Fahrbericht BMW i8 Der Aufsehen-Erreger

Ufo gelandet, Mission erfüllt: Der spacige BMW i8 sieht aus, als käme er von einem anderen Planeten oder zumindest aus einem anderen Jahrhundert. Kann der Öko-Sportwagen halten, was sein Aussehen verspricht?
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Anfang Juni kommt der 2+2-Sitzer für mindestens 126.000 Euro in Deutschland auf den Markt Quelle: BMW

Anfang Juni kommt der 2+2-Sitzer für mindestens 126.000 Euro in Deutschland auf den Markt

Los AngelesIn Los Angeles ist man Aufsehen erregende Anblicke gewohnt. Die Schönen und Reichen in den Luxus-Boutiquen und Nobel-Restaurants, deren Premium-Karossen auf den Straßen. Wer hier glotzt, ist Tourist. Oder? Ein Deutscher zeigt den Kaliforniern derzeit, wie man Passanten richtig elektrisiert.

Denn BMW hat für Testfahrten etwa ein Dutzend i8 aus dem Werk in Leipzig in die kalifornische Sonne bringen lassen. Der Hybridsportler ist nach dem Elektrokleinwagen i3 der zweite Wurf der Münchner Submarke BMWi, Karbon-Leichtbau spielt wieder eine große Rolle.

Anfang Juni kommt der 2+2-Sitzer für mindestens 126.000 Euro in Deutschland auf den Markt. Er liefert Kennzahlen die sowohl Sportwagen- als auch Nachhaltigkeits-Fans begeistern dürfte: 266 kW/362 PS bei 1.485 Kilogramm Gewicht und 2,1 Liter Verbrauch auf 100 Kilometern.

Bayerische Revolution auf Rädern
Anfang Juni kommt der 2+2-Sitzer für mindestens 126.000 Euro in Deutschland auf den Markt
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Anfang Juni kommt der 2+2-Sitzer für mindestens 126.000 Euro in Deutschland auf den Markt

Das Cockpit ist stilvoll-futuristisch
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Das Cockpit ist stilvoll-futuristisch

Die Akkus in der Mitte und eine fast hälftig austarierte Gewichtsverteilung vorn und hinten machen das Leichtgewicht mit der Fahrgastzelle aus Karbon agil um die Hochachse
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Die Akkus in der Mitte und eine fast hälftig austarierte Gewichtsverteilung vorn und hinten machen das Leichtgewicht mit der Fahrgastzelle aus Karbon agil um die Hochachse

An der stromlinienförmigen Seitenansicht, die übrigens spektakulär aufreißt, wenn die beiden Flügeltüren öffnen, meint man den Fahrtwind förmlich entlang gleiten zu sehen
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An der stromlinienförmigen Seitenansicht, die übrigens spektakulär aufreißt, wenn die beiden Flügeltüren öffnen, meint man den Fahrtwind förmlich entlang gleiten zu sehen

Große Freude bereitet der Hybridsportler aber auch beim Handling
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Große Freude bereitet der Hybridsportler aber auch beim Handling

Leichtfüßig und berechenbar wedelt sich der Münchner durch die kalifornischen Bergstraßen
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Leichtfüßig und berechenbar wedelt sich der Münchner durch die kalifornischen Bergstraßen

Vorne sitzt es sich sportlich
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Vorne sitzt es sich sportlich

An der amerikanischen Westküste zählt beides, Power- und Öko-Prestige. Emissionsbestimmungen sind streng, 3.000 Autos mit Hybrid- und Elektroantrieb werden derzeit pro Monat in Kalifornien verkauft, so die Zahlen, auf denen die BMW-Markteinschätzung basiert. In den USA, insbesondere hier an der Westküste, sehen die Münchener die größte Nachfrage, Deutschland und Großbritannien folgen als (Haupt-) Märkte an zweiter und dritter Stelle.

Dass der i8 den Kaliforniern ein Begriff ist, wird überraschenderweise schon bei der Einreise klar. Unterbricht doch der Grenzbeamte seinen prüfenden Blick auf die Dokumente, als der Einreisegrund i8 zur Sprache kommt und fragt staunend: „Was? Die bauen den wirklich?“ Tatsächlich kann man aber nicht nur die Tatsache, dass BMW den politisch korrekten Sportler baut, erstaunlich finden, sondern die gesamten 4,67 Meter des Autos.

Angefangen beim Design, bei dem der i8 seine Abstammung zwar nicht verleugnet, sich aber radikal von der kultiviert-kraftvollen BMW-Form unterscheidet. Das scharf geschnittene, bissige Gesicht ist wie gemacht für die Rückspiegel der Vorausfahrenden.

An der stromlinienförmigen Seitenansicht, die übrigens spektakulär aufreißt, wenn die beiden Flügeltüren öffnen, meint man den Fahrtwind förmlich entlang gleiten zu sehen. Tatsächlich wird am schwarz lackierten Heck die Luft über zwei seitliche Flügel entlang des Fahrzeugs geführt, was zum sehr guten Luftwiderstandsbeiwert von 0,26 beiträgt.

