VW Golf Variant im Handelsblatt-Test Der Nette von nebenan

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Assistenten können auch nerven

Von den Fahrerassistenzsystemen gefällt mir nur ein Bruchteil, denn das bevormundende Gepiepe von sensiblen Sensoren und Assistenten kann auf Dauer auch ganz schön nerven. Selbst wenn man weiß, dass einem das Fahrzeug nur das Beste will, denkt man doch oft: „Lass mich einfach nur fahren, ich weiß was ich tue!“

Alle Instrumente und Bedienelemente sitzen da, wo man sie erwartet. Die Übersichtlichkeit der Instrumente ist vorbildlich. Nur das Lenkrad wurde mit Knöpfchen etwas überladen. Quelle: Sebastian Schaal

Alle Instrumente und Bedienelemente sitzen da, wo man sie erwartet. Die Übersichtlichkeit der Instrumente ist vorbildlich. Nur das Lenkrad wurde mit Knöpfchen etwas überladen.

(Foto: Sebastian Schaal)

Zwei Beispiele: Der Golf Variant fährt 20 Kilometer Autobahn im Berufsverkehr. Plötzlich, und ohne erkennbare Veränderung von Fahrverhalten oder Verkehrsfluss, melden sich die Abstandsensoren, die auch dem Parkpilot dienen: „Bitte Fahrweg überprüfen“, heißt es im Display. Die gleiche Meldung kommt stets nach längerer Tempofahrt vor der ersten Ampel, an der man stoppt.

In solchen Momenten fühle ich mich als Autofahrer vom Vehikel nicht nur bevormundet und genervt. Wenn ich solche Systeme gekauft hätte, wäre da auch das unschöne Gefühl für einen semischlauen Automaten bezahlt zu haben, dem ich das richtige Verhalten erst beibringen muss. Oder ihn gleich abschalte.

Sportlich fährt er gerne und gut

Für zwei Assistenten gilt das nicht: Der aktiv bremsende Auffahrwarner ist ein unverzichtbares Sicherheitsmerkmal, und die aktive Spurhaltung funktioniert einwandfrei. Böse Zungen würden behaupten: So hat man endlich mal die Hände frei für all die vielen Knöpfchen, mit denen das ansonsten wunderbar griffige Lenkrad überladen wurde.

Mal abgesehen davon, dass ich Verkehrszeichen lieber selber lese, und das Fahrzeug manuell in kleinere Parkbuchten hinein bekomme als der Autopilot, sind viele Systeme im Golf Variant Generation VII auch bewundernswert ausgereift: Mir gefällt die Navigation, und ich finde es toll, dass die Buttons im Touchscreen schon auf Annäherung reagieren und sich ein- und ausblenden. Auch auf die Rückfahrkamera möchte man nicht verzichten.

Wenn vier Erwachsene drin sitzen, ist der Variant voll. Auf dem mittleren Platz hinten wird es intimer, als man mag. Quelle: Sebastian Schaal

Wenn vier Erwachsene drin sitzen, ist der Variant voll. Auf dem mittleren Platz hinten wird es intimer, als man mag.

(Foto: Sebastian Schaal)

Sehr gute Noten gibt es für die perfekt einstellbaren Vordersitze, und die wertig-sportliche Anmutung der schwarzen Lederinnenausstattung: Fast hat man das Gefühl, im GTI zu sitzen. Das Fahrwerk zeigt die ganze Reife der Entwicklung, die mittlerweile sieben Golf-Generationen mit sich gebracht haben. Wer gerne dynamisch fährt, wird positiv überrascht sein, wie gutmütig-neutral und sicher sich der Kombi manövrieren lässt.

Nicht ganz überzeugt hat mich der Eco-Modus. Laut offizieller Norm soll der Golf Variant als 2.0 TDI Bluemotion mit 4,5 Liter Diesel auskommen. Ich hatte Alltagsverbräuche über fünf Liter erwartet, landete in der Endabrechnung aber bei 6,5 Liter. Andererseits bin ich sicher, dass reifere Fahrer diesen Kombi deutlich sparsamer bewegen können. Mir hat er einfach im Dynamik-Modus und per Lenkrad-Paddles geschaltet am meisten Spaß gemacht.

Der Variant ist übersichtlich, und als 2-Liter-Turbodiesel sowohl agil als auch sparsam. Und das ausgereifte Fahrwerkt beherrscht Komfort wie auch Sport. Quelle: Sebastian Schaal

Der Variant ist übersichtlich, und als 2-Liter-Turbodiesel sowohl agil als auch sparsam. Und das ausgereifte Fahrwerkt beherrscht Komfort wie auch Sport.

(Foto: Sebastian Schaal)

Fazit: Dieser Variant ist der nette Nachbar, den die ganze Straße einfach mögen muss. Unspektakulär, zuverlässig, wertkonservativ. Vieles, vielleicht sogar ein bisschen zu viel, am neuen Golf Variant ist Premium. Das verfehlt seine Wirkung nicht, dieser Kombi macht einen stilvollen, ausgereiften Eindruck. Er vermittelt außer Nutzwert auch Fahrvergnügen von komfortabel bis sportlich auf hohem Niveau.

Aber der Variant lässt beim Preis doch mittlerweile die Nähe zum Volk vermissen. Doch wie hat es der einstige VW-Chef Bernd Pischetsrieder mal ausgedrückt? „Alle Preise sind Marktpreise.“ Und der Markt, also wir Kunden, zahlen ja. Zugute halten muss man dem Wolfsburger, das beim Wertverlust auch mehr übrig bleibt, als bei der Konkurrenz.

Restwertprognosen im Vergleich von Bähr & Fess Forecasts:

MarkeModellPSNeupreisRestwert 2018Wertverlust
VWGolf Variant Comfortline TDI15027.600 €55,5% / 15.318 €12.282 €
FordFocus Turnier Trend 2.0 TDCi14025.820 €51,5% / 13.297 €12.523 €
SkodaOctavia Combi Ambition 2.0 TDI15025.650 €48% / 12.311 €13.338 €
OpelInsignia Sports Tourer 2.0 CDTI12026.845 €48% / 12.886 €13.959 €
Hyundaii40 cw 1.7 CRDi11625.340 €46,5% / 11.783 €13.557 €
VWPassat Variant10528.450 €51,5% / 14.652 €13.798 €
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2 Kommentare zu "VW Golf Variant im Handelsblatt-Test: Der Nette von nebenan"

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  • @Zork:
    Nicht gewusst? Ihre Informationen sind veraltet. Der Vorgänger kam aus Mexiko, der aktuelle Variant kommt aus Zwickau.

  • Schon gewußt?
    Golf Variant - Made in Mexico

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