Ratgeber des ACE Winterreifenpflicht in zehn europäischen Ländern

In Deutschland gilt die Pflicht mit Winterreifen zu fahren situativ, ist also vom Wetter abhängig. Und wie sieht es in den Nachbarländern aus? Teilweise gelten jetzt neue Regeln, die Autoreisende kennen sollten.
Kommentieren
In einigen europäischen Ländern kann durch Beschilderung eine entsprechende Winterreifenpflicht ausgerufen werden, beispielsweise auf Gebirgsstraßen. Quelle: ACE
Ski und Rodel gut

In einigen europäischen Ländern kann durch Beschilderung eine entsprechende Winterreifenpflicht ausgerufen werden, beispielsweise auf Gebirgsstraßen.

(Foto: ACE)

Stuttgart/DüsseldorfAb Dezember sind zehn Ländern Europas Winterreifen vorgeschrieben. So müssen nach Angaben des Auto Club Europa (ACE) auch in Estland, Finnland, Lettland und Litauen alle Autos über entsprechende Winterbereifung verfügen. In Bosnien, Island, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Slowenien gilt bereits seit 1. beziehungsweise 15. November eine entsprechende Verpflichtung. Sie endet in den meisten Ländern zwischen Ende März und Mitte April.

Als Winterreifen gelten in der Regel Reifen mit M+S-Kennzeichnung, also auch viele Ganzjahresreifen. Manche Länder schreiben auch eine Profiltiefe vor, meist drei oder vier Millimeter. Der ACE empfiehlt bei Winterreifen grundsätzlich eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern.

In einigen Ländern gibt es keine generelle Winterreifenpflicht, stattdessen gilt, wie in Deutschland, eine so genannte „situative Winterreifenpflicht“. Das heißt, dass bei winterlichen Bedingungen, dazu zählen in der Regel Schnee, Eis oder Matsch, nur mit Winter- oder Ganzjahresreifen gefahren werden darf.

Die richtigen Reifen für Eis und Schnee finden
Wann muss ich wechseln?
1 von 15

Zur Orientierung wird meist die „O-bis-O“-Regel genutzt, nach der Winterreifen von Oktober bis Ostern ans Auto gehören. Eine gesetzliche Vorschrift gibt es insofern, als dass die Pneus bei winterlichen Straßenverhältnissen bereits aufgezogen sein müssen. Eine situative Winterreifenpflicht also.

Wer sicher gehen will, nicht vom Frost überrascht zu werden, vereinbart schon frühzeitig einen Werkstatt-Termin. Das ist auch im eigenen Interesse: Schon bei niedrigen Plus-Graden entwickeln Sommerreifen nicht mehr den maximalen Grip.

Wann brauche ich neue Reifen?
2 von 15

Reifen sollten gewechselt werden, wenn sie älter als zehn Jahre oder zu stark abgefahren sind. Auch wenn der Gesetzgeber mindestens 1,6 Millimeter Restprofil fordern, empfehlen Experten, Winterreifen schon ab vier Millimetern oder nach sechs Jahren auszutauschen.

Und wenn zwei von vier Reifen noch gut sind?
3 von 15

Häufig sind die Reifen auf den Antriebsrädern schneller runtergefahren als die auf der anderen Achse. Dann reicht es, nur diese zu wechseln. Idealerweise nimmt man wieder Pneus vom gleichen Typ, auch wenn Mischbereifung grundsätzlich erlaubt ist.

Trotzdem ist eine Bereifung mit stark unterschiedlichen Pneus aber nicht zu empfehlen, da sich das Fahrverhalten verändern kann. Das frische Paar montiert man unabhängig von der Antriebsart auf der Hinterachse, da sie für die Fahrstabilität verantwortlich ist.

Wie erkenne ich die richtigen Reifen für den Winter?
4 von 15

Für den Winter geeignete Pneus erkennt man an den auf der Flanke vermerkten Kürzeln. Die gesetzlichen Anforderungen erfüllt bereits das „M+S“-Logo, das auch Ganzjahresreifen tragen können.

Anspruchsvoller und heute bei ausgewiesenen Winterreifen weitgehend gängig ist jedoch das zusätzliche „Schneeflockensymbol“ – ein Berg mit drei Gipfeln, in dem eine Schneeflocke abgebildet ist. Diese Reifen entsprechen dem strengen amerikanischen Industriestandard für Winterreifen.

