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Neuer BMW 520d Segeln und knausern auf hohem Niveau

Der neue, besonders sparsame Dieselmotor von BMW wird zuerst in der Fünfer-Reihe eingesetzt. Mit einem Verbrauch von 4,3 Litern/100 km setzt der 190 PS starke 520d einen Bestwert der umkämpften oberen Business-Mittelklasse.
  • Peter Maahn
2 Kommentare
  • Spotpress
Der 520d kostet glatte 42.600 Euro, der um 40 PS schwächere 518d liegt mit 40.100 Euro knapp über der magischen Grenze. (Hier: 518d) Quelle: BMW

Der 520d kostet glatte 42.600 Euro, der um 40 PS schwächere 518d liegt mit 40.100 Euro knapp über der magischen Grenze. (Hier: 518d)

Ein wenig erinnert der BMW-Konzern an den Münchner Nachbarn FC Bayern. Erfolgsverwöhnt, fast unbesiegbar, sehr selbstbewusst. Das Beispiel 5er-Reihe zeigt es. Der Klassiker fährt in der Champions League ganz oben mit und zeigt seinen üblichen Rivalen Mercedes E-Klasse oder Audi A 6 in der oberen Mittelklasse die Rücklichter. Beim  aktuellen Modell, das Mitte letzten Jahres aufgefrischt und seitdem schon wieder 251.000 Mal verkauft wurde, stimmen Optik und Technik. Da verwundert es, dass unter der Haube immer noch Luft für Neues ist.

Frei nach dem Motto, „wenn´s am schönsten ist, soll man nachlegen" bringt BMW jetzt ein neues Einstiegsmodell, das vor allem den ohnehin schon dominanten Verkauf an Firmenkunden steigern soll, aber die Privatmenschen nicht aus den Augen verliert. Im  sogenannten Flottengeschäft zählt jeder Cent, jeder Tropfen des wertvollen Sprits.

Und wenn es um die Tankrechnung geht, sehen sich die Münchner mit ihrem neuen Diesel-Triebwerk im 520d an der Spitze der Knauserer:  Gerade mal 4,3 Liter genehmigt sich die immerhin 190 PS starke, ab 42.600 Euro erhältliche Limousine nach der derzeit gültigen EU-Norm. „Ein neuer Bestwert im Premium-Segment der oberen Mittelklasse", verkündet Peter Wolf, der die großen Baureihen bei den Münchnern verantwortet. Den CO2-Ausstoß von 109 Gramm pro Kilometer unterbietet damit natürlich derzeit ebenfalls kein Konkurrent in dieser Klasse.

Beim aktuellen 5er, der Mitte letzten Jahres aufgefrischt und seitdem schon wieder 251.000 Mal verkauft wurde, stimmen Optik und Technik.  Quelle: BMW

Beim aktuellen 5er, der Mitte letzten Jahres aufgefrischt und seitdem schon wieder 251.000 Mal verkauft wurde, stimmen Optik und Technik.

Ein ganz normaler Kunde interessiert sich für das Innenleben eines Motors gemeinhin nur am Rande, also lohnt vor der ersten Ausfahrt ein Ausflug in die Welt der Technik. „Keine Weiterentwicklung, sondern ein völlig neu entwickeltes Triebwerk“, sagt Peter Wolf. Zwei Liter Hubraum, vier Zylinder und zwei Turbolader bilden die heutzutage gewohnte Basis.

Aber dann ist von Aluminium-Kurbelgehäusen mit verminderten Reibwerten die Rede, vom auf 2.000 bar erhöhten Maximaldruck der Einspritzung oder von einer spontaneren Reaktion des Start-Stopp-Systems. Ein ganz besonderer Clou kommt zur Wirkung, wenn neben der 2.250 Euro teuren Achtgang-Automatik auch noch das aufwendige Navigationssystem (3.000 Euro) eingebaut ist. Dann „liest" die Elektronik das Streckenprofil der gewählten Route und erkennt so, ob es gleich bergab geht oder bald eine Steigung droht.

