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V2X-Standard Wie Autos künftig mit ihrer Umgebung kommunizieren sollen

Autos sollen ihre Daten künftig austauschen. Nach dem Willen der EU sollen sie dafür WLAN, nicht 5G nutzen. Unter Herstellern ist das umstritten.
  • Mario Hommen
1 Kommentar
  • Spotpress
V2X: Wie Autos künftig mit ihrer Umgebung kommunizieren sollen Quelle: Volkswagen
VW setzt auf die WLAN-basierte C2X-Technik

Autos sollen künftig miteinander Daten austauschen.

KölnBis 2050 - so der Plan - sollen in den EU-Ländern möglichst keine Menschen mehr im Straßenverkehr getötet werden. Derzeit fordert die Mobilität der EU28-Staaten jährlich noch gut 25.000 Menschenleben. Als wichtiger Schlüssel zur Reduzierung der Verkehrstoten gilt die Fähigkeit von Fahrzeugen, in Zukunft untereinander sowie mit der Infrastruktur kommunizieren zu können.

Das derzeit vieldiskutierte 5G-Netz könnte dafür die entsprechende Basis bilden, doch das EU-Parlament hat kurz vor Ostern für eine WLAN-basierte Lösung votiert, was unter anderem einigen deutschen Autoherstellern und der Telekom missfällt.

Eigentlich sehen die Pläne der EU eine Halbierung bei der Zahl der Verkehrstoten zwischen 2010 und 2020 vor. Dazu wird es wohl nicht mehr kommen, denn bis einschließlich 2018 lag der Rückgang bei lediglich 21 Prozent. Als mittelfristiges Ziel hat sich die EU-Kommission zwischen 2020 und 2030 eine nochmalige Halbierung der Zahl gesetzt.

Um vielleicht noch halbwegs in die Nähe dieser ehrgeizigen Vorgabe zu kommen, müssen möglichst schnell Voraussetzungen geschaffen werden, die Vernetzung von Fahrzeugen voranzutreiben. Auf ein Gesetz zur Einführung kooperativer intelligenter Verkehrssysteme im Straßenverkehr (C-ITS) einigte sich die EU bereits 2010. Jetzt soll rasch die Technik offiziell auf die Straße kommen.

Der 5G-basierte Kommunikationsstandard, Cellular-V2X genannt, bietet diese Möglichkeit mittelfristig jedenfalls nicht, denn zum Beispiel in Deutschland ist noch nicht einmal die Versteigerung der 5G-Lizenzen abgeschlossen. Bis zum Aufbau einer flächendeckenden Versorgung des künftigen Mobilfunkstandards, der die Übertragungsrate von 4G um gut das Hundertfache übertrifft, werden also noch einige Jahre ins Land gehen. Darauf zu warten, kann sich die EU nicht leisten.

Eine WLAN-Lösung, genauer gesagt der Standard ITS-G5, kann deutlich schneller und mit breiterer Verfügbarkeit umgesetzt werden. Zumal auch die Kosten dieser Technik geringer als für eine 5G-Lösung sind. Darüber hinaus haben sich auch einige wichtige Autohersteller entschlossen, auf diese Lösung setzen. Dazu gehören Schwergewichte wie Toyota, Renault oder VW.

BMW und Mercedes präferieren einen anderen Standard

Noch für dieses Jahr hat der deutsche Marktführer angekündigt, die WLAN-basierte C2X-Technik in einem ersten Modell zur Standardausstattung zu machen. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um den Golf – ein Auto, das allein in Deutschland pro Jahr fast eine Viertelmillion Käufer findet. Entsprechend schnell dürfte dann die Sprachgemeinschaft wachsen. Tatsächlich ist die Technik fertig, erste Funktionen ohne weiteren Aufwand serienreif. Nun muss nur noch einer starten.

Dass der Branchenprimus dabei gute Voraussetzungen hat, ist klar. Dass die Nummer zwei der Branche, Toyota, in Japan den Kommunikations-Standard ebenfalls vorantreibt, hilft zusätzlich. Grundlage für das öffentliche WLAN (pWLAN) ist der auch von daheim bekannte Standard, nur angepasst auf die Anforderungen im Straßenverkehr.

Autos mit passendem Chip und dazugehöriger Sendeeinheit können spontan Netzwerke untereinander oder mit Infrastrukturbauwerken wie Ampeln bilden, sogenannte Ad-hoc-Verbindungen. Ein zwischengeschalteter Zentralserver oder eine Cloud sind dabei nicht nötig. Die Reichweite der Signale beträgt 800 Meter, die Übertragung funktioniert selbst bei einer Relativgeschwindigkeit von über 500 km/h. So können theoretisch sogar zwei Fahrzeuge mit je 250 km/h auf zwei entgegengesetzten Autobahnspuren noch Informationen austauschen, was in naher Zukunft Jahren helfen könnte, Unfälle zu vermeiden.

Autohersteller wie BMW und Mercedes sowie die Deutsche Telekom favorisieren hingegen die Mobilfunklösung C-V2X auf Basis eines künftigen 5G-Netzes. Sie kritisieren unter anderem, dass WLAN bereits in wenigen Jahren veraltet sein könnte. Es geht dabei auch um die Frage der Kompatibilität mit anderen Automärkten. China setzt zum Beispiel kompromisslos auf C-V2X-Technik, die nach dem Willen der Regierung flächendeckend zur Verfügung stehen und zur Mitte des kommenden Jahrzehnts zur Standardausstattung von Neuwagen zählen soll.

Alle Akteure im Autogeschäft müssen sich also auch mit C-V2X auseinandersetzen. Einige von ihnen werden deshalb versuchen, die vom EU-Parlament gewünschte WLAN-Lösung mithilfe der Bundesregierung auszubremsen. Noch bis Mitte Mai können die EU-Verkehrsminister ein Veto gegen den kürzlich delegierten Rechtsakt der Kommission zur Einführung WLAN-basierter Kommunikationssysteme einlegen. Ob eine dafür nötige einfache Mehrheit zustande kommt, muss sich bis spätestens Mitte Juni zeigen.

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1 Kommentar zu "V2X-Standard: Wie Autos künftig mit ihrer Umgebung kommunizieren sollen"

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  • Es ist nicht richtig, dass bei der neuen C-V2X Technologie auf das 5G-Netzwerk zurückgegriffen wird auch wenn das über den Namen C-V2X (Cellular V2X) suggeriert werden soll. Vielmehr wird hier ähnlich wie im ausgereiften WLAN 11p-Standard über ein separates PC5 Sidelink Radio kommuniziert.

    Ich hoffe, dass die bereits vorliegende Technologie 11p bald eingeführt wird. Sie ist ausgereift, langjährig erprobt und nicht teurer als die neue C-V2X-Technologie, die ebenfalls ein zusätzliches Radio für den 6Ghz-Bereich benötigt.

    Das Problem ist nicht, dass in verschiedenen Regionen unterschiedliche Technologien verwendet werden. Das ist auch heute schon der Fall. Teuer wird es nur falls es dazu kommt, dass im selben Frequenzband verschiedene Technologien betrieben werden.