Umweltfreundliche Antriebe Das sind die Alternativen zum Elektroauto

In Zeiten von Fahrverboten wollen sich viele Autofahrer vom Verbrenner verabschieden. Doch es muss nicht unbedingt ein Elektroauto sein.
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„Ersatz für jetzige Treibstoffe" – Das ist die neue Hoffnung der Autobauer

„Ersatz für jetzige Treibstoffe" – Das ist die neue Hoffnung der Autobauer

DüsseldorfWenn es um umweltfreundliche Alternativen zu Benzin- und Dieselautos geht, kommt man am elektrischen Antrieb nicht vorbei. Und E-Autos werden in der Tat immer beliebter. Allein im vergangenen Jahr hat sich die Anzahl der neu zugelassenen Stromer laut Kraftfahrtbundesamt verdoppelt, auf mehr nun als 68.000 in ganz Deutschland.

Bis überall Elektroautos fahren, wird es wohl aber noch ein paar Jahre dauern. Währenddessen lohnt es sich, ein Auge auf Alternativen zu werfen. Darüber hinaus stehen neue Antriebe in den Startlöchern für den Serieneinsatz.

Flüssiggas

In einigen Ländern haben LPG-Autos bereits einen nennenswerten Anteil an den Neuzulassungen. Quelle: Reuters
LPG auf dem Vormarsch

In einigen Ländern haben LPG-Autos bereits einen nennenswerten Anteil an den Neuzulassungen.

(Foto: Reuters)

Während das Vertrauen in den Dieselmotor sinkt und Diskussionen um Stickoxide und Feinstaub viele Autofahrer verunsichern, wird schnell eine Alternative übersehen, die schon längst auf dem Markt ist: Gas.

Gut 450.000 Fahrzeuge sind auf Deutschlands Straßen bereits mit LPG (Liquefied Petroleum Gas), auch Flüssiggas genannt, unterwegs. Es verbrennt umweltfreundlicher als Benzin oder Diesel und kostet weniger. Shell hat die Chancen für Gasfahrzeuge in einer Studie analysiert.

Im günstigsten Szenario könnte der Bestand im Jahr 2040 auf rund sechs Millionen angewachsen sein, darunter 1,7 Millionen LPG-Autos. Insgesamt hätten Gasautos dann einen Anteil von etwa 15 Prozent am Pkw-Gesamtbestand. Derzeit existieren rund 6700 Zapfsäulen in Deutschland, was bedeutet, dass mehr als jede zweite Tankstelle LPG anbietet.

Außerdem können auch Benzinautos auf das umweltschonendere Autogas umgestellt werden. Die Umrüstungskosten betragen laut dem deutschen Verband für Flüssiggas je nach Fahrzeugtyp zwischen 1.800 und 2.700 Euro. Anders als das Elektroauto, das bei 100 Prozent grünem Strom komplett CO2-neutral unterwegs wäre, kann LPG dieses Ziel allerdings nie erreichen. Autogas besteht aus einem Gemisch aus Propan und Butan. Es ist ein Abfallprodukt der Ölindustrie.

Ein weiteres Manko: Die Auswahl an Neufahrzeugen mit LPG-Antrieb ist sehr begrenzt. Es sind hauptsächlich Ford, Opel und die Renault-Tochter Dacia, die Autogas-Modelle in ihrem Portfolio haben. Volkswagen konzentriert sich mittlerweile lieber auf Erdgas.

Erdgas

CNG spielt in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle bei den Zulassungen. Quelle: dpa
Erdgas-Tankstelle

CNG spielt in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle bei den Zulassungen.

(Foto: dpa)

Erdgas, auch CNG (Compressed Natural Gas) genannt, ist zwar auch ein Nebenprodukt der Erdölproduktion, dafür fällt der CO2-Vorteil mit 15 Prozent hier aber etwas stärker aus als beim Autogasantrieb. Laut Kraftfahrt-Bundesamt stiegen die Zulassungen von Erdgasautos im ersten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahr um 430 Prozent. Erdgasmodelle bekannter Hersteller wie der VW Polo TGI und Golf TGI sind aktuell ausverkauft. Die Nachfrage liegt über den Erwartungen.

