Computermesse CES Der rollende Supercomputer

Pferdestärken werden beim Auto bald nicht mehr so wichtig sein wie Computer-Power. Schon heute liefern Computer aus dem Handschuhfach die Rechenleistung, die vor 15 Jahren noch den größten Superrechnern vorbehalten war.
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Selbstfahrende Autos, smarte Fahrräder und hilfreiche Gürtel

Las VegasDer Autozulieferer Delphi zeigt auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas seine Vision vom sicheren Autofahren: die kombinierte Sprach- und Augensteuerung: „Wo ist ein Starbucks“ öffnet auf dem Bildschirm im Armaturenbrett die Liste der Kaffeeläden in der Umgebung. Kameras im Auto folgen den Bewegungen der Pupillen des Fahrers. Der blickt den Bruchteil einer Sekunde auf das zweite Geschäft der Liste, das dann automatisch ausgewählt wird. „Fahr mich da hin“, aktiviert die Navigation. Fertig.

Safety First: Ziel von Delphi ist es, die Augen des Fahrers so viel wie möglich auf der Straße zu halten und die Hände am Steuer. Ruht der Blick zu lange auf den Bildschirm der Navigation, wird dieser schlicht und einfach abgedunkelt. Immer erst die Straße.

Szenenwechsel: Der Ballsaal des Four Season Hotels. Nvidia zeigt den Supercomputer der Straße. Der Tegra X 1 liefert aus dem Handschuhfach die Rechenleistung, die vor 15 Jahren noch den größten Supercomputern der Welt in riesigen, klimatisierten Lagerhallen vorbehalten war. Solche Monsterchips werden die Augen und das Gehirn selbstfahrender Autos der Zukunft. Sie werden sehen, verstehen und lernen. Gesteuert werden sie mit Gesten, Augenzwinkern und Sprachbefehlen. Oder sie werden trainiert, alltägliche Routen automatisch zu fahren. All das ist nur noch ein paar Jahre entfernt.

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In sein erstes selbstfahrendes Auto baute der Internet-Gigant Google Lenkrad und Pedale nur ein, weil es gesetzlich noch vorgeschrieben ist. Technisch nötig wäre es bei dem Versuchsfahrzeug nicht mehr. «Unternehmen der Technologie-Branche rücken immer tiefer ins einstige Hoheitsgebiet der Autoindustrie vor», sagt Autoexperte Thilo Koslowski vom IT-Marktforscher Gartner.

Das treffe nicht nur die Fahrzeuge, sondern - was viel gravierender ist - auch das Geschäftsmodell. «Ich bin mir nicht sicher, ob die Mehrheit der Autoindustrie gewappnet ist, dem Druck der neuen Player standzuhalten», sagt der Gartner-Analyst.

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Auch Branchenexperte Stefan Bratzel sieht neue Spieler im Anmarsch. «Insbesondere die Big-Data Player der IT-Industrie spielen künftig in der Wertschöpfungskette der Automobilindustrie eine sehr wichtige Rolle», analysiert er. Die Autobauer agierten derzeit nach dem Modell der «Co-opetition»: Kooperation und Wettbewerb zugleich.

So arbeiten sie einerseits vor allem mit Apple und Google zusammen, um Smartphones und Apps ins Auto zu bringen. «Andererseits sehen sie die IT-Player auch als künftige Konkurrenten für den Mobilitätskunden der Zukunft und wollen ihnen keinen umfassenden Zugang zum Auto gewähren», betont Bratzel.

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In den nächsten Wochen wird der Kampf um die Zukunft des Autos gleich zwei Mal im Rampenlicht ausgetragen: Bei der Elektronik-Messe CES (6. bis 9. Januar) in Las Vegas und danach der Automesse in Detroit (12. bis 25. Januar), dem Herzen der amerikanischen Fahrzeugindustrie.

Die CES, auf der früher traditionell eher Fernseher, Hifi oder Computer vorgestellt wurden, wurde in den vergangenen Jahren immer mehr auch zur Autoshow. Im vergangenen Jahr wurde Audi-Chef Rupert Stadler zu seiner Eröffnungs-Keynote in einem selbstfahrenden Auto des Unternehmens auf die Bühne kutschiert.

