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Premiumklasse Gentleman ohne echtes Sportwagen-Feeling – der BMW M850i xDrive im Test

Das Oberklasse-Coupé der Münchener ist eine Schönheit und sehr komfortabel. Doch leider fehlt dem Nachfolgemodell mitunter die Leichtigkeit.
  • Peter Eck
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  • Spotpress
Ein bäriger 4,4-Liter-V8-Motor mit 390 kW/530 PS Leistung trifft auf eine aufmerksame Achtgang-Automatik  Quelle: BMW
Genug Power

Ein bäriger 4,4-Liter-V8-Motor mit 390 kW/530 PS Leistung trifft auf eine aufmerksame Achtgang-Automatik.

Köln Wenn es um ein Sportcoupé geht, sollte der Antrieb ja eigentlich im Mittelpunkt stehen. Wir müssen hier aber unbedingt mit der Optik beginnen, weil uns unter den vielen gelungenen BMW-Designs das des M850i derzeit am besten gefällt. Warum dies einer besonderen Erwähnung wert ist? Nun, weil beim Betrachten der langen Motorhaube, der breiten Schultern, der prägnanten Niere und der wunderbaren, geschwungenen Dachlinie vor allem deutlich wird, was dem 6er als Vorgänger so gefehlt hat: Ausstrahlung, Präsenz, Souveränität.

Der Innenraum ist fein gestaltet, sauber verarbeitet und – wie bei unserem Testwagen – mit einigen schönen Optionen. Beispiel Bedienelemente: Hier wird gegen Aufpreis etwa der Start-Stopp-Knopf, der Lautstärkeregler und besonders schön – weil mit einen beleuchteten „8“ verziert – der Gangwahlhebel mit diamantgeschliffenem Glas geliefert.

Damit ist dann auch der Ton für den 850i gesetzt, der mehr Gentlemen-Coupé als rasender Roland ist und der trotz all seiner Kraft eher für schnell-entspanntes Gleiten als für wilde Kurvenhatz steht. Ein Reisemobil der allerhöchsten Ausprägung eben, auch wenn mit „Reisen“ immer die Fahrt zu zweit gemeint sein muss. Denn das hintere Gestühl kann man wohl als „In-allerhöchster-Not-Sitze“ bezeichnen, hier werden nur derart kleine Menschen Platz finden, die eigentlich noch in die Baby-Trageschale gehören.

Also besser gleich die Rücklehnen umklappen und zwei zusätzliche Koffer mit Cocktail- und Abendkleidern einpacken. Die passen auf jeden Fall besser zum Fahrzeug als Wanderklamotten. Nehmen wir also in den komfortablen Sportsitzen (kein Widerspruch!) Platz und kommen zum Wesentlichen. Also zum Antrieb.

Die Basisingredienzien stimmen: Ein bäriger 4,4-Liter-V8-Motor mit 390 kW/530 PS Leistung und fast schon erschreckenden 750 Newtonmeter Drehmoment – die bereits bei 1800 Umdrehungen erreicht sind – trifft auf eine aufmerksame Achtgang-Automatik. Hier beweist BMW einmal mehr besondere Expertise, denn sowohl in Sachen Schaltschnelligkeit wie auch Gangspreizung passt das Getriebe perfekt. Die Fahrleistungen werden dabei zur Nebensache, auch wenn 3,7 Sekunden für den Standardspurt schon ein Wort sind. Dass bei Tempo 250 vernünftigerweise abgeregelt wird, sei hier nur am Rande erwähnt.

Es fehlt an Leichtigkeit

Qualifiziert sich dieser BMW, immerhin mit Allradantrieb, damit zu einem Sportwagen oder zumindest zum hochalpinen Kurvenräuber? Die Antwort lautet (leider): weder noch. Als Sportwagen fehlt es dem M850i an Leichtigkeit im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn. Der V8-Motor lastet schwer auf der Vorderachse und trägt seinen Teil zum beachtlichen Leergewicht von 1965 Kilo bei. Da fällt es dem Bayern natürlich schwer, so unmittelbar mit seinem Fahrer zu kommunizieren, wie es etwa ein ähnlich leistungsstarker, aber auch 400 Kilogramm leichterer Porsche 911 Turbo kann.

