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Undurchsichtige Policen Vorsicht vor Versicherungen aus dem Autohaus

Mit Rundum-sorglos-Paketen wollen die Autoversicherer aus den roten Zahlen kommen. Doch Verbraucherschützer warnen Kunden davor, beim Autohändler ohne Hinsehen zuzugreifen. Nicht jedes Angebot ist attraktiv.
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Den Verkäufer aus der Reserve locken: Im Verhandlungsgespräch beim Autokauf kommt es auch aufs Bluffen an. Quelle: gms

Den Verkäufer aus der Reserve locken: Im Verhandlungsgespräch beim Autokauf kommt es auch aufs Bluffen an.

(Foto: gms)

Frankfurt.Die Versicherer umgarnen die Autokonzerne. Um das seit Jahren schwierige Geschäft mit Autoversicherungen wieder in Gang zu bringen, setzt Europas größter Versicherer, die Allianz, zum Beispiel auf Kooperationen mit der Autoindustrie.

Ob davon alle Beteiligten – Hersteller, Versicherer und Kunde - gleichermaßen profitieren? Die Versicherer behaupten das, doch das ist nicht ausgemacht. Denn die Branche nimmt in Kauf, dass der Versicherte oft noch nicht einmal weiß, bei wem er die Police abgeschlossen hat.

"Der Kunde kauft das Auto. Wir als Allianz spielen in dem Gesamtpaket eine wichtige Rolle, aber wir müssen uns nicht beim Endkunden in den Vordergrund drängen“, gibt Allianz-Manager Karsten Crede. Und er fügt einen Satz hinzu, der ungewöhnlich ist für die sonst so selbstbewusste Versicherungsbranche: „Das wäre falsche Eitelkeit."

Verbraucherschützer weisen daher auf die Risiken hin. Autokäufer sollten nicht blind zugreifen, nur weil mit dem Auto auch noch eine Versicherung angeboten wird.

Auch eine Kfz-Versicherung sollte man nicht "von der Stange" kaufen, warnt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Man müsse genau prüfen, welche Bestandteile einer Autoversicherung man persönlich brauche oder nicht. "Bei derartigen Paketen sind durchaus attraktive Angebote dabei, aber man sollte sich die Mühe machen, das Angebot zu überprüfen."

Versicherungen gehören aus seiner Sicht ohnehin nicht unbedingt ins Autohaus. Besser aufgehoben seien die Kunden bei einem Profi, also einem Makler, Berater oder einem Vertreter, den man gut kenne und vertraue.

Die wahren Kosten eines Neuwagens

Mit solchen Ratschlägen machen die Verbraucherschützer dem einen oder anderen Autoversicherer einen dicken Strich durch die Rechnung. Wenn es nach den Verkäufern geht, sollen in Zukunft immer mehr Fahrzeuge mit einer Kfz-Versicherung aus dem Autohaus rollen.

Was der Kunde nicht merkt

In Deutschland arbeitet die Allianz derzeit unter anderem mit Volkswagen zusammen; weltweit kooperiert der Marktführer auf diesem Gebiet mit zwei Dutzend Autoherstellern. Die Beitragseinnahmen in diesem Bereich seien von 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf aktuell 2,2 Milliarden gestiegen, sagte der zuständige Allianz-Vorstand Crede im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Damit soll nicht Schluss sein. "Das Ziel 2016 liegt bei 2,8 Milliarden", kündigt er seine großen Pläne an. "Wir wollen in mehr Ländern vertreten sein, Kooperationen mit weiteren Autoherstellern abschließen und über unsere Kooperationspartner weitere Versicherungsprodukte, wie etwa eine Reifengarantie, anbieten."

Die Verkaufsidee funktioniert auch in anderen Ländern. Weltweit hat die Allianz rund 50 Millionen Fahrzeuge versichert, ein Zehntel dieser Versicherungsverträge wurde gleich beim Autokauf unterzeichnet.

Die Allianz ist nicht der einzige Versicherer, der auf diese Weise Geld verdienen möchte. Die Unternehmen sprechen von einem „strategischen Wachstumsfeld", wie es etwa bei Daimler heißt. Der Autohersteller kooperiert derzeit mit HDI-Gerling aus Hannover und Zurich Insurance und sieht noch viel Potential: "Jeder Autofahrer braucht auch eine Autoversicherung - und wir wollen die Kfz-Versicherung mit Stern zur Serienausstattung machen", gibt Hanns Martin Schindewolf von Daimler Insurance Services als Devise aus.

Der Vorteil für die Autohersteller: Die Versicherung zahlt eine Reparatur in der Vertragswerkstatt. Das ist teurer für die Versicherung, aber gut für den Autohersteller, der von der Kundenbindung profitiert.

