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"Aero-Räder" reduzieren den Luftwiderstand Auch Felgen können den Verbrauch senken

Der Spritverbrauch steht bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge mittlerweile weit oben im Lastenheft. Doch um den Autos den Durst abzugewöhnen, tüfteln die Techniker nicht mehr nur an neuen Motorkonstruktionen und Einspritztechniken.
BMW Quelle: dpa

Sichelform und Golfball-Muster: BMW experimentiert mit sogenannten Aero-Rädern, die den Luftwiderstand verringern sollen. (Bild: BMW/dpa/tmn)

(Foto: dpa)

dpa/tmn STUTTGART/MÜNCHEN. Der Spritverbrauch steht bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge mittlerweile weit oben im Lastenheft. Doch um den Autos den Durst abzugewöhnen, tüfteln die Techniker nicht mehr nur an neuen Motorkonstruktionen und Einspritztechniken.

Längst werden andere Bereiche mit einbezogen - neuerdings auch die Felgen, die nach aerodynamischen Kriterien geformt sein sollen. Das soll zu weniger Luftwiderstand und somit geringerem Verbrauch führen.

BMW hat solche "Aero-Räder" auf dem Genfer Automobilsalon Anfang März an einer X5-Studie vorgestellt. Die aerodynamische Form verringert laut dem Hersteller in München die Luftdurchströmung der Felge, was den Luftwiderstand reduziert. Rund ein Drittel dieses Widerstands gehe beim Auto auf Turbulenzen am Rad und im Bereich des Radhauses zurück, sagt BMW-Sprecher Wieland Bruch. Die fünf sichelförmigen Felgen-Arme und die "Golfball"-artige Oberfläche sollen diese Turbulenzen reduzieren. Laut BMW ist dadurch bei Tempo 160 ein Kilowatt weniger Antriebsleistung erforderlich.

Mercedes aus Stuttgart liefert die "Blueefficiency"-Varianten der C-Klasse mit besonderen Leichtbaufelgen aus, die auch aerodynamische Vorteile bieten. Nach Angaben von Mercedes-Sprecher Frank Bracke wurde mit einer speziellen Form die Luftdurchströmung optimiert.

Einen solchen Ansatz hält Armin Michelbach, Bereichsleiter Windkanal am Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren (Fkfs) in Stuttgart, für sinnvoll. Die auch Ventilation genannte Luftdurchströmung einer Felge erzeuge störende Luftverwirbelungen. Aus Sicht eines Aerodynamikers sei daher eine außen möglichst glatte Felge am besten geeignet. Sie verhindere, dass Luft durch sie hindurchströmt und störende Wirbel erzeugt.

Doch so einfach ist die Lösung meistens nicht. Denn der Luftstrom durchs Rad ist laut Michelbach wichtig für die Bremsenkühlung. Das Felgendesign werde daher im Windkanal nie allein betrachtet. Genauso wichtig sei, wie Frontschürze, Unterboden und Radhaus gestaltet sind, um einen möglichst guten Kompromiss für die Luftführung zu finden.

Von Kompromissen spricht auch Norbert Frohner, Geschäftsführer der Alcar-Gruppe aus Hirtenberg bei Wien, unter deren Dach die Felgenmarken AEZ, Dotz und Dezent firmieren. Zwar versuchten auch die Hersteller von Nachrüst-Felgen das Thema Effizienz stärker zu berücksichtigen. Dennoch bleibe hier das Design ausschlaggebend - weil die meisten Autofahrer Felgen nach dem Aussehen kaufen.

Frohner setzt daher darauf, stattdessen das Gewicht der Räder zu verringern: "Sie können auch mit leichten Felgen eine Kraftstoffeinsparung erzielen", so der Alcar-Geschäftsführer. Dabei lässt sich das Rad noch im gewünschten Design konstruieren.

Nach Angaben von Mercedes werden mit den Leichtbaufelgen der C-Klasse pro Rad 1,8 Kilogramm Gewicht eingespart. Windkanal-Experte Armin Michelbach schätzt das Aerodynamik-Verbesserungspotenzial bei Felgen auf den Bereich der Hundertstel des cW-Wertes. Ein Fahrzeug mit cW-Wert von 0,32 lasse sich mit Aero-Rädern auf 0,31 bringen. Das sind auf den ersten Blick zwar keine spektakulären Werte. "Die Zeiten der Quantensprünge sind aber ohnehin vorbei", sagt BMW-Sprecher Wieland Bruch. Heute müsse man viele kleine Bausteine kombinieren, die dann in der Summe eine größere Ersparnis bringen.

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