Ob das ein Nachteil ist, muss der Fahrer bzw. der Käufer selbst entscheiden – es hängt letztlich von der Erwartungshaltung ab. Der BMW ist eben kein Sportwagen, sondern ein sehr, sehr sportlicher GT. Wer ihn richtig bewegt, spürt und genießt die jederzeit abrufbaren Reserven aus dem schier unendlichen Drehmomentreservoir und die souveräne Traktion des Allraders.

Der Innenraum ist fein gestaltet, sauber verarbeitet und auf Wunsch mit einigen schönen Optionen versehen Quelle: BMW
Schön gewählt

Der Innenraum ist fein gestaltet, sauber verarbeitet und auf Wunsch mit einigen schönen Optionen versehen.

Damit lässt es sich ungeahnt entspannt reisen, und bei Bedarf ist auch mal ein Lkw auf der Landstraße in gefühlten Zehntelsekunden überholt. Da man aber auch als 850i-Besitzer kaum ständig im Urlaubsmodus unterwegs ist, wird man den hohen Grundkomfort des Fahrzeugs kaum überschätzen.

Wobei es der Fahrer natürlich auch darauf anlegen kann: Wer in den Sport-Plus-Modus wechselt, erlebt mehr Agilität, eine schnellere Gasannahme und mehr Sound. Aber irgendwie passt das Fahrzeug dann nicht mehr zum souveränen Gentlemen-Driver, sondern wird schon zum Poser-Car.

Der 850er kann natürlich nie aus seiner Haut. Das Gewicht schiebt das Fahrzeug in Kurven über die Vorderachse, hinzu kommt die Breite des Fahrzeugs, die fehlende Übersichtlichkeit, der große Wendekreis und die für ein solches Fahrzeug etwas zu wenig Rückmeldung gebende Lenkung, die ein echtes Sportwagen-Feeling verhindern.

Der V8-Motor lastet schwer auf der Vorderachse und trägt seinen Teil zum beachtlichen Leergewicht von 1.965 Kilo bei Quelle: BMW
Schwerer geraten

Der V8-Motor lastet schwer auf der Vorderachse und trägt seinen Teil zum beachtlichen Leergewicht von 1965 Kilo bei.

Abgerundet 125.000 Euro ruft BMW auf, unser Testwagen näherte sich eher der 150.000er-Grenze. Über die Preise deutscher Premium-Hersteller kann man sich immer aufregen, aber bei diesem Fahrzeug muss man einfach sagen: Kauf es, oder lass es bleiben. Wer hier anfängt, statt PS die Penunzen zu zählen, denkt einfach über das falsche Fahrzeug nach. Der neue 3er ist übrigens auch ganz nett geworden.

Technische Daten

Zweitüriger, viersitziger Sportwagen, Länge: 4,85 Meter, Breite: 1,90 Meter, Höhe: 1,35 Meter, Radstand: 2,82 Meter, Kofferraumvolumen: 420 Liter

4,4-Liter-V8 mit Turboaufladung, 390 kW/530 PS bei 5500 bis 6000 U/min, maximales Drehmoment: 750 Nm bei 1800 bis 4600 U/min, Allradantrieb, Achtgang-Automatik, 0-100 km/h: 3,7 s, Vmax: 250 km/h, Normverbrauch: 9,8 l/100 km, CO2-Ausstoß: 224 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-temp, Emissionsklasse: E, Testverbrauch: 12,6 l/100 km Preis: ab 125.700 Euro

Als Sportwagen fehlt es dem M850i an Leichtigkeit im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn Quelle: BMW
Gewichtsprobleme

Als Sportwagen fehlt es dem M850i an Leichtigkeit im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn.

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