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Combined Combustion System VW macht Motoren sauberer

Wenn es um die Wahl des Motors geht, kommen die meisten ins Grübeln. Benziner oder Diesel? Beide haben ihre Vorteile. Was also tun? Die Antwort kommt von Volkswagen, heißt CCS und vereint das Beste beider Fraktionen in einem einzigen Motor.
  • Fred Wagner
Der erste Benzin-Diesel von VW basiert auf einem 2,0-TDI-Motor.

Der erste Benzin-Diesel von VW basiert auf einem 2,0-TDI-Motor.

VALENCIA. Autokäufer haben es oft nicht leicht. Wenn es um die Wahl des Motors geht, kommen die meisten ins Grübeln. Welchen nehmen, einen Benziner oder einen Diesel? Der Diesel ist sparsamer und bietet mehr Durchzug in niedrigen Drehzahlen, der Benziner verbrennt sauberer und braucht kein aufwendiges Abgasreinigungssystem. Was also tun?

Die Antwort kommt von Volkswagen, heißt CCS – Combined Combustion System und vereint das Beste beider Fraktionen in einem einzigen Motor. Die große Koalition im Motorenbau, wenn man so will. Laut VW steckt die Entwicklung noch in der Forschungsphase, doch es sieht ganz danach aus, als hätte diese Idee das Potenzial zu einem wesentlichen Motorenkonzept im nächsten Jahrzehnt zu werden. So ist Volkswagen nicht allein auf der Suche nach dem salopp als „Diesotto“ oder „Biesel“ bezeichneten Zukunftsmotor.

Wer auf dem weltweit bedeutendsten Kongress von Motorenexperten, dem alljährlich stattfindenden Wiener Motoren-Symposium nachfragt, bekommt schnell mit, dass alle großen Automobilhersteller intensiv an entsprechenden Entwicklungen arbeiten. Doch einzig Volkswagen lässt sich bei einer Probefahrt mit einem Forschungsfahrzeug ein Stück weit in die Karten blicken.

So spektakulär die CCS-Technologie ist, so unspektakulär lässt sie sich auf der Straße erleben. Der 2,0 Liter-Vierzylinder unter der Motorhaube klingt im Leerlauf zunächst wie ein Diesel, hinterlässt beim Tritt auf das Gaspedal aber eher das Gefühl mit einem drehfreudigen und drehmomentstarkem Benziner unterwegs zu sein. Das A und O der Entwicklung bekommt der Fahrer ohnehin nicht mit: den geringen Schadstoffausstoß, fast ohne Stickoxide und fast ohne Ruß.

Um diesen sauberen Betriebszustand des Motors zu erreichen, muss sich in den Zylindern – wie bei einem Ottomotor – ein homogenes Kraftstoffgemisch bilden. Dieses wird dann wie bei einem Dieselmotor ohne Zündkerze durch die hohe Verdichtung entzündet.

Noch ist das nur in einem begrenzten Drehzahlbereich von etwa 1 000 bis 3 000 Umdrehungen der Fall, wie das große Navi-Display im Armaturenbrett mitteilt. Das haben die Motorenentwickler zur Infozentrale für den aktuellen Betriebszustand des Motors umfunktioniert. „Das homogene Kennfeld wird fast wöchentlich vergrößert“, erklärt VW-Forschungsleiter Jürgen Leohold, Leiter der VW-Konzernforschung nach der Probefahrt. Was jetzt noch fehle, um den Motor serienreif zu bekommen, sei vor allem Fleißarbeit, betont Leohold. Kern der Entwicklung ist die elektronische Ansteuerung des Motors und das Zylinderdruckelement, das den Zustand im Brennraum akribisch überwacht.

Doch das Ende der Forschungsphase sei bereits abzusehen, sagt Leohold, danach schließe sich ein Jahr Vorentwicklung an und die klassischen Serienentwicklung. Bereits in fünf Jahren, so hofft der VW-Forschungschef, könnte der erste CCS-Motor in Serie gehen, der dann rund 10 Prozent weniger Kraftstoff als ein moderner TDI-Diesel verbrauchen soll und dabei fast frei von Stickoxiden und Ruß ist.

Stichwort Kraftstoff. Grundlegende Voraussetzung für die vollständige Umsetzung des CCS-Brennverfahrens ist ein synthetischer Kraftstoff, den man bisher nur auf dem Forschungsgelände von Volkswagen tanken kann. Dieser neue, maßgeschneiderte Kraftstoff lässt sich aus Erdgas (Gas to Liquid, GTL) oder Biomasse (BTL) herstellen. Er hilft, aufgrund seiner niedrigen Siedetemperatur und Zündfähigkeit eine homogene Verbrennung zu erreichen. Denn im CCS-Motor erfolgt die Kraftstoffeinspritzung früher als bei einem herkömmlichen Diesel.

Dadurch bekommt der Kraftstoff mehr Zeit, sich mit Luft zu vermischen, trotzdem darf er aber nicht zu früh entzünden. Um die Entwicklung des Kraftstoffs voranzutreiben, hat sich VW mit Shell und Choren verbündet, um im sächsischen Freiberg BLT erstmals kommerziell herzustellen. Bereits im nächsten Jahr soll dort der erste Sunfuel für den CCS-Motor produziert werden.

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