Peugeot 308 GTI im Handelsblatt-Test Die Lolita aus Sochaux

„Non, je ne regrette rien“ summen wir, als wir den französischen GTI verabschieden. Wir wollten ihn ganz vernünftig und erwachsen testen. Und dann hat er uns einfach mitgerissen. In ein jugendliches Abenteuer.
Der zweifarbig lackierte Peugeot 308 GTI gibt der Vorderachse und dem Breitreifen ordentlich was zu tun: 272 Pferdestärken sind eine Ansage. Quelle: Florian Hückelheim
Ein französischer GTI-Jäger, der die Blicke auf sich zieht

Der zweifarbig lackierte Peugeot 308 GTI gibt der Vorderachse und dem Breitreifen ordentlich was zu tun: 272 Pferdestärken sind eine Ansage.

(Foto: Florian Hückelheim)

DüsseldorfSo ein kleines Luder! Im Radio läuft „Moi … Lolita“ von Alizee. Nicht meine Art von Musik, aber es ist ein Rhythmus, bei dem ich heute einfach mal mit muss. Denn ich fahre 308 GTi. Eine Verbrauchsfahrt hatte ich mir vorgenommen, die reine Vernunft, ohne Sportmodus, auf der rechten Spur einfach mitschwimmen. Doch der Motor ist kaum warm, da ist schon wieder Schluss mit Erwachsensein. Man muss einfach rauf aufs Gaspedal, und schwungvoll rein in die nächste Kurve. „Just for fun“, wie der Franzose sagt.

Wie soll man da Sprit sparen, wenn der Motor zwischen 4.000 und 6.000 Touren so viel Temperament zeigt? Könnt Ihr bitte mal die linke Spur freimachen? Ich will Euch eben noch die dicken Auspuffrohre des knackigen Hecks zeigen.

Die Endrohre sind nur zwei von etlichen Gründen, warum der zwangsbeatmete Turbo-Franzose (ab 34.950 Euro) seine Passagiere, oder zumindest den Piloten oft zum Grinsen bringt: 272 Gründe (PS) steuert der 1,6-Liter-Vierzylinder bei, 11 (Millimeter tiefer) liefert das Sportfahrwerk, das den Golf GTI-Jäger in Kombination mit Schwellern und Schürzen gefährlich tief und breit aussehen lässt. Sacre bleu, der wirkt schon geparkt schneller als etliche Kompakt-Konkurrenten.

Herzrasen à la française
Stadt, Land, Schuss
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In der Stadt ist das rot-schwarze Spaßmobil immer für eine hohe Punktewertung gut. Der nur 1,6 Liter kleine Turbovierzylinder braucht nämlich nie lange, um Drehzahl und Drehmoment zu liefern. Statt erlaubter 50 km/h zeigt der Tacho dann viel zu schnell Geschwindigkeiten, die auf die Landstraße gehören.

Knackige Kehrseite
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Der Löwe hat es faustdick hinter den Rohren: Der angedeutete Diffusor und die gerade herausstehenden Endrohre sind am Heck wohl der größte Unterschied zur Serie. Die leicht verlängerte Dachkante mit integrierter dritter Bremsleuchte gibt es auch bei zahmen 308ern.

Stimmiger Materialmix
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Gedämmte Kunststoffe, künstliches Glattleder, Alcantara, Klavierlack, Aluminium: Der Innenraum überzeugt mit wertiger Haptik und einer aufgeräumten Mittelkonsole. Kleiner Kritikpunkt: Die Erreichbarkeit der Tasten im sportlich-kleinen Multifunktionslenkrad ist nicht optimal.

Gut in Schale
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Optik meets Sportsgeist: Schwarzes Leder und rote Ziernähte sind klassische Elemente, die ihre Wirkung nie verfehlen. Beim Testwagen korrespondieren sie perfekt mit der Außenlackierung. Und auf den Sportsitzen ist es sogar komfortabel genug für Langstreckenrennen. Die zu kurz und niedrig geratene Mittelarmlehne braucht man aber nicht. Hier gehören beide Hände ans Lenkrad!

Nur als Handschalter zu haben
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Sechs Wege zum Spaßhaben: Für alle, die die Rockford-Wende beherrschen, gibt es einen weiteren Gang – steht ja nicht ohne Grund „R“ wie Rockford drauf.

Start-Stopp-Automatik
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Irgendwie ist es etwas befremdlich, wenn auf hohe Drehzahl absolute Stille folgt. Aus Verbrauchsgründen ist das sinnvoll, passt zu einem Sportler aber nicht so richtig.

19-Zoll-Felgen
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Optisch weit vorne, gebrauchswertig nur Durchschnitt: Der polierte Felgenkranz guckt ein ganz kleines Stück zu weit aus dem Gummi. Nicht schlimm für alle, die sich Randsteinen vorsichtig nähern. Teuer für alle, die mal nicht aufpassen. Immer schön: der Blick auf die 380mm Bremsscheiben im vorderen Radhaus.

Aber, liebe Franzosen, dieser Sound of Silence? Da geht doch wohl noch was! Optisch einen auf Krawall machen und klanglich nicht nachlegen können? Das kennen wir vom Herausforderer Golf GTI, der selbst als Performance-Variante 40 Pferdchen weniger antraben lässt, deutlich sinnlicher. So ein drehzahlhungriges Auto muss doch hören, innen wie außen. Da ist der 308 zu vernünftig, ein klarer Fall für den Zubehörhandel.

Böse Zungen könnten behaupten, von dort käme auch die Zweifarblackierung. Doch die ist Teil der ab Werk zu habenden Sonderausstattung: 1800 Euro für das Farbpaket „Coupe Franche“ – Mon dieu! Ob einem die Kampfbemalung das Geld wert ist, muss am Ende das eigene Portemonnaie beantworten.

Bei unseren Testfahrern kam die Optik jedenfalls so gut an, dass manche Betrachter Mund und Nase bis zum Anschlag aufsperrten. Selbst die Polizei schaute dem Flitzer hinterher, und der Verdacht liegt nah, dass es dabei nicht darum ging, dem GTi nicht eingetragene Zubehörteile nachzuweisen.

Die Instrumente sind modern designt und ungewöhnlich: Der Drehzahlmesserzeiger schwenkt von rechts nach links. Power, Boost und Torque steht im Fokus. Quelle: Florian Hückelheim
Blick auf die milieubeleuchteten Cockpit-Displays

Die Instrumente sind modern designt und ungewöhnlich: Der Drehzahlmesserzeiger schwenkt von rechts nach links. Power, Boost und Torque steht im Fokus.

(Foto: Florian Hückelheim)

Ihren Teil zur handfesten Vollproll-Optik tragen auch die wunderbaren 19-Zoll-Felgen („Carbone“) des kauernden GTi bei, deren Felgenkranz aber gefährlich vorwitzig über die 235er Millimeter breiten Pneus hinausguckt. Bordsteinräubern, sanfter Randsteinkontakt beim Einparken? Lieber nicht, das wird richtig teuer.

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