Mazda 3 Stufenheck im Handelsblatt-Test Früher war doch nicht alles besser

Es muss nicht immer Golf sein. Wer kompakt, aber bewusst anders fahren will, hat viele Alternativen. Der neue Mazda 3 ist eine der dynamischsten und eigenständigsten. Und er zeigt, wie weit die Japaner gekommen sind.
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Der Nachbar ist Rentner, und sagt, er braucht keinen Neuwagen. Nicht, dass ihm der neue Mazda 3 nicht gefallen würde. Aber der alte 323 von 1989 funktioniert tadellos. Ein großes Lob für den Hersteller, ein schlechtes Argument für Autoverkäufer. Quelle: Frank G. Heide

Der Nachbar ist Rentner, und sagt, er braucht keinen Neuwagen. Nicht, dass ihm der neue Mazda 3 nicht gefallen würde. Aber der alte 323 von 1989 funktioniert tadellos. Ein großes Lob für den Hersteller, ein schlechtes Argument für Autoverkäufer.

(Foto: Frank G. Heide)

DüsseldorfSeit stolzen 24 Jahren fährt mein Nachbar einen Mazda 323. Dem freundlichen Rentner gefällt aber auch der neue Mazda 3, mein aktueller Testwagen. Beide Modelle sind viertürige Stufenheck-Limousinen. Und sie kämpfen heute, wie schon damals, in der schwersten Klasse am deutschen Automarkt: Im Kompaktsegment. Wir haben die Fahrzeuge mal gegenübergestellt.

Was sich in der so genannten Golf-Klasse getan hat, lässt sich am besten an dem betagten 1988er Stufenheck ablesen (oben rechts im Bild), das aus zweiter Hand erworben wurde. Es hat einen Kat. Und ein nachgerüstetes Radio, mit Kassettendeck. Weitere Extras sind nicht bekannt. Am Kofferraum hat der Erstbesitzer einen Spoiler angeschraubt, der mittlerweile etwas ausgeblichen, so wie die Stoffsitzbezüge. Ansonsten steht der Garagenwagen, der stets anstandslos über den TÜV kam, da wie eine Eins. Aber auch wie die pure Langeweile aus Blech.

Fast alle Extras inklusive

Um gegen den Golf II, respektive Jetta anzutreten reichte die spartanische Ausstattung damals, der Wettbewerb lief über den Preis. Das ist zwar heute noch immer so, doch die Japaner fahren nun ganz andere Geschütze auf. Um mitzuhalten, hat der aktuelle Mazda 3-Testwagen mit der Bezeichnung Skyactiv-G 120 Limousine unter anderem ein Head-up-Display an Bord, Stabilitäts- und Traktionskontrolle, Berganfahrassistent, Reifendruckkontrolle, Start-Stop-Automatik, schlüsselloses Zugangs-und Startsystem, Zweizonen-Klimaautomatik, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, Bose-Hifi-System, Einparkhilfe, Spurwechselassistent, Licht- und Regensensor, dreistufige Sitzheizungen und ein City-Notbremssystem, um nur einige Extras zu nennen, die alle in der Sports Line-Ausstattung (23.990 Euro) bereits enthalten sind. So eine Art All-inclusive-Auto also.

Der dynamische All inclusive-Herausforderer
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Seit Oktober 2013 wird der Mazda3 als Schrägheckmodell und seit Februar 2014 als Mazda3 Limousine in Deutschland verkauft. Beide mit großem Erfolg, wie sich an den Zulassungszahlen zeigt: Zum Jahresanfang 2014 lagen die Mazda-Neuzulassungen um rund 50 Prozent über denen des Vorjahres.

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Die Stufenheck-Variante profitiert offensichtlich besonders von der strafferen Stil-Struktur, die bei Mazda als Kodo-Design definiert wird. Es zeichnet sich durch Linien und Proportionen aus, die der Limousine eine kräftige Gestalt verleihen, und sie dennoch sportlich wirken lassen.

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Mazda, das hieß früher Langeweile pur, zumindest beim Design. Trotz guter TÜV-Noten und hoher Zuverlässigkeit war der 323 unscheinbar bis an die Grenze der Wahrnehmung. Das ist beim neuen Mazda 3 im Kodo-Design völlig anders ...