Der Nachteil für den Autokäufer dabei: Er merkt wenig von den Geschäft im Hintergrund. Welcher Versicherer die Police zu dem Paket beisteuert, das häufig neben dem Auto auch die komplette Finanzierung beinhaltet, steht meist nur im Kleingedruckten.

Der Versicherer verzichtet zwar auf die wichtige Werbung, doch er bekommt dafür viele neue Policen. Denn: Der Absatzmarkt für Autos ist enorm. Mit Hilfe der Hersteller ist man direkt am Kunden. Zudem gibt es internationale Märkte, auf denen der Versicherer auf diese Weise leichter Fuß fassen kann.

Mega-Rabatte beim Autokauf

Wo Autokäufer hinterher zur Kasse gebeten werden

Und offenbar zahlt sich eine solche Kooperation aus: Seit Jahren ist die Kfz-Versicherung an sich ein schlechtes Geschäft für die Branche. 2011 lag deren sogenannte Schaden-Kosten-Quote im Kfz-Geschäft bei 108 Prozent. Das bedeutet, dass die Versicherer für Schäden und Verwaltung acht Prozent mehr ausgeben, als sie an Prämien einnehmen. Die Allianz kommt eigenen Angaben zufolge in ihrem Kooperationsgeschäft auf etwa 98 Prozent. Der Versicherer verdient also mit den Autoherstellern Geld – im Gegensatz zum sonstigen Kfz-Geschäft. Mittelfristig soll die Quote weiter sinken, also die Gewinne steigen.

Kfz-Versicherungen im Test

Dennoch halten manche Versicherer Abstand zur Autobranche. Zwar seien derartige Angebote bequem für den Kunden. Doch könnten dem Kunden durch die Bindung an Vertragswerkstätten nicht mehr so attraktive Versicherungsprämien angeboten werden, erklärt etwa Klaus-Jürgen Heitmann, für Kfz zuständiges Vorstandsmitglied der Huk-Coburg: "Dagegen spricht ein anspruchsvolles Preisniveau der fabrikatsgebundenen Marken-Werkstätten."

Darüber hinaus riskiert die Branche, dass sie den direkten Zugang zum Kunden verliert, heißt es von Kritikern weiter. Denn die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung gilt als eine Art Einstiegspolice – um dann andere Versicherungen zu verkaufen.

Auch befürchten Kritiker, dass die Autohersteller als Großkunden über kurz oder lang die Margen drücken. Allianz-Manager Crede sieht das nicht: Er achte sehr darauf, dass die Konditionen stimmen, betont er. "Eine Partnerschaft, bei der wir vier, fünf Jahre erst einmal Geld verlieren - das ist keine Option für uns. Wenn solche Pakete richtig aufeinander abgestimmt werden, profitieren sowohl Kunde, Autohersteller als auch Versicherer." 

Worauf man bei KFZ-Tarifen achten sollte

Verbraucherschützer fordern dagegen mehr Transparenz bei den Versicherungen aus dem Autohaus. Sie halten viele Pakete für zu kompliziert, einzelne Leistungen seien nicht auf Anhieb erkennbar. Zunächst fühlten sich Autokäufer innerlich verpflichtet, beim Neuwagenkauf auch gleich beim Hersteller die Versicherung abzuschließen. Was der frisch gebackene Autobesitzer eigentlich unterschrieben habe, fällt ihm dann aber oft erst auf, wenn er mal einen Unfall hat.

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4 Kommentare zu "Undurchsichtige Policen: Vorsicht vor Versicherungen aus dem Autohaus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ach ja: Apropos HUK. Die kommt auch noch zu Wort. "…durch die Bindung an Vertragswerkstätten (können) dem Kunden nicht mehr so attraktive Prämien angeboten werden", äußert sich Herr Heitmann, Vorstandsmitglied der HUK-Coburg. Da hat er allerdings recht. Markenwerkstätten sind teurer als freie Werkstätten. Aber der Preis ist ja nur eine Seite der Medaille. Jeder der einen Blick auf den ADAC Werkstättentest 2012 wirft, kann dann auch die Leistung vergleichen. Und dann weiß man: manchmal ist billig eben richtig teuer.

    Neben vielen anderen Aussagen, die es eigentlich noch zu würdigen gilt, soll hier nur noch auf den Schlusssatz eingegangen werden: "Was der frisch gebackene Autobesitzer eigentlich unterschrieben hat, fällt ihm dann aber oft erst auf, wenn er mal einen Unfall hat." Richtig: Die Qualität einer Versicherung zeigt sich erst im Leistungsfall. Und hierzu gibt es entsprechende Untersuchungen von Verbraucherschützern. Einfach mal anschauen.
    Den (freien?) Autoren des Artikels sei gesagt: Wenn man keine Ahnung hat, muss man ja nicht immer etwas schreiben! Dem Handelsblatt sei gesagt: Nicht immer wirkt die personelle Ausdünnung der Redaktion positiv für die Qualität eines Leitmediums.