Egal aus welcher Perspektive, übrigens auch im stilvoll-futuristischen Innern, das Auge kann sich kaum satt sehen am Schnitt der 1,29 Meter flachen Flunder. Das fanden auch die Kalifornier, die den spacigen Sportler zuhauf auf ihren Smartphones verewigten. Breitreifen oder große Auspuffrohre brauche der i8 nicht, um gut auszusehen, meint Designer Adrian van Hooydonk selbstbewusst.

Und auch in anderer Hinsicht müssen Sportwagenfans umdenken: Statt beispielsweise eines traditionellen Reihensechsers kombiniert BMW einen nur 1,5 Liter großen, quer eingebauten Dreizylinder an der Hinterachse (170 kW/231 PS) mit dem Elektro-Aggregat an der Vorderachse (96 kW/131 PS). Der doppelt aufgeladene Benziner ist ein halber Sechser, was die Verantwortlichen nicht müde werden zu betonen, reicht aber laut BMW für 90 Prozent der Fahrsituationen aus.

Vorteil: Die Zeit, in der kein Schub wie im Sechszylinder oder V8 gebraucht wird, schleppt der i8 weder das zusätzliche Gewicht, noch lässt er üppig Kraftstoff durch die Zylinder rauschen. Für die zehn Prozent der Situationen, in der zusätzliche Dynamik gefragt ist, schaltet sich der Elektromotor zu und sorgt für den nötigen Boost, so die Theorie.

Der revolutionärste BMW aller Zeiten

In der Praxis hat der Fahrer anderes zu tun, als sich darüber Gedanken zu machen, ist erst einmal der Sportmodus aktiviert und die digitale Instrumenten-Anzeige von blau auf orange gewechselt.

Sensibel und spontan reagiert der i8 auf den Gasfuß und drückt die Insassen in die Sitze und den Ökorenner nach vorn, dass es eine Freude ist - wenns sein muss in 4,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Damit immer frische Elektroenergie für den Spontanschub zur Verfügung steht, rekuperiert der i8 im Sportmodus am stärksten.

Sportwagenfans müssen umdenken

Ganze Arbeit geleistet haben die Sounddesigner: Eine Lautsprecheranlage motzt den Klang des Dreizylinders auf. Das klingt theoretisch nach Retorte, in der Praxis nach Herzklopfen. Woran sich Fans des Sportwagensounds wohl erst noch gewöhnen müssen, ist das eindringliche „ssssssss“, das der Elektromotor bei der Beschleunigung von sich gibt.

Rein elektrisch fährt der i8 immerhin 37 Kilometer weit und bis zu 120 km/h schnell. Damit das E-Aggregat bis zur Maximalgeschwindigkeit von 250 km/h gute Performance leistet, haben es die Ingenieure erstmals mit einem Zweigang-Getriebe kombiniert.

1000fach heller: Laserlicht

Freude bereitet der Hybridsportler aber auch beim Handling: Die Akkus in der Mitte und eine fast hälftig austarierte Gewichtsverteilung vorn und hinten machen das Leichtgewicht mit der Fahrgastzelle aus Karbon agil um die Hochachse. Leichtfüßig und berechenbar wedelt sich der Münchner durch die kalifornischen Bergstraßen, zeigt aber auch klar seine Grenzen auf: Als Nürburgring-Rennmaschine ist i8 nicht gedacht.

Die Frage, ob einer, der das Knausern zum obersten Ziel gemacht hat, Sportwagen sein kann, muss also mit „ja“ beantwortet werden. Die Chancen, dass er ein Publikum findet, scheinen nicht so schlecht zu stehen. „Was ihr liefern könnt, können wir verkaufen“, melden die Händler, sagt BMW. Wie groß das in Leipzig produzierte Volumen ist, dazu schweigt man sich allerdings noch aus.

Eingefleischte Fans großvolumiger Verbrennungsmotoren wird der i8 möglicherweise nicht überzeugen können – aber auch gar nicht müssen. Könnte doch die Zeit reif sein für eine neue Klientel Sportwagenfahrer, die keinen Hubraum-Vergleich á la Autoquartett braucht.

Und wenn selbst der kalifornische Harley-Fahrer grinsend das „Daumen hoch“-Zeichen macht, als er neben uns an der Ampel hält, kommt einem der Gedanke an einen i8 in der Garage auch gar nicht mehr so futuristisch vor.

Technische Daten
2+2-Sitziger Sportwagen mit Flügeltüren; Länge: 4,67 Meter, Breite: 1,94 Meter, Höhe: 1,29 Meter, Radstand: 2,80 Meter, Kofferraumvolumen: 154 Liter, Gewicht: 1.485 Kilogramm. Plug-in-Hybrid-Antrieb: 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner an der Hinterachse, 170 kW/231 PS, max. Drehmoment 320 Nm bei 3.700 U/min; Elektromotor an der Vorderachse, 96 kW/131 PS, Drehmoment 250 Nm; Systemleistung 266 kW/362 PS, Vmax 250 km/h, Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 4,4 Sekunden, Normverbrauch 2,1 Liter/100 km, CO2-Ausstoß: 49 g/km, elektrische Reichweite 37 km. Preis: 126.000 Euro, mit Vollausstattungspaket „Pure Impulse“ zur Markteinführung 145.000 Euro.

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