Porsche Panamera 4 E-Hybrid im Handelsblatt-Test Das grüne Gewissen hat 462 PS

Wenn Porsche-Fahrer etwas für die Umwelt tun möchten, tun sie es natürlich von der linken Spur aus. Möglich macht das der Panamera als Plug-in-Hybrid. Eine Ausfahrt klärt, ob er genau so grün ist wie seine Bremssättel.
Wer sich genug vor dem Design des Panamera verbeugt, könnte für einen kurzen Moment denken, er sei ein 911er mit langen Seitenfenstern. Immerhin. Dafür hat es beim Vorgänger nie gereicht. Quelle: Florian Hückelheim
Fast ein 911er?

Wer sich genug vor dem Design des Panamera verbeugt, könnte für einen kurzen Moment denken, er sei ein 911er mit langen Seitenfenstern. Immerhin. Dafür hat es beim Vorgänger nie gereicht.

(Foto: Florian Hückelheim)

DüsseldorfEr ist groß, schwarz und schwer. Und heute ist der Tag, an dem wir uns zum ersten Mal begegnen. Der Ladekoffer des Porsche Panamera 4 E-Hybrid und ich. Gestern habe ich mich in unter fünf Sekunden von null auf Hundert schießen lassen, heute brauche ich 15 Minuten, ehe ich dem Drehstromzähler in der Tiefgarage auch so ein Erlebnis verschaffen kann.

Doch der Reihe nach: Porsche befreit den zum Jahreswechsel überarbeiteten Panamera von seinem Buckel und macht optisch aus ihm das, was er schon immer sein wollte: ein 911er mit vier Sitzen, die man auch tatsächlich alle benutzen kann. Feine Kniffe wie eine um rund 3,5 Zentimeter gestreckte Karosserie samt 30 Millimeter größerem Radstand helfen dabei, die Silhouette geschmeidiger erscheinen zu lassen.

Der Leiser-Raser
Die Kombination aus Verbrennungsmotor plus E-Triebwerk gilt als die technische Brücke zum endgültigen elektrischen Zeitalter
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Die Batterie wird bei dieser Technik an der Steckdose geladen. Der Porsche Panamera 4E Hybrid kommt mit dieser Kombination auf 340 kW oder 462 PS Systemleistung. Der Allradler kostet mindestens 108.000 Euro und kann im besten Fall 50 Kilometer weit auf den 2,9-Liter-Sechszylinder verzichten.

Unverkennbar: Dieser Porsche tut was für die Umwelt
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Wer es ins Büro und wieder nach Hause so wie ich nur 33 Kilometer weit hat, dem kann es passieren, dass er den Verbrennungsmotor über Wochen nicht anspringen hört. Dies allerdings setzt einen super leichten Gasfuß, die Vermeidung des Sportmodus und eine eiserne Ladedisziplin voraus. Ein Plug-in-Hybrid benötigt halt seine tägliche Dosis Strom, um seinen Verbrauchsvorteil auszuspielen. Ansonsten hat die aufwendige Technik ihren Sinn verfehlt. Sehr hilfreich also, wenn der Arbeitgeber über einen Stellplatz mit Stromanschluss verfügt.

Porsche gibt für seinen Plug-in-Panamera einen Normverbrauch von 2,5 l/100 km an
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Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 56 g/km. Jeder weiß, diese Werte entstehen unter optimalen Bedingungen im Prüflabor, haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Sie sind deswegen so niedrig, weil die EU-Kommissare die glorreiche Idee der Autoindustrie schluckten, die elektrisch gefahrenen Kilometer mit in die Verbrauchsrechnung einzubeziehen. Sobald aber die Batterie leer ist, durstet es einen Plug-in-Hybrid umso mehr, allein schon durch sein höheres Gewicht, was im Falle Panamera knapp 200 Kilogramm ausmacht. Insgesamt wiegt die Limousine gut 2,2 Tonnen.

Blick in die Mittelkonsole
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Imposante Fahrleistungen bringt der Plug-in-Panamera im Modus „Sport Plus“ auf den Asphalt - vorausgesetzt, die Batterie hat genügend Strom. Gemeinsam erzeugen dann V6-Biturbo und E-Maschine 462 PS.

Wuchtige 700 Newtonmeter Drehmoment liegen bereits bei 1.100 Umdrehungen pro Minute an, das ist knapp über Leerlaufdrehzahl. Entsprechend souverän spurtet der Panamera damit trotz 2,2 Tonnen Leergewicht aus jeder denkbaren Verkehrslage los.

Ein schöner Rücken
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Nur 4,6 Sekunden verspricht das Werk für den Sprint von null auf 100 km/h. Das Spitzentempo soll bei 278 km/h liegen.