  • Herzlichen Glückwunsch an die HUK! Nicht jedem gelingt es einen PR-Beitrag im Handelsblatt zu platzieren. "Shame on you" an das Handelsblatt! Bisher wurden wir von PR Artikeln verschont oder sie wurden deutlich als Advertorial kenntlich gemacht.

    Doch der Reihe nach: "Verbraucherschützer warnen Kunden davor, beim Autohändler ohne Hinsehen zuzugreifen". Einmal abgesehen davon, dass Kunden grundsätzlich nicht ohne Hinsehen zugreifen sollten, taucht die Frage auf, wer denn diese "Verbraucherschützer" sind. Das wird wenige Zeilen später beantwortet: "Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten". Zu Herrn Rudnik wäre zu sagen, dass er gerne an den Veranstaltungen des "Goslar Institut für faires Versichern" teilnimmt. Nun ist der Begriff "Institut" ja nicht geschützt, jeder kann ihn verwenden und bei diesem "Institut" haben wir es mit einem PR-Instrument der HUK Coburg zu tun. Ob die enge Verbundenheit von Herrn Rudnik zu PR Instrumenten der HUK dann zu der Meinung führt, dass Versicherungen nicht unbedingt ins Autohaus gehören mag dahingestellt bleiben. Ob die Kunden aber besser bei "Maklern, Beratern oder Vertretern" aufgehoben sind, werden die Kunden nach den bekannt gewordenen Lustreisen von Versicherungsvertretern selbst beurteilen können.

    Aber weiter: "Mit solchen Ratschlägen machen die Verbraucherschützer dem ein oder anderen Autoversicherer einen dicken Strich durch die Rechnung". Hierzu wäre anzumerken:
    1. Ein guter Ratschlag, "das Angebot zu überprüfen". Danke für den Hinweis! Allein wären wir nicht darauf gekommen.
    2. In dem Artikel schmilzt der starke Plural "die Verbraucherschützer" auf den singulären Herrn Rudnik zusammen.
    3. Und der "ein oder andere Autoversicherer", dem Herr Rudnik einen "dicken Strich durch die Rechnung" macht (was abzuwarten wäre) könnte ruhig klar benannt werden. Gemeint sind die Autoversicherer, die mit den Fahrzeugherstellern zusammenarbeiten. Und die HUK gehört eben nicht dazu.

  • Schade, dass diese Meldung erst jetzt kommt. Bereits vor 3 Jahren musste ich meinen Kasko-Schaden in Höhe von EUR 6500.- selbst bezahlen weil das Autohaus-Versicherungsangebot keinen Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit beinhaltete so wie das Qualitätsversicherer in Ihren TOP-Produkten anbieten.
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    Fazit: Billig im Autohaus ohne qualitative Beratung versichert = hohe Selbstbeteiligung im Schadensfall! In diesem Fall nämlich 100 Prozent = EUR 6500.-
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    PS: Der Autoverkäufer kannte die Option "Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit" nicht einmal. Das empfand ich als Kunde besonders fahrlässig... Heute ist der Verkäufer nicht mehr da. Die Schuld sehe ich jedoch nach wie vor beim Autohaus das mittlererweile in Zahlungsunfähigkeit gerutscht ist und ich meine FOrderung wohl abschmieren kann...

  • Mittlerweile einlukratives Zusatz-Einkommen für die Autohäuser.
    Rechtlich ist das ganze jedoch mehr als bedenklich. Aber was interessiert den Gesetzgeber bei Hochfinanz und Wirtschaft schon geltendes Recht. Kein Autohaus hat einen Eintrag im Vermittlerregister und somit genaugenommen keine Erlaubnis für die Vermittlung einer KFZ- "Versicherung" geschweige denn eine Vermögensschaden-haftpflichtversicherung. Versicherung bei Aldi Tchibo und Consorten sind En Vogue. Es wird immer wieder ein neuer Versuch gestartet die Gestze auszuhebeln. Wie imer, der kleine Vermittler wird geknebelt und gegängelt, die Großen haben freies Spiel.
    Den Fahrzeugherstellen ist es indes völlig egal. Wer als 25 jähriger einen dt. Nobelkarosse leasen will und zu einer normalen Versicherung geht wird schnell feststellen das es schlicht unbezahlbar ist oder gleich aus Risikogründen abgelehnt wird. Für junge oder Schadenträchtige Käuferschichten gibt es so gut wie keine alternative zur Versicherung aus dem Autohaus. Der Herstellen erweitert somit deutlich seine Zielgruppe.