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Diesmal übernimmt Daimler-Chef Dieter Zetsche diesen zentralen Auftritt. Kurz vor der Messe wurde eine wegweisende Partnerschaft bekannt: Der südkoreanische Elektronikriese LG soll mit seinen Stereokameras die «Augen» für die automatisierten Autos von Mercedes liefern.

Newest Innovations In Consumer Technology On Display At 2015 International CES
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Die Mercedes-Studie - hier mit CES-Messechef Gary Shapiro - namens F 015 ist ein gewaltiger Hingucker. Neben Design, Front und Rädern wirkt vor allem das Innenraumkonzept konsequent futuristisch. Selbstverständlich kann das Modell autonom fahren, die Insassen sitzen sich auf drehbarem Lounge-Gestühl gegenüber und beschäftigen sich anderweitig.

Newest Innovations In Consumer Technology On Display At 2015 International CES
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Luxury in motion ist der Beiname, den Mercedes der Studie F 015 gibt. Sie steuert gestützt auf Stereokameras, Ultraschall- und Radarsensoren durch den Verkehr. Dem Fahrer stehen Informationen auf einem breiten Hauptbildschirm im digitalen Armaturenträger sowie auf einem Head-up-Display zur Verfügung.

Mit mit einer Länge von 5,22 Meter und 3,61 Meter Radstand hat die Studie Maybach-Abmessungen. Geprägt wird ihr Auftritt durch große Flächen, Alulook und 26 Zoll-Räder.

Newest Innovations In Consumer Technology On Display At 2015 International CES
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In der mit Leder, Edelhölzern und viel Glas gestalteten. ambientebeleuchteten Lounge können Reisende während der Fahrt entspannen, kommunizieren und arbeiten. Die vorderen beiden Einzelsitze sind drehbar. Integrierte Monitore stellen cloud-basiert alle notwenigen Daten, Apps und Funktionalitäten bereit und werden per Gesten, Eye-Tracking oder Berührung gesteuert. 

Nvidia bereitet sich wie viele andere Unternehmen auf das nächste große Schlachtfeld der Digitalisierung vor: das Automobil.  Es war praktisch das einzige Thema von Nvidia Gründer und CEO Jen-Hsun Huang am Montag auf der CES. Superchips wie den Tegra X1 „brauchen wir nicht für Telefone“, ruft er den Zuhörern im Four Seasons in Vegas zu, „wir brauchen sie für Autos.“

Es ist die Zeit des großen Experimentierens. Gary Silberg von KPMG Chicago fasst es im Gespräch mit dem Handelsblatt knapp zusammen: „Pferdestärken werden bald nicht mehr so wichtig sein wie Computerpower.“ Die Gewinner der digitalen Revolution auf der Straße werden seiner Meinung nach „beweglich sein, zukunftsorientiert und bereit, in neue Märkte und Talente zu investieren.“

Audi etwa kam „vor zehn Jahren auf uns zu“, räumt Nvidia-Chef Huang ein, und „hat uns überzeugt, dass ein Auto in Zukunft ein rollender Supercomputer sein wird“. Seitdem arbeiten die früheren Spezialisten für PC-Grafikkarten aus San Jose und die Autobauer aus Ingolstadt eng zusammen.

Audi wiederum stand vor der riesigen Herausforderung die durchschnittliche Entwicklungszeit der Komponenten von fünf auf ein Jahr zu verdichten. „Wir mussten die Entwicklungsgeschwindigkeit an die der Konsumelektronik anpassen“, sagt Ricky Hudy, Vice President bei Audi für Electronics Development.

Eine Herausforderung, der sich auch der Autozulieferer Delphi stellen musste. Mit Erfolg, wie Michael Gassen, Europachef von Delphi betont. „Wir haben vor sechs Monaten“ erklärt er im Gespräch mit dem Handelsblatt, „mit einem Autokonzern über ein wirklich extrem komplexes Projekt erste Gespräche begonnen. In Produktion gehen wird es Anfang 2017.“ Undenkbar vor fünf Jahren.

Dramatischer Wandel
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