Seat Ibiza Cupra im Handelsblatt-Test Runterschalten und grinsen

Wenn die Kollegen ein Auto mit den Worten übergeben, sie hätten selten solche Rückenschmerzen gehabt, kann das nur Gutes heißen. Enge Sportsitze, straffe Abstimmung, Drehmoment satt: Willkommen im Seat Ibiza Cupra!
Fehlten ihm die schwarzen Felgen (Aufpreis: 100 Euro), wäre der nur als 3-Türer erhältliche Ibiza Cupra einfach ein spanischer Kleinwagen. Die rot lackierten Bremssättel (Aufpreis: 200 Euro) deuten im Stand allenfalls sportliche Absichten an. Nur, wer ihn davonrauschen sieht, merkt, dass er kein Blender ist. Quelle: Florian Hückelheim
Gefälliger Hingucker

Fehlten ihm die schwarzen Felgen (Aufpreis: 100 Euro), wäre der nur als 3-Türer erhältliche Ibiza Cupra einfach ein spanischer Kleinwagen. Die rot lackierten Bremssättel (Aufpreis: 200 Euro) deuten im Stand allenfalls sportliche Absichten an. Nur, wer ihn davonrauschen sieht, merkt, dass er kein Blender ist.

(Foto: Florian Hückelheim)

DüsseldorfDas, ich gebe es gerne zu, ist mir noch nie passiert: Ich habe nach dem Hineinzwängen in diesen eng geschnittenen Sportwagen im Fiesta-Format meinen Zeigefinger ins Zündschloss gesteckt. Und ohne zu gucken dort einen Startknopf erwartet. Den hat doch heutzutage jedes Diesel-SUV. Und der Seat Ibiza Cupra? Der hält es mit der Technik an dieser Stelle wie ein echter Kleinwagen für den schmalen Geldbeutel. Aber auch nur da.

Denn für 24.720 Euro, die das Polo-GTI-Geschwisterchen aus dem spanischen Martorell kostet, lässt es Seat in Sachen Motorleistung ordentlich krachen. 192 PS aus 1,8 Litern Hubraum sind eine Ansage. Sein Vorgänger bediente sich noch einer Turbo-Kompressor-Kombination auf einem 1,4-Liter-Vierzylinder, der nun insbesondere beim Drehmoment etwas blass wirkt: Im direkten Vergleich trennen den aktuellen Ibiza Cupra mit maximal 320 Newtonmeter ganze 70 Newtonmeter von seinem Vorgänger und sogar 80 vom aktuellen Ford Fiesta ST (240 Nm, 290 Nm mit Overboost).

Krawall im Kleinwagenformat
Dezente Sportlichkeit
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Serienmäßige Xenon-Scheinwerfer, größere Waben im Kühlergrill und vier zusätzliche Lufteinlässe über dem Nummernschild kennzeichnen den Cupra – für Markenunkundige ist er im Rückspiegel also fast nicht zu erkennen.

Gut Ding will Drehzahl haben
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Die 1,8-Liter-Maschine mit Turbo-Kompressor-Aufladung reizt die Grenzen des Ibiza-Möglichen aus: 320 Newtonmeter reißen bei Bedarf nur so an der Vorderachse. Die 192 PS liegen zwischen 4300 und 6200 Umdrehungen pro Minute an. Auf feuchter Fahrbahn sind die in der Regel zu viel für die (Winter-)Reifen und lassen die Werksangabe für den Sprint von Null auf Hundert in 6,7 Sekunden in weite Ferne rücken.

Rotkäppchen trägt schwarze Schuhe
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Die spitz zulaufenden Fenster und die dezente B-Säule sorgen für eine fast coupéhafte Seitenlinie. Die mattschwarzen 17-Zöller machen auf dicke Hose. Und wer gegen ihn beim Ampelstart verliert, weiß danach: Das tun sie völlig zu Recht.

Genug Platz für Zwei
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Auf den vorderen Plätzen finden durchschnittlich große Fahrer ausreichend Platz. Gut 98 Zentimeter zwischen Sitzfläche und Dachhimmel machen den Cupra jedoch nicht zum Lieblingsauto langer Menschen.

