Rassiger Renn-Italiener - „Es kann losgehen“, haucht eine rassige Frauenstimme Maserati Gransport: Nur bedingt dienstwagentauglich

Credit-Suisse-Chef Michael Rüdiger testet den Maserati Gransport. Der Wagen ist zu forsch für den Bank-Alltag.
  • Chistoph Hus
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Mit einer freudigen Bewegung wirft sich Michael Rüdiger den grauen Schal über die rechte Schulter und geht mit schnellen Schritten auf den silbernen Maserati Gransport zu – nur der dunkle Mantel segelt in den Kofferraum. Geschmeidig lässt sich der Bankmanager in den Fahrersitz fallen.

Nach dem Startknopf braucht der Vorstandschef der deutschen Tochter von Credit Suisse nicht lange zu suchen. Er leuchtet tiefblau mitten auf dem Armaturenbrett. Rüdiger drückt, und der Sportwagen erwacht mit einem sonoren Grummeln zum Leben. Der Bankier will noch mehr: Prompt schaltet er auch noch die Sport-Funktion ein.

Jetzt grollt der Gransport schon im Stand und vibriert, als ließe er sich kaum noch bändigen. Rüdiger gibt Gas und lenkt den rassigen Renn-Italiener an der Frankfurter Messe vorbei auf die Autobahn.

Der Maserati Gransport, den Rüdiger heute für das Weekend Journal des Handelsblatts testet, ist das neueste Modell der italienischen Schwestermarke von Ferrari. Der große verchromte Kühlergrill soll an die Maserati-Sportwagen der fünfziger und sechziger Jahre erinnern. Unter der Motorhaube stecken 400 PS mit modernster Technik.

Ab Tempo 100 wird das Grummeln der Maschine merklich lauter. Als Rüdiger in eine Lücke auf der linken Spur sprintet, schaut eine ältere Dame im Mercedes nebenan erschrocken aus dem Seitenfenster. Jetzt kommen dem Bankier erste Zweifel: „Vielleicht hat der Wagen ein etwas zu forsches Auftreten, um damit zu einem Kunden zu fahren“, grübelt er. Die Credit Suisse bietet in Deutschland in 13 großen Städten Privatkunden ihre Hilfe an. Doch viele der Vermögenden wollen ihren Reichtum lieber nicht zur Schau stellen.

Die gleiche Zurückhaltung erwarten sie von ihren Finanzberatern. Nicht nur der Klang des Motors, auch die Innenausstattung des Sportwagens erscheint etwas zu schrill, um bankiertauglich zu sein – ein silbrig glänzender Kunstfaserstoff ziert Sitze und Frontverkleidung. „Die Traditionsfahrzeuge von Maserati hatten dagegen ein sehr angenehmes Understatement“, erinnert sich der Bankmanager.

Kurz hinter der Autobahnausfahrt im Taunus scheucht Rüdiger den Gransport eine Serpentinenstraße zum Feldberg hoch. Mit jeder der engen Kurven wird die Schneedecke am Straßenrand dicker.

Auf einer kurzen Geraden tritt der Bankier aufs Gas, um einen Golf zu überholen. Die Räder rutschen kurz, dann greift die Elektronik ein. Der Motor brüllt, als der Maserati an seinem Hindernis vorbeischießt. „Der Klang ist wie gemacht für temperamentvolles Fahren“, freut sich Rüdiger.

Über der Spitze des Feldbergs hängt dichter Nebel. Der Manager wendet. Auf dem Weg zurück ins Tal erzählt er vom Geschäft. Im vergangenen Jahr hat sich Credit Suisse mit einem neuartigen Produkt hervorgetan. Die Bank ermöglicht es ihren Kunden, sich als stille Teilhaber an noch nicht börsennotierten Unternehmen zu beteiligen.

Doch die Stimme des Navigationssystems, das er auf der Bergkuppe eingeschaltet hatte, reißt den Bankmanager aus seinen Geschäftsgedanken. „Es kann losgehen“, haucht eine rassige Frauenstimme mit mehrdeutigem Unterton. „Das ist wohl für allein fahrende Männer gemacht“, amüsiert sich Rüdiger und dreht der Dame prompt wieder den Ton ab. Die nüchterne Frauenstimme im Audi A8, den Rüdiger bei der Arbeit fährt, gefällt ihm besser.

Nur am Wochenende verzichtet er gern einmal auf diese Technik. Dann erkundet er mit seinem Jaguar Cabrio oder dem BMW-Motorrad seine Heimat Oberbayern und die Schweiz.

Auf der A5 zurück nach Frankfurt herrscht nur wenig Verkehr. Rüdiger setzt den Blinker links und tritt hart aufs Gaspedal. Die Automatik schaltet herunter und katapultiert den Gransport auf die Überholspur. Die Nadel klettert bis Tempo 240, dann versperrt ein VW Polo den Weg, und Rüdiger bremst sanft ab. Als er später vor der Deutschland-Zentrale von Credit Suisse einparkt, drehen sich zwei Anzugträger auf dem Gehweg nach dem Maserati um und recken die Hälse. Der Gransport ist eben kein Bankiersauto – jedenfalls nicht unter der Woche.

Das Auto:
Modell: Maserati Gransport
Motor: 4,2 l V8 mit 295 kW (400 PS)Maße:

Länge 4,52 m
Höhe 1,29 m
Breite 1,82 m
Geschwindigkeit: 290 km/h
Drehmoment: 452 nm bei 4 500 U/min
Leergewicht: 1 580 kg
Verbrauch: 18,6 l
Grundpreis: 103 600 Euro

Der Fahrer: Name:
Michael Rüdiger
Position: Vorsitzender des Vorstandes der Credit Suisse (Deutschland) AG
Alter: 40 Jahre
Erstes Auto: VW Golf
Aktuelles Auto: Audi A8
Fahrstil: „Zügiges Gleiten“
Traumauto: Maserati 4 000 GTI Sebring, Baujahr 1967/68
Hobbys: Literatur, Motorradfahren, Skilaufen

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