Renault Koleos im Handelsblatt-Test Lastenelefant zum Liebhaben

Der Renault Koleos hat es nicht leicht. Während andere SUV den Händlern aus den Händen gerissen werden, ist der verkappte Koreaner bisher ein Ladenhüter. Mit neuer Optik und Ausstattung soll sich das ändern.
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Im Profil ist der neue Koleos von seinem Vorgänger kaum zu unterscheiden. Besonders schick am Testmodell machen sich allerdings die Felgen. Quelle: Frank G. Heide

Im Profil ist der neue Koleos von seinem Vorgänger kaum zu unterscheiden. Besonders schick am Testmodell machen sich allerdings die Felgen.

(Foto: Frank G. Heide)

DüsseldorfKompakte Geländewagen verkaufen sich derzeit eigentlich von selbst. Nissan Qashqai, VW Tiguan und Opel Mokka gehören zu den Umsatztreibern ihrer Konzerne - allein der Renault Koleos hat in Deutschland bisher nur wenig Zuspruch gefunden. Gerade einmal 1.164 Exemplare des kompakten Franzose mit koreanischen Wurzeln wurden in Deutschland im Jahr 2013 verkauft. Mit neuem Gesicht und mehr Extras soll sich das ändern.

Denn bisher fuhr der Koleos zwar unter dem Renault-Logo, doch die Optik stammte zu großen Teilen von Samsung Auto, dem koreanischen Unternehmen, das den Koleos auch im Auftrag von Renault baut. Das Design des Vorgängers fiel entsprechend unspektakulär aus.

Dem neuen Koleos hat Renault darum erst einmal die konzerntypische neue Front verpasst: die Raute der Franzosen ist nun präsenter und größer. Der Testwagen schimmert in einem orange-braunen Metallicton. Das sieht erst mal schick aus.

Leider hat sich der Koleos äußerlich darüber hinaus wenig weiterentwickelt. An der Seite schimmern nun eine Chromleiste und auffallende Leichtmetallfelgen. Am Heck gibt es keinerlei Weiterentwicklung zum Vorgänger. Und das soll die neue Eleganz sein, mit der der Hersteller wirbt? Ich bin skeptisch.

Was hinter der großen Klappe steckt
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Während andere kompakte SUVs in Europa reißenden Absatz finden, wird der Renault Koleos nicht wirklich geliebt. Nun hat Renault dem Lastenelefant mit koreanischen Wurzeln ein neues Gesicht verpasst. Handelsblatt Online wirft einen Blick auf die Details...

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Die markantesten Änderungen gibt es an der Front. Eine breite Chromlinie am Kühlergrill und das deutlich präsentere Renault-Zeichen wirken nicht mehr so brav wie beim Vorgängerdesign.

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Im Profil ist der neue Koleos von seinem Vorgänger kaum zu unterscheiden. Besonders schick am Testmodell machen sich allerdings die Felgen.

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Unter der Motorhaube wummert in der Testvariante „Night and Day“ ein 173-PS-starker Zwei-Liter-Dieselmotor. Der Verbrauch liegt mit 7,2 Litern auf 100 Kilometer über den Herstellerangaben (6,4 Liter), aber in einem vertretbaren Rahmen.

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Damit beschleunigt der Koleos auf bis zu 191 Stundenkilometer. Das allerdings relativ träge: Von 0 auf 100 braucht er etwa 9,9 Sekunden und schwächelt zudem bei der Kraftentfaltung im niedrigen Drehzahlbereich.

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Die Armaturen sind schlicht und übersichtlich: Drehzahlmesser, Tachometer, Tankanzeige - wie in alten Zeiten hat man alle wichtigen Infos im Blick. Wer mehr braucht, kann sich durch die Digitalanzeige switchen.

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Variabler Allradantrieb aus dem Hause Nissan ist beim Renault Koleos „Night&Day“ inklusive - gut für das Gelände. Wer sparsamer Fahren will, schaltet auf Frontantrieb.

