McLaren MP4-12C Spider im Test Die halbnackte Kanone

Der McLaren MP4-12C Spider ist eines der schnellsten Cabrios der Welt. Kann ein normaler Autofahrer den 625 PS starken V8 sportlich bewegen? Ja, er kann. Mit 230.000 Euro und dank viel „intelligenter“ Elektronik.
Kommentieren
Schon im Stand schneller und dynamischer als die Konkurrenz: Flügeltüren sorgen immer für den etwas spektakuläreren Auftritt. Wenn man Aus- und Einstieg beherrscht. Quelle: Sebastian Schaal

Schon im Stand schneller und dynamischer als die Konkurrenz: Flügeltüren sorgen immer für den etwas spektakuläreren Auftritt. Wenn man Aus- und Einstieg beherrscht.

(Foto: Sebastian Schaal)

Düsseldorf"Sie spüren mehr Erschütterung, wenn Sie mit einem Rolls-Royce einen Jaffa-Keks überfahren!" Es klingt unglaublich, was Autotester-Papst Jeremy Clarkson über seinen McLaren-Testwagen an Lob ausschüttet, nachdem er ihn gerade durch ein knöcheltiefes Schlagloch in einer Hochgeschwindigkeitskurve geprügelt hat. Ist das auch nur annähernd wahr, oder britischer Humor?

Ich mache während meiner Tage mit dem Testwagen, der zu den schnellsten Sportwagen der Welt zählt, unfreiwillig die Probe aufs Exempel und muss dem Top Gear-Boss Recht geben: Diesen unglaublichen Fahrkomfort in der extrem flach auf die Straße geduckten 625 PS-Flunder, das erwartet niemand, der den Wagen nur von außen sieht. Aber was heißt hier "nur"?

Das Fahrzeug, ein MP4-12C Spider aus dem Düsseldorfer Showroom der Marke ist in einem leuchtenden, extrem auffälligen Orange lackiert, als ob irgendjemand es überhaupt jemals übersehen könnte. Aber ein bisschen mehr Sicherheit schadet ja nicht, der flache Flügeltürer nähert sich anderen Verkehrsteilnehmern meist schneller, alle Beteiligten denken.

MP4 verleiht Flügel
Mclaren MP4-12C Spider 1
1 von 39

McLaren, der britische Anbieter von Hochleistungssportwagen mit echtem Formel-1-Hintergrund hat seine Modellreihe MP4-12C ausgebaut. Auf das Coupé folgte 2012 die offene Version MP4-12C Spider. Mit 625 PS sind offen 329 km/h drin. Das Cabrio stellt McLaren deutschen Kunden aktuell für 231.000 Euro in Rechnung.

Mclaren MP4-12C Spider 79
2 von 39

Das modifizierte Monocoque des Spider erhielt ein elektrisch zu öffnen- und schließendes Dach, das aus Gewichtsgründen aus Carbon gefertigt ist und auch während der Fahrt zu bedienen ist. Bei der Antriebstechnik herrscht absoluter Gleichstand mit dem Coupè. Der doppelt aufgeladene V8 mit 3,8 Liter Hubraum bringt seine Kraft über ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gangstufen an die Hinterräder. 

Mclaren MP4-12C Spider 64
3 von 39

Blick ins eng geschnittene Cockpit. Nicht spartanisch, aber alles extrem aufgeräumt. Und zu Glück nur ganz wenige Knöpfe und Regler.

Mclaren MP4-12C Spider 16
4 von 39

Schon im Stand schneller und dynamischer als die Konkurrenz: Flügeltüren sorgen immer für den etwas spektakuläreren Auftritt. Wenn man Aus- und Einstieg beherrscht.

Mclaren MP4-12C Spider 8
5 von 39

Gegenüber dem Coupé büßt der Spider bei Spurt aus dem Stand auf Tempo 200 mit neun Sekunden 0,2 Sekunden ein. Und wem die Höchstgeschwindigkeit des offenen McLaren von 329 km/h zu wenig scheint, muss dann doch zum Coupé greifen. Das schafft 333 km/h.

Mclaren MP4-12C Spider 30
6 von 39

An schönen Sommertagen, wenn der heiße Asphalt viel Grip verspricht, flimmert über der hoch verlegten Auspuffanlage die Luft.

Mclaren MP4-12C Spider 7
7 von 39

Mehr Skulptur als Instrument. Es fällt schwer, am MP4 Details zu finden, die nicht außergewöhnlich aerodynamisch und besonders leicht gestaltet wurden.