Der Bordrechner gibt die Infos an die Automatik weiter, die dann rechtzeitig unter ihren acht Gängen den gerade passendsten heraussucht. Sie schaltet zum Beispiel genau zum richtigen Zeitpunkt hoch, wenn es gilt, eine Steigung zu erklimmen. So kann der Motor länger in spritsparenden niedrigen Drehzahlen verbleiben als man es ihm nach Gehör oder Erfahrung zutrauen würde.

„Selbst wenn der Fahrer rechtzeitig erkennt, dass es gleich über eine Anhöhe geht, kann er von Hand nie so schnell und präzise reagieren wie die mit dem Navi vernetzte Automatik“, erklärt Christian Hiemesch, Projektleiter für die Dieselmotoren im 5er. Das gilt auch bei der Annäherung an einen Kreisverkehr oder auf Landstraßen an die nächste Biegung.

Zudem arbeitet das System noch mit dem Tempomaten zusammen, mit dem eine vorher gewählte Geschwindigkeit gehalten wird. Da auch der neue Basis-BMW die beim Bremsen entstehende Energie „auffängt“ und in die Batterie weiterleitet, ergibt sich als Summe der Ingenieurskunst eben dieser Traumwert für ein so großes Auto. Der Spar-Fünfer beherrscht auch das „Segeln“, bei dem der Motor in den Freilauf versetzt und vom Getriebe abgekoppelt wird.

Vor allem aber sitzt man in einem echten Fünfer mit all dem Komfort, der Technik, dem feinen Ambiente und dem Gefühl an sicherer Überlegenheit. Quelle: BMW

Man sitzt in einem echten Fünfer: Mit Komfort, Technik, feinem Ambiente und dem Gefühl sicherer Überlegenheit.

Bei aller prallen Technik und wohl Tausenden an Ingenieursstunden schafft es der 520d trotz erfolgter Herzverpflanzung nicht, die praxisfremde EU-Norm auch nur annähernd zu erreichen. Das gilt selbst dann, wenn der Eco-Plus-Modus gewählt wurde, der immer wieder dazu ermahnt, den Gasfuß zu erleichtern.

Nach der zwar gelassenen, aber nicht übertrieben verbummelten Testfahrt auf Landstraße und Autobahn meldete der Bordcomputer einen Wert von 7,8 Litern auf 100 Kilometer. Zugegeben: Bei extremer Sparfahrt im Windschatten von dicken Trucks und Tempo 80 auf der Autobahn wäre vielleicht noch ein weiterer Liter Ersparnis möglich gewesen. Aber wer fährt schon so, dass ihm eine Erwähnung im Verkehrsfunk als rollendes Hindernis droht.

Ein ganz normaler Kunde interessiert sich für das Innenleben eines Motors gemeinhin nur am Rande, also lohnt vor der ersten Ausfahrt ein Ausflug in die Welt der Technik.  Quelle: BMW

Der Spar-Fünfer beherrscht auch das „Segeln“, bei dem der Motor in den Freilauf versetzt und vom Getriebe abgekoppelt wird.

BMW muss sich nicht grämen: Niemand schafft die Norm im richtigen Leben. Das bergige, kurvige Voralpenland und der Prüfstand im Testlabor haben wenig miteinander gemein. Aber: Der Alltagsverbrauch des 520d ist niedriger als unter gleichen Bedingungen bei der Konkurrenz, das Ziel einen effizienten und dennoch dynamischen Motor zu konstruieren, wurde mit Bravour erreicht. Obendrein ist das Triebwerk ein Muster an Laufruhe, meldet sich nur im Sport-Mode mit wohligem Brummen, weil die Automatik dann die Gänge ohne Rücksicht auf die Zapfsäule ausreizt.

Was Sie schon immer über Diesel wissen wollten
Der Erste: Mercedes 260D
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Die ersten Autos mit Dieselmotor kamen im Jahr 1936 auf den Markt. Von Turboladern oder Einspritzung war damals noch lange nicht die Rede. Der 2,6 Liter große Vierzylinder im Mercedes 260D leistete 45 PS, der nur 1,9 Liter große Selbstzünder im Hanomag Rekord brachte es auf 35 Pferdestärken.

