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Lexus RX 450h-Test Extrovertiert, aber ganz zahm

Einerseits ist das Hybrid-SUV Lexus RX 450h eine Alternative zu den Diesel-Dickschiffen der Premium-Konkurrenz. Andererseits muss man bereit sein, einige Kompromisse einzugehen – welche das sind.
  • Hanne Schweitzer
  • Spotpress
Alles in allem ist der RX 450h aber eine echte Alternative zu den Diesel-SUV anderer Premium-Hersteller Quelle: Lexus
Lexus RX 450h

Eine echte Alternative zu den Diesel-SUV anderer Premium-Hersteller?

Auf den ersten Blick ist der Lexus RX 450h nichts für den Standard-SUV-Käufer. Mal davon abgesehen, dass dieser meist nicht mindestens 58.900 Euro investiert, passen die expressive Optik mit dem riesigen Kühlergrill und der Hybridantrieb nicht zum Massengeschmack, der den Typ „Bulliges Diesel-SUV“ bevorzugt. Doch sitzt man erst einmal drin, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, dass sich nicht auch weniger Extrovertierte mit dem Kauf dieses SUV beschäftigen.

Denn das größte SUV der Toyota-Nobelmarke macht im Alltagstest vieles richtig. So empfängt es seine Insassen mit großzügigem und aufgeräumt-edlem Innenraum. Schon in der Basisausstattung sind woanders aufpreispflichtige Komfort-Extras wie schlüssellose Türöffnung und Motorstart, elektrische Sitzverstellung für den Fahrer mit Memory-Funktion (inkl. Außenspiegel und Lenkrad) oder das für mehr Bequemlichkeit beim Ein- und Aussteigen automatisch zurückfahrende Multifunktionslenkrad an Bord.

Die zweithöchste Ausstattung F-Sport, in der der Testwagen angeliefert wurde, ist mit Lederinterieur, Ziernähten, Details in matter Metall-Optik und ein paar hochglänzenden Oberflächen so geschmackvoll eingerichtet, dass man sich fast in einem Fahrzeug mit Stern wähnen könnte. Besonders leise Fensterheber, bequeme Sessel und satt ins Schloss fallende Türen sorgen zusätzlich für Premium-Ambiente.

Prägendes Element ist der auf der Mittelkonsole thronende, extrabreite Bildschirm (12,3 Zoll), der mit einer Art Mauszeiger zwischen den Sitzen bedient wird. Hat man sich daran gewöhnt, ist die Bedienung einigermaßen simpel. Auch weil man den Widerstand, auf den der Mauszeiger reagiert, verstellen kann.

Das größte SUV der Toyota-Nobelmarke macht im Alltagstest vieles richtig. So empfängt es seine Insassen mit großzügigem und aufgeräumt-edlem Innenraum Quelle: Lexus
Das größte SUV der Toyota-Nobelmarke macht im Alltagstest vieles richtig.

So empfängt es seine Insassen mit großzügigem und aufgeräumt-edlem Innenraum

Die Menüführung lässt allerdings zu wünschen übrig, sie ist schlicht zu kompliziert. Und auch die Sprachsteuerung war im Test oftmals mehr Plage als Hilfe. Einige Navigationsziele verstand sie entweder gar nicht oder erst nach mehreren Anläufen. Und selbst der vermeintlich einfache Befehl „zurück“ ließ die Dame aus dem Lautsprecher vielfach nachfragen „wie bitte?“.

In Sachen Assistenzsysteme ist der Lexus zum Großteil auf dem neusten Stand, zum Beispiel mit dem serienmäßigen Fußgänger-Notbremsassistenten oder der praktischen 360-Grad-Kamera (im Paket 3.300 Euro), die das Navigieren des recht unübersichtlichen 4,89-Meter-SUV extrem vereinfacht. Allerdings hält der Spurhalteassistent das Fahrzeug beispielsweise nicht so souverän zwischen den Linien, wie es mittlerweile andere Autos dieser Klasse können.

Auf der Rückbank kommen trotz der hübsch zum Heck hin abfallenden Dachlinie auch Erwachsene luftig unter. Einzig der Platz hinter der (auf Wunsch elektrisch per Handbewegung zu öffnenden) Heckklappe hinkt mit 539 Litern dem Wettbewerb (BMW X5, Mercedes GLE) etwas hinterher. Maximal passen 1.612 Liter hinein, dazwischen sind durch die serienmäßig im Verhältnis 40:20:40 teilbare Rückbank verschiedenste Ladezustände möglich.

Auch in Sachen Antrieb schmeichelt sich der RX beim Fahrer ein: Indem er ihn möglichst gar nicht mit seiner Andersartigkeit konfrontiert. Deshalb sei sie hier festgehalten: Der V6-Beziner mit 193 kW/262 PS wird von einem E-Motor vorn (123 kW/167 PS) und einem hinten (50 kW/68 PS) unterstützt, letzterer realisiert auch den Allradantrieb.  Mit seinem fast unmerklichen Wechsel zwischen den Antriebsarten merkt man dem Hybrid-SUV die mittlerweile jahrzehntelange Erfahrung des Toyota-Konzerns mit Hybridantrieb an. Je nachdem, welcher Fahrmodus (Normal, Eco, Sport) eingestellt ist, übernimmt die  Elektronik die Abstimmung.