Das wird schon bei der Einweisungsfahrt durch den freundlichen McLaren-Mann klar, auf die niemand verzichten sollte, der keine Rennlizenz besitzt. Der 3,8-Liter-V8 bollert im Stand schon beunruhigend gierig. Nach ein wenig Einstiegsgymnastik über den breiten Chassisrahmen hinunter in die tiefe Sitzschale wird erst mal das Dach geöffnet. Das geht vollautomatisch und in rund 17 Sekunden, schon ist der Bolide ein Traum-Cabrio.

Von einem hauchdünnen Schalensitz werde ich sanft gefangen gehalten in einer flachen Beifahrermulde, die nicht mehr als eine Handbreit über dem Asphalt liegt. Das Cockpit ist eng, aber nicht spartanisch, viel edles schwarzes Leder und glänzendes Carbon. Mein Chauffeur lässt es langsam angehen, unter 3.500 Umdrehungen rollt der Wagen auf Fahrstufe N zunächst ganz gemütlich.

Dann ist die Strecke frei, es geht in den Sportmodus und per Schaltwippe 4 Gangstufen nach unten. Begleitet von infernalischem V8-Gebrüll presst uns der McLaren tief in die belederten Carbonschalen, nach weniger als drei Sekunden rauscht die 100-km/h-Marke vorbei. Wir schießen auf eine scharfe Rechtskurve zu. Ich kann vor lauter Anpressdruck keine Hand heben, um sprachlos darauf zu deuten.

Schade, denn den für normale PKW üblichen Bremspunkt haben wir schon lange verpasst. Bevor ich ein Stoßgebet murmeln kann, beißen die Keramikbremsen zu, das Hirn schwappt nach vorn und ich hänge im Gurt wie ein Fisch im Schleppnetz. Vielen Dank, so hilflos und mitgenommen kann man sich also als Beifahrer fühlen.

Das sieht nicht nach viel aus, und verändert doch das komplette Fahrzeug. das wichtigste: H steht für Handling, P für Powertrain. N heißt normal, S steht für Sport und T für Track, also Rennstrecke. Winter halte ich für überflüssig, da halten Supersportwagen Winterschlaf, Launch simuliert den Ritt auf einer gerade abgeschossenen Kanonenkugel. Quelle: Sebastian Schaal

Das sieht nicht nach viel aus, und verändert doch das komplette Fahrzeug. das wichtigste: H steht für Handling, P für Powertrain. N heißt normal, S steht für Sport und T für Track, also Rennstrecke. Winter halte ich für überflüssig, da halten Supersportwagen Winterschlaf, Launch simuliert den Ritt auf einer gerade abgeschossenen Kanonenkugel.

(Foto: Sebastian Schaal)

Auch in Zahlen ausgedrückt ist die Performance des Spider geradezu atemberaubend. Nach neun Sekunden ist aus dem Stand Tempo 200 erreicht, das schaffen sonst nur Superbikes. Es vergehen 3,3 Sekunden bis Tempo 100 anliegt, eine Geschwindigkeit aus der Wagen schon nach knapp 31 Metern zum Stehen kommt. Kein Wunder, dass der Beifahrer blass oder grün wird. Den gleichen Effekt hat übrigens die Erwähnung des Basispreises von 231.000 Euro.

Es sind aber nicht die Superlative bei den brachialen Beschleunigungsorgien und die Höchstgeschwindigkeit von 329 km/h, die den Wagen so faszinierend machen. Den McLaren, und das ist wirklich ungewöhnlich, kann jedermann fahren. Wie kein anderer Supersportwagen unterstützt er den Fahrer, lässt gemütliches cruisen zu, ja zeigt sogar etwas Alltagstauglichkeit.

Das Chassis besteht, wie immer bei McLaren, ausschließlich aus Carbon. Der Renner wiegt trotz umfangreicher Sicherheitsausstattung mit ESP und Airbags deutlich unter 1.400 Kilo.   Quelle: Sebastian Schaal

Das Chassis besteht, wie immer bei McLaren, ausschließlich aus Carbon. Der Renner wiegt trotz umfangreicher Sicherheitsausstattung mit ESP und Airbags deutlich unter 1.400 Kilo. 

(Foto: Sebastian Schaal)
An den Grenzen der Fahrphysik
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "McLaren MP4-12C Spider im Test: Die halbnackte Kanone"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%