Takata-Airbags Daimler ruft 840.000 Fahrzeuge zurück

Das Airbag-Debakel des japanischen Zulieferers Takata hat Daimler mit größerer Wucht als bislang bekannt erfasst. Die Stuttgarter rufen in den USA Hunderttausende Pkw und Vans zurück – vorsorglich, wie sie betonen.
Der Autobauer lässt Tausende von Fahrzeugen wegen Takata-Airbags zurück holen. Quelle: ap
Daimler

Der Autobauer lässt Tausende von Fahrzeugen wegen Takata-Airbags zurück holen.

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StuttgartDaimler ist stark von der jüngsten Ausweitung des Debakels um defekte Airbags des japanischen Zulieferers Takata in den USA betroffen. Der deutsche Autobauer teilte am Dienstag mit, 705.000 Mercedes-Benz Pkw und und rund 136.000 Daimler Vans vorsorglich in die Werkstätten zu beordern. Das entspricht mehr als dem Doppelten des letzten US-Jahresabsatzes der Stuttgarter. Die US-Verkehrsaufsicht hatte Daimler zuvor darüber informiert, dass der Behörde mögliche Defekte gemeldet worden seien.

Mit den Airbags von Takata gibt es in der Auto-Industrie schon seit Jahren große Probleme. Sie können wegen technischer Mängel unvermittelt auslösen und so eine regelrechte Explosion verursachen, bei der Teile der Verkleidung durch den Innenraum des Fahrzeugs geschleudert werden. US-Ermittler gehen von mindestens zehn Todesfällen im Zusammenhang damit aus.

Daimler teilte am Dienstag außerdem mit, Rückstellungen für den Rückruf gebildet zu haben, die das Konzernergebnis 2015 um 340 Millionen auf 8,7 Milliarden Euro schmälern.

Bislang gilt BMW als der am stärksten von den Takata-Mängeln betroffene deutsche Hersteller. Ende Januar hatte die US-Verkehrsbehörde jedoch eine Ausweitung des landesweiten Rückrufs um fünf Millionen weitere Autos angekündigt. Es seien in den USA nun insgesamt mehr als 24 Millionen Fahrzeuge betroffen. Die NHTSA hatte im Oktober erklärt, die Probleme ballten sich bei den fünf Autobauern Fiat Chrysler, Ford, Mazda, Honda und BMW, auf die 14 Millionen der Wagen entfielen. Der größte Teil betrifft Honda.

Bei Daimler war bereits bekannt, dass einige Laster der Marke Daimler Trucks North America betroffen sind. Die jüngste Ausweitung des Rückrufs betrifft auch die VW-Tochter Audi. Allerdings gibt es bislang weder von der NHTSA noch vom Unternehmen konkrete Angaben zum Ausmaß. Ein VW-Sprecher sagte am 24. Januar auf Nachfrage, welche Fahrzeuge des Konzerns betroffen seien, müsse intern ermittelt werden.

Volkswagen habe den von der NHTSA angeordneten Rückruf aller Takata-Fahrerairbags vom Typ SDI und PSDI auf dem US-Markt „zur Kenntnis“ genommen: „Volkswagen wird die Auswirkungen dieser Entscheidung für den US-Markt und andere Märkte sorgfältig bewerten und kooperativ mit der NHTSA und anderen Behörden zusammenarbeiten.“

46 Millionen Autos mussten in die Werkstatt
Während die technischen Probleme bei General-Motors-Fahrzeugen 2015 nachließen, rückten andere Hersteller nach.
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Als zweites Negativrekordjahr in Folge geht 2015 in punkto Rückrufe in die Historie des Automobils ein. Denn nach Berechnungen des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach wurden im Jahr 2015 allein auf den Referenzmarkt USA über 45,8 Millionen Pkw wegen Sicherheitsproblemen zurückgerufen.

In der Statistik des CAM rufen Honda, Fiat-Chrysler und Toyota die meisten Fahrzeuge zurück; aber auch Tesla und deutsche Hersteller sind betroffen ...

Takata-Airbag in einem Chrylser-Pkw
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Nach Herstellern weisen die höchsten Rückrufquoten die japanischen Hersteller Mitsubishi (826%), Mazda (755%) und Honda (676%) sowie der zu FCA (Fiat Chrysler Automotive) gehörender Hersteller Chrysler (345%) auf.

Bei der Rückrufmenge belegen Honda, Chrysler und Toyota, die zwischen 10,7 und 6,7 Millionen Pkw. in die Werkstäten beordern, die Negativ-Spitzenplätze.

Chrysler kommt wie im Vorjahr auch 2015 nicht zur Ruhe und muss wiederum rund 8 Millionen Fahrzeuge zurückrufen:
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Während 5 Millionen ebenfalls Airbagmängeln geschuldet sind, mussten allein 1,4 Millionen in die Werkstatt, um die Fahrzeuge vor dem unerlaubten Zugriff von Hackern zu schützen.

Ausgelöster Airbag in einem 2001er Honda-Modell
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Die Rückrufe von Mitsubishi betreffen zu über zwei Dritteln Airbagdefekte, während bei Mazda daneben auch Zündschlussmängel von Fahrzeugen aus den 1990er Baujahren für mehr als die Hälfte der Rückrufe verantwortlich sind.

Honda leidet besonders unter dem Airbag-Desaster des Zulieferers Takata, wodurch auch in 2015 mehr als zehn Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten beordert werden mussten.

Blick auf das Lenkrad eines Toyota "Yaris" mit einem darunter befindlichen Airbag
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Toyota lag mit einer Rückrufquote von 271% zwar im Mittelfeld eines Negativrekordjahres musste jedoch wiederum rund 6,8 Millionen Pkw allein in den USA zurückrufen. Zwar spielten auch hier zu zwei Dritteln Rückrufe aufgrund mangelhafter Takata-Airbags eine Hauptrolle. Allerdings mussten auch 1,8 Millionen Fahrzeuge aufgrund von Elektrikmängeln in die Werkstatt.

KFZ-Servicetechniker mit einem Auslesegerät
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Bei den amerikanischen Herstellern Ford und GM mussten rund fünf bzw. vier Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurück. Bei Ford verteilten sich mit einer Rückrufquote von 192 Prozent die Mängel zu einem Drittel auf Insassenschutzthemen sowie auf Probleme wie undichte Kraftstoffleitungen bzw. -tanks und Fahrwerks- bzw. Karosseriedefekte.

Fahrgastzelle eines GM-Fahrzeugs als Beweisstück in einem Gerichtssaal in New York.
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Nach dem Zündschlossskandal mit Rekordrückrufen von 27 Millionen in 2014 erreichte General Motors in 2015 „nur“ auf eine Rückrufquote von 133 Prozent und liegt damit im oberen Drittel.

Obwohl die Airbags des Zulieferers seit über zehn Jahren Probleme machen, ist die genaue Ursache noch immer nicht abschließend geklärt. Takata vertritt den Standpunkt, die Unfälle stünden im Zusammenhang mit besonders heißem und feuchtem Klima. Den Einsatz des Treibstoffs Ammoniumnitrat, der als Auslöser im Verdacht steht, hat das Unternehmen größtenteils gestoppt. Takata hat von der NHTSA bereits Millionenstrafen aufgebrummt bekommen, Top-Manager des Konzerns wurden vom Kongress ins Kreuzverhör genommen.

  • dpa
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