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Driver´s Seat Renner im Stimmbruch

Hier steht das Nestlé-Verwaltungszentrum neben der Schaltzentrale der IG Metall. Frankfurts Bürostadt Niederrad kann mit Fug und Recht mit dem Slogan werben: Hier wird gearbeitet. Nach Restaurants oder lässigen Cafés für kurzweilige Mittagspausen müssen wir lange suchen.
  • Dieter Hintermeier

Vielleicht ist das auch der Grund, warum Nicole Bernthaler die Weekend-Journal-Testfahrt mit dem BMW 120d um 11.30 Uhr terminiert hat. Gut gelaunt steigt die Vorstandsdame von Worldhotels in das Auto und sucht das Zündschloss.

Doch das gibt es in dem BMW nicht. Dafür aber einen Zündknopf. „Den finde ich richtig gut, der hat so etwas Nostalgisches“, freut sie sich.

Eines muss aber vor der Testfahrt noch geklärt werden: Wo soll die Reise hingehen? Bernthaler hat erst seit wenigen Monaten ihr Domizil in der Bankenmetropole aufgeschlagen und sich seitdem weniger um die Sehenswürdigkeiten des Frankfurter Umlandes interessiert – einarbeiten hieß bei ihr die Devise.

Nach kurzer Diskussion fällt die Entscheidung gegen den Rheingau und für den Großen Feldberg, der weithin sichtbar über Frankfurt und dem Taunus thront. Keine ganz so schlechte Wahl, denn die kurvenreiche Strecke zum Berg hinauf ist dem kleinen, temperamentvollen BMW auf den Leib geschneidert.

Bevor der Feldberg erklommen werden kann, gönnt sich unsere Testerin noch eine Fahrt durch Frankfurts Äppelwoi-Zentrale Sachsenhausen. Der BMW schwimmt mit seinen 163 PS im innerstädtischen Straßenverkehr mit und bahnt sich den Weg zur nächsten Autobahnauffahrt in Richtung Norden.

Nicole Bernthaler ist entspannt, zufrieden und kann ihre Euphorie nur schlecht verstecken. „Ich bin total begeistert und habe das Gefühl, dass ich den Wagen schon immer fahren würde“, sagt die eingeschworene Volvo-Fahrerin. Der Testerin fällt ein Kollege ein. „Der ist ein leidenschaftlicher BMW-Fahrer und hat mir gesagt, diese Autos passen wie ein perfekt sitzender Lederhandschuh, in den man hineinschlüpft“, erzählt sie.

Doch dann ist erst einmal genug mit den Lobeshymnen. Die Realität des Tests hat uns wieder. Denn auf der Autobahnfahrt in Richtung Oberursel kann der 1er noch nicht zeigen, was in ihm steckt. Die A 661 ist zu stark befahren, so dass Bernthaler das Gaspedal nur moderat durchdrücken kann. Mehr darf sie auch nicht, denn auf der Strecke gilt eine Geschwindigkeitsbeschränkung – bei 130 km/h ist Schluss mit dem lustigen Gasgeben, sonst wird’s teuer.

Dem bärenstarken Vierzylinder macht das nichts aus. Wie an einer Schnur zieht er seine Bahnen. Und der lang übersetzte sechste Gang leistet ganze Arbeit. Reduziert wird durch ihn nicht nur der Spritverbrauch, sondern auch die Geräuschkulisse im Innenraum des kleinen BMW.

Ganz so still und leise mag es unsere Testerin im wirklichen Leben nicht. Sie ist das, was wir gemeinhin als einen kommunikativen Menschen bezeichnen. Das war wohl auch der Grund, warum die gebürtige Stuttgarterin nach dem Abitur nicht geradlinig ein Studium aufnahm, sondern beim Club Med als Animateurin anheuerte und die große weite, sonnige Welt der guten Laune von Frankreich bis Griechenland kennen lernte.

Im Anschluss zog sie es doch zu akademischen Weihen. Nach ihrem Abschluss als Betriebswirtin schaffte sie nach beruflichen Stationen unter anderem bei der Quelle AG den Sprung zur Geschäftsführerin beim Internet-Reiseportal Lastminute.com. Und bei Worldhotels betreut Bernthaler heute die Vorstandsbereiche Unternehmensstrategie und Marketing.

Die Arbeit macht ihr Spaß, auch wenn ihre Freizeit kurz bemessen ist und viele Sitzungen anstehen. Und nicht nur in Frankfurt, sondern oft auch in London oder Hongkong. Bei so viel Flügen macht es sich gut, dass sie neben Englisch auch Französisch und Italienisch fließend spricht. Nur schwäbeln mag die Stuttgarterin nicht mehr. „Ich kann es zwar noch, aber ich habe es mir abgewöhnt, als ich mit einer Kommilitonin aus Essen zusammengewohnt habe“, sagt sie. Und auch am Quelle-Telefon, an dem sie während des Studiums jobbte, war Schwäbisch nicht „Amtssprache“.

Ihr Sprachtalent braucht sie auf der kurvenreichen Strecke hinauf zum Frankfurter „Hausberg“ jedoch nicht abzurufen. Hier zeigt der 1er-BMW sein Können und beweist: Die hessischen Serpentinen sind für ihn keine echte Bewährungsprobe. „Toll! Der Wagen liegt wirklich super auf der Straße“, lobt Bernthaler ihr Testgefährt. Und die Bremsen sind auch gut, ergänzt sie fachfraulich.

Angekommen auf dem Feldberg-Parkplatz steht eine Rundumschau an. Die Weekend-Journal-Testerin nimmt das Design des BMW genauer in Augenschein. Beim kritischen Blick von der Seite fällt das Adjektiv „gewöhnungsbedürftig“. „Das muss nicht hässlich bedeuten. Aber von der Seite sieht der BMW dem Alfa 156 ähnlich“, ergänzt die 36-jährige Managerin.

Bei der Rückfahrt in die Bürostadt fallen ihr noch zwei Dinge beim 1er auf. „Sehr gut“ findet sie, dass auf dem Armaturenbrett der Hinweis vermerkt ist, dass dieses Fahrzeug mit Diesel betankt werden muss. Zweitens: Die Hupe, auf die sie zwischendurch kräftig drückt, klingt zu hoch. „Hört sich an wie ein Auto im Stimmbruch“, witzelt sie.

Am Ende drückt sie erneut den Zündknopf. Der BMW hört auf zu schnurren. Jetzt wird in Niederrad wieder gearbeitet.

Die Fahrerin:
Name: Nicole Bernthaler
Funktion: Vorstand Worldhotels (Unternehmensstrategie und Marketing)
Alter: 36 Jahre
Erstes Auto: Golf I in den Farben Gelb und Grün
Aktuelles Auto: Volvo V70
Traumauto: Ferrari Dino
Hobbys: Skifahren, Mountainbiken, Tennis
Fahrstil: Immer vorankommen

Das Auto:
Modell: BMW 120d, Vierzylinder-Turbodiesel,
1995 ccm, 120 kW (163 PS)
Maße: Länge: 4,23 m
Breite 1,75 m, Höhe 1,43 m
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
Drehmoment: 340 Nm bei 2 000 U/min
Leergewicht: 1 415 kg
Verbrauch: 7 Liter
Grundpreis: 24 400 Euro

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