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Opel Adam S im Handelsblatt-Test Komm doch, wenn Du Dich traust!

Kleinwagen mit Lifestyle-Einschlag haben Hochkonjunktur. Entsprechend gut läuft Opels kleiner Adam. Die Rüsselsheimer spendieren ihrem Stadtauto nun eine Sportausstattung. Und stellen einen Kugelblitz auf die Straße.
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Ein Prolet zum gernhaben. Das Auto, nicht der Autor. Quelle: Frank G. Heide
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Ein Prolet zum gernhaben. Das Auto, nicht der Autor.

(Foto: Frank G. Heide)

Düsseldorf Rot wie die Sünde. So steht der Opel Adam S bei der Anlieferung in der Tiefgarage. Der Ferrari-rote Lack ist so ziemlich das einzige, was bei dem Knubbel wie ein ausgewachsener Sportler wirkt. Ja, der Adam ist tiefer. Er guckt böse. Er hat einen Spoiler. Aber am Ende bleibt er ein Zwerg. Die Rennsemmel auf der Straße im Konzert der PS-Monster? Kaum denkbar.

Doch der Adam lässt nicht so schnell locker. Und trotz seiner kleinen Knubbeligkeit ist er ein echter Hingucker. Und eine Schönheit. Natürlich erinnert der Eisenacher auf den ersten Blick an die Neuauflage des Fiat 500. Gerade, wenn man sich die Sportversion von Abarth (in Ferrari-Rot) ins Gedächtnis ruft.

Aber es passt optisch einfach alles bei dem Westentaschensportler. Er schafft es, nicht wie ein Bobbycar auszusehen. Der Adam möchte ernst genommen werden. Und scheut sich nicht, dass durch seine prollige Art zum Ausdruck zu bringen. Opel Halbstarker fällt auf und will das auch so.

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Toller Bollerwagen
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Als wie wenn ze fliechst: Das Äußere des Adam S macht schon einiges her. Die Beschleunigung auch.

(Foto: Frank G. Heide)
Stimmt auffällig
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Obwohl das Design des Adam eigene Akzente setzt, wird er von keinem Tester und keinem Beifahrer als hässlich empfunden. Ein wenig aufdringlich vielleicht, aber gutaussehend.

(Foto: Frank G. Heide)
Aufgeräumt
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Sportlich, aber nicht überfrachtet. Das Cockpit sieht noch aus wie bei einem Auto, nicht wie in einem Raumschiff. Der Adam hat einen Zündschlüssel und ein Kupplungspedal!

(Foto: Frank G. Heide)
Urbane Umgebung
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Besonders in der Stadt macht der Flitzer eine gute Figur. Das liegt auch an zahlreichen Zierelementen, die aber überwiegend im Grundpreis enthalten sind. Über diverse Extras lässt sich der Adam bis zur Unkenntlichkeit individualisieren.

(Foto: Frank G. Heide)
Auge für's Detail
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Die Linienführung ist butterweich, ohne den Adam charakterlos zu hinterlassen. Als Sport-Version ist er bulliger als der Serien-Bruder. Ja, das ist gut.

(Foto: Frank G. Heide)
Da muss alles rein
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Ja, das ist der Gepäckraum. Ja, die Rückbank ist bereits umgeklappt.

(Foto: Frank G. Heide)
Gut gefüllt, Löwe
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Mit zwei Personen ist der Adam S aber schon gut ausgelastet. Für Spaßfahrten ist das toll, für den Urlaub... reden wir nicht darüber.

(Foto: Frank G. Heide)

Der Einstiegspreis liegt bei 18.690 Euro, bei der endlosen Zubehörliste – gerade im Bereich quietschbunter Lifestyle – ist der Betrag noch deutlich ausbaubar. Der normale Adam geht neu schon bei 11.750 Euro los. Allerdings muss auch gesagt werden: Der „S“ bietet für den Aufpreis auch einiges. Angefangen bei einem Turbo-Benziner, der 150 PS aus 1,4 Litern presst.

