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Fahrbericht Audi S8: So komfortabel kann ein Sportler sein

Zwei Jahre nach dem Start der A8-Reihe schiebt Audi den S8 nach. Mit der Sportlimousine geht auch das Aktivfahrwerk in Serie, dass zu Dynamik und Komfort verhilft. 
  • Michael Gebhardt
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  • Spotpress
Fahrbericht: Audi S8 - So komfortabel kann ein Sportler sein  Quelle: Audi
Audi S8

Die Sportlimousine ist ab Ende November für mindestens 140.000 Euro erhältlich.

Barcelona Was lange währt wird richtig gut: Zum Beispiel das neue Aktivfahrwerk von Audi. Das hat der Autobauer zwar schon Ende 2017 bei der ersten Testfahrt mit dem neuen A8 vorgestellt, doch erst jetzt, gut zwei Jahre später, geht der Unterbau wirklich in Serie – und zwar im neuen Audi S8. Der ist ab Ende November für mindestens 140.000 Euro erhältlich und meistert dank des neuen Chassis den Spagat aus Fahrspaß-Maschine und komfortabler Chauffeurs-Kutsche besser denn je.

Für den Spaß sorgt im Audi S8 in erster Linie der Motor: ein vier Liter großer, doppelt aufgeladener Achtzylinder. Zugegeben: Das klingt in Zeiten von Elektroautos und neuer Mobilität anachronistisch. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum Audi dem V8 fast schon Schweigepflicht auferlegt hat.

Wo es früher tief geblubbert hat, ist heute nur noch ein ganz dezentes Grummeln zu vernehmen; selbst unter Last und auch im Sportmodus wird der S8 nicht wirklich laut. Dazu trägt nicht zuletzt das Active Noise Cancelling bei, das dem Motorengeräusch per Gegenschall entgegenwirkt.

Das ruhige Naturell passt gut zum dezenten Gesamtauftritt, der von der Protzigkeit einer Mercedes-AMG S-Klasse weit entfernt ist: Der Kühlergrill verrät nur durch Doppelstreben dass hier kein A-, sondern ein S-Modell vorfährt, die Schweller sind ein bisschen wuchtiger und am Heck gibt’s zwei obligatorische Doppelendrohre.

Innen ist abgesehen von den Sportsitzen und besonderen Dekoreinlagen auch alles beim alten, die virtuellen Instrumente und die beiden Touchscreens kennen wir längst – und die Taste fürs autonome Fahren, das Audi ebenfalls 2017 schon vollmundig angekündigt hat, suchen wir immer noch vergebens.   Nur weil sich der S8 optisch zurückhält, heißt das nicht, dass der Audi zu schwach auf der Brust wäre.

Zwar leidet auch der in Zusammenarbeit mit Porsche entwickelte Motor an einem klitzekleinen, WLTP-Motoren-typischen Turboloch. Doch ist die Nadel des Drehzahlmessers erstmal über die 2000er-Marke gewuppt, legt sich das Triebwerk mit voller Kraft seiner acht Zylinder ins Zeug. 800 Newtonmeter fallen dann über alle vier Räder her und drücken gleichermaßen den 2,3-Tonner flott nach vorne und die Passagiere kräftig in die Sitze.

Innen ist abgesehen von den Sportsitzen und besonderen Dekoreinlagen auch alles beim alten Quelle: Audi
Audi S8

Innen ist abgesehen von den Sportsitzen und besonderen Dekoreinlagen alles beim Alten.

Nach 3,8 Sekunden zeigen die digitalen Instrumente 100 km/h Fahrt an, Schluss ist wie üblich bei Tempo 250; dass die bei 6000 Touren anliegenden maximal 420 kW/571 PS den S8 noch schneller machen könnten, wenn sie denn dürften, glaubt man gern. Dass er in der Praxis, trotz 48-Volt-Mildhybrid-System und Zylinderabschaltung, sicher mehr als die propagierten 11,3 Liter je 100 Kilometer verdrückt, auch.

Damit der S8 nicht nur Geradeaus schnell unterwegs sein kann, sondern auch in der Kurve die Contenance nicht verliert, haben die Ingenieure das Zusammenspiel aus Allradlenkung, Sportdifferenzial an der Hinterachse und eben jenem Aktivfahrwerk optimiert.

Anders als bei einer klassischen Wankstabilisierung, die quasi auf alle vier Räder gleichermaßen wirkt, kann das Aktivfahrwerk, das mit Luftfederung und adaptiver Dämpfung zusammenarbeitet, jedes Rad individuell um jeweils 8,5 Zentimeter hoch- oder runterziehen. Möglich machen es eine kleine E-Maschine auf der Radaufhängung und ein Drehrohr, die ideale Justierung errechnet der Audi aus allerlei Fahrparametern und den Daten der Frontkamera, die die Straße bis zu 15 Meter vor dem Auto beobachtet.

Im Dynamikmodus steuert die Elektronik das System so, dass der Audi satt und ohne Schwanken auf der Straße liegt und mit der größtmöglichen Gelassenheit, die eine Über-fünf-Meter-Limousine an den Tag legen kann, um die Ecke eilt. Das könnte man sicher auch mit einem klassischen Sportfahrwerk ganz gut realisieren, doch das eigentliche Potential des Aktivfahrwerks, das zukünftig auch mit den übrigen Motorisierungen erhältlich ist, entfaltet sich im neuen Comfort-Plus-Modus.

Dann wird der im Sportbetrieb spürbar straffe Audi S8 zur sanft gleitenden Reiselimousine, die ungeahnten Komfort an den Tag legt. Statt in der Kurve dem Wanken entgegen zu wirken, legt sich der S8 jetzt sogar mit bis zu drei Grad in die Kehre. Das von Neigetechnik-Zügen bekannte Prinzip sorgt dafür, dass weniger Querkräfte auf die Fahrgäste wirken und das Reisen angenehmer wird; auch dem Schlechtwerden wirkt es entgegen.

Der Kühlergrill verrät nur durch Doppelstreben dass hier kein A-, sondern ein S-Modell vorfährt Quelle: Audi
Audi S8

Der Kühlergrill verrät nur durch Doppelstreben, dass hier kein A-, sondern ein S-Modell vorfährt.

Dass der S8 fast alle Unebenheiten im Asphalt glattbügelt, darf man erwarten. Wirklich faszinierend ist, wie er über kleine, fiese Erhöhungen schleicht, die einen zum Langsamfahren ermahnen: Die Kamera erfasst den Hubbel, das Fahrwerk legt die Karosserie vorsorglich etwas höher und während Vorder- und Hinterachse blitzschnell ein- und ausfedern schwebt die Fahrgastzelle nahezu waagrecht über den „Sleeping Policeman“ hinweg.

Jene Gleichmäßigkeit legt der S8 übrigens auch beim Gasgeben und Bremsen an den Tag, weder hebt sich der Vorderwagen beim Beschleunigen an, noch sinkt der Audi beim Verzögern ein. Die Passagiere können im Fond also ganz gemütlich ein Tässchen Tee schlürfen, und brauchen keine Angst vor Flecken auf dem feinen Leder zu haben.

Außerdem wirkt das neue Aktivfahrwerk rückenschonend und trägt zur Sicherheit bei: Sobald eine Tür geöffnet wird, hebt der S8 die Karosserie um fünf Zentimeter an und erleichtert das Ein- und Aussteigen. Erkennt die Sensorik einen drohenden Seitenaufprall, wird der Audi sogar um acht Zentimeter nach oben geschraubt. So schlägt der Unfallgegner tiefer ein und der Schweller kann mehr Energie aufnehmen.

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