BMW-Lichttechnik Und es ward Laser

Eine neue Lichttechnik bringt mehr als doppelt so hohe Lichtausbeute und Reichweite. BMW will Laserlicht erstmals ab Herbst anbieten. Nur der wichtigste Markt bleibt für den Strahler aus Bayern unerreichbar.
  • Peter Weißenberg
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BMW-Lichttechnik - Und es ward Laser Quelle: BMW

BMW-Scheinwerfer mit Laser-Lichttechnik

Thomas Hausmann macht gar nichts – zumindest an den Scheinwerfer-Hebelchen. Der Ingenieur legt nur sachte den Vorwärtsgang in seinem BMW der Siebener-Reihe ein, kurvt vom Hof einer alten Mühle in der Provence und biegt auf eine leere, kurvige und kohlenkellerfinstere Landstraße ein. Kurz beschleunigt. Und es ward Licht. „Unglaublich – oder“, strahlt Hausmann. Zu Recht.

Schon moderne Xenon-Scheinwerfer oder LED sind weiße Riesen im Gegensatz zu vielen Halogen-Fernscheinwerfern. Doch die neue Lichttechnik im Versuchsfahrzeug des Leiters Vorentwicklung Licht gleißt noch einmal um Längen beeindruckender. Genau gesagt: Um die doppelte Länge. „Unser Laserlicht strahlt bis zu 600 Meter weit – ein normaler Fernscheinwerfer macht bei 300 Meter Schluss“, erklärt Hausmann. Möglich machen das drei blaue Dioden mit der Lasertechnik.

Mit blauem Licht gibt es Laser erst seit 2009 in ausreichender Stärke für Fahrzeugscheinwerfer – und seitdem arbeiten die Bayern mit Feuereifer an der Serienreife. Dazu wird das blaue Licht durch einen gelben Phosphorfilter gejagt – und rundum mit LED-Strahlern unterstützt. So entsteht ein breiter Lichttunnel, der auch die Seitenstreifen fast taghell ausleuchtet.

Im Vergleich:  LED-Abblendlicht (l.), LED-Fernlicht (m.), Laser-Fernlicht (r.)  Quelle: BMW

Im Vergleich: LED-Abblendlicht (l.), LED-Fernlicht (m.), Laser-Fernlicht (r.)

Zu hell für den nur noch zweitgrößten Automarkt der Welt: Die US-Amerikaner nämlich erlauben auf ihren Straßen nur maximal 120 Lux Leuchtstärke – so viel wie ein Xenon-Strahler. Hausmanns Laser bringt dagegen 340 Lux in die Nacht. Gerade einmal vier Lux mehr erlaubt die EU und die meisten anderen Länder der Welt. Hart an der Grenze; einige Konkurrenten machen bei den Behörden Stimmung gegen das gleißende Licht. BMW rechnet aber mit der Zulassung in den kommenden Wochen.

Die Laserlampen soll der Fahrer, wie Entwickler Hausmann an diesem Abend in Frankreich, übrigens nicht mehr bewusst einschalten müssen. Vielmehr werden die ersten BMW mit dem Laser-Fernlicht eine Automatik bekommen; sie schaltet den Superstrahler immer dann zu, wenn das Auto aus dicht bewohntem Stadtgebiet heraus auf die Landstraßen oder Autobahnen fährt.

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Und Hausmann verspricht, dass eine Blendung des Gegenverkehrs unmöglich ist. Die Laser-Lampen schwenken nämlich selbsttätig an einem entgegenkommenden Fahrzeug vorbei nach Außen. „Anders als bei Konkurrenten, die in so einem Fall einfach einzelne Lichtfelder ausblenden, bleibt bei uns die volle Strahlkraft erhalten“, so der Entwickler. Einen Scheinwerfer in heute üblicher Größe brauchte es dafür  eigentlich nicht mehr. „Da wäre auch ein schmaler Schlitz ausreichend, um den Laserstrahler unterzubringen“, so Hausmann.

Laserlicht-Prinzip_ blaue Diode wirft Licht auf Phosphor-Scheibe dann durch Prisma auf einen Reflektor und als weißes Licht auf die Straße Quelle: BMW

Laserlicht-Prinzip: Die blaue Diode wirft Licht auf eine Phosphor-Scheibe, es fällt dann durch ein Prisma auf einen Reflektor und schließlich als weißes Licht auf die Straße.

Das erste Auto, das mit Laser in die Ferne blicken soll, wird aber noch eine übliche Scheinwerfergröße haben. Der Sportwagen i8 soll im Herbst – gegen Aufpreis die serienreife Super-Lampe beherbergen. Ein bisschen Feinabstimmung ist bis dahin aber noch nötig: Im Moment ist bei Testfahrten noch zu sehen, dass das Laserlicht in manchen Situationen gelbliche Schleier auf die Fahrbahn wirft.

Auf einigen Straßenschildern verschwimmt auch die Schrift. Weiße Buchstaben auf rotem Grund etwa werden zu stark reflektiert. „Das Licht ist da noch einfach zu hell“, gibt Hausmann zu. Aber „das kriegen wir bis zum Marktstart noch hin“. Vielleicht haben ja dann sogar die Amerikaner ein Einsehen?

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Ihre Verwendung sorgte dafür, dass die Frontpartien flach, tief gezogen und aerodynamisch günstig gestaltet werden konnten. Zumindest solange die Scheinwerfer nicht gebraucht wurden. Denn bei eingeschalteten Scheinwerfern verschlechterte sich die Windschlüpfigkeit entsprechend. Ausgefahren werden die Scheinwerfer meist elektrisch, seltener per Hand ...

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Im Prinzip gibt es drei verschiedene technische Varianten der Klappscheinwerfer. Da wäre zunächst die Version mit einer Drehung um die Querachse, wie sie etwa beim VW Porsche 914 anzutreffen ist. Der Scheinwerfer fährt beim Einschalten mit einer Drehung aus der Karosserie heraus.

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Bei Variante zwei werden die Scheinwerfer um die Längsache ein- und ausgefahren. Etwa beim nur fünf Jahre lang ab 1968 gebauten Opel GT (der unter dem Slogan „Nur Fliegen ist schöner“ vermarktet wurde), bei dem der Vorgang nicht elektrisch, sondern per Hand erfolgt.

Bei den rund 103.000 gebauten Exemplaren halfen keine Elektromotoren, wenn es hell werden sollte. Der Fahrer musste an einem oftmals etwas schwergängigen Hebel ziehen, um die Leuchten in die richtige Position zu bringen.

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Bei einigen Modellen, wie etwa dem Lamborghini Miura oder dem Porsche 928, liegen die Scheinwerfer „offen“ – sie sind also auch ausgeschaltet sichtbar und zeigen mit der Streufläche nach oben.

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2 Kommentare zu "BMW-Lichttechnik : Und es ward Laser"

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  • Mich würde viel mehr interessieren, ob Fußgänger oder Radfahrer bei solchen Entwicklungen jemals in die Betrachtung bzw. Risikoplanung mit einbezogen werden. Als Radfahrer habe ich jetzt schon gravierende Probleme überhaupt noch etwas zu erkennen, wenn mir ein Auto entgegen kommt.

  • Weiß jemand, ob diese Entwicklung eine Eigenentwicklung von BMW oder mit einem externen Partner ist?

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