Lada Taiga im Handelsblatt-Autotest „Verdienter Held der Sowjetunion“

Der prominenteste Chauffeur des Lada Taiga heißt Wladimir Wladimirowitsch Putin. Was würde der russische Präsident wohl sagen, wenn er Testfahrer unseres Handelsblatt-Autotests wäre? Wir geben ihm das Wort.
16 Kommentare
Irgendwie knuffig der Kurze - wenn nur dieser California-Aufkleber nicht wäre. Quelle: Sebastian Schaal

Irgendwie knuffig der Kurze - wenn nur dieser California-Aufkleber nicht wäre.

(Foto: Sebastian Schaal)

Düsseldorf/MoskauMein „Schätzchen“! So würdet ihr in Deutschland "Lada Niva“ übersetzen. Und ich bin der Meinung, das passt besser als „Taiga“ – so wie ihr Fritzen ihn neuerdings umgetauft habt.  „Taiga“ – das klingt nach Nadelwald und Dauerfrost. In Niva dagegen steckt Gefühl, da steckt Seele, darin steckt Russland. Deswegen bleibt euer Taiga für mich mein Lada Niva.  Ich habe den Geheimdienst gefragt: „Warum nehmen die Deutschen einen neuen Namen?“ Die Antwort war, dass der Niva die deutschen Crash-Vorschriften nicht schafft. 

Und da unsere Ingenieure gerade U-Boote, Raumfahrzeuge und Raketenabwehrkanonen konstruieren und keine Zeit haben, sich um so etwas zu kümmern, haben unsere Exporteure vorgeschlagen, den Niva umzubenennen und ihn in Deutschland als Kleinserienfahrzeug anzumelden. Da sind die Vorschriften dann nicht so streng. Findige Leute, diese Exporteure.

Ich habe gesagt: Macht, was ihr wollt mit den pingeligen Fritzen. Die können nicht mal eigene Mondraketen bauen, aber wollen uns Russen etwas in Technik vormachen? Nein – das macht ihr nicht mit mir. Nicht mit Waldimir Wladimirowitsch, der sein Schätzchen liebt. So wie ich einst Ljudmila liebte, bevor wir uns auseinander gelebt haben. Aber was rede ich da.

Ich fahre Niva. Basta. Der Schröder hat mir gesagt, bau hinten einen Gastank ein, dann kannste Gazprom tanken. Der Schröder ist ein Schlitzohr. Hatte wieder seinen eigenen Vorteil im Kopf – und vergaß glatt darüber, dass Gazprom auch in Öl macht. Ich hab es ihm zu Liebe und wegen der deutsch-russischen Freundschaft dennoch gemacht. Habe für 2.850 Euro einen Gastank einbauen lassen, schön unsichtbar unter dem Kofferraum. Wenn ich mehr als 10.000 Kilometer pro Jahr mit dem Schätzchen fahre, habe ich den Preis nach gut drei Jahren drin. 

Dafür ist mein Niva etwas langsamer mit Gas. Ich kann aber mit einem Knopfdruck auf Benzin umschalten. Dann habe ich zwei Tanks und komme glatt von Moskau bis Polen ohne zu halten. Hätte Väterchen Stalin gefallen. Auch dass er säuft, egal ob Benzin oder Gas, hätte ihn nicht gestört. Ich selbst finde das auch nicht so schlimm. Ich kann mich zwar zügeln, aber ich werde doch russische Urtugenden nicht unterdrücken. Ich bin ja nicht der Zar!

Alles drin, alles dran, was willst du mehr? Airbags? Fehlanzeige, weswegen das Modell irgendwann aus dem Verkehr gezogen werden dürfte. Rechts über dem Radio ist der Knopf zum Umstellen von Benzin auf Gasbetrieb. Das geht während der Fahrt. Quelle: Sebastian Schaal

Alles drin, alles dran, was willst du mehr? Airbags? Fehlanzeige, weswegen das Modell irgendwann aus dem Verkehr gezogen werden dürfte. Rechts über dem Radio ist der Knopf zum Umstellen von Benzin auf Gasbetrieb. Das geht während der Fahrt.

(Foto: Sebastian Schaal)

Das Getriebe macht abenteuerlichen Radau ab Tempo 130. Radio hören kann ich vergessen, mache ich aber sowieso nicht mehr, seit die nur noch Pussy Riot rauf und runter spielen. Beim ehemaligen kapitalistischen Klassenfeind wird der Lärm auf unsere russischen Wälzlager zurückgeführt. Sie sind in der Tat eine hervorragende Erfindung aus der Sowjetunion – aber gehen eben wie alles wahrhaft Lebendige irgendwann über die Wolga. Wer will schon ewig leben?

Dass alle im Lada verbauten Wälzlager noch von einer sozialistischen Planungspanne mit anschließender Überproduktion aus den siebziger Jahren stammen, ist eine böse Unterstellung des Klassenfeinds. Ich sage ja auch nichts gegen die rollenden Reisschüsseln aus Korea und Japan, die in den Schlämmen Sibiriens aufgeschmissen wären. Gut – der Zylinderkopf und das Verteilergetriebe waren vor 35 Jahren, als der von mir sehr geschätzte Genosse Leonid Illjitsch Breschnew den ersten Lada Niva betrachtete, eine Eigenkonstruktion.

Den Rest haben wir damals von Fiat bekommen. Irgendwie hielt das, was die Italiener machten, länger, während unsere Zylinderköpfe dauernd platzten. Ich habe damals dafür gesorgt, dass der Berlusconi an die Regierung kommt, seitdem geht es mit Italien bergab, während wir uns mit russischer Ausdauer nach vorne kämpfen.