Das sind 35 PS mehr als beim bisher stärksten Serienmodell. Serienmäßig ist natürlich auch das Äußere, nebst Dachspoiler, Heckschürzenlippe und Seitenschwellern. Und das ist im Prinzip auch schon alles, was es im verkappten Go-Kart tatsächlich zum Spaß haben braucht. Mit Ausnahme der ergonomischen Recaro-Sitze für 1.300 Euro extra, die selbst vom Designer empfohlen werden, des Seitenhalts wegen.

Der kleine Prolet verzaubert schnell die Redaktion und so balgen sich am Ende drei Erwachsene Männer und eine Nachbarin darum, den Adam mal entführen zu dürfen. Warum, kann vorab keiner der Tester so richtig sagen. Wir tippen allerdings auf animalische Instinkte. Zumindest, als wir erst einmal erleben, was der Adam S tatsächlich auf die Straße bringt. Schon im Parkhaus flitzt er stramm und quietschend um die Ecken, viel Platz braucht er ja nicht. Einmal draußen von Leine gelassen, heißt es, gemäß Werbung: Adam rocks.

Der Turbolader setzt nach dem Anfahren ab circa 1.500 Touren ungestüm ein und sorgt anfangs für unfreiwilliges Nicken. 8,5 Sekunden aus dem Stand benötigt der Adam, um auf 100 km/h zu kommen. Danach ist das kein Problem mehr, denn man will den Adam S nicht untertourig fahren. Zwischen 3.000 und 4.500 Touren macht er am meisten Spaß und räubert bereitwillig um jede Ecke. Enge und kurvige Straßen sind das Milieu seiner Wahl. Auf der Autobahn schwimmt er selbst im sechsten Gang einigermaßen durchzugsstark mit.

Vergnügliche Rutschpartie

Einzig die Verbrauchsanzeige bremst den Fahrspaß ein – wenn man sie denn ganz unten im Display zwischen Tachometer und Drehzahlmesser beachtet. Gibt der Adam S sich bei 130 km/h noch mit gut 8,5 Litern zufrieden, kommen beim sportlichen Umgang mit der Alu-Pedalerie schnell weitere 30 Liter hinzu. Belohnt wird der Fahrer mit schwitzigen Händen, einem Grinsen im Gesicht und Mitfahrern, die dem kleinen Roten einen druckvollen Sprint aus dem zweiten Gang auf Landstraßentempo nicht zugetraut hätten.

Der Adam S vermittelt optisch genau das, was er technisch hält. Quelle: Frank G. Heide
Glänzende Aussichten

Der Adam S vermittelt optisch genau das, was er technisch hält.

(Foto: Frank G. Heide)

Um den Vergleich zu haben, bitten wir eine gute Freundin zum Vergleich. Sie hatte sich vor rund einem Jahr den neuen Adam gekauft, erstens wegen der Knuffigkeit, zweitens wegen des Händler-Hauspreises. Unser gut ausgestatteter Adam S kostet über 20.000 Euro, sie hat nur 14.000 bezahlt. Ihr Modell hat die gleichen großen, schwarzen Leichtmetallfelgen, und auch ein serienmäßiges Sportfahrwerk, aber nur 100 PS.

Hier kommen wieder die Recaro-Leder-Schalensitze ins Spiel, die Astrid gleich gut gefallen: „Die hätte ich auch genommen, gab's aber damals noch nicht.“ Die Motorleistung ihres Adam reicht ihr völlig, denn sie ist meist in der Stadt unterwegs. Auch wir müssen zugeben: 150 Pferde muss nicht unbedingt sein, auch wenn es richtig Spaß macht. Sie können aber. Und es macht richtig, richtig Spaß.

