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Drivers Seat Schöne Kurven

Spezialgarn-Hersteller und Golfer Richard Gütermann testet den Mercedes CLS 500. Sein Fazit: Ein eleganter Sportler.
  • Dieter Hintermeier

HB DÜSSELDORF. Sage niemand, bei Mercedes hätten sie keine Phantasie. Die Duftmarke des Testwagens fürs Weekend-Journal ist leicht am Kennzeichen abzulesen: S-LC. Ein raffiniertes Kennzeichen-Arrangement. Richtig gescrabbelt wird aber erst ein Schuh draus: CLS.

Richard Gütermann, Vertriebsleiter Zentraleuropa des traditionsreichen, gleichnamigen Spezialgarnherstellers aus Gutach im Breisgau, interessiert sich gleich als erstes für den Kofferraum des silbernen Wagens, zu dessen automobilen Altvorderen das legendäre 280 SE Coupé zählte. „Der Kofferraum ist größer, als ich erwartet habe“, stellt er wohlwollend nickend fest.

Gütermann erklärt auch gleich den Grund seines Interesses für die versteckten Details des CLS. Als passionierter Golfer, der 15 Jahre lang für die Schweizer Nationalmannschaft den Schläger schwang und viele internationale Turniere gespielt hat, braucht er Platz für seine Ausrüstung. „Golftasche und Hölzer passen hier problemlos rein“, stellt er fest.

Und schon kann die Testfahrt vorm Kurhaus in Baden-Baden beginnen. Gütermann, in New York geboren und mit einem deutschen und einem Schweizer Pass ausgestattet, hat sich für den CLS einen ansprechenden Kurs ausgedacht.

„Wir fahren über die kurvenreiche Schwarzwald-Hochstraße in Richtung Freudenstadt. Von dort geht es zurück in die Rheinebene. Und dann zur A5 in Richtung Norden“, sagt er. Die Fahrt durch die mondäne Kurstadt mit ihrem weltberühmten Kasino beginnt jedoch gemächlich. Mit 40 Stundenkilometer fahren, nein flanieren wir mit dem 306-PS-starken Mercedes-Coupé an den prächtigen Jugendstilvillen vorbei. Und passieren auch den Golfplatz Baden-Badens, der Jahreszeit angemessen löchrig daherkommt.

Plötzlich aber ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Als wir die Bundesstraße 500 ansteuern, zeigt der vornehm-zurückhaltende Manager Sportsgeist. Mit einem kräftigen Tritt auf das Gaspedal befördert er den 8-Zylinder-Daimler in Windeseile auf Tempo 90. Da nähert sich schon die erste Kurve. Gütermann tritt auf die Bremse, um in der Kurve wieder mit dem Gas zu spielen. Jetzt geht es wieder 150 Meter geradeaus, bis sich die nächste Schikane anbahnt.

„Das Fahrzeug liegt gut auf der Straße, jede Bodenunebenheit nimmt der Wagen auf“, sagt unser Tester. Auch die Seitentraktion des CLS ist einwandfrei. Während der Serpentinen-Fahrt im Scharzwald wackelt der Fahrer nicht in seinem Sitz hin und her.

Das ist ganz nach dem Geschmack von Gütermann, dessen Unternehmen seit über 140 Jahren in Familienhand ist und es auch bleiben soll. „Wir tun alles dafür, dass auch die sechste Generation ein intaktes und erfolgreiches Unternehmen übernimmt“, sagt Gütermann.

Am Standort der Gütermann AG in Gutach, Nahe der Schweizer Grenze, wird nicht gerüttelt. „Wir bekennen uns klar zu Deutschland“, sagt er unprätentiös. Ein unternehmerischer Patriot. „Obwohl wir international ausgerichtet sind, wissen wir die Kompetenz unserer heimischen Mitarbeiter sehr zu schätzen“, setzt er nach.

Die haben sich auch schon öffentlichkeitswirksam ins Zeug gelegt. Zum Beispiel, als sie dem Verpackungskünstler Christo 1300 Kilometer lange Spezialfäden lieferten, damit der den Reichstag in Berlin verhüllen konnte.

Oder als mit Fäden aus Gutach das Brautkleid von Lady Di hergestellt wurde. Und nicht zu vergessen: Selbst der Rennanzug von Michael Schumacher wird mit Gütermann-Fäden produziert.

Respekt zollt unser Testfahrer auch den Fachleuten aus Untertürkheim. „In puncto Sportlichkeit hat Mercedes stark aufgeholt, aber dabei auch nicht den Komfort vergessen.“ Da ist er, der Blick auf die Mercedes-Konkurrenz aus München.

Besonders hat es Gütermann das 7-Gang-Automatik-Getriebe des CLS angetan. „Die Schaltung passt sich dem Schub gut an. Sie ist sehr ausgewogen. Ein Loch tritt beim Schalten zwischen den Gängen nicht auf“, kommentiert Gütermann in einer der vielen Kurven in der sonnig-winterlichen Schwarzwald-Idylle.

Doch unserem Tester ist das noch nicht genug. Ein Geschwindigkeitstest auf der Autobahn muss einfach noch sein. Da kommt die an diesem Nachmittag wenig befahrene A5 gerade recht. Gütermann zieht an und die Drehzahl hoch. Schließlich zeigt der Tacho Tempo 240 an. War das etwa schon alles?

Gütermann ist leicht irritiert, bis ihm dann ein Hinweisschildchen im Cockpit auffällt: Winterreifen, bitte nicht schneller als 240 km/h fahren.

Schneller geht’s heute einfach nicht. Da ist der Abregelungs-Chip im CLS unerbittlich.

Sicher ist sicher.

Der Fahrer:
Name: Richard P. Gütermann
Position: Gesamtvertriebsleiter Zentraleuropa der Gütermann AG
Alter: 42 Jahre
Erstes Auto: Karmann Ghia
Aktuelles Auto: Mercedes T-Modell E 350
Traumauto: CLS 500
Hobbys: Golf, Jagen, Tennis
Fahrstil: Sportlich, aber überlegt

Das Fahrzeug:
Modell: Mercedes-Benz CLS 500,
V8-Motor, 4 966 ccm, 225 kw (306 PS)Maße:

Länge: 4,91 Meter
Breite: 1,87 Meter
Höhe: 1,39 Meter
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (Abregelung)
Drehmoment: 460 Nm bei 2 700 U/Min
Leergewicht: 1.810 kg
Verbrauch: 13 Liter S (Test)
Grundpreis: 67.280 Euro

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