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70 Jahre Citroen 2 CV Wie die Ente Geschichte schrieb

Als preiswertes Minimalauto, das es nicht am Fahrkomfort fehlen ließ, wurde der Citroën 2 CV berühmt und zum meistverkauften Auto der Franzosen.
  • Wolfram Nickel
2 Kommentare
  • Spotpress
Tradition: 70 Jahre Citroen 2 CV - Schräge Vögel und schnatternde Boxer  Quelle: Citroen
Ente im Gelände

Die charakteristischen Kulleraugen machten den 2 CV berühmt.

Paris„Endlich wieder ein echter Citroen, unverwechselbar und minimalistisch wie die Ente!“, feierten Fachmedien vor vier Jahren den C4 Cactus. Zu früh gefreut, denn dieser C4 war den Kunden zu frugal. Passend zum 70. Geburtstag des legendären 2 CV soll deshalb ein neuer, komfortbetonter Cactus die gigantischen Fußabdrücke der federweich abgestimmten Ente ausfüllen.

Ob es aber jemals gelingen wird, die revolutionäre Idee dieses bis heute erfolgreichsten Citroen mit neuem Leben zu füllen? Immerhin rollten bis 1990 über fünf Millionen 2 CV als ebenso simpel gehaltene wie skurril gezeichnete Limousinen und Lieferwagen von den Bändern.

Ein preiswerter und pragmatischer Citroen, den die Presse bei der Premiere im Pariser Grand Palais 1948 satirisch beschrieb als „Konservendose, Modell freies Campen für vier Sardinen“. Was die Nachfrage offenbar noch förderte, nahmen frühe 2-CV-Käufer doch bis zu sechs Jahre Lieferzeit hin.

Citroen C4 Cactus ab 2018 Quelle: Citroen
Citroen C4 Cactus

Auch der neue C4 Cactus soll mit gewagtem Design an die Geschichte der Ente erinnern.

In Deutschland wurde der Zweizylinder erst zum Inbegriff des exzentrischen Galliers und dann zum unverzichtbaren Vehikel von Lebenskünstlern und der Studentenbewegung. Trotz hoher Rostanfälligkeit ist der kompakte Viertürer mit riesigem Rolldach bis heute unvergessen. Noch ein Kunststück gelang der Ente à la Citroen: Sie überlebte ihre Kinder und designierten Nachfolger, wie Ami, Dyane, Méhari, LN und Visa. Aber auch Namen jüngerer Erben wie AX und Pluriel sind längst verweht.

Im Reigen der Geburtstagsgratulanten sollen die Enten-Abkömmlinge trotzdem nicht fehlen, schließlich verkörpern sie zumindest zwei Philosophien ihres Vorbilds: Ein unkonventionelles Konzept und Komfort zu kleinen Kosten. Nicht mangeln durfte es bei Enten-Küken wie Citroen Dyane (ab 1967), LN (ab 1976) oder Visa (ab 1978) außerdem an dem bewährten, wenn auch schwachbrüstigen Boxermotor mit seinem Schnattersound. Bis zu 300.000 Kilometer schlägt so ein kleines Entenherz mit seinen im 2 CV maximal 21 kW/29 PS.

CItroen Ami 6 Quelle: Citroen
CItroen Ami 6

Im April läuft die Produktion des Ami 6 in Frankreich an. Am 24. April erfolgt die Pressevorstellung parallel in mehreren europäischen Städten. Die Motorleistung des Citroen 2 CV wird erhöht von 9 kW/12,5 auf 10 kW/14 PS

Auch die Protestnote gegen das PS-Establishment war beim Entennachwuchs stets präsent. So überraschte der 2-CV-Sprössling Méhari im Jahr 1968 mit federleichter, aber nicht feuerfester Kunststoffkarosserie für Jagd und Strand, während die exaltierte Z-Designlinie des Ami 6 mit inverser Rückscheibe (ab 1961) oder die luftgepolsterten Karosserieflanken des C4 Cactus (ab 2014) bei den meisten Betrachtern ratlose Blicke bewirkten.

Eine Ente à la nouvelle cusine präsentierte 2002 dagegen der Citroen Pluriel im rundlichen 2-CV-Retrolook. Mit ihm konnten Kleinwagenfahrer ihr Auto erstmals in fünf unterschiedlichen Karosserieformen nutzen. Ob Dreitürer, Pick-up, Cabriolimousine, Vollcabrio oder Spider, der wandelbare Pluriel war für jede surprise gut – Basteltalente seiner Besatzung beim Umbau der Karosserieteile vorausgesetzt.