(Foto: PR)
Der erste Direkteinspritzer: Fiat Croma
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Audi hat den TDI erfunden? Falsch! Fiat brachte nach enger Zusammenarbeit mit dem konzerneigenen Elektronik-Spezialisten Magneti Marelli den Direkteinspritzer im Jahr 1988 noch vor Audi zur Serienreife. Das zwei Liter große Triebwerk leistete 92 PS und stemmte 200 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Doch aus Angst vor Kinderkrankheiten bei der neuen und aufwändigen Technik brachte Fiat den Croma TD i.d. vorerst nur in Italien auf den Markt. So wurde das Feld Audi überlassen, die sich wenig später Marketing-wirksam als Pionier der Diesel-Direkteinspritzer feiern lassen konnte – was sich bis heute vor allem in das deutsche Gedächtnis gebrannt hat.

(Foto: PR)
Der Kleinste: Smart fortwo cdi
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Der Dreizylinder-Diesel im alten Smart Fortwo zählt mit seinen 799 Kubikzentimetern Hubraum bis heute zu den kleinsten Dieselmotoren, die es in die Großserie geschafft haben. Je nach Jahrgang leistet der ab 2003 eingesetzte Selbstzünder zwischen 41 und 54 PS. Noch vor Bauende der zweiten Generation des Fortwo war der Diesel allerdings aus dem Angebot gefallen, die im Juli 2014 vorgestellte dritte Generation muss ohne Selbstzünder auskommen.

(Foto: PR)
Der stärkste Dreizylinder: Mini Cooper D
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In der neuen Generation des Mini wurden die kleinen Vierzylinder-Motoren, die bislang aus der Kooperation mit dem PSA-Konzern stammten, aussortiert. Deren Stelle nahmen eigens entwickelte Dreizylinder ein, die auch im kommenden 1er BMW eingesetzt werden.

Im Mini Cooper D bringt es der 1,5 Liter große Drilling mit Twin-Turbo-Aufladung auf 116 PS bei einem Normverbrauch von 3,6 Litern. Der Motor ist im Mini One D auch mit 95 PS erhältlich.

(Foto: PR)
Der stärkste Vierzylinder: VW Passat 2.0 TDI Biturbo
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In der aktuellen Generation des Passat ist auch der stärkste Diesel-Vierzylinder wieder im Angebot. Dank zweier Turbolader können die VW-Ingenieure bis zu 240 PS aus dem 2-Liter-Triebwerk quetschen – und bis zu 500 Newtonmeter.

Möglich macht das der ungewöhnlich hohe Druck: Die zwei Turbos pressen die Luft mit bis zu 3,8 bar in die Brennräume, die Einspritzanlage schickt den Kraftstoff mit 2.500 bar hinterher, um dann mit einem Druck von rund 200 bar zu verbrennen. Deshalb musste der Motor besonders stark gebaut werden.

(Foto: PR)
Der stärkste Sechszylinder: BMW M 550d
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Wenn sich die hauseigene Performance-Schmiede M GmbH um einen Dieselmotor kümmert, kann bei BMW nur ein extremes Werk dabei herauskommen. Aus drei Litern Hubraum holen die BMW-Edeltechniker 381 PS. Möglich werden solche Werte nur durch eine ungewöhnliche Technik: An dem Selbstzünder arbeiten insgesamt drei unterschiedlich große Turbolader, um nicht nur das Turboloch zu füllen, sondern über das gesamte Drehzahlband eine hohe Leistung bereitzustellen.

(Foto: PR)
Der stärkste Sechszylinder, Teil 2: Audi RS5 TDI concept
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Sollte Audi dieses Konzept-Auto zur Serienreife bringen, würde es dem BMW Tri-Turbo den Titel als stärkster Sechszylinder abnehmen – und zugleich den Diesel-V8 von Audi (4,2 Liter Hubraum, 385 PS) überflüssig machen. Der 3-Liter-V6 im RS5 TDI concept kommt wie sein großer V8-Bruder auf 385 PS, dürfte aber deutlich weniger verbrauchen.

