Renault Scenic im Handelsblatt-Test Frühlingsgefühle auf Rädern

Renault hat die Langeweile hinter sich gelassen. Der neue Scenic ist nicht nur ein praktischer Familien-Van, sondern auch optisch enorm ansprechend. Das frische Design hat allerdings auch seine Tücken.
In der vierten Generation wird der Renault Scénic vom Kompaktvan zum Crossover, der statt nüchternem Familienlaster-Design nun modische SUV-Elemente zeigt, wie schon der große Van Espace. Außerdem ziehen neue technische Highlights ein, wie der Notbrems-Assistent mit Fußgänger-Erkennung oder das Zusammenklappen der Rücksitze per Fingertip. Quelle: Frank G. Heide
Mach hoch das Tor, die Tür mach weit

In der vierten Generation wird der Renault Scénic vom Kompaktvan zum Crossover, der statt nüchternem Familienlaster-Design nun modische SUV-Elemente zeigt, wie schon der große Van Espace. Außerdem ziehen neue technische Highlights ein, wie der Notbrems-Assistent mit Fußgänger-Erkennung oder das Zusammenklappen der Rücksitze per Fingertip.

(Foto: Frank G. Heide)

DüsseldorfFamilienvans waren jahrelang ziemlich funktionale Fahrzeuge, deren Besitzer ihren Nachbarn nach dem Kauf etwas entschuldigend erklärten, dass ihr neues Auto natürlich nicht wahnsinnig schön, aber dafür eben praktisch sei. Dann wurden Klappen geklappt, Sitze verschoben, Staufächer erkundet und am Ende war man sich einig, dass man ein vernünftiges Auto gekauft hatte. Aber seit der SUV-Hype grassiert, gelten Vans als aussterbende Art. Denn die kantigen Geländewagen bieten alle Vorteile der Vans, aber ohne das biedere Image.

Doch der Scenic von Renault, das ist so ein Van, der sich dieser SUV-Flut tapfer entgegenstemmen soll. Einer, in den man sich verlieben kann. Renault-Chefdesigner Laurens van den Acker hat dafür ganze Arbeit geleistet und die neue Scenic-Generation von ihrer früheren Biederkeit befreit.

Was am Renault Scenic gefällt, und was nicht
Weg vom Van
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Der Scenic hat seine Biederkeit abgelegt. Große Raute, viele Chromlinien und die zweifarbige Metalliclackierung sorgen für ein optisch selbstbewusstes Auftreten des Franzosen.

Chrom am Heck
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Von hinten präsentiert sich der Scenic eher unspektakulär. Alleine die breite Chromspange über dem Nummernschild und die verengten Scheinwerfer heben sich ab.

Auf hohem Ross
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20-Zoll-Schlappen an einer Familienkutsche? Braucht kein Mensch. Sieht aber schon ganz cool aus.

Die Tücken des Designs
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Richtung Heck werden die Fenster des Scenic schmal. Da sieht man auch mit dem Schulterblick nicht mehr viel.

Versteckter Bauarbeiter
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Der Scenic mag im Vergleich zu Klassenkonkurrenten insgesamt weniger Stauraum bieten. Aber die auf Knopfdruck umklappenden hinteren Rücklehnen sowie der nach vorne gefaltete Beifahrersitz ermöglichen die Zuladung - etwa von Bauholz - bis knapp 2,70 Meter.

Aus dem Augenwinkel
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Die LED-Tagfahrlichter unterstreichen den futuristischen Charakter des Scenic.

Auf die Gnade der Vornesitzer angewiesen
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Für ausgewachsene Mitfahrer ist die Rückbank im Scenic leider etwas knapp geraten.

Auf den Straßen von Düsseldorf – zwischen Bentleys, Maseratis und Porsche - interessierte Blicke für ein Auto zu ernten, ist schwer genug. Mit einem Renault war es bislang geradezu unmöglich. Während wir den Scenic testeten, schauen aber selbst die Düsseldorfer Passanten mitunter zweimal hin. Das liegt nicht nur an der auffälligen Lackierung in Metallic-Orange. Auch die 20-Zoll-Reifen sind mit ihren futuristischen Felgen ein Hingucker – gerade weil sie auf den ersten Blick so ungewohnt groß an dem Familienvan wirken.

Vieles andere, das der riesige Espace großartig erledigt, macht der kleinere Scenic nicht unbedingt schlechter, aber eben eine Spur kleiner. Das Raumgefühl hat für etwas französisch-futuristisches, nicht völlig ausgeflippt, mehr so wie ein sehr freundlicher Alien. Dazu passt auch die Ambientebeleuchtung ganz toll, die sich individuell an die Stimmung des Fahrers und die Abstimmung des Fahrwerks anpassen lässt. Natürlich braucht man so ein Extra nicht. Aber man freut sich, es zu haben.

Das Infotainment-System wird nun – ganz zeitgemäß – über einen 8,7-Zoll-Touchscreen gesteuert. Der kostet extra, erspart einem aber das Cockpit-Gefühl, das früher beim Blick auf die Mittelkonsole aufkam. Leider ist er mitunter auch etwas unpraktisch. Um nahtlos zwischen Navigation und Radio hin und her zu wechseln, braucht man ein wenig Übung und riskiert, sich in den Menüs zu verheddern.

Auch die Sprachsteuerung versteht mitunter nur Bahnhof oder Französisch, jedenfalls nicht den Fahrer. Wie sie reagiert, falls im Hintergrund Kinder lärmen, will man sich lieber nicht vorstellen. Insgesamt ist das Multimedia-Infotainment-System aber intuitiv zu verstehen.

Durch die großen Dreiecksfenster kommt viel Licht herein, aber die Karosse ist unübersichtlich. Schon das "unendlich" tiefe Armaturenbrett deutet an, wie schwer es zu Beginn fällt, Anfang und Ende des Scenic zu erahnen. Quelle: Frank G. Heide
Mehr Transparenz heißt nicht bessere Übersicht

Durch die großen Dreiecksfenster kommt viel Licht herein, aber die Karosse ist unübersichtlich. Schon das "unendlich" tiefe Armaturenbrett deutet an, wie schwer es zu Beginn fällt, Anfang und Ende des Scenic zu erahnen.

(Foto: Frank G. Heide)

Etwas zu sehr versteckt haben die Franzosen leider die Fahrmodi. Während es für den Eco-Modus eine einzelne Taste gibt, sind die anderen Motor- und Fahrwerksabstimmungen erst übers Aufrufen der SenseMe-Menüs und Untermenüs zu erreichen. Das geht auch einfacher.

Dafür hat man zumindest optisch daran gedacht, die einzelnen Fahrmodi abzugrenzen. Schaltet man in den Eco-Modus, wird angezeigt mit welcher Drehzahl man besonders sparsam unterwegs ist. Beim Sportmodus verändern sich nicht nur Lenkung und Abstimmung, sondern auch die Beleuchtung im Innenraum.

Ein Sportler ist der Scenic trotzdem nicht. Weil uns der Diesel trotz souveräner Alltagsleistungen zu keinerlei Rennen oder Sprints zwingt, und weil das Fahrwerk schon in den ersten Kurven klar signalisiert: "Kein Sport, seh wu pleh!"

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