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Besonders stark zeigt sich das selbstbewusste Design an der Front. Der geschwungene Chrombügel zitiert die Schwingen des Mazda-Logos, der Kühlergrill ist markant und die Bi-Xenon-Scheinwerfer warten mit LED-Tagfahrlicht auf.

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Der neue Mazda 3 präsentiert sich nun mit seiner Coupé-Form als Gegenspieler zum eher schlicht wirkenden VW Golf. Mit langer Motorhaube und der zum Heck hin abfallenden Dachlinie tritt der neue Japaner sportlicher an als sein Kombi-hafter Vorgänger.

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Als Antrieb stehen ein 2,0-Liter-Benziner und ein 2,2-Liter-Diesel zur Wahl. Beide Motoren gehören zu der noch jungen Skyactiv-Familie, die sich durch besonders niedrige Verbräuche auszeichnet. Der G 120 Benziner leistet 88 kW/120 PS und gibt sich nach Normmessung mit 5,1 Liter zufrieden, er emittiert 119 g/km CO2; der Diesel bietet 110 kW/150 PS und benötigt laut Norm lediglich 3,9 Liter, das entspricht einer CO2-Emission von 104 g/km.

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Um die Sicherheit machen sich verschiedene Assistenten verdient, beim Spurwechsel und Spurhalten oder mit einem Bremseingriff und der Betätigung des Fernlichts. Serienmäßig ist in der Limousine das hauseigene Konnektivitätssystem MZD Connect tätig, in Verbindung mit einem 7-Zoll-Touchscreen.

Und wie findet der Nachbar das? Auch er denkt zunächst an den Preis: Für 7.500 D-Mark hat er seinen treuen 323 damals aus erster Hand bekommen. Der Preis des Testwagens liegt mit einigen zusätzlichen Extras bei 28.470 Euro. Und da der Rentner noch immer in D-Mark umrechnet relativiert sich für ihn der Sinn der ganzen Extras doch sehr stark. 

Nach eingehender Begutachtung steht für den Nachbarn fest: „Ein dolles Ding, der Neue.“ Was die heute alles in die Autos einbauen, staunt er. Aber das mit dem Head-up-Display (HUD) kommt ihm ein bisschen wie im Kampfjet vor.

Aus aktueller Sicht ist aber vor allem das HUD ein echter Kracher. Klar, das ist nur eine hochgeklappte kleine Plastikscheibe mit türkisfarbenen Zahlen und Symbolen drauf, doch sie leistet hervorragende Dienste, und muss auch gar nicht hochwertiger sein.

Ohne den Blick vom Verkehr zu nehmen, kann der Fahrer hier die gerade wichtigsten Informationen ablesen. Geschwindigkeit, Navi-Vorschläge, Warnungen von Fahrassistenz- und Sicherheitssystemen. Dass Mazda es in der Kompaktklasse anbietet, ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal. Nun wird niemand nur wegen dieses Extras eine Kaufentscheidung treffen, aber es zeigt eindrucksvoll, wie ernst die Japaner den beinharten Wettbewerb in der Golf-Klasse nehmen.

Sie haben das gesamte Cockpit des modern und sehr sportlich-edel auftretenden Stufenhecks voll auf den Fahrer ausgerichtet. Der zentrale und sehr gut ablesbare Drehzahlmesser steht im Mittelpunkt der Displays, fast wie in einem echten Sportwagen.

Auch viel schwarzes Leder und rote Ziernähte zählen zu der Ausstattungslinie Sports Line, die aus dem Wagen innen optisch fast einen GTI macht. Keine Frage: Mazda gibt sich richtig viel Mühe, hochwertig aufzutreten. Dazu passt das cremefarbene, perforierte Leder, das den voll elektrisch einstellbaren Fahrersitz edel, aber auch ein bisschen empfindlich wirken lässt.

Schwarze Kunststoff-Einlagen im Sichtcarbon-Look an den Türverkleidungen und im Lenkrad unterstreichen den sportlichen Charakter. Das alles wirkt vor allem wirklich liebevoll im Detail gestaltet.

Das Lenkrad lässt sich extrem weit und gut verstellen, und liegt gut in der Hand. Leider sind zu viele Knöpfe integriert, aber das ist ja mittlerweile sehr in Mode.

Lange Schnauze, deutliche Bügelfalten
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