Auf der Rückbank kommen trotz der hübsch zum Heck hin abfallenden Dachlinie auch Erwachsene luftig unter Quelle: Lexus
Blick auf die Rückbank

Hier kommen trotz der hübsch zum Heck hin abfallenden Dachlinie auch Erwachsene luftig unter

Natürlich kann man sich die Echtzeit-Abbildung der Kraftverteilung auf den Multifunktionsbildschirm holen. Und sehen, dass beim Anfahren kurzzeitig alle vier Räder von den zwei Elektromotoren-Motoren angetrieben werden, bei höheren Geschwindigkeiten V6-Benziner und vorderer E-Motor zusammen am Vortrieb arbeiten und beim Gaswegnehmen beide E-Maschinen als Generator fungieren und Strom in die Batterie einspeisen.

Man kann aber auch leise losrollen und erst beim Erlöschen der „EV“-Leuchte feststellen, dass nun der Verbrenner übernommen hat – hören kann man den Unterschied kaum, so vornehm hält sich der V6 zurück. Bis er gefordert wird, dann legt sich der Benziner mit der dem stufenlosen Getriebe geschuldeten hohen Drehzahl auch akustisch ins Zeug.

. In dem komfortablen Gleiter fühlt man sich auch auf längeren Autobahn-Strecken sehr gut aufgehoben, allein die Lenkung dürfte etwas mehr Rückmeldung vermitteln Quelle: Lexus
. In dem komfortablen Gleiter fühlt man sich auch auf längeren Autobahn-Strecken sehr gut aufgehoben

Aber die Lenkung dürfte etwas mehr Rückmeldung vermitteln

Doch anders als bei anderen Toyota-Hybriden mit CVT-Getriebe passt hier der souveräne, im Sport-Modus sogar spontane Vortrieb mit insgesamt 313 PS Systemleistung zur angenehmen Geräuschkulisse. In dem komfortablen Gleiter fühlt man sich auch auf längeren Autobahn-Strecken sehr gut aufgehoben, allein die Lenkung dürfte etwas mehr Rückmeldung vermitteln. Mehr Spielzeug als sinnvolles Extra sind die Lenkradpaddel, mit denen man quasi Schaltstufen simulieren kann.

Nicht wirklich günstig

Dass die als Normverbrauch angegebenen 5,2 Liter utopisch sind, dürfte jedem klar sein. Im Alltag verbrauchten wir im Mittel 8,5 Liter Super, für ein Zwei-Tonnen-SUV okay, aber im Hinblick auf den Hybrid-Vorteil kein Spitzenwert. Luft ist dabei sowohl nach oben als auch nach unten: Natürlich spielt die Teil-Elektrisierung ihren Vorteil im Stadtverkehr aus, mit viel rein elektrisch gefahrenen Kilometern und Stop-and-Go zum Rekuperieren kommt man unter acht Liter. Mit Vollgas auf der Autobahn (Vmax: 200 km/h) schnellt der Wert Richtung Zweistelligkeit.

Alles in allem ist der RX 450h aber eine echte Alternative zu den Diesel-SUV anderer Premium-Hersteller. Genauso hat ihn Lexus auch eingepreist: Mit 58.900 Euro liegt der Japaner etwas unter den gleich starken oder schwächeren Selbstzünder-Varianten von BMW X5, Mercedes GLE und Co. Erst recht teurer sind die Plug-in-Hybride, also die extern per Stecker aufladbaren, die nun allenthalben die großen SUV antreiben.

Will man mehr als die Basisvariante, kommt man aber auch bei Lexus nicht wirklich günstig davon. Die von uns getestete Version F-Sport steht für mindesten 76.350 Euro in der Preisliste, hat dann aber unter anderem auch Extras wie Navi, adaptives Fahrwerk oder Parkassistenten an Bord.

Genauso hat ihn Lexus auch eingepreist: Mit 58.900 Euro liegt der Japaner etwas unter den gleich starken oder schwächeren Selbstzünder-Varianten von BMW X5, Mercedes GLE und Co Quelle: Lexus
Geschickt eingepreist:

Mit 58.900 Euro liegt der Japaner etwas unter den gleich starken oder schwächeren Selbstzünder-Varianten von BMW X5, Mercedes GLE und Co

Technische Daten:
Länge: 4,89 Meter, Breite: 1,90 Meter, Höhe: 1,69 Meter, Radstand: 2,79 Meter, Kofferraumvolumen: 539 bis 1612 Liter. Motor: 3,5-Liter-Sechszylinder-Benziner, 193 kW/262 PS, maximales Drehmoment: 335 Nm bei 4.600 U/min, E-Maschine vorn: 123 kW/167 PS, max. Drehmoment 335 Nm, E-Maschine hinten: 50 kW/68 PS, max. Drehmoment 139 Nm, Systemleistung: 230 kW/ 313 PS, 0-100 km/h: 7,7 s, Vmax: 200 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,2 Liter, CO2-Ausstoß: 120 g/km, Testverbrauch: 8,5 Liter, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A+. Preis: ab 58.900 Euro.

Kurzcharakteristik:
Warum? Weil man kein Diesel-SUV fahren, aber trotzdem Sprit sparen möchte
Warum nicht? Weil man einen extern aufladbaren Plug-in-Hybrid bevorzugt
Was sonst? BMW X5, Audi Q7, Mercedes GLE, VW Touareg, Porsche Cayenne

Mit Lederinterieur, Ziernähten, Details in matter Metall-Optik und ein paar hochglänzenden Oberflächen ist der Wagen geschmackvoll eingerichtet Quelle: Lexus
Die zweithöchste Ausstattung heißt F-Sport

Mit Lederinterieur, Ziernähten, Details in matter Metall-Optik und ein paar hochglänzenden Oberflächen ist der Wagen geschmackvoll eingerichtet

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