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Caterham Seven 165 im Handelsblatt-Test A Tännschen, please!

Im Winter ist ein Caterham ein Auto für Kerle, die nicht kalt duschen, sondern ein Loch ins Eis schlagen. Ein hartes, urwüchsiges, agiles Auto. Nun gibt es das Leichtgewicht mit einem Motor, der auch vernünftig ist.
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Wer größere Besorgungen zu erledigen hat, sollte sich zweimal überlegen, ob er den Caterham nimmt. Der leichte Roadster ist für pures Fahrvergnügen bestimmt, und das vermittelt er besser, direkter als viele große Sportwagen mit mehr Leistung. Quelle: Frank G. Heide

Wer größere Besorgungen zu erledigen hat, sollte sich zweimal überlegen, ob er den Caterham nimmt. Der leichte Roadster ist für pures Fahrvergnügen bestimmt, und das vermittelt er besser, direkter als viele große Sportwagen mit mehr Leistung.

(Foto: Frank G. Heide)

DüsseldorfWenn ich dieses Auto mit ADAC-Maßstäben messen müsste, wäre es ein hoffnungsloser Fall: Null Komma null Möglichkeiten, etwas zu verstauen. Alles, was der Fahrer nicht am Mann hat, passt nicht hinein. Es sei denn, er nimmt die Persenning hinten aus dem Stauraum, dann ist dort Platz für eine Aktentasche, eine flache.

Die Außenspiegel sind an den abknöpfbaren Seitenfenstern montiert. Jede Vibration überträgt sich auf sie. Was hinter uns passiert, sieht aus, als würde es von einem Erdbeben durchgeschüttelt.

Das Zündschloss ist irgendwo unter dem Armaturenbrett versteckt, es mit dem Schlüssel zu treffen, verlangt die Routine eines Soldaten, der mit verbunden Augen sein Gewehr putzen soll. Die Pedale stehen so eng zusammen, dass bei normaler Herrengröße und normalem Schuhwerk Gas und Bremse gerne mal gleichzeitig gedrückt werden.

Viel weniger ist viel mehr
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Im Spätherbst erfordert der Caterham warme Kleidung. Vor allem oben herum. Und warum trägt der Seven den Namenszusatz 165? Wegen des Leistungsgewichts: 165 PS pro Tonne Fahrzeuggewicht.

(Foto: Frank G. Heide)
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Man steigt nicht ein, man klettert runter. Das geht so: Rechtes Bein rein und halb unters Lenkrad schieben. Hintern an der Rückenlehne absetzen und linkes Bein über den Einstieg reinholen. Dann langsam runterrutschen und nach dem Gurt suchen. Dann die Tür schließen. Wer jetzt noch seinen Schlüssel in der Hosentasche hat, hat schon verloren.

(Foto: Frank G. Heide)
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Das Lenkrad zählt zu den kleinsten überhaupt. Einen Airbag sucht man vergeblich. Windschutzscheibe, Türen und Heizung sind Extras. Das Fahrwerk ist hart, aber herzlich.

(Foto: Frank G. Heide)
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„Haben Sie den jetzt geklaut?", fragt uns eine Passantin, als wir fürs Fotoshooting ein Tännchen aus der Weihnachtsmarkt-Deko entleihen. Wir sind frech und sagen: „Nein, wir liefern die aus.“

(Foto: Frank G. Heide)
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Der Motor des Caterham-Einstiegsmodells kommt vom Suzuki Jimny. Mit 80 PS und 107 Nm Drehmoment sichert der 660 ccm große Dreizylinder flotten Vortrieb, denn das Fahrzeug wiegt trocken nur 490 Kilo.

(Foto: Frank G. Heide)
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Irgendwo unterm Armaturenbrett haben sie doch ein Zündschloss versteckt.

(Foto: Frank G. Heide)
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Wenn sich zwei dicke Freunde den Caterham gemeinsam überstreifen, wirds kuschelig. Das ist die billigste und effektivste Art der Roadster-Tieferlegung.

(Foto: Frank G. Heide)

Ich bin aber nicht der ADAC. Und dafür bin ich dankbar. Und deswegen kommt hier die etwas andere Schilderung: Die nordseehimmelblau lackierte Karosserie des Caterham schließt sich wie ein Maßanzug um mich. Links die Außenhaut, rechts der Kardantunnel.

Gepäck brauche ich keins, weil ich nirgendwo hin will. Ich will nur fahren, fahren, fahren. Der Motor startet mit sattem Röhren, das der seitliche Auspuff direkt an mein Ohr überträgt.