Sportliche Optik beginnt erst unter der Gürtellinie
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Vom Dach bis zur Ladekante ist der Cupra, übrigens die Kurzform für Cup Racing, ein ganz normaler Ibiza. Eine modizifierte Stoßstange mit angedeuteten Luftauslässen hinter den Radhäusern sowie den mittig platzierten Auspuff und den angedeutete Diffusor gibt es in keinem anderen Ibiza-Modell.

Bei näherem Hingucken...
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... ist das trapezförmige Endrohr dann doch nur ein Blender. Zwei dünne Röhrchen ragen von innen drei bis vier Zentimeter zu weit in die Zierblende hinein, um ein rundes Gesamtbild am Heck zu hinterlassen. Schade. Klanglich verhält sich der Ableger des VW Polo GTI von außen unauffällig, im Sportmodus ist er immer noch zu leise. Wer 12PS mehr auffährt als ein Ford Fiesta ST, darf das gerne lauthals kundtun.

Arbeitsplatz
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Sitzeinstellung per Motor? So ein Quatsch! Was übertriebener Luxus wäre und zudem auch noch schwer ist, hat im Cupra nichts verloren. Die Sportsitze bieten guten Seitenhalt, könnten aber noch ein wenig straffer sein. Der Federungskomfort ist nur bedingt langstreckentauglich.

Doch alle Theorie ist grau. Die Praxis ist „Emoción Rot“ und steht auf mattschwarzen 17-Zöllern. Also: Finger wieder raus aus dem Zündschloss, Schlüssel rein, Musik! Kernig klingt der Kleine im Leerlauf, unter Last im Sportmodus noch ein ganzes Stück besser. Erster Gang rein, und: Aua! So unbedacht wie selbstverständlich ziehe ich den Schalthebel in den zweiten Gang und schlage mit dem Ellenbogen an der hochgeklappten Mittelarmlehne an.

Was soll dieser hereinkonstruierte Komfort-Blödsinn? Selbst das Herunterklappen der Armauflage hilft nicht: Um zu schalten, muss ich dann um den Kunstleder-Keil herumgreifen. Seat-Fahrer kennen keinen Schmerz, auch nicht am Knie. Großgewachsene Fahrer zwingt die Form der Mittelkonsole nämlich zu bisweilen absurden Anstellwinkeln für den Gasfuß, um ein Rendezvous von Kniescheibe und Hartplastik zu vermeiden (siehe Knie-Selfie).

Einmal eingelebt, möchte ich aus dem iberischen Volkswagen nicht mehr aussteigen. Wer akzeptiert, dass der Motor mit dem Auto Spazieren fährt, wird den Cupra lieben. Die extrem direkte Lenkung sorgt für feinstes Go-Kart-Feeling. Selten hat ein Testwagen Lenkbefehle so direkt umgesetzt.

Aber: Je enger die Kurve, je größer die Herausforderung, mit Geschwindigkeit durchzugehen. Der Vorderradantrieb ist an solchen Stellen aber nichts für (Fahr-)Anfänger. Fingerspitzengefühl ist nötig, denn ohne Allrad ist der Kontrollverlust durchaus greifbar und die Kraft, die an der Vorderachse und am Lenkgestänge reißt, sehr präsent. Mit hohem Verschleiß ist zu rechnen.

Die ist suboptimal herausragend, die Ecke unter der Klimaanlage. Man fürchtet um sein Knie. Schon die Anwesenheit eines Start-Stop-Knopfs statt des altmodischen Zündschlüssels würde die Raumsituation entspannen. Quelle: Frank G. Heide
Nicht gut konstruiert

Die ist suboptimal herausragend, die Ecke unter der Klimaanlage. Man fürchtet um sein Knie. Schon die Anwesenheit eines Start-Stop-Knopfs statt des altmodischen Zündschlüssels würde die Raumsituation entspannen.

(Foto: Frank G. Heide)

Die Leichtigkeit, mit der der Seat andere Wagen hinter sich lässt, ist bemerkenswert. Und auch die Aufmerksamkeit, die er zum Beispiel an einem Sonntag auf einem leeren Discounter-Parkplatz (Fährst du quer, siehst du mehr) auf sich zieht, gefällt mir. Seine Leistung bekommt der Cupra selbst mit Winterreifen ordentlich auf die Straße, beim Beschleunigen aus dem Stand oder auf feuchtem Untergrund dreht er aber dann doch gerne am Rad. Das ESP zeigt dabei mindestens genauso gerne wie der Motor, was in ihm steckt.

„Damit machst Du nur noch Quatsch“
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