Tut es auch ein Ganzjahresreifen?
5 von 15

Wenn der Pneu mindestens das „M+S“-Logo hat, darf er auch bei Eis und Schnee gefahren werden. Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen, schlagen sich bei jeder Jahreszeit ordentlich, sind aber nie spitze. Sie eignen sich beispielsweise für flache Gegenden mit milderem Klima und für Fahrzeuge, die vornehmlich in der gut geräumten Stadt genutzt werden.

Vorteil ist die Zeit- und Geldersparnis, kann doch auf den zweimal jährlichen Wechsel verzichtet werden.

Nachteil: Bei schneebedeckten Straßen kommen die Reifen deutlich schneller an ihre Grenzen als richtige Winterpneus.

Welche Reifengrößen eignen sich für mein Auto?
6 von 15

Besitzer eines alten „Fahrzeugscheins“ finden die zulässigen Standard-Dimensionen dort unter den Ziffern 20 und 21 beziehungsweise 22 und 23. Zusätzliche Größen werden häufig im Feld 33 unter „Bemerkungen“ aufgeführt.

Komplizierter wird es, wenn beim eigenen Auto die 2005 eingeführte zweiteilige „Zulassungsbescheinigung Teil I“ den Fahrzeugschein ersetzt. Dort ist nur noch die kleinste zulässige Größe angegeben. Die restlichen Dimensionen finden sich in der beim Neuwagenkauf mitgelieferten EU-Übereinstimmungserklärung (auch COC-Papier genannt).

Die Liste ist allerdings nicht erschöpfend, je nach Achslast und Höchstgeschwindigkeit sind auch andere Dimensionen erlaubt. Hier fragt man am besten den Fachmann. Alternativ bieten die großen Reifenhersteller auf ihren Internetseiten Suchmaschinen an, die anhand der Fahrzeugdaten die passenden Pneus ermitteln.

Welche der zulässigen Größen soll ich wählen?
7 von 15

Je größer die Felgen und je breiter die Reifen, desto besser stehen sie dem Auto optisch. Gleichzeitig steigt aber der Preis mit mehr Durchmesser und Aufstandsfläche stark an. Jenseits der Optik bieten breite Pneus aber noch weitere Vorteile: Zumindest auf trockener Fahrbahn bremsen sie besser. Und auch die Kurvenstabilität erhöht sich.

Allerdings sind Breitreifen anfälliger für Aquaplaning und steigern den Verbrauch. Gleichzeitig bieten sie weniger Federungskomfort. Am Ende ist die Wahl also in erster Linie von Geschmack und Geldbeutel abhängig.

Zu den Ländern mit situativer Winterreifenpflicht zählen Luxemburg, Österreich und Tschechien; außerdem Rumänien, Schweden und die Slowakei. Tschechien macht die situative Winterreifenpflicht nicht nur am Fahrbahnzustand, sondern auch an der Außentemperatur fest. Fällt das Thermometer unter vier Grad Celsius, müssen entsprechende Gummis aufgezogen sein.

In vielen weiteren Ländern kann durch Beschilderung eine entsprechende Winterreifenpflicht ausgerufen werden, beispielsweise auf Gebirgsstraßen oder in bestimmten Regionen. Dazu zählen beispielsweise Frankreich, Italien, Kroatien und Ungarn.

In der Schweiz wiederum gibt es weder eine generelle noch ein situative Winterreifenpflicht. Wer jedoch auf verschneiten Straßen mit Sommerreifen unterwegs ist, haftet bei einem Unfall in der Regel erheblich mit. Bei Verkehrsbehinderung droht außerdem ein Bußgeld.

Schneeketten sind nur in Irland verboten, in allen anderen Ländern sind sie erlaubt, oftmals jedoch nur auf komplett schneebedeckten Straßen. Meist gilt bei der Verwendung von Schneeketten ein Tempolimit von 50 km/h.

Mazedonien erlaubt 70 km/h. In Serbien müssen Schneeketten vom 1. November bis 1. April mitgeführt werden. In Ungarn droht gar ein Einreiseverbot, wenn eine Schneekettenpflicht kurzfristig angeordnet ist und Einreisewillige keine Ketten mitführen.

  • fgh
Startseite

0 Kommentare zu "Ratgeber des ACE: Winterreifenpflicht in zehn europäischen Ländern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%