Volvo XC60 im Handelsblatt-Test Kann alles, außer hochdeutsch

SUV-und Volvo-Fans haben lange auf ihn gewartet. Und der neue XC60 beeindruckt als Herausforderer von X3, Q5 und GLC mit Design, Bedienkonzept und Autopilot-Funktion. Doch es gibt auch ein paar ärgerliche Kleinigkeiten.
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Seine Funktionen bleiben zwar etwas im Verborgenen, aber egal. Er ist edel und schwer. So wie der XC60. Auch mit dem zeigt Volvo klare Kante. Quelle: Florian Hückelheim
Dieser Schlüssel

Seine Funktionen bleiben zwar etwas im Verborgenen, aber egal. Er ist edel und schwer. So wie der XC60. Auch mit dem zeigt Volvo klare Kante.

(Foto: Florian Hückelheim)

DüsseldorfSchon der Schlüssel ist ein Hingucker: Streichholzschachtel-groß, umlaufender Alu-Rahmen, helles Leder, erhabenes Volvo-Logo. Drei kleine Knöpfe auf der einen Längsseite, einer auf der anderen Seite. Welche Funktion haben die? Man erkennt es kaum. Egal, das Teil sieht so edel aus und liegt schwer in der Hand. Oben sitzt ein Schiebeknopf, der den Notschlüssel freigeben sollte. Tut er aber nicht. Na gut, kann ja mal passieren. Außerdem hat man den in den vergangenen zehn Jahren ja auch nie gebraucht.

Und so wie beim Zündschlüssel geht es weiter bei unserem Testwagen, dem XC60 T6 AWD mit sündteurer Inscription-Ausstattung: Alles ist edel, vieles ist ungewöhnlich. Aber oft auch nur gewollt anders als bei anderen, nicht unbedingt besser. In der beiliegenden Pressemappe nutzen sie dafür Ausdrücke wie „selbstbewusst, kraftvoll und elegant“, „markante Designmerkmale“, die diesem SUV eine „dynamische Aura“  und einen „individuellen Charakter“ verleihen. Und wer über den Zündschlüssel hinaus auf die Silhouette des kleinen XC90-Bruders blickt, der bestätigt gerne: Sie haben Recht. 

Was am Volvo XC60 gefällt, und was nicht
Dem großen Bruder wie aus dem Gesicht geschnitten
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Mit dem neuen XC60 wird Volvo den Erfolg des größeren XC90 nun wohl auch in die SUV-Mittelklasse übertragen. Optisch gelingt den Schweden fast perfekt, Qualität und Komfort sind prima. Nur der Motor lässt Wünsche offen – und dann wäre da noch der stolze Preis...

Das T könnte für Turbo stehen, aber die 6 sagt nichts über die Zylinderzahl aus
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Auf dem Weg zu einem hauptsächlich elektrischen Mobilitätsangebot lässt Volvo zunächst die großen Motoren sterben, und später wohl auch die Diesel. Unser Testwagen hat den aktuellen Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum an Bord, ein hochgezüchtetes Aggregat, das dank der ungewöhnlichen Kpmbination von Kompressor und Turbo auf 320 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment in der Spitze kommt. Angetrieben werden stets beide Achsen des Dienstwagen-Herausforderers in der Mittelklasse.

Das soll ein chinesisches Auto sein?
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Auch im Innenraum orientiert sich der XC60 am 90er; klares Design, edle Materialen, bequeme Sitze und viele Ablagen machen den Alltag an Bord angenehm. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Bedienung, aber nach einigen Tagen ist auch das kein wirkliches Problem mehr.

Thors Hammer erregt Aufmerksamkeit
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Die LED-Tagfahrscheinwerfer in Form eines liegenden T - von Volvo Thors Hammer genannt - wechseln von weißem auf orangefarbenes Licht, wenn man blinkt. Ein Hingucker mit hohem Wiedererkennungswert für die Marke sind sie immer.

Da fasst man gerne an
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Die Verarbeitung ist auf einem hohen Niveau, die teure Inscription-Ausstattung zeigt außerdem eine sehr schöne Materialauswahl. Ein bisschen Eingewöhnung brauchen Start-Stopp-Knopf und Fahrmodusschalter: Ersteren dreht man sowohl zum Zünden als auch zum Abschalten des Motors nach rechts, und per Drive Mode-Drehdrückschalter muss man jede Fahrstufe nicht nur anwählen sondern an auch noch mal bestätigten.

