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Mitsubishi Outlander PHEV 100.000 Kilometer mit einer Tankfüllung

Der Mitsubishi Outlander PHEV wird von seinem Hersteller als Spritwunder verkauft. Zeit, den japanischen Plug-in-Pionier mal genauer unter die Lupe zu nehmen – und ein bisschen ungerecht zu sein.
2 Kommentare
Der Outlander PHEV ist trotz seiner enormen Größe ein sparsamer Koloss.
Tanken, nein danke.

Der Outlander PHEV ist trotz seiner enormen Größe ein sparsamer Koloss.

DüsseldorfNicht so futuristisch wie der BMW i3 mit Range Extender, nicht so sportlich wie der Porsche Panamera E-Hybrid – und doch ist der Mitsubishi Outlander PHEV der meistverkaufte Plug-in-Hybrid in Europa. 14.000 Mal fand er allein bis September einen neuen Besitzer. In Ländern wie Norwegen und den Niederlanden erreicht er Spitzenplätze in der Zulassungsstatistik.

In seiner Klasse ist der Outlander als Plug-in-Hybrid nahezu konkurrenzlos. Sein halbelektrischer Antrieb macht den Outlander zum Verbrauchswunder. Offiziell wirbt der Hersteller mit einem Verbrauch von 1,9 Litern Super auf 100 Kilometer – da können selbst Kleinwagen nicht mit dem bulligen SUV mithalten.

In der Werbung geht man noch einen Schritt weiter: 2.943 Kilometer sei ein Leser einer bekannten Autozeitschrift mit einer Tankfüllung gefahren, jubelte der Hersteller jüngst. Die Crux: Elektrisch durfte der Testfahrer theoretisch so oft nachtanken wie er wollte. Unter diesen Versuchsbedingungen käme man auch 100.000 Kilometer weit – vorausgesetzt man fährt von nur von Ladestation zu Ladestation und die Batterie gibt nicht vorher den Geist auf.

Die Prahlerei ist Anlass genug, das Verbrauchswunder ein wenig kritischer unter die Lupe zu nehmen. Tatsächlich ist das elektrische Fahren mit einem Dickschiff wie dem Outlander zunächst ungewohnt. Um den Wagen in Bewegung zu setzen, arbeiten unter der Haube gleich zwei Elektromotoren mit jeweils 82 PS. Der Benzinmotor mit zusätzlichen 121 PS fungiert im normalen Hybrid-Betrieb nur als Generator für die Batterien und hat nicht einmal Kontakt zur Achse. Erst bei höheren Geschwindigkeiten schaltet er sich zu.

Was zunächst nach einem komplizierten Zusammenspiel der Motoren klingt, erweist sich in der Stadt als sehr ausgereift. Und obwohl der Outlander äußerlich wenig auffällig ist, wird er durch das lautlose Anfahren zum Hingucker an der Ampel. Auch die Abstufung der Rekuperation, also der Energierückgewinnung, über das Lenkrad ist praktisch. Wer geübt ist, muss praktisch nicht mehr bremsen und lädt die Batterien, indem er sich ausrollen lässt. So kennt man es von anderen Elektromobilen.

Der Spaß hört auf, ist die Batterie einmal leer. Insbesondere bei Autobahnfahrten ist das relativ schnell der Fall. Dann pendelt sich der Verbrauch bei acht Litern ein und der Motor des Outlander dröhnt gewaltig, das Beschleunigungsverhalten wird träge. Kurz: Alles, was dieses Auto so besonders macht, geht verloren.

Wie ein Bär, den man mit einem Stock weckt

Und wehe, man drückt während der Fahrt auf den „Charge“-Knopf in der Mittelkonsole und zwingt so das System, über den Benzinmotor die Batterie auf 80 Prozent zu laden. Dann brummt der Outlander wie ein Bär, den man mit einem Stock geweckt hat – und präsentiert sich auch ähnlich gereizt. Spritverbräuche von 18 Litern werden dem Fahrer kurzfristig angezeigt. Vor allem ökologisch ergibt die Ladung über den eigenen Benzintank auch gar keinen Sinn: Schließlich nimmt man damit von beiden Motoren die schlechten Eigenschaften mit – den geringen Wirkungsgrad des Benzinmotors und die geringe Reichweite sowie Ladeverluste des Elektroantriebs. Wenn es trotzdem aus Mangel an alternativen Lademöglichkeiten mal sein muss, dann besser im Stand.

Dafür haben die Entwickler bei der Ladung wirklich nachgedacht. Die Ladezeiten lassen sich vorab programmieren, so kann man theoretisch dann laden, wenn der Strom günstig ist. Möglich ist das sowohl über einen Typ-1-Anschluss als auch über einen Chademo-Anschluss. Leider fehlt ein Typ-2-Anschluss, der in Europa zum neuen Standard werden soll.