In diesem Bild lädt der Panamera gerade den leeren Akku an einer haushaltsüblichen Steckdose, was entsprechend lange dauert.
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Neben „Sport Plus“ und „Sport“ lassen sich hybridspezifisch auf dem Display auch die Modi „Hybrid Auto“, „E-Power“, „E-Hold“ und „E-Charge“ aktivieren. Im Modus „E-Charge“ wird die Batterie durch den V6-Benziner geladen, was entsprechend mehr verbraucht und die unwirtschaftlichste Art der Stromerzeugung darstellt.

Auch das gehört zum Hybrid-Dasein
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Diese Kabel fahren ständig mit, und ihre Handhabung fällt schwerer, als der flotte Anglizismus "Plug-in" dem Laien suggeriert.

Hinzu kommt, dass es nun jeweils ein kleines Seitenfenster hinter den Türen der Fondpassagiere gibt, dessen auslaufendes Ende nach unten zeigt anstatt nach oben wie bisher. Neue Rücklichter, die sich so auch im 911er wiederfinden könnten, strecken den ehemaligen Buckel zusätzlich und machen ihn endlich zu einem ästhetischen Heck.

Traditionelle 911er-Fans werden ihn aber nach wie vor mit Nichtbeachtung strafen – kein Boxermotor, keine intime Zweisamkeit, einfach kein Sportwagen. Recht haben sie. Käufer werden sich dennoch finden. Und für die, die vorgeben möchten, ein nachhaltiges Auto zu fahren, gibt es den Panamera auch als Plug-in-Hybrid.

Elf Kilo, gut 29 Liter Volumen. Die koffergleiche Kabeltragetasche des Hybrid-Porsche reduziert den Platz im 405-Liter-Kofferraum empfindlich, wenn sie mit den zwei Karabinern ordnungsgemäß gesichert ist, noch mehr. Ein Panamera 4 ohne Hybrid-Technik fasst immerhin 500 Liter. Quelle: Florian Hückelheim
Kabelsalat im Koffer

Elf Kilo, gut 29 Liter Volumen. Die koffergleiche Kabeltragetasche des Hybrid-Porsche reduziert den Platz im 405-Liter-Kofferraum empfindlich, wenn sie mit den zwei Karabinern ordnungsgemäß gesichert ist, noch mehr. Ein Panamera 4 ohne Hybrid-Technik fasst immerhin 500 Liter.

(Foto: Florian Hückelheim)

Jetzt also Strom. Als ich den Testwagen zum ersten Mal laden möchte, entfährt mir beim Öffnen des schwarzen Nylon-Koffers (rund 45 mal 50 Zentimeter groß) im Kofferraum ein lautes Lachen. Statt eines Kabels, das ich als Hybrid-Neuling offenbar naiv erwartet habe, sehe ich vier einzelne Kabel, entsprechend acht Stecker, ein Ladegerät sowie eine mehrsprachige 300-Seiten-Bedienungsanleitung, zu der ich direkt greife. Denn mit Messer, Gabel, Schere, Licht und bis zu 30 Ampere Ladestrom spielt man besser nicht.

Schnell zeigt sich, alles halb so wild. Der gut elf Kilogramm schwere Kabelsalat will dem Fahrer nur alle Ladeoptionen bieten: Starkstrom, Hausstrom, Ladesäule. Entdecke die Möglichkeiten nach Stuttgarter Art.

Links und rechts am äußerst handlichen Lenkrad finden sich diverse Multifunktionstasten für Navi, Radio und Fahrdaten. Darunter sind auch kleine Scroll-Kugeln. Im Testwagen sprachen diese allerdings nicht immer sofort an. Das passt so gar nicht zu dem hochwertigen Inneren mit seinen Alu-Knöpfen, -Reglern oder -Zierblenden und schmälert das Nutzererlebnis. Quelle: Florian Hückelheim
Kleine Übeltäter

Links und rechts am äußerst handlichen Lenkrad finden sich diverse Multifunktionstasten für Navi, Radio und Fahrdaten. Darunter sind auch kleine Scroll-Kugeln. Im Testwagen sprachen diese allerdings nicht immer sofort an. Das passt so gar nicht zu dem hochwertigen Inneren mit seinen Alu-Knöpfen, -Reglern oder -Zierblenden und schmälert das Nutzererlebnis.

(Foto: Florian Hückelheim)

Ich wähle Hausstrom, denn mehr gibt die graue Steckdose in der Tiefgarage nicht her. Dazu braucht es noch das etwas unhandliche und stets auf die Display-Seite kippende Ladegerät sowie die entsprechenden Kabel. Sind die eingesteckt, ist es tatsächlich alles ganz einfach. Noch das Ladegerät einschalten und das halbdigitale Cockpit zeigt eine Ladezeit an, die so gar nicht zu einem „Sportwagen, der das Limousinensegment revolutioniert hat“ passen will: 8 Stunden, 14 Minuten. Dazu schweigt auch die Produkt-PR, die neben zitierter Revolution sonst nur von Gänsehaut und Adrenalin beim Hybrid-Panamera spricht.

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