Durch diese hohle Gasse muss er kommen
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26 Zentimeter mehr Länge (4,69 Meter) und drei Zentimeter geringere Breite (1,90 Meter) als der Vorgänger sind die äußeren Rahmenbedingungen. Platz ist jedenfalls im Überfluss vorhanden, wobei sich die Fondpassagiere ihren Luxussitz aber durch einen sehr engen Türausschnitt relativ unbequem erarbeiten müssen.

Die internationale Klimakonferenz tagt
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Wer seinen XC60 bis ins letzte Details kennenlernen und auf ganz persönliche (z.B. Temperatur-)Vorlieben einstellen möchte kann damit viele viele Stunden verbringen.

Der optische Eindruck vom 2018er Jahrgang des XC60 pulverisiert die Mini-Schlüsselpanne: Die zweite Generation des Erfolgsmodells aus Schweden steht in direkter Verbindung zur auf der IAA 2013 präsentierten Designstudie des Volvo Concept Coupés. Vor allem die Frontpartie ist ein echter Hammer. „Thors Hammer“ genauer gesagt. So nennen sie jedenfalls bei Volvo die einem auf der Seite liegenden T gleichenden LED-Tagfahrleuchten, deren Design einen schon für das Auto einnehmen, bevor man überhaupt eingestiegen ist. Das nicht als einzelne LEDs erkennbare Leuchtband dient zugleich als Blinker: Dann wandelt sich die Leuchtfarbe von Weiß in Blinker-Orange.

Das macht Lust auf mehr. Kaum eingestiegen, steigt auch die Laune. Das edle Ambiente ist gut ausgeleuchtet, das Cockpit nordisch-modern aufgeräumt, das Raumangebot scheint riesig. Die Sitze bequem und in jeglicher Form verstellbar, serienmäßig mit elektrisch einstellbarer 4-Wege-Lendenwirbelunterstützung. Und gegen Aufpreis mit Massage- und Belüftungsfunktion. Die Materialien – ein Fest für alle Sinne. Man hält kurz inne: Das soll ein chinesisches Auto sein? Vor wenigen Jahren noch hätte hierzulande wohl niemand Volvos Mutterkonzern Geely diese Verarbeitungsqualität zugetraut.

Innen gibt es kaum noch Schalter und Knöpfe. Gerade einmal sechs Stück zählen wir – darunter Warnblinkanlage, Front- und Heckscheibenheizung – unterhalb des großen, an ein Tablet im Hochformat erinnernden 9,2-Zoll-Bildschirms mit einer Diagonalen von 22,9 cm in der Mitte. Und vier in der sich nach unten anschließenden Tunnelkonsole: Fahrmodusschalter, elektronische Handbremse, Anfahrassistent und der Start-Stop-Knopf. Oder besser: Start-Stop-Dreher. Denn hier wird gedreht. Nicht gedrückt. 

Überhaupt, dieses Bedienkonzept. Es nimmt einen sofort in seinen Bann. Gemacht für die Generation Smartphone. Fast alles geht über Touch. Und vieles auch über das Multifunktionslenkrad: Immerhin bis zu 14 Infotainment, Komfort- und Fahrzeugfunktionen lassen sich ansteuern, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen.

Und anders als hier in der Mitte angegeben würde ein Dreh am Startknopf des Fahrzeugs auch in puncto Smartphone-Verbindung keine Besserung bringen. Quelle: Marc Renner
Gutes Deutsch klingt anders als „Drehen Startknopf zu verbinden“

Und anders als hier in der Mitte angegeben würde ein Dreh am Startknopf des Fahrzeugs auch in puncto Smartphone-Verbindung keine Besserung bringen.

(Foto: Marc Renner)

Zündung an, Bildschirm an, stutzen: „Kein Telefon angeschlossen. Drehen Startknopf zu verbinden.“, liest man auf dem Display. Aha. Schon ein bisschen peinlich, das falsche Deutsch. Zumal die Software ja auch beim großen Bruder XC90 und seinen Geschwistern V90 und S90 im Einsatz ist. Und weil ähnliche Fehler auch im Navigationsbetrieb auftauchen („Stauung wegen 2.1 km“, weitere Fehler in Groß- und Kleinschreibung). Obwohl also Layout und Menüstruktur des Infotainment-Systems extra für den XC60 nochmals überarbeitet wurden, sind diese Details (in denen der sprichwörtliche Teufel steckt) übersehen worden. Immerhin: Das Verbinden des Smartphones geht dafür umso einfacher. 

Ein Autopilot, der Vertrauen schafft
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