Der sanfte Riese
Die größte graue Maus der Welt
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Sieht so ein Revolutionär aus? Frontal ist der Outlander einfach viel zu langweilig geraten. Sein revolutionäres Innenleben kann man ihm nicht ansehen. Das haben auch die Mitsubishi-Designer begriffen, nach dem nächsten Facelift soll der Outlander wohl deutlich wilder aussehen.

Blasse Erscheinung
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Auch von hinten ist der Outlander PHEV sehr zurückhaltend gezeichnet. Die Rücklichter liegen blass am Heck. Wer modern fahren und trotzdem nicht auffallen will, dem tut Mitsubishi damit einen Gefallen.

Der mit den drei Herzen
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Was ihn so besonders macht, findet man unter der Motorhaube: Der Outlander wird angetrieben durch gleich zwei Elektromotoren mit jeweils 82 PS und einen Vierzylinder-Benzinmotor mit 121 PS.

Auf leisen Sohlen
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Trotz Power unter der Haube ist der Outlander aber nur ein behutsamer Sprinter. Auf 100 Kilometer beschleunigt er in 11 Sekunden. Das liegt auch an seinem Gewicht von 1,8 Tonnen.

Dezente Revolution
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Äußerlich kann man dem Outlander nur dezent ansehen, wie fortschrittlich sein Antrieb ist. Nur das silber-blaue Plug-in Hybrid-EV und die zwei Tankdeckel deuten darauf hin.

Doppelter Anschluss
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Der Outlander verfügt über einen Typ-1-Anschluss und einen Chademo-Schnellladeanschluss, der in Japan weit verbreitet, in Europa aber ein Exot ist. Wer an den gängigen Typ-2-Ladestationen laden will, braucht ein entsprechendes Kabel (Typ-2 auf Typ-1).

Was ist das?
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Den anderen Tankdeckel mussten wir im Test nicht einmal öffnen. Denn der Outlander PHEV kommt mit einer Tankfüllung über 800 Kilometer weit, dabei passen gerade einmal 45 Liter rein.

Ein großes Manko ist das interne Multimedia-System, das Mitsubishi auch gleich in Japanisch hätte ausliefern können – so wenig intuitiv lassen sich Navigation und Musiksystem bedienen. Man fühlt sich verloren wie Bill Murray in „Lost in Translation“, nur ohne Whisky und Scarlett Johansson an seiner Seite.

Und auch optisch hat der Outlander wenig zu bieten. Das Äußere ist, besonders im getesteten Mausgrau, so unauffällig, dass sich dafür allein wohl niemand umdrehen wird. Mit dem nächsten Facelift dürfte das wohl behoben werden: der Outlander PHEV Concept, den Mitsubishi zuletzt auf dem Autosalon in Paris zeigte, hat eine deutlich aggressivere Front. Die steht dem Outlander besser.

Im Innenraum des Outlander regieren das Plastik und sehr gesetzte Farbtöne. Das wirkt weder besonders hochwertig, noch besonders gemütlich. Die Sitze sind selbst in der besten Ausstattung eher mittelmäßig. Die Bedienelemente wurden etwas wahl- und lieblos verteilt.

An anderen Stellen ist der Outlander dagegen vorbildlich. Anders als andere Elektroautos kann er Energie nicht nur speichern, sondern auch wieder abgeben. So wird der Outlander zum Notstromaggregat auf vier Rädern – in Erdbebenregionen sicher ein Kaufargument. Über das interne Multimediasystem kann das Auto auch auf eine programmierte Zeit vorheizen. Sehr komfortabel.

Preislich okay, Ökovorteil fraglich

Ein Ökomobil ist der Outlander trotz Plug-in-Antrieb aber nicht –  obwohl Verbrauch und CO2-Ausstoß sich sehen lassen können. Das liegt schon am Gewicht: Fast zwei Tonnen bringt der Mitsubishi auf die Waage, satte 500 Kilo mehr als ein Outlander mit Verbrennungsmotor. Im Gegenzug bringt er im Vergleich zu anderen Stromern aber reichlich Platz mit: Der Kofferraum ist je nach Ausstattung bis zu 463 Liter groß und lässt sich auf 1.472 Liter erweitern. Zu schwer sollte man ihn allerdings nicht bepacken. Die maximale Zusatzlast beträgt 425 Kilo, die sind bei fünf Personen an Bord bereits schnell erreicht.