Auch im Innenraum herrscht im Koleos eher gepflegte Langeweile. Die Armatur ist in dunklem Kunststoff gehalten, ergänzt durch silbernes Plastik. Klar, die Ledersitze sind aus schickem schwarzem Leder, das Panoramadach sorgt für einen hellen Innenraum. Doch insgesamt hätten die Franzosen da kreativer sein können. In mir wachsen die Zweifel, dass das getestete Modell namens Night & Day dCi 175 4x4 für 35.590 Euro doch noch zum Verkaufsschlager werden könnte.

Grund genug, den Koleos dorthin auszufahren, wo er mit ungeteilter Sympathie rechnen kann - zu meinen Eltern. Dazu sollte man wissen: Man kann meinen Eltern durchaus eine gewisse Verbundenheit zur Marke Renault nachsagen. In ihren ersten gemeinsamen Frankreich-Urlaub fuhren sie im R5. Meine Kindheit erlebte ich auf dem Rücksitz eines Renault Espace. Seit die Kinder aus dem Haus sind, fahren meine Eltern Scenic, ihr Zweitwagen ist ein Twingo. Wer sollte den Koleos mögen, wenn nicht sie?

Auf dem Weg in die niederrheinische Provinz zeigt mir der Koleos, warum ich ihn unterschätzt haben könnte. Insgesamt schlägt sich das Multimedia-System R-Link, das Renault erstmals in den Geländewagen verbaut hat, gut. Über einen 5,8-Zoll-Touchscreen ist das System leicht zu bedienen. Die Musik vom Smartphone lässt sich über Bluetooth verbinden, die Bose-Anlage liefert nicht nur Bässe deutlich über meinen Erwartungen ab.

Auch die Sprachsteuerung versteht auf Anhieb die etwas komplizierte Adresse meiner Eltern und die Tomtom-Navigation manövriert mich in Echtzeit an allen Staus vorbei. Per App kann man sich die günstigsten Tankstellen in der Umgebung anzeigen lassen. Im Test schluckt der Koleos auf 100 Kilometer rund 7,2 Liter Diesel. Das liegt über den Herstellerangaben von 6,4 Litern, ist aber für einen Wagen dieser Größe und dieses Gewichts sehr in Ordnung.

In puncto Sicherheit leistet der überarbeitete Koleos nun ebenfalls mehr. Ein Totwinkel-Assistent hilft, den Lastenelefant sicher durch den Verkehr zu manövrieren. Die Warnlämpchen sind nicht ganz so elegant verbaut wie in der Oberklasse, aber genauso hilfreich.

Im Innenraum waren die Renault-Designer nur wenig kreativ. In der Testvariante rettet das schwarze Leder den ersten Eindruck. Doch die tristen dunklen Kunststoff überwiegen. Quelle: Frank G. Heide

Im Innenraum waren die Renault-Designer nur wenig kreativ. In der Testvariante rettet das schwarze Leder den ersten Eindruck. Doch die tristen dunklen Kunststoff überwiegen.

(Foto: Frank G. Heide)

Einmal angekommen, ist die Begeisterung wie erwartet groß. "Der ist doch klasse", sagt mein Vater beim Einsteigen. Es geht zu einem Flohmarkt in der Nähe. Wieder zeigt der Koleos ein paar Schwächen. Die Lenkung erweist sich als sehr schwammig, der Franzose neigt sich in schnellen Kurven weit zur Seite, und die Beschleunigung ist trotz 173-PS-Dieselmotor gefühlt eher träge. Dazu kommt ein Wendekreis, der dem eines Kleintransporters gleicht.

Meine Eltern merken davon ebenso wenig wie von den nur wenig konturierten Sitzen und der oft durchschwingenden Federung: Mein Vater spielt seine Musik in voller Lautstärke, meine Mutter lädt ihr Handy am USB-Anschluss vor der Rückbank. Schön, dass sich die Rollen so verändern können.

„Tolles Auto, Junge. Toll.“
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