Aktuell gibt es in Deutschland rund 860 Erdgas-Tankstellen. Das Industriekonsortium CNG-Mobilität will die Zahl allerdings auf 2000 Stationen bis zum Jahr 2025 ausbauen. Volkswagen zumindest hofft, dass die Diskussion um den Dieselantrieb die Erdgasalternative künftig wieder attraktiver machen wird: Seine Fahrzeugflotte will der Wolfsburger Konzern in den nächsten sieben Jahren auf eine Millionen CNG-Autos verzehnfachen.

Dieses Jahr wird sich zeigen, ob der Erdgas-Antrieb mit neuen Modellen aus seiner Nische herausfahren kann. Lediglich 77.000 zugelassene Fahrzeuge zählt das Kraftfahrt-Bundesamt bislang. Außerdem sind Erdgasautos zur Zeit oft noch teurer als ihre jeweiligen Benzinversionen.

Hybrid

Nicht nur bei Volkswagen setzt man mittlerweile vermehrt auf den Hybridantrieb. Quelle: dpa
Doppelherz unter der Haube

Nicht nur bei Volkswagen setzt man mittlerweile vermehrt auf den Hybridantrieb.

(Foto: dpa)

Im Gegensatz zu erdgasbetriebenen Autos findet der Hybrid-Fahrzeug, also eine Mischung aus Elektroantrieb und Verbrennungsmotor, mittlerweile eine breite Fangemeinde in der deutschen Bevölkerung. Über 240.000 der verbrauchsfreundlichen Fahrzeuge finden sich hierzulande.

Das Prinzip des Hybridantriebs besteht darin, dass sich zwei Antriebskonzepte ergänzen. Der Verbrennungsmotor wird dabei nur eingesetzt, wenn er einen hohen Wirkungsgrad erzielt. Ansonsten wird ein Elektromotor genutzt. Ist der Verbrennungsmotor in Betrieb, lädt er dabei zugleich die Batterie für den E-Motor auf.

Bei einem Plugin-Hybrid kann die Batterie auch separat über das Stromnetz aufgeladen werden. Ist die Batterie leer, wird sie während der Fahrt über den Benzin- oder Dieselantrieb wieder aufgeladen. Bei Hybridantrieben sind unterschiedliche Kombinationen möglich, so zum Beispiel auch Gas-/Benzin-Antriebe. Am häufigsten sind heute jedoch Hybridantriebe mit Benzin/Diesel- und Elektroantrieb.

Brennstoffzelle

Hybrid, Erdgas und Co.: Das sind die Alternativen zum Elektroauto Quelle: AP
Wasser aus dem Auspuff

Der Toyota Mirai ist eines der ersten serienreifen Wasserstoff-Fahrzeuge.

(Foto: AP)

Die sagenumwobene Brennstoffzelle – lange gehypt, aber den Durchbruch hat sie bis heute nicht geschafft. Obwohl es eigentlich das alltagstauglichere Elektroauto ist, kommt die Technik bisher nicht aus den Startlöchern.

Während herkömmliche E-Autos ihren Strom in schweren Akkus speichern, die verhältnismäßig lange aufgeladen werden müssen, haben Brennstoffzellen-Fahrzeuge ihr eigenes kleines Stromkraftwerk immer dabei und können innerhalb Minuten auftanken. Deshalb gelten sie als Zukunftsmodell.

Bei der sogenannten kalten Verbrennung, der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff in der Brennstoffzelle, entsteht neben dem Strom für den Antrieb als Abfallprodukt statt schädlicher Abgase lediglich Wasserdampf. Wird der dafür benötigte Wasserstoff allerdings auch hier wieder als Nebenprodukt der Erdölraffinerien eingekauft und nicht mithilfe von Elektrolyse hergestellt, ist die Umweltbilanz auch nicht mehr so einwandfrei.

Es gibt aber mittlerweile Projekte, die „grünen Wasserstoff“ herstellen. Dafür wird Wasser mit dem Strom überschüssiger Windkraft in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff gespalten. Der Wasserstoff wird dann direkt an die Tankstellen weiter verkauft.

Trotzdem: Brennstoffzellenbetriebene Autos sind noch sehr teuer und rar gesät. Der Toyota Mirai zum Beispiel kostet etwa 72.000 Euro.

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