Seele, was willst du mehr?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

16 Kommentare zu "Lada Taiga im Handelsblatt-Autotest: „Verdienter Held der Sowjetunion“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was hat Odessa mit Russland zu tun? Seit wann heißt Niva Schätzchen? Und Selbstgebrannter ist Samogon, kein Wodka. Schlechte Recherche - überheblicher Unterton. Schade!

  • Ich bin gerade in den letzten 2 Wochen den Lada 4x4 in Iceland gefahren. Nicht als snob, sondern weil Leihwagen schweineteuer in Iceland sind. So auch der Lada für 2 Wochen incl Ersatzkanister und Abschleppseil für 1.700 Euro. Das Teil ist oberammergeil. Rauh, zuverlässig und mit wilderness-Charme. Jeder akzeptiert die Schleuder als off-roader, selbst nach der Krise in Iceland fährt jmd mit Status-Gehabe die Russenschleuder niemals mehr, es sei den Hartz 4 hat ihn gebucht. Aber irgendwie hat der die Seele eines selbstgebrannten Vodka - der muckt nie ( er hat keine Elektronik, sondern nur einen echten Knüppel - aber was sage ich!) und haut kräftig im Gelände ran. Ich überlege, einen solchen Kumpel in Ddorf in die Garage zu stellen und den Rest der Truppe neidisch nebendran zu stellen.

  • Der Lada Niva ist im Gelände unschlagbar oder versuchen Sie das mal mit einem anderen Offroader nachzumachen:

    http://www.youtube.com/watch?v=M6h9IBfZ-RY

  • A good example of unfair competition + russophobia.

    If Germans such is written, so afraid of competition.

    I hope that our reporters also will be writing about German cars, the quality of which in recent years has deteriorated.

  • Also ich hab seit reichlich 2 Jahren einen Niva. Bisher keine größeren Probleme. Kleinigkeiten wie Zigarettenanzünder und Warnblinkschalter wurden anstandslos über die Garantie abgewickelt. Sogar einen 1600km Trip mit einem Mittelklassewagen auf dem Anhänger hat er klaglos gemeistert. Durchschnittsverbrauch für diese Tour im Dezember: 11,3l bei einem 100er Schnitt. Fand ich nicht übel. Die Offroadeigenschaften wurden ja bereits hinreichend globt. Ja, er ist auch mein Freund geworden.

  • Ich habe seit 1 Jahr einen Lada Niva und -es mag seltsam klingen- ich bezeichne ihn als einen Freund.
    Für den Alltag habe ich noch einen Golf VII.
    Jens Tasche

  • Der Niva ist noch ein echtes kerniges Auto und kein rundgelutschter SUV. Wo er hinkommt da kann ein SUV nur von träumen. Sicher nichts für den Sonntagsnachmittag-Kaffee-Racer der seine Liebste mit irgendwas "Geländegängigem" beeindrucken will.
    Ich war mit dem Niva im Kaukasus unterwegs, dort wo ein normales Kfz nicht hinkommt. Vielleicht nicht sehr komfortabel, aber wir kamen hin. Der Niva ist für den der weiss was er will und dass er auf Schnickschnack verzichten kann.

    Übrigens gibt es in Russland ein verbessertes Fahrzeug, den Chevy-Niva, aber den bekommt man - leider - in Deutschland nicht.

  • Sagen wir einmal so ... der TAIGA/NIVA ist ein klassischer lebender Oldtimer ... wie der Quastenflosserfisch. Nur kann im Gegensatz zum Tierreich der TAIGA/NIVA in einer Nische nicht überleben ... langfristig nicht.

    Es ist eigentlich nur ein Frage der Zeit, bis sich RENAULT/NISSAN/DACIA diesem LADA-Typ annimmt und ein Auto auf bewährten Plattformen schafft ... auch mit modernen Motoren. Dieser LADA hat jedenfalls Zukunftspotential, da in der Kompakt-SUV Welle noch viel Platz für ein sehr robustes & qualitativ hochwertiges Modell ist ... daher tut fremde Hilfe gut. Ohne einen satten Qualitätsschub wird das allerdings nix; zu zahlreich ist und wird die Konkurrenz.

    Macht dagegen LADA nix ... ist es nur eine kurze Frage der Zeit, bis auch dieses Modell seine lange Karriere beendet.
    Der Kompakt-SUV Hype wird viel Neues hervorbringen, aber auch "das Alte" schneller beerben. LADA muss schnell sein, um zumindest dieses Modell weiter bauen zu können. Der DUSTER hat mit Sicherheit schon eine große Ecke vom Niva abgeknabbert. "Fortschritt & günstigere Preise" kennen keine Pause und, keine Milde bei Fehlern.

  • Geile Karre !

  • Immerhin hat der Niva den gleichen prozentualen Restwert in 2017 (d.h. nach 4 Jahren) wie der Fiat Panda.

    So schlecht wie hier dargestellt, kann der Niva also gar nicht sein.

    Und der Bauer aus der Nachbarschaft, der muss nach starken Regenfällen auch über enorm viel Schlamm fahren. Am besten einer würde den mal fragen, was der von seiner Niva hält.

    Was mich persönlich an hochgezüchteten Autos stört, ist dass man bei jedem kleinen Defekt (selbst bei Lämpchen in den Scheinwerfern) eine Fachwerkstatt aufsuchen muss, um den Defekt beheben zu lassen. Man kommt da mit eigenem Werkzeug und Geschick einfach nicht ran.

    Ich persönlich wechsle die Lämpchen und den Luftfilter gerne selbst. Bei dieser Gelegenheit wird dann Ölstand und -qualität überprüft. Ein Auto bei dem sowas nicht geht, ist für mich kein geeignetes Auto.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%