Das Röhren wird zum Gewitter, sobald ich den extrem drehfreudigen Dreizylinder-Motor oberhalb von 5.000 Umdrehungen laufen lasse. Und das mache ich dauernd, weil es ihm und mir Spaß macht. Das Gewitter lässt alles erschauern, auch den Hintermann, der schnell kleiner wird im Rückspiegel.

Ich habe die engen Turnschuhe an, mein Fuß muss nur Millimeter nach links oder rechts rutschen, um die Pedale zu bedienen. Ich brauche keine Heizung, ich brenne von innen.

Dieses Auto ist nicht für die Freundin oder den Freund auf dem Beifahrersitz gebaut, sondern einzig für den, der hinterm Steuer sitzt. Hier ist kein Teil und kein Schnickschnack zu viel, pures fahren, pures Glück, sonst nichts.

Dieser Caterham ist das beste Auto, das ich je gesteuert habe. Superflach. Pfeilschnell. Er kann Haken wie ein Hase schlagen und rennen wie ein Leopard. Mit einer Hand lässt sich am Lenkrad alles machen, jeden Impuls setzt das Auto sofort um, der kleine Drift mit den Hinterrädern bleibt beherrschbar. Das beste ist der Blick über die endlos lange von Lüftungsschlitzen unterbrochene Motorhaube aus lackiertem Aluminium.

Im Spätherbst erfordert der Caterham warme Kleidung. Vor allem oben herum. Und warum trägt der Seven den Namenszusatz 165? Wegen des Leistungsgewichts: 165 PS pro Tonne Fahrzeuggewicht. Quelle: Frank G. Heide

Im Spätherbst erfordert der Caterham warme Kleidung. Vor allem oben herum. Und warum trägt der Seven den Namenszusatz 165? Wegen des Leistungsgewichts: 165 PS pro Tonne Fahrzeuggewicht.

(Foto: Frank G. Heide)

Die Luft darüber flimmert leicht, wenn die Maschine heiß ist. Die Haube endet dort, wo sich vorne wie zwei silberne Weihnachtskugeln die Lichter erheben. Links und rechts davon decken außenbefestigte, mitlenkende Kotflügel die Vorderräder ab. Auf unebener Straße springen sie lebhaft auf und nieder, während der Caterham unbeeindruckt nach vorne schiebt.

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2 Kommentare zu "Caterham Seven 165 im Handelsblatt-Test: A Tännschen, please!"

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  • Alle Caterham-Neuwagen, die von deutschen Händlern gekauft werden, haben ein CoC-Dokument und Neuwagen-Zertifikat. Ich besitze den Zwillingsbruder (gleiche Farbe, ca. 3 Wochen älter) des getesteten Fahrzeugs seit September '14.

    Die Anmeldung war problemlos, lediglich für die Abgaseinstufung (Euro 6!) wurde noch ein TÜV-Gutachten benötigt, für das allerdings auch nur die Werte aus dem CoC abgeschrieben und in einen Abgasschlüssel kodiert wurden.

    Ab 2015 werden die Modellbezeichnungen bei Caterham vereinheitlicht. Die Benennung erfolgt dann nach Leistungsgewicht. Ist die letzte Ziffer eine '5', ist das Modell mit CoC ausgestattet und kann in Deutschland zugelassen werden. Neben dem hier getesteten 165 gibt es dann (vermutlich) einen 275 mit rund 135PS, einen 355 mit 175PS und den jetzt schon erhältlichen 485 mit 240PS. Dabei sind je nach Motorisierung auch noch andere Chassis-Größen (mit mehr Platz für große oder breite Leute) und ein Fahrwerk mit Einzelradaufhängung zu haben.

    Was den Platz in der Garage angeht: bei mir schläft jetzt halt das Alltagsauto draußen ;-)

  • Endlich mal einer, der mir aus der Seele schreibt. Es muß ja nicht gleich so ein extremistisches Auto sein, aber immerhin hat mal einer erkannt, daß es eben auch ohne 1000 Assistenten, gefühlt 12 Windbeuteln, ... geht. Allein die Tatsache, daß mehr als einer sowas will (siehe Wartezeiten), zeigt doch, daß es eben noch Leute gibt, die keine Perwoll-Autos haben wollen. Was mich aber interessieren würde: Wie kriegt man für so ein Ding, trotz überbordender EU-Bürokratie, eine Zulassung?
    Hätte ich noch Platz in der Garage, wäre das das Gefährt der Wahl.