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Kässbohrer Pistenbully 600 E+ Warum die Hybrid-Schneekatze keinen Akku braucht

Skifahrern und Snowboardern sind sie vertraut, die roten Pistenbullys, die allabendlich die Hänge präparieren. Von Kässbohrer gibt es inzwischen aber auch eine (nicht nur farblich) grüne Alternative.
  • Michael Gebhardt
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  • Spotpress
Gut 25 Liter Diesel pro Stunde verbrennt eine Schneekatze im Durchschnitt - der 600 E+ kommt mit weniger aus Quelle: Michael Gebhardt/SP-X
Gut 25 Liter Diesel pro Stunde verbrennt eine Schneekatze im Durchschnitt - der 600 E+ kommt mit weniger aus

Unter dem hohen Fahrerhaus steckt ein knapp 13 Liter großer Sechszylinder-Dieselmotor von Mercedes, der nichts anderes macht, als – mit 400 PS und 1.900 Newtonmetern – Hydraulikpumpen in Bewegung zu setzen.

Der Winter ist da, und in den Bergen bevölkern wieder Skifahrer und Snowboarder die Hänge. Damit die Alpinisten beste Bedingungen vorfinden, rücken Abend für Abend ganze Horden von Pistenraupen aus um die Abfahrten für den nächsten Tag zu präparieren. Die Männer-Spielzeuge auf zwei Ketten sind allerdings alles andere als umweltfreundlich: Gut 25 Liter Diesel pro Stunde verbrennt eine Schneekatze im Durchschnitt, und pro Saison läuft so ein Pistenbully durchaus an die 1.000 Stunden. Das muss sich ändern, dachte sich Kässbohrer und entwickelte eine Hybrid-Pistenraupe.

„Schon 1997 haben wir den ersten Prototypen in den Schnee geschickt“, erzählt Kässbohrers Chef-Entwickler Michael Kuhn. Bis zur Serienreife dauerte es allerdings eine ganze Weile. Erst 2012 konnte der gut 360.000 Euro teure Pistenbully 600 E+, der sich allein der grünen Lackierung wegen von seinen üblicherweise roten Brüdern unterscheidet, in Kundenhand übergeben werden. „Eher konnten uns die Zulieferer einfach nicht mit den passenden Bauteilen versorgen“, so Kuhn. Damit sind vor allem die starken Elektromotoren und -generatoren gemeint, die trotz der üppigen Dimensionen einer Pistenraupe auf recht engem Platz zwischen den Ketten untergebrachte werden müssen und auch bei tiefen Minusgraden nicht zicken dürfen.

Die vielen Knöpfe und Schalter braucht es vor allem für die Bedienung von Schneefräse und -pflug Quelle: Michael Gebhardt/SP-X
Blick auf den Arbeitsplatz des Schneekatzen-Piloten

Die vielen Knöpfe und Schalter braucht es vor allem für die Bedienung von Schneefräse und -pflug

Um zu verstehen, warum der elektrifizierte E+ bis zu 20 Prozent weniger Diesel verbraucht und entsprechend weniger CO2 ausstößt, muss man wissen, wie eine herkömmliche Pistenraupe funktioniert: Unter dem hohen Fahrerhaus steckt ein knapp 13 Liter großer Sechszylinder-Dieselmotor von Mercedes, der nichts anderes macht, als – mit 400 PS und 1.900 Newtonmetern – Hydraulikpumpen in Bewegung zu setzen.

Der erzeugte Öldruck wiederum bewegt Hydraulikmotoren, die schließlich auf die Antriebsräder an den beiden Ketten wirken. Im E+ steckt zwar immer noch das gleiche Diesel-Triebwerk, allerdings wirkt der Selbstzünder nicht mehr auf Hydraulikpumpen sondern auf zwei je 140 Kilowatt starke Generatoren. Der dadurch erzeugte Strom fließt – durch orange-farbene Kabel statt Ölleitungen – zu den Fahrrädern der Ketten, wo nun Elektromotoren den Platz der Hydraulikantriebe eingenommen haben.

Immer wenn der 600 E+ bergab fährt arbeiten die Motoren an den Ketten als Generatoren Quelle: Michael Gebhardt/SP-X
Mehr neun Tonnen wiegt der 5,50 Meter breite Pistenbully

Immer wenn der 600 E+ bergab fährt arbeiten die Motoren an den Ketten als Generatoren

Die Umstellung von Öl auf Elektronen allein bringt allerdings noch keine große Ersparnis. Die eigentliche Verbrauchsreduzierung erfolgt wie bei Toyota Prius und Konsorten erst durch die Rekuperation. Immer wenn der 600 E+ bergab fährt arbeiten die Motoren an den Ketten als Generatoren und gewinnen Energie zurück.

Bleibt nur die Frage, wie man diesen Strom speichert? Wer schon mal sein Smartphone bei Minusgraden benutzt hat, weiß, dass Kälte den Akkus nicht gelegen kommt. „Wir brauchen aber gar keinen Akku“, betont Kuhn stolz lächelnd: „Den Strom verbrauchen wir sofort wieder!“

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1 Kommentar zu "Kässbohrer Pistenbully 600 E+: Warum die Hybrid-Schneekatze keinen Akku braucht"

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