52 Kilometer soll der Outlander rein elektrisch zurücklegen, im Test sind es eigentlich immer weniger. Doch die hybride Reichweite von über 800 Kilometer ist nicht utopisch. So verschreckt man zumindest diejenigen Autokäufer nicht, die sich wegen der Reichweite bisher weigerten, elektrisch zu fahren. Auch der Einstiegspreis ist mit rund 40.000 Euro in Ordnung im Vergleich mit Konkurrenten wie dem VW Tuareg – doch für den gleichen Preis kriegt man auch zwei „normale“ Outlander.

Dafür sind ein paar Extras wie das schlüssellose Starten und eine Klimaautomatik schon inklusive. Für die getestete Spitzenvariante verlangt Mitsubishi rund 50.000 Euro. Dann sind auch Sicherheitssysteme wie die adaptive Tempoautomatik, ein Auffahrwarnsystem und ein Spurhalteassistent dabei. Doch durch die hohen Unterschiede beim Anschaffungspreis kann man mit dem Outlander nicht soviel Benzin sparen, dass sich der Kauf auch rentiert – insbesondere bei den derzeit niedrigen Spritpreisen.

Beim Verbrauch muss man den Outlander ein wenig ungerecht behandeln, immerhin ist er Vorbote einer ganzen Welle von Plug-in-Hybriden, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen. Die niedrigen Verbrauchswerte sind zwar nicht völlig utopisch, aber sie hängen massiv von der Fahrweise ab. Damit hinterlässt der Outlander nach dem Test ein dickes Fragezeichen, ob man die Plug-in-Modelle eigentlich nach den gleichen Kriterien bewerten kann wie die Verbrenner. Denn die einfache Differenzierung „innerorts-außerorts“ taugt wenig, um den eigenen Verbrauch mit dem Dickschiff wirksam einzuschätzen.

Fazit: Der Mitsubishi Outlander ist ein echter Pionier in seiner Fahrzeugklasse. Aber wie ein echter Pionier hat er auch mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen und lässt sich an vielen Stellen noch verbessern. Am Design und am Multimediasystem muss der Hersteller nochmal nacharbeiten. Derzeit profitiert Mitsubishi noch vom Vorsprung, doch spätestens wenn die deutschen Hersteller mit ihrer Plug-in-Offensive ernst machen, dürfte sich der Japaner deutlich schwerer verkaufen.

Technische Daten

Mitsubishi Outlander PHEV
Maße (Länge, Breite, Höhe)4,66 m x 1,68 m x 1,80 m
MotorPlug-in-Hybridantrieb mit einem Benzin- und zwei Elektromotoren
Leistung

E-Motor vorne: 60 kW / 82 PS

E-Motor hinten: 60 kW / 82 PS

Vierzylinder Benzinmotor: 89 kW / 121 PS

Maximales Drehmoment

E-Motor vorne: 137 Nm

E-Motor hinten: 195 Nm

Benzinmotor: 190 Nm

Leergewicht1.885 kg
Kofferraumvolumen463-1472 Liter
Höchstgeschwindigkeit

170 km/h

rein elektrisch: 120 km/h

Beschleunigung 0 auf 100 km/h11 Sekunden
Durchschnittsverbrauch1,9 Liter / 100 Kilometer
Stromverbrauch13,4 kWh/100 km
Reichweite52 Kilometer (elektrisch); 827 Kilometer (hybrid)
Kapazität Lithium-Ionen Batterie12 kWh

Hinweis: In der ursprünglichen Version dieses Artikels stand, dass der Outlander über einen Typ-2-Anschluss geladen werden kann. Das ist nicht korrekt. Wir haben den Fehler korrigiert.

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2 Kommentare zu "Mitsubishi Outlander PHEV: 100.000 Kilometer mit einer Tankfüllung"

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  • Wenn Sie schreiben, dass der Outlander in Holland und Norwegen ein Verkaufsschlager ist, müssen Sie auch schreiben warum: Ich habe einen holländischen Geschäftsfreund, der sich den Outlander nur deswegen gekauft hat, weil er ihn als Firmenwagen fahren kann, ohne, dass die 1% Regelung (wie in Deutschland) zum Tragen kommt! Die holländische Regierung bezuschusst also diese PKW erheblich. Sollte es in Deutschland so eine Regelung geben würden quasi nahezu alle Nutzer von Firmenwagen sofort auf solche Modelle umsteigen, denn man spart dadurch jeden Monat einige hundert Euro monatlich netto!!

  • Wenn Sie schreiben, dass der Outlander in Holland und Norwegen ein Verkaufsschlager ist, müssen Sie auch schreiben warum: Ich habe einen holländischen Geschäftsfreund, der sich den Outlander nur deswegen gekauft hat, weil er ihn als Firmenwagen fahren kann, ohne, dass die 1% Regelung (wie in Deutschland) zum Tragen kommt!

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