Auch jenseits der 150 km/h muss sich der Krawallzwerg nicht gleich von herannahenden Mittelklasselimousinen auf die rechte Spur komplimentieren lassen. Beim Zwischensprint schiebt der Adam merklich an, der Anpressdruck des Heckflügels hält ihn bei 210 km/h noch sicher auf der Straße. Der Spoiler ist nicht nur Blendwerk.

Auffällig: Der Adam S ist angenehm direkt. Natürlich ist in einem modernen Auto alles bis zur Dachkante elektronisch geregelt, von der Lenkung bis zur Traktion. Nun muss man aber im kleinen Opel nicht einmal die Systeme abschalten, um das eigentlich von Mini versprochene Go-Kart-Feeling zu verspüren. Der Adam S mag es flott, und überzeugt mit hoher Agilität und straffer, stets verlässlich wirkender Fahrwerksabstimmung.

Auf lockerem Untergrund haben wir ihn des Öfteren praktisch auf der Stelle wenden lassen, auch das hat Spaß gemacht. Der Radstand lässt den Adam schieben, schlingern, untersteuern und schrubben – erstaunlicherweise jedoch nie so, dass sich der Eindruck einstellt, man hätte keine Kontrolle. Ein bisschen Rallye für freie Straßen. Zwei grinsende Kollegen inklusive.

Restwertprognosen im Vergleich von Bähr & Fess Forecasts:

MarkeModellPSNeupreisRestwert 2019Wertverlust
OpelAdam S
15018.690 €51,5% / 9.625 €9.065 €
AudiA1 1.4 TFSI15021.300 €56% / 11.928 €9.372 €
CitroenDS3 SportChic THP16524.490 €49% / 12.000 €12.490 €

Rallye soll auch das Ambiente vermitteln – allem Lifestyle zum Trotz. Das gelingt aber nicht in allen Details. Das Lenkrad (Leder) ist ergonomisch und griffig, gleitet präzise und geht angenehm schwer. Auch in der Position ist es gut einstellbar. Zum Seitenhalt gesellt sich Raum im Fußraum, zumindest vorn.

Die Instrumente sind recht bieder angelegt, man vermisst ein HUD, was den Blick für das Renngefühl nicht vom Asphalt lenkt. Enttäuschend ist die trantütige, lang übersetzte Gangschaltung, die oftmals in die falsche Schaltgasse führt und mehr Rührknüppel ist, als knackige Sportlichkeit zu vermitteln. Da lässt der Adam Zeit und Geschwindigkeit liegen.

Gegen Aufpreis gibt es eine
Alles andere wäre kleinkariert

Gegen Aufpreis gibt es eine "chequered flag" an der Decke. Die hat schon was, die traditionelle Zielflagge. Als Konkurrenten hat der Adam S übrigens den Fiat 500 Abarth, Citroens DS3, den Fiesta ST und den Mini Cooper ausgemacht.

(Foto: Frank G. Heide)

Ins Ziel schafft es auch nicht jedes Extra. LED-Innenbeleuchtung mit Farbwechsel ist nett, aber für den geringen Effekt die 100 Euro Aufpreis nicht wert. Uneins sind wir uns beim schwarz-weiß karierten Dachhimmel, der einer traditionellen Rennflagge nachempfunden, als Extra 150 Euro kostet. „Die chequered flag macht ihn ja auch innen noch mal schneller“, schmunzelt unsere Adam-Freundin. Auch die Kollegen aus der Poststelle finden das gut. Zwei von drei Testern denken sich dagegen: „too much“.

Wo ist das Navi, warum eine Lenkradheizung?

Eine Eco-Taste braucht man in dieser Art Fahrzeug nicht, zumal sie einzig die Funktion hat, sparsame Schaltmöglichkeiten anzuzeigen. Eine Lenkradheizung brauchen die Tester im Sportler noch viel weniger. „Das finde ich geradezu blödsinnig“, regt sich einer auf, „ich will in schnellen Kurven doch keine Schwitzehändchen.“ Adam-Fahrerin Astrid kontert: Sie reicht ihre klammen Finger und meint, dass hätte sich Opel schon ganz clever speziell für die Hauptzielgruppe ausgedacht.

