Mercedes CLS 400 im Handelsblatt-Test Der Grabscher von Untertürkheim

Daimler hat dem CLS 400 einen Facelift verpasst. Der Mercedes ist und bleibt bei Optik und Fahrverhalten ein Sportler für Gentlemen. Doch im Innenraum vergisst das Coupé mitunter ganz schnell seine Manieren.
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Sieht aus wie ein Gentleman, wird aber handgreiflich. Quelle: Frank G. Heide

Sieht aus wie ein Gentleman, wird aber handgreiflich.

(Foto: Frank G. Heide)

Düsseldorf„Der grabscht mich an!“ Die Beschwerde meiner Freundin ist energisch und vor allem – überrascht. Der Grund dafür: Ein Stuttgarter Gentlemen, der sich entgegen seines eleganten Äußeren als Flegel herausstellt. Sein Name: Mercedes CLS 400 Coupé. Seine Missetat: Der feste Griff der  Seitenwangen des Beifahrersitzes an den Hüften. „Fehlt nur noch, dass er mir ‚Hey, Baby‘ ins Ohr raunt“, mockiert sich die Auserwählte.

Tatsächlich haben die Untertürkheimer mit dem CLS ein Coupé geschaffen, was sich irgendwo zwischen Biedermann und Brandstifter, Kavalier und Sittenstrolch einordnet. Im Premiumsegment ist der CLS ein Verkaufsschlager, was nicht nur der Rundgang über die Düsseldorfer Königsallee beweist, sondern vor allem die Zulassungszahlen. Gut 120.000 Exemplare hat Daimler in den vergangenen zehn Jahren verkauft, bei einem Einstiegspreis von über 65.000 Euro. Wie immer bei den Stuttgartern gilt: Durch Zusatzausstattung ist der Preis bis auf S-Klasse-Niveau steigerbar.

Stil-Leben im Stuttgarter Sportcoupé
Mercedes-Benz CLS 400 nach dem 2014er Facelift (Bitte rechts auf das kleine farbige Dreieck klicken, um die Bildtexte ein- und auszublenden)
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Mercedes-Benz hat den CLS im vergangenen Jahr recht umfangreich überarbeitet. Man erkennt ihn zwar wieder, aber das Interieur wurde aufgewertet und die Multimedia-Funktionen modern erweitert. Neu ist auch das Automatikgetriebe 7-G-Tronic.

Schöne Augen
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Der CLS präsentiert seine optisch geschärfte Frontpartie mit den optionalen Multibeam-LED-Scheinwerfern. Ihre besondere Lichttechnik leuchtet mit schwenkendem Abblend- und Fernlicht besonders Kurven und Kreisverkehre sehr sicher aus. Und blendet im Automatikmodus selbst auf und ab.

Viel hilft viel
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Ebenfalls neu ist der V6-Benziner mit dreieinhalb Litern Hubraum und Biturbo. Gegenüber dem Vorgänger mit Saugmotor leistet er mit 245 kW (333 PS) nun 20 kW mehr. Das Drehmoment steigt um 110 auf satte 480 Newtonmeter, die sich aber meist sanft entfalten.

Nicht abheben
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Das luftgefederte Fahrwerk überzeugt durch Dynamik und Stabilität. Allerdings lässt es einen beim Ein- und Aussteigen auch akustisch wissen, dass es da ist. Das Anheben der Karosserie im Stand kommt der nicht zwingend jugendlichen Zielgruppe entgegen. Auch die Tester freuten sich.

Voll ausgewachsen
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Fast zwei Meter breit, fast fünf Meter lang: Die Abmessungen liegen nur knapp unter denen der S-Klasse. Im Fahrverhalten merkt man das dem Coupé kaum an, selbst im Parkhaus gibt sich der Wagen wendig.

Gutes Rad ist teuer
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Selbst mit den klobigen M+S Reifen macht das Coupé eine gute Figur. Bei der Wahl der Felgen setzt nur der Preis die Grenzen.

Breiter Hintern
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Am Heck geht der Mercedes auseinander. Das rundet den äußeren Eindruck ab.

Der Verkaufserfolg ist auch der Grund, warum der 2014 erfolgte Facelift sehr dezent ausgefallen ist. Wie beim buchstäblichen Vorbild wurden nur Kleinigkeiten geglättet, am auffälligsten sind die neuen LED Scheinwerfer.

Gegen Aufpreis werden die Sterne in den Augen um das „Multibeam“-System erweitert. Ansonsten sind es die inneren Werte, die neu sind. Und beim CLS 400 bedeutet das einen 333 PS V6 Benziner als neues Einstiegsmodell.

Der Gentleman beeindruckt mit einigen sportlichen Linien (und Kanten), wirkt aber optisch sehr wuchtig. Dabei ist der CLS auch von Abmessungen her ein Coupé. Gut 4,9 Meter lang, aber keine 1,90 Meter breit, dazu ein Gewicht von rund 1,89 Tonnen – das werfen auch andere Sportler in den Ring. Nah an der größeren Mercedes S-Klasse ist das aber dennoch.

Man merkt aber auch, dass trotz vier Türen die Sitz- und Beinfreiheit im Fonds unter den eigenen Erwartungen liegt. Selbst im beschaulichen Bad Neuenahr schnalzen vorbeikommende Rentner mit der Zunge und schauen sich das Gefährt ausführlich an.

Einmal kräftig zupacken: Der fahrdynamische Sitz mit den aufdringlichen Seitenwangen kann man, frei nach Peter Lustig, auch einfach – abschalten. Quelle: Frank G. Heide

Einmal kräftig zupacken: Der fahrdynamische Sitz mit den aufdringlichen Seitenwangen kann man, frei nach Peter Lustig, auch einfach – abschalten.

(Foto: Frank G. Heide)

Die behäbige Benzigkeit legt der CLS bei den ersten Ausfahrten nicht ab. Mercedes ist merklich darauf bedacht, seine Fahrer nach Möglichkeit nichts Dummes tun zu lassen. Das Testfahrzeug brummt, piept und korrigiert über Assistenten, die Sieben-Gang-Automatik flutscht flüssig, aber gemächlich.

Der V6 brummelt im Eco-Modus zurückhaltend, ja fast schweigsam. Über allem steht eine Prämisse: komfortable Beförderung. Soll sich so etwa ein Sportcoupé anfühlen?

Ja. Zumindest, wenn es den Anspruch hat, nicht als Zweitwagen zwischen Oktober und April unter einer Plane Winterschlaf zu halten, sondern als vollwertige Erstkutsche die ganze Familie zu transportieren. Ach ja, Spaß haben kann man mit dem Schwaben auch.

Brücke an Maschinenraum, gehen Sie auf Warp!
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