Elektromobilität Autobauer ignorieren den Rekord-Akku

Eine Berliner Start-up-Firma fährt in einem Elektroauto eine Rekordstrecke - doch die deutsche Autobranche hält nichts von dem Akku. In Korea zeigt man sich interessiert.
  • Franz Rother, Max Haerder
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Batterieentwickler Mirko Hannemann Ende Oktober im Elektroauto. Inzwischen bezweifeln einige aber die Rekordfahrt von rund 600 Kilometern ohne Aufladen . Quelle: dpa

Batterieentwickler Mirko Hannemann Ende Oktober im Elektroauto. Inzwischen bezweifeln einige aber die Rekordfahrt von rund 600 Kilometern ohne Aufladen .

(Foto: dpa)

Die immer wiederkehrende Frage nach dem großen Bluff oder dem großen Durchbruch ärgert Mirko Hannemann. "Wir schreiben eine glatte Eins und die anderen eine Drei - und dann sollen wir uns rechtfertigen, als ob wir geschummelt hätten?", fragt der 27-Jährige. Dabei sitzt er am Steuer seines "Lekker-Mobils", eines zum Stromer umgebauten Audi A2, und rollt zügig Richtung Potsdamer Platz in Berlin Mitte.

Fast 3.000 Kilometer ist er mit dem Elektroauto in den zurückliegenden Wochen gefahren. Die meisten Trips gingen durch Berlin, einige in die Mark Brandenburg und nach Thüringen, in seine Heimatstadt Erfurt. Mit der längsten Tour aber sorgte der technische Geschäftsführer des Startups DBM Energy aus Berlin-Mariendorf für Schlagzeilen. Eine einzige Akkuladung reichte, um mit dem Elektro-Audi am 26. Oktober 600 Kilometer von München zurück nach Berlin zu düsen, bei Gegenwind und Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Applaus für die Rekordfahrt gab es von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Die Vertreter der deutschen Autoindustrie hingegen reagierten verschnupft. Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Autoindustrie (VDA), weigerte sich, das Ereignis überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Gernot Spiegelberg, Leiter Elektromobilität bei Siemens, hatte Hannemann schon vorher wissen lassen, dass die Autoindustrie kein Interesse an Elektroautos mit 600 Kilometern Reichweite hätte. Und einem ranghohen Bosch-Manager genügte ein Blick auf das Datenblatt, um festzustellen, dass die von Hannemann in Eigenregie und mit Eigenkapital entwickelte und mithilfe von 3M produzierte Lithium-Metall-Polymer (LMP)-Batterie "nicht zu gebrauchen" sei.

Gregor Falk, Logistikchef beim Partygeschirrhersteller Papstar, weiß es besser: "Das Ding ist eine Sensation". Seit dem 8. September fährt in seinem Betrieb in Kall in der Eifel ein schwerer Schubmaststapler, bei dem der übliche schwere Bleiakku durch die Superbatterie von DBM ("Die Basis von morgen") ersetzt wurde. Die Batterie ist mit 100 Kilogramm nicht nur deutlich leichter und kleiner als der konventionelle Energiespeicher, sondern hat mit 560 Amperestunden auch ein deutlich höheres Speichervermögen.

Ergebnis: Statt wie früher nach zwölf Betriebsstunden muss der Gabelstapler nun erst nach 26 Stunden an die Ladestation. Und das auch nur für zwei statt früher für acht Stunden. Einziger Schönheitsfehler: Der Akku aus Berlin kostet etwa viermal so viel wie der alte Bleispeicher. Dennoch will Falk nun auch die übrigen Gabelstapler auf die DBM-Akkus umrüsten: "Die Mehrkosten holen wir über den 70 Prozent geringeren Energieeinsatz wieder herein."

Derartige Erfolgsgeschichten machen Hannemann und seinen Mitstreitern Mut, für den Wunderakku noch andere Einsatzfelder zu suchen. Zusammen mit Solon, dem Berliner Photovoltaik-Hersteller, arbeitet er an einem Schuhkarton großen Akku mit einem Speichervermögen von bis zu fünf Kilowattstunden, der im Keller eines Hauses die auf dem Dach eingefangene Sonnekraft puffern soll. Solon-Technikvorstand Lars Podlowski will den Stationärspeicher in zwei bis drei Jahren serienreif haben.

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13 Kommentare zu "Elektromobilität: Autobauer ignorieren den Rekord-Akku"

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  • Knopfauge phantasiert blühend (das vermute ich nicht, ich weiß es).

  • Du bist die Ente, bleib einfach in deinem Waldtümpel, und dümpel, du bob.

  • Echtmal Monopolismus erinnert zu sehr an die zentralen Unternehmensmuster der UdSSR; dabei zeigen wir doch immer mit dem Stinkefinger auf diese Zeit und wie schlecht es für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes war und sei. ALLES SCHWACHSINN UND PROPAGANDAGELABER, mal ehrlich, alles was ein Land braucht, sind Menschen die den Mut ahben Neuerungen die Sinn machen auch als solche zu interpretieren, und ach ja, ein paar Leute sollten auch rechnen können. Ich habe das Gefühl die gesamte Automobilbranche samt Zulieferern scheissen sich ein, weil sie glauben sie verlieren Geld, dabei können die alle nicht rechnen. Es ist ganz einfach: es kommt einfach insgesamt mehr dazu, für alle, mit dem Transrapid hätten wir in Deutschland unsere Wirtschaftsleistung wahrscheinlich schon um 100 % erhöht, aber so sindse halt die Barbaren, laufen durch den dunklen Wald und scheissen sich permanent nur ein.

