaufinteressenten rät der Club deshalb grundsätzlich zu einer Besichtigung vor Ort in Deutschland wie im Ausland. Kritische Verbraucher beauftragen (auch im Ausland) einen Gutachter, der den Zustand beurteilt. Versucht der Verkäufer Zeitdruck aufzubauen, ist das ein Warnhinweis: Der Zwang, sich schnell entscheiden zu müssen, lässt in der Regel keine Zeit, das Fahrzeug und die Unterlagen sorgfältig zu prüfen.

Je weniger Unterlagen der Verkäufer hat, umso misstrauischer sollte man sein. Denn Serviceheft, TÜV-Berichte und Rechnungen geben die Gelegenheit, sich bei diesen Stellen zu erkundigen. Trotzdem immer bedenken: Papiere sind schnell gefälscht.

Zum Verkäufer sollte man persönlichen Kontakt suchen. Auch kann man Telefonnummern oder E-Mail-Adressen in einer Suchmaschine eingeben und so Indizien finden, ob die Identität des Verkäufers stimmt oder es Hinweise gibt, dass sich dahinter ein Betrüger versteckt. Der Club warnt zudem davor, auf Handy-Nummern im Ausland zurückzurufen. Dahinter könne sich eine teure Rufnummer oder ein gestohlenes Handy verbergen. Festnetznummern sind hier besser.

So fuhr man vor 40 Jahren
Glorreiche Auto-Vergangenheit:
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Schlaghosen, Discomusik, schrille Farben und nicht zu vergessen Prilblumen. Die Siebziger Jahre boten so einiges, woran man sich heutzutage schmunzelnd oder vielleicht mit Schrecken erinnert. Das gilt auch für Autos, die damals das Straßenbild bestimmten. Nur wenige haben im kollektiven Gedächtnis überdauert. Fünf Beispiele, an die man sich erinnern sollte ...

Der Renault R4 war die Antwort auf die Ente von Citroen und das ultimative Studentenauto der späten Siebziger.
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Die schrullige Revolverschaltung, die schlichte Kastenform, der hohe Nutzwert und nicht zuletzt der günstige Preis des schon seit 1961 produzierten Franzosen machten ihn vor allem gebraucht zum Junge-Leute-Auto. Notfalls passten deutlich mehr Menschen hinein, als es die Zulassung erlaubte.

Mehr als Tempo 120 war nicht drin. Aber diese Kurvenlage!
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34 Pferdchen brachten den nur 3,63 Meter langen und 1,43 m schmalen Renault genügsam und sicher vom WG-Parkplatz in die Szenekneipe.

Der kantige Nachfolger des Käfers
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Der erste Golf war ähnlich groß, aber viel moderner und schnittiger, was ihn, bei aller Klassenlosigkeit, die ihm seitdem konstatiert wurde, damals auch den Ruf eines Yuppie-Autos einbrachte, Die „young urban professionals“ waren eher brave Bankkaufleute denn Investmentbanker. Gegenüber den studentischen Renault-Fahrern sahen sie mit ihren Golfs trotzdem relativ wohlhabend aus.

Golf-I-Interieur: Es ging zunächst karg zu.
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Für die Formfindung zeichnete Giorgetto Giugiaro verantwortlich. Der 1938 geborene Italiener hatte 1967 sein eigenes Designzentrum gegründet und lieferte mit dem Golf eine Autoform ab, die sich zu einer der erfolgreichsten in der Autogeschichte entwickeln sollte.

Der Antrieb erfolgte erstmals bei VW über die Vorderräder, der Motor war quer eingebaut. Hier konnten die VW-Ingenieure auf eine moderne Neuentwicklung der Konzerntochter Audi zurückgreifen. Der Basismotor mit 1,1 Liter Hubraum leistete 50 PS, der 1,5 Liter 70 PS. Im Angesicht der ersten Ölkrise von 1973/74 erwiesen sich die sparsamen Vierzylinder geradezu als prophetisch.
Mit den erfolgreichen Derivaten GTI oder Golf Diesel avancierte der Kompakte nicht nur zum Bestseller, sondern als Vorreiter, der bei seinem Erscheinen Volkswagen nicht nur rettete, sondern noch immer ein wichtiges Standbein repräsentiert.

2013 feierte VW die Produktion des 30.000.000sten Exemplars in der aktuell siebten Generation. Der Käfer hatte es zwischen 1945 und 2003 „nur“ auf 21.529.464 Exemplare gebracht.

Die gutbürgerliche Alternative, auch für Studenten, kam von Mercedes.
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Der seit Ende der sechziger Jahre gebaute W114, besser bekannt als „Strich Acht“, gewissermaßen die damalige E-Klasse, transportierte nicht nur als Taxi Millionen Fahrgäste, in stärkeren Ausführungen die Prokuristen des Mittelstandes, sie diente auch den Möchtegern-Revoluzzern des zu Ende gehenden Jahrzehnts als günstiger und unkaputtbarer Gebrauchter, ergo als nützliches Gefährt. Speziell die Dieselversion 200d mit ihren 55 PS kam in der Szene gut an, musste aber oftmals ohne den als Souvenir beliebten Stern auf der Haube auskommen.

Neben echten Pretiosen und Kult-Youngtimern entwickeln sich auch Alltagsklassiker im Wert nach oben.
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Auch jüngere Modelle legen in Zug des allgemeinen Oldtimer-Booms kräftig an Wert zu: So steigen beispielsweise Kultautos wie BMW 2002 (+15%) oder Mercedes Pagode (+76%) weiterhin im Preis, die jüngeren Baureihen holen aber auf: Der erste 3er (E21, 1975 bis 1983) hat eine Wertsteigerung von 56 Prozent, beim hier abgebildeten Mercedes /8 kletterten die Marktpreise von 2010 bis 2015 um 186 Prozent nach oben.

Vorab-Überweisungen sind gefährlich, auch und gerade über einen Bargeld-Transfer-Service. Ebenso ist von der Zahlung an eine Speditions- oder Verschiffungsfirma, die treuhänderisch tätig sein soll, abzuraten. Oft sind die seriös erscheinenden Webseiten gefälscht. Aber auch wenn man Barzahlung vereinbart hat, sollte man vorsichtig sein und mit größeren Summen nie allein zur Geldübergabe gehen. Sicherheitshalber kann man als Treffpunkt eine Bank oder eine Zulassungsstelle wählen.

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