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2 Kommentare zu "70 Jahre Citroen 2 CV : Wie die Ente Geschichte schrieb"

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  • Zu den Klappfenstern: Im Sommer waren sie der Grund für eines meiner damaligen besonderen Merkmale, der stets braun gebrannte linke Unterarm! Das kam davon, dass ich bei warmen Wetter und Sonnenschein die fehlende Klimaanlage durch aufgeklappte Seitenfenster ersetzte und meine betont lässige Fahrweise durch den auf die Fensterbrüstung aufgelegten Arm demonstrierte. Die Durchlüftung des Fahrzeugs konnte man im Übrigen nicht nur durch das Aufrollen des Stoffdaches nach dem Ölsardinenbüchsenprinzips optimieren, sondern auch durch eine unterhalb der Windschutzscheibe befindliche und über ihre gesamte Breite reichende Klappe, die man nach Bedarf stufenlos öffnen konnte.
    Das weiche Fahrwerk der Ente hatte eine Menschen zusammenführende Eigenschaft. Wenn man z.B. eine attraktive Beifahrerin neben sich sitzen hatte, von der man sich auf eine unverfängliche Art etwas mehr körperliche Nähe wünschte, nahm man einfach die nächste Rechtskurve mit überhöhter Geschwindigkeit und schon sorgten die Feder- und Stoßdämpferkennung in Zusammenarbeit mit den Fliehkräften für ersten Körperkontakt. Damals noch nicht vorhandene Sicherheitsgurte konnten das glücklicherweise nicht verhindern.
    Nun muss ich leider aber auch etwas Wasser in den französischen Wein gießen. Ich komme zu den weniger angenehmen Angewohnheiten des Wasservogels. Schon im ersten Jahr brach unvermittelt das Kupplungspedal ab, wenig später auch der Zündschlüssel. Während ich letzteres Malheur noch durch Kurzschließen der Zündung kostenlos überbrückte, musste ich wegen des Kupplungspedals in die Werkstatt. In Herbst und Winter sprang die Karre morgens einfach nicht an. Zunächst habe ich mir damit geholfen, abends die Batterie aus - und morgens wieder einzubauen. Jeder kann sich vorstellen, dass das nicht besonders bequem ist. Dann fand ich die Lösung des Problems in einem Zündspray, das ich in den Ansaugstutzen des Luftfilters spühte. Das Übelste war aber der Preis für eine Reparatur der Vorderbremsen, ca. 10 % des Kaufpr

  • Minus 8 Grad, Sonnenschein, den Morgengang mit dem Hund erledigt, heißer Kaffee und frische Brötchen auf dem Frühstückstisch und dann dieser Artikel über die Ente von Wolfram Nickel, der dankenswerterweise viele autohistorische Einzelheiten über dieses Kultauto meiner Studentenzeit in Erinnerung gerufen hat. Ein Tag Ende Februar kann kaum besser starten!
    Der Autor ist selbstredend zu jung, um eigene praktische Erfahrungen in seinen Artikel einfließen zu lassen. Deshalb möchte ich, der von 1970 bis 1973 selber Entenhaltung betrieben hat, versuchen, mit ein paar Ergänzungen das Bild dieses beliebten und manchmal auch in jeder Hinsicht aufregenden Vogels abzurunden.
    Zunächst mal zum Preis. Mich hat der fabrikneue, zart beige farbene 2 CV 4 mit 23 PS damals nach Abzug eines Rabatts rund 4.000 DM gekostet. Dafür war seiner Zeit kein Käfer zu haben. Anfangs war ich über den Erwerb überhaupt nicht glücklich, musste ich fortan das Familienauto, einen BMW 2000 ti mit 120 Pferdestärken, das zu fahren seinerzeit mein Privileg war, gegen diese sprichwörtlich lahme Ente tauschen. Mein Frust verschwand aber recht schnell, nachdem ich den Spaß endeckt hatte, den das Chauffieren dieses skurilen Automobils machen konnte. Wenn man beim "Blitzstart" an der Ampel den ersten Gang der sogenannten Krückstockschaltung bis zur Drehzahlgrenze von 7.000 Umdrehungen pro Minute hochzog und dann in den zweiten schaltete, sorgte die kinetische Kraft einer groß dimensionierten Schwungscheibe geradezu für einen "Tigersprung" nach vorne, wie ihn Erik Zabel in seinen besten Sprinterzeiten nicht besser hätte hinlegen können. In schnell gefahrenen Kurven sorgte auch ohne EDS die Geometrie und Konstruktion der Radaufhängung dafür, dass die Kiste auf der Straße blieb. Damals ging das Gerücht um, das Citroen demjenigen einen Neuwagen spenden würde, dem es gelänge, einen 2 CV durch Fahrmanöver umzuwerfen. Erwähnung finden sollten auch noch die zur Hälfte hochklappbaren Fenster in den Vordertüren.

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