  • Endlich wird (teilweise) in der Menschheit aufgewacht, mehr
    braucht man auch in der Technik kaum.
    Die 'Vergewohltätigung' durch die Monopole kann - langsam
    oder besser schnell - aufhören !

    Auro

  • Für mich ist das ein Quantensprung und die tollste Erfindung der letzten zehn Jahre.
    Ich verstehe nicht,dass das nicht bei allen Zeitungen auf der ersten Seite steht.
    In Deutschland ist der Fortschritt eine Schnecke,siehe auch Transrapid.

    mit freundlichen Grüßen
    Horst Meiners

  • Das ist der gleiche Typ, welcher schon über eine Zwischenfirma einen Auftrag von Siemens hatte. Siemens hat einen Auftrag von Porsche (für einen Hybrid Cayenne) erhalten, die haben es weitergereicht und die kleine Firma hat diesen StartUp Typen gefunden. Das ganze wurde erfolgreich getestet. Als Siemens das mitbekommen hat wollten die alle Eigenschaften und technischen Pläne des Akkus haben. Da der sich aber keine fette Patentgebühr leisten konnte und somit Angst um sein geistiges Eigentum hatte ( wie bei den Chinesen :) hat er nicht "kooperiert". Daraufhin hat Siemens den Auftrag mit der begründung, die Kundschaft brauche kein Hybridauto mit solch einer großen Reichweite durch den Elektromotor.

    Absolut lächerlich...das stand auch hier im Hb - irgendwann im Sommer oder Frühling.

    Das ist wie früher...
    Die Erde ist eine Scheibe! Nein sie ist rund! - TOT! ...und sie ist tatsächlich rund.

    Die Erde ist der Mittelpunkt des Universums!!! :))

    ( ja ja durch Fliehkraft wird sie gedrückt..blabla)

  • "...von München zurück nach berlin zu düsen, bei Gegenwind und Temperaturen um den Gefrierpunkt."

    Darf man auch wissen, welche Kleidung der Fahrer während dieser Fahrt getragen hat? Pelzmantel und Seehund-Stiefel? Denn Abwärme der Elektro-Motoren zur beheizung gibt es praktisch nicht. bei der Fortbewegung in den mobilen bHKW, welche die PKW mit Verbrennungsmotor ja schließlich sind, kann man gerade in diesen Zeiten sehr gut die Abwärme nutzen. Weshalb ehrlicherweise der Nutzungsgrad der eingesetzten Energie beim verbrennungsmotorischem Antrieb der Automobile in unserem Teil der Welt deutlich über dem allein mechanischen Nutzungsgrad liegt, was allerdings bei ideologisierten betrachtungen des Automobilantriebs gerne übersehen wird.

  • Die Sensation des Jahres!

    Applaus Herr bruederle!

    Der VDA Mann hat noch nie was richtiges von sich gegeben.

    bosch und Siemens fertigen ja auch konventionelle batterien, Anlasser, Lichtmaschinen und sogar Komponenten fuer Automatikgetriebe - braucht man alles nicht mehr mit einem Elektrofahrzeug...
    Ein Schelm wer dabei etwas vermutet...
    Die Automobilindustrie verdiehnt mit klassischem Maschinenbau und hat auch nur dort Wettbewerbsvorteile...
    Ein Schelm wer dabei an cash cow denkt...

    Die Deutsche Politik - verdiehnt kraeftig an der Mineraloelsteuer...moechte den Status Quo der grossen Autobauer bewahren...

    Und wer haette schon was vom billigen Auftanken, langen Serviceintervallen, keinen Oelwechseln, keinen Ersatzteileverkauf wie Auspuff, Anlasser, Lichtmaschinen etc...
    Nur der kleine wahlberichtigte buerger - na also

  • Mindset, bolloré, StreetScooter, Rinspeed, Heuliez, innovative Mobility usw. - es gibt viele kleine Unternehmen, die Elektroautos entwickelt haben und bei denen sich viel tut, die aber kaum jemand kennt und die auch die Politik weitestgehend ignoriert. Man braucht nur die Mitgliederliste der Nationalen Plattform für Elektromobilität zu studieren, die sich wie das Who is Who der deutschen Konzernlandschaft liest, um das festzustellen.

    Der Hb-Artikel rührt deswegen richtigerweise an einem grundsätzlichen Problem: Die deutsche Wirtschaftspolitik adressiert und fördert primär die Konzerne und das seit Dekaden – was für alle anderen Unternehmen und speziell für innovative sowie auf hohe Qualität setzende kleine und mittelgroße Unternehmen ein massives zusätzliches Hemmnis darstellt. Und genau hierin liegt der Grund für die stark gebremste innovations- und Wachstumsleistung des Standorts Deutschlands (siehe: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/09/kapitalismus-in-der-krise-abschied-von.html).

  • Wenn die deutsche Autoindustrie diese fast fertige Entwicklung übernimmt, fehlt die berechtigung für den Mrd-Euro Entwicklungszuschuß. Der Zuschuß muß her, auf den wird nicht verzichtet. Ausserdem braucht die Atom-industrie Stromverbrauch sonst müssen eventl. die Reaktoren doch noch abgeschaltet werden. Das wirkt sich auch auf die Pharmaindustrie aus, da dadurch weniger Krebsmedikamente benötigt werden und die sind sehr gut kalkuliert.

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