Die Damen frieren halt regelmäßig an den Extremitäten. Und wenn Adam sie dann wärmt, dann haben sie ihn noch ein bisschen lieber. Was Ihr noch gar nicht, uns aber jeden Tag aufgefallen ist: In den Cup Holder vor den Schalthebel passt kein großer Isobecher.

XXL-Becher blockiert Schaltweg. Noch bevor wir im Adam unseren Mokka schlürfen konnten, hatten wir den Kaffee auf. Quelle: Frank G. Heide
Das wird eng

XXL-Becher blockiert Schaltweg. Noch bevor wir im Adam unseren Mokka schlürfen konnten, hatten wir den Kaffee auf.

(Foto: Frank G. Heide)

Und was hat sie zu meckern? „Naja, der Stauraum ist schon sehr klein“, gibt sie zu, „aber das weiß man ja vor dem Kauf.“ Außerdem lassen sich die Rücksitzlehnen super schnell und einfach umklappen. Und wenn der Adam weder Pferdeanhänger ziehen, noch Wochenendeinkäufe bewältigen muss, dann passt das schon, für einen klassischen Zweitwagen. Uns fällt auch noch die Ladekante auf, die den Bandscheiben kühl entgegen lächelt, wenn man versucht, einen Bierkasten einzuladen.

Die Tester vermissen das Navi, sind etwas enttäuscht vom mageren Infotainment-Angebot, das der kleinformatige Touchscreen zeigt. Die Kopplung mit dem Handy funktioniert jedoch gut. Und Astrid? „Das mache ich problemlos über die App“, sagt sie, alles kein Problem, und zeigt mir auch sofort wie. Also alles ohne Probleme? Wirklich gar nix zu meckern beim Adam?

Doch, der Komfort. Der lässt auf schlechtem Asphalt, rumpligen Autobahnen und hohen Geschwindigkeiten schon zu wünschen übrig. Es liegt außer am harten Fahrwerk auch an den wirklich großen Reifen und dem kurzen Radstand.

Laut ist es innen im Adam, ab etwa 120 km/h, und stets ein bisschen bollerig, man sagt sich spontan: „Hamburg – München? Danke, muss nicht!“. Auch, weil bei hohen Touren die Hitzeentwicklung vom Motor her die Füße gart und die Klimaanlage temperaturunabhängig zugeschaltet werden muss.

Fazit: Rein optisch sieht sich der zwangsbeatmete Eisenacher mit seinen Schwellern, dem etwas peinlichen Heckflügel und den 18 Zoll Bi-Color-Felgen auf der Rundstrecke, bleibt am Ende aber doch ein Kart mit Straßenzulassung.

Ein Kart, das beim Ampelstart spielerisch leistungsstärkere aber schwerere Sportwagen à la BMW Z4 ärgert. Dabei macht er nichts wirklich falsch und beschränkt sich auf seine Grundfunktion: ein Spaßmobil sein. Der kann Alltag, kommt aber besser ohne aus. Dann kann man sich auch die teuren Extras sparen. Wir haben ihn sofort vermisst, als Opel ihn wieder abgeholt hat. Man hat sich doch bei jeder Fahrt gleich ein paar Jahre jünger gefühlt.

Technische Daten:
Länge: 3,71 Meter, Breite: 1,97 Meter (inkl. Außenspiegel), Höhe: 1,48 Meter, Radstand: 2,31 Meter. Motor: 1,4-Liter-Ecotec-Turbobenziner, Vierzylinder, 110 kW/150 PS, Sechsganggetriebe, maximales Drehmoment: 220 Nm bei 2.700 - 4.500 U/min, Vmax: 210 km/h, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 8,5 Sek., Durchschnittsverbrauch: 5,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 139 g/km, Effizienzklasse: D, Abgasnorm: Euro 6, Preis: ab 18.690 Euro.

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