Mit genauen Zahlen hält sich Audi allerdings noch zurück. Statt auf drei Turbolader setzen die Ingolstädter auf den Elektro-Boost. Allerdings nicht an den Rädern, sondern am Turbolader: Ähnlich wie bei den neuen Formel-1-Turbos hilft ein kleiner Elektromotor den Turbo mit bis zu 72.000 Umdrehungen auf die Sprünge.

(Foto: PR)

Vor allem aber sitzt man in einem echten Fünfer mit all dem Komfort, der Technik, dem feinen Ambiente und dem Gefühl an sicherer Überlegenheit, einem 4,90 Meter langen Fünfsitzer, der im täglichen Betrieb nicht mehr verbraucht als vor nicht allzu langer Zeit ein Kleinwagen.

Und der sicher auch seinen stolzen Preis wert ist: Der 520d kostet glatte 42.600 Euro, der um 40 PS schwächere 518d liegt mit 40.100 Euro knapp über der magischen Grenze. Rechnet man Automatik, Navigation und nur wenige der vielen Extras, Verschönerungsverlockungen oder Assistenzsysteme aus der Aufpreisliste dazu, kommen leicht noch einmal 15.000 Euro zusammen.

Wer den neuen Spar-Motor mit weniger finanziellem Aufwand erleben will, muss daher noch etwas Geduld haben, bis er auch in den Dreier und Einser eingebaut wird.

Mit einem Verbrauch von 4,3 Litern/100 km setzt der 190 PS starke 520d einen Bestwert der umkämpften oberen Business-Mittelklasse. (Hier: 518d links und 520d) Quelle: BMW

Mit einem Verbrauch von 4,3 Litern/100 km setzt der 190 PS starke 520d einen Bestwert der umkämpften oberen Business-Mittelklasse. (Hier: 518d links und 520d)

Technische Daten
Viertürige, fünfsitzige Limousine, Länge: 4,90 Meter, Breite: 1,86 Meter, Höhe: 1,64 Meter, Kofferraumvolumen: 520 Liter.
Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, 140 kW/190 PS, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 1.750 - 2.500 U/min, Vmax: 236 km/h, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 7,9 Sek., Normverbrauch: 4,3 l/100 km (mit Automatik), CO2-Ausstoß: 109 g/km, Abgasnorm: EU 6
Preis: ab 42.600 Euro (Allradversion X-Drive: 47.400 inkl. Automatik)

Kurzcharakteristik:
Alternative zu: Mercedes E-Klasse und Audi A 6
Sieht gut aus: ein Konservativer mit Pfiff
Passt zu: Reisenden Vertretern mit Langstreckenhunger und Familienväter
Wann kommt er: im Herbst
Was kommt noch: weitere Modelle mit den neuen Motoren

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2 Kommentare zu "Neuer BMW 520d: Segeln und knausern auf hohem Niveau"

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  • BMW baut sicher sparsame Autos, trotzdem fällt in den Tests immer wieder auf, daß gerade bei BMW die tatsächlichen Verbrauchswerte sich von den angegebenen Verbräuchen doch weit unterscheiden. Wieso BMW diese niedrigen Verbrauchswerte angeben kann, vermag ich nicht zu sagen, jedenfalls sind die Verbrauchswerte bei AUDI und Mercedes wesentlich realistischer und ehrlicher.
    Ansonsten zeigt auch dieser BMW mit einem Grundpreis von 42.000 + 15.000 EURO für wichtigste Extras daß man vor dem Sparen erst mal richtig investieren muß. Daher ist speziell auch bei BMW der Anteil an Firmenkunden sehr hoch und der Anteil an Privatkunden relativ niedrig.

  • 7,2 Liter Verbrauch. Das kann ich mit meinem C250 CDI T Modell mit 204 PS locker unterbieten. Vor allem fahre ich